Lessings Passion - Kamenz, 29.01.00
 
Der folgende Bericht und auch die Fotos stammen von Anne aus Dresden, die am 29.01.00 bei der Lesung "Lessings Passion" in Kamenz dabei war und in der glücklichen Lage war, Walter nach der Lesung noch kennenzulernen.

Erstmal einiges zur Lesung selbst: Am Anfang standen ungefähr 10 Stühle auf der Bühne und in der Mitte saß Barbara Falter als Eva König auf einem Stuhl und ein Stück hinter ihr war eine Art Wandschirm aufgestellt. Barbara Falter stand dann auf und ging auf der Bühne nach hinten, als ob sie jemanden suche und da trat dann auch schon Walter als Lessing hinter dem Wandschirm hervor und sagte einen ziemlich langen Text, dessen Inhalt mir zwar entfallen ist, aber ich weiß noch genau, wie ich ihn bewundert habe, dass er den Text auswendig konnte. Im Verlauf seiner Erzählung schlug Walter einen Nagel in den Wandschirm und hängte dort seinen beigen Mantel und Pelz auf und hatte nun nur noch ein rotes Hemd und einen grauen Anzug an. Damit begann dann das gegenseitige Vorlesen der Briefe. Denn genauen Inhalt und die detailgetreue Wiedergabe dieses  Briefwechsel will aber wohl keiner von Euch haben und deshalb will ich nur kurz den Inhalt zusammenfassen.

In den Briefen schrieben sich beide von ihren alltäglichen Sorgen die sich zum Beispiel bei Eva König auf umständliche Kutschfahrten und den Verkauf der Fabriken ihres verstorbenen Mannes bezogen und bei Lessing das Warten auf den endgültigen Bescheid über seine berufliche Zukunft in Wolfenbüttel beinhalteten.
Es gab auch zahlreiche lustige Stellen im Stück, als Barbara Falter zum Beispiel einen Brief vorliest, in dem sich Eva König bei Lessing über ihr betrunkenes Mädchen aufregt und mit den Worten "...da ich ohne dem vor nichts in der Welt mehr Abscheu habe, als vor einem Betrunkenen..." sich zu Walter umdreht und er gerade sein Wasserglas, um zu trinken, passend dazu in der Hand hält. Ich glaube, wenn man das hier so liest, dann klingt das gar nicht so komisch, aber an die Stelle im Stück paßte es irgendwie genau rein.
Auch die Szene, wo Eva König und Lessing sich gegenseitig Briefe wegen ihrer bevorstehenden Hochzeit schreiben und Barbara Falter und Walter diese gleichzeitig vorlesen, so das man als Zuhörer nur einzelne Wortgruppen, wenn überhaupt, versteht, lockerte die Lesung ungemein auf. Oder wo beide sich über das gemeinsame Lottospielen und die dazu notwendigen Zahlen brieflich einigen...
Ich könnte wahrscheinlich noch etliche Szenen erwähnen und möchte nur noch sagen, dass mir persönlich die Stellen, wo Walter sich als Lessing über seine berufliche Situation in Wolfenbüttel aufregt und mal richtig laut wird am besten gefallen haben. Denn Walter in voller Aktion ist schon sehr sehenswert. Auf jeden Fall haben beide, Barbara Falter und Walter ihre Rollen wunderschön vorgetragen und es war deshalb ein Genuß den beiden zuzuhören. Dass nicht nur ich so dachte, merkte man spätestens zum Schlußapplaus.

Tja, und dann verschwanden Barbara Falter und Walter Sittler hinter der Bühne, der Saal leerte sich zusehends und ich stand da ganz verloren und hoffte irgendwie, dass ein Wunder geschehen würde und Walter noch mal nach vorne kommen würde, damit ich wenigstens ein Autogramm von ihm bekommen könnte. Doch nichts rührte sich. Als ein alter Herr, der Fotos fürs Kamenzer Archiv machen wollte, einfach so auf die Bühne und dann hinter den Seitenvorhang der Bühne, wo auch Barbara Falter und Walter abgegangen waren, verschwand, ermutigte mich meine Oma, die mit gekommen war, einfach hinterherzugehen.
Erst habe ich mich nicht so recht getraut, da es aber wirklich so aussah, als ob die beiden nicht mehr auf der Bühne auftauchen, bin ich dann doch auch in Richtung Seitenvorhang gegangen und plötzlich hörte ich Walters Stimme und schon stand er vor mir. Er streckt mir auch gleich die Hand entgegen und ich versuchte ihm klarzumachen, wer ich bin und das ich schon beim girl friends Fantreffen in Hamburg letzten Sommer war, am Geburtstagskettenbrief beteiligt gewesen war und mit zu den Leuten, die auf Susannes Fanpage immer mal wieder vorbeischauen, gehöre. Ich habe dann auch gleich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und gefragt, ob er auch unseren Brief vom Fantreffen erhalten hat, er bejahte die Frage und war überrascht, dass ich das nicht wußte und er Susanne nicht schon Bescheid gegeben hatte.

