ZDF Online Interview
(ZDF, 24.01.1998)
   
Mit der ZDF-Serie "Girlfriends" wurde Mariele Millowitsch, Tochter des großen Willy, zum Star. Im Interview, das ZDF.online-Mitarbeiterin Melanie Contoli vor der 108. "Wetten dass..?"- Sendung in Bremen führte, sprach die Schauspielerin über ihre Karriere, ihre Heimatstadt Köln und ihr Verhältnis zum Karneval.

Frau Millowitsch, Sie gehören in Deutschland zu den beliebtesten Seriendarstellerinnen. Sind Sie trotz Ihrer Erfolge im Fernsehen tief im Innern immer noch ein Theaterkind?

Da bin ich mir gar nicht so sicher. Ich habe 1991 zum letzten Mal gespielt, das ist ja schon eine Weile her. Wahrscheinlich hätte ich jetzt sogar Berührungsängste. Allerdings: Neulich war ich mal wieder im Theater an der Wien, und als ich so durch die Kostümabteilung ging, kamen doch einige Erinnerungen hoch, und ich habe fast ein bißchen Herzklopfen bekommen.

Erst mit Ihrer Rolle in der ZDF-Serie "Girlfriends" sind Sie ein Star geworden. War Ihre Karriere als Schauspielerin bis dahin eine kontinuierliche Aufbauarbeit mit dem Ziel einer TV-Hauptrolle?
Ich hatte eigentlich nie ein Ziel, was die Richtung der Schauspielerei betrifft. Natürlich habe ich als Kind in der Badewanne schon einmal geübt, was ich sagen würde, wenn ich einen "Oscar" bekomme. Aber eigentlich haben sich meine Rollen mit der Zeit entwickelt, es fing klein an, und dann traute man mir immer mehr zu. dass "Girlfriends" für mich einen solchen Durchbruch bedeuten würde, damit hatte ich allerdings nicht gerechnet.

Sie beherrschen neben der Schauspielerei auch einige Fremdsprachen, Dialekte - und Sie singen...
Singen?! Ach so, Sie meinen den Rap, den ich mit den "Höhnern" aufgenommen habe. Naja, da habe ich halt zur Musik gesprochen. Aber haben Sie mich mal singen gehört? Das ist eine Katastrophe. Spaß beiseite: Natürlich kann ich singen, aber die Schauspielerei steht klar an erster Stelle.

Als "echtes Kölsches Mädche" leben Sie in Hamburg. Fühlen Sie sich an der Alster anders als am Rhein?
Hamburg ist wunderschön. Ich liebe die alten Häuser, die Spaziergänge. trotzdem bin ich auch noch sehr häufig in Köln, so dass ich eigentlich nichts vermisse. Freunde habe ich in beiden Städten, so fühle ich mich hier wie dort wohl.

Durch Ihre Fernsehkarriere sind Sie ein wenig aus der alten Theater-Tradition der Millowitsch-Familie ausgestiegen. Gelten Sie deswegen als Frau, die aus der Reihe tanzt?
Nein, bei uns macht eben jeder sein eigenes Ding. Es gibt den Willy, den Peter und die Mariele, und jeder geht seinen Weg. Deswegen fällt die ganze Tradition ja nicht auseinander, wir sind alle Schauspieler und tragen alle den gleichen Namen.

Sie haben Tiermedizin studiert und eine Ausbildung als Krankengymnastin angefangen. War es nicht damals schon klar, dass Sie ohnehin Schauspielerin werden würden?
Nein, überhaupt nicht. Ich wollte damals auf jeden Fall etwas anderes machen. Das hat natürlich bei meinen Eltern ganz schön für Irritationen gesorgt, als ich sagte, dass ich nicht nach Salzburg ins Mozarteum gehe, dass ich keine professionelle Schauspielausbildung absolvieren will. Damit hatte keiner gerechnet, weil ich ja schon von Kindesbeinen an auf der Bühne stand. Dann habe ich mein Studium begonnen, und erst im Laufe der Zeit habe ich mich gefragt, ob ich das wirklich will: eine Kleintierpraxis irgendwo in "Dröselhausen"...? Und dann habe ich mich wieder mehr auf die Schauspielerei konzentriert.

Gibt es für Sie eine Traumrolle, die Sie gerne spielen würden, zum Beispiel einmal den weiblichen Bösewicht?
Nein. Für mich ist nur wichtig, dass eine Figur Ecken und Kanten hat, dass sich die Leute für die Figur interessieren. Das kann durchaus mal jemand sein, der einfach nur eklig ist oder jemand, der komplett versagt. Man muss ja nicht immer die Heldenrolle spielen.

Frau Millowitsch, Karneval steht vor der Tür. Wo werden Sie die tollen Tage verbringen?
Ich muss beichten, dass ich nach fünf Jahren jetzt zum ersten Mal wieder in Köln feiern werde. Da gehe ich in die "Lachende Sporthalle", weil das für mich Tradition hat. Ansonsten bin ich eigentlich überhaupt kein so großer Karnevalsfan. Ich kann auch die neueren Liedtexte nicht, ich muss dann immer "lalala" singen. Aber das macht nichts, denn in meinem Kostüm erkennt mich sowieso kein Mensch.

© 1998 ZDF.Online