Als ich ein kleiner Junge war - Stuttgart, 13.10.05
 

Der folgender Text stammt von Katrin, die Walter bei dieser Kästner - Lesung "Als ich ein kleiner Junge war" zum ersten Mal live "erlebt" hat und nachher im Fanpage-Forum mit diesem Bericht davon erzählt hat.

Also ich kann Euch ja absolut verstehen, warum Ihr mir alle so von der Kästner-Lesung vorgeschwärmt habt - ab sofort schwärme ich mit. Aber ich will mal ein bisschen von vorne anfangen. Dank map24 (*g*) habe ich das Literaturhaus in Stuttgart auf Anhieb gefunden. Weil's noch etwas früh war bin ich erst noch ein bisschen in der Gegend rumgeschlendert. Gegen 18:45 Uhr habe ich mich aber dann auf den Weg zur Abendkasse gemacht, um meine reservierte Karte abzuholen.
Es war dann noch ein wenig Zeit, bevor man in den Saal durfte. Und ehrlich gesagt, kam ich mir in dieser Zeit etwas fehl am Platze vor. Irgendwie machten die Leute um mich rum alle den Eindruck, als ob sie viel gebildeter sind als ich, naja, und dann kannte man sich halt untereinander durch die Schule, über die das Ganze veranstaltet wurde. Ich riss mich dann aber selber am Riemen, schließlich leide ich ja sonst nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein - und als dann die Tür zum Saal aufging war ich unter einer der ersten, die rein kamen - und so bekam ich sogar einen Platz in der ersten Reihe ab. (Schräg hinter mir saßen übrigens Walters Frau und seine Mutter.) Und dann ging es auch relativ schnell los.

Als Walter und das Streichquartett unter großem Applaus die Bühne betraten musste ich mich echt zusammenreißen, um nicht in gar zu seliges Grinsen auszubrechen - ich fand's halt echt genial, Walter mal "in echt" zu sehen! Bevor dann die eigentliche Lesung begann, wurde vom Leiter (?) des Literaturhauses und der Moderatorin des Abends, Esther Saoub, noch ein paar einleitende Worte gesagt. Es ging halt darum, dass die Veranstaltung ja vom Dillmann-Gymnasium und der Dillmann-Stiftung organisiert worden ist, die gerade dabei sind das Geld zusammenzubekommen, um für das Gymnasium eine Aula zu bauen. Walter Sittler ist wohl mit einer Lehrerin an diesem Gymnasium befreundet, und so kam es zu dieser Lesung.

Die Moderatorin meinte dann nur noch, dass sie ja schon am Applaus gemerkt hat, dass man den Schauspieler Walter Sittler ja nicht weiter vorstellen muss. Sie erwähnte dann noch, dass er ja selber mit sieben Geschwistern aufgewachsen ist und drei Kinder hat - und somit weiß, wie wichtig Kinder und Erziehung sind (so sinngemäß zumindest) und schlug so den Bogen sowohl zum Dillmann-Gymnasium, als auch zu dem Buch, um das es ja ging.

Ja - und dann ging's auch wirklich los. Walter holte die Lesebrille raus - und dann las er...

Wie ich ja an anderer Stelle hier im Forum schon gesagt habe, ich selber habe (bis jetzt) nur einige Auszüge aus "Als ich ein kleiner Junge war" gelesen, kannte also das meiste auch nicht. Wobei ich auch gar nicht weiß, ob mir das Buch auch so zum Lesen gefallen hätte - denn die Art des Vorlesens war ja das, was dem ganzen noch einmal einen Extra-Kick gab.

Mal ganz davon abgesehen, dass wir ja alle hier wissen, dass Walter wirklich eine angenehme, und damit auch eine schöne Vorlese-Stimme hat, gab es nämlich noch einige Extra-Highlights: Zweimal brachte er das Publikum nämlich so zum Lachen, dass er selber mitlachen musste!

Das erste Mal war, als Erich Kästner in seinem Buch etwas skurril von seinem einen Onkel schreibt. In dem Abschnitt ist etwas wörtliche Rede drin, und es wird halt beschrieben, dass der Onkel eine sehr dröhnende Stimme hat und sehr dominant auftritt - und genauso las Walter das dann auch. Für die wörtliche Rede sprach er dann etwas tiefer, lauter und in befehlsgewohntem Ton. Dazu dann der Text, in der typischen Art Kästners geschrieben - man hat Tränen gelacht. Das ging ungefähr drei/vier wörtliche Reden lang gut - und dann wurde Walter von den Lachern angesteckt. :-)

Das zweite Mal war dann schon relativ am Schluss. Erich Kästner beschreibt darin, wie seine Mutter den einmaligen Versuch unternimmt, schwimmen zu lernen. Das ist echt witzig geschrieben - so dass wieder alle laut lachten - und auch Walter musste hier eine ungeplante kurze Lesepause machen - um richtig mitzulachen. Das war herrlich - und hat dem Ganzen halt noch mal eine menschliche Note gegeben.

Abgerundet wurde die ganze Lesung durch das DALA-Quartett (2 Geigen, eine Bratsche und ein Cello, und die erste Geige wurde halt auch von einer Lehrerin des Dillmann-Gymnasiums gespielt.) Obwohl ich jetzt eigentlich nicht so der Klassik-Liebhaber bin - die Musik hat wirklich sehr gut gepasst und war auch nicht zu lang zwischendrin.

Ich war überhaupt positiv überrascht, wie lange das Ganze gedauert hat. Inklusive Pause waren das drei Stunden! Wobei Walter eigentlich keine Pause hatte. Es gab nämlich hinten im Saal einen Stand, wo man Hörbücher von Walter kaufen konnte (von denen auch EUR 3,- pro CD an die Dillmann-Stiftung gingen - und soweit ich das gesehen habe, wurden die auch gut gekauft), und Walter signierte die dann. Und natürlich gab er auch Autogrammkarten. Das hat mich sehr überrascht, denn dass Künstler nach einer Veranstaltung Autogramme geben - das kenne ich, aber in der Pause auch schon, dass war mir neu - Hut ab.

Susannes Worte aus dem letzten Chat im Kopf, dass ich ihn ruhig ansprechen soll, er würde ja nicht beißen (hat er wirklich nicht *g*), nahm ich dann auch meinen ganzen Mut zusammen, und ließ mir erst mal eine Autogrammkarte geben. (Dabei hat er meinen "Privattest" bestanden. Er hat nämlich genau nachgefragt, wie ich geschrieben werde - also "Katrin" mit h oder ohne, und mit K oder C. Das machen nämlich die wenigsten Künstler, die schreiben einfach drauf los.) Dann habe ich ihn gefragt, ob er denn auch Sachen signieren würde, die eigentlich gar nicht in diesen Rahmen passen. "Na mal sehen." Und dann zog ich nämlich mein Buch "GIRLfriends forever" aus der Tasche. "Hey, das kenne ich doch", meinte er dann. "Das gibt's ja immer noch - nur halt nicht mehr mit uns." Worauf ich dann nur meinte, dass ja die alten Folgen auch immer mal wiederholt werden - und außerdem hat man's ja als Konserve - also auf Video. Darauf meinte er dann, dass er mal alle Folgen geschenkt bekommen hat auf DVD. Also von Video auf DVD gebrannt, da wäre jetzt die Qualität nicht soooo toll, aber es trotzdem schön. Und dann gab er mir auch schon mein Buch wieder, und ich zog von dannen. Erst dann habe ich auch gesehen, dass er vorne in das Buch nicht nur seinen Namen geschrieben hat, sondern "Für Katrin - Viel Vergnügen! Walter Sittler"

Ich habe dann noch ein wenig an der Seite gestanden und mir das Ganze angeschaut - was ich wirklich klasse fand war halt, wie natürlich er mit den Leuten umging. Mit jedem hat er ein Wort gewechselt, hat geduldig Autogramme geschrieben - und war halt einfach super sympathisch. Ich war auch echt positiv überrascht ob seiner Reaktion auf mein Buch - war mir nämlich echt nicht sicher, ob ich das auf so einer Veranstaltung signieren lassen sollte. Aber