Dann wurde das Gespräch erst mal unterbrochen, weil Barbara Falter und Walter erst für den Fotografen fürs Kamenzer Archiv und dann noch für den Fotografen von der Sächsischen Zeitung posieren mussten. Für mich war das insoweit interessant, dass der Fotograf von der SZ noch einmal bestimmte Szenen aus dem Stück dargestellt haben wollte, so die Verlobungs- und Hochzeitsszene. Barbara Falter und Walter haben bei diesen Szenen immer in eine ganz bestimmte Richtung gesehen, das heißt also, dass es nicht irgendwie so war, dass sie sich angesehen haben oder nicht. Nein, die beiden hatten für jede Stelle im Stück eine bestimmte Blickrichtung und Körperhaltung. Das fand ich schon ziemlich erstaunlich, denn es war kein Theaterstück, sondern eine Lesung und ob ich mir bei einem Lesung von 1 ¾ Stunde merken könnte, an welcher Stelle ich wie und wo hinsehen muss, bezweifle ich. Aber ich bin ja auch kein Schauspieler.

Nach dem Fotografieren hat Walter mir dann mein gewünschtes Autogramm gegeben und sich sogar mit mir fotografieren lassen. Ich habe ihm dann noch erzählt wie toll ich den Film "Die Wüstenrose" fand und auch die schauspielerische Leistung seiner Tochter Jennifer, obwohl der Film etliche schlechte Kritiken erhalten hat und viele den Film kitschig fanden. Er hat mir darauf hin gesagt, dass Jennifer jetzt schon wieder ganz anders aussieht. Dann erwähnte er noch, dass er zur Zeit in Köln für "Nikola" vor der Kamera steht und nächstes Jahr im April die Dreharbeiten zu "girl friends" wieder beginnen.
Damit hat dann eigentlich auch mein Gespräch mit Walter geendet und ich weiß nur noch, dass Barbara Falter, Walter und die ganze Truppe danach noch in den Kamenzer Ratskeller essen gegangen sind und da uns die Kassiererin an der Abendkasse von dem Essen dort vorgeschwärmt hat, hoffe ich mal das es ihnen geschmeckt hat. Ich habe mich dann jedenfalls schnell auf den Heimweg gemacht.

Also ich kann Euch sagen, dass Walter in Natura noch viel besser aussieht, wirklich riesengroß ist, wahnsinnig nett ist, eine traumhafte Stimme hat, die im Fernsehen so gar nicht rüberkommt und grau gefärbte Haare hatte. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Ich vermute mal wegen seiner Rolle als Lessing hatte er sich die Haare gefärbt. Die Haare waren zwar nicht ganz grau, aber mir ist es schon von meinem Platz in der 3.Reihe aufgefallen und es war schon grauer als die Haarfarbe bei girl friends. Es stand ihm. Wie ihr merkt, bin ich ganz begeistert von meinem Treffen mit Walter und ich hoffe, dass Ihr alle mal die Möglichkeit bekommt, Walter zu treffen und sich so von seiner natürlichen und freundlichen Art persönlich überzeugen könnt. Falls Walter diesen Bericht lesen sollte, so möchte ich ihm recht herzlich dafür danken, dass er sich die Zeit für mich genommen hat und ich hoffentlich nicht allzu wirres Zeug gestammelt habe. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen ihm mal wieder zu begegnen. So das reicht jetzt aber und es war doch wohl nicht zu ausführlich?

Viele liebe Grüße von Anne aus Dresden

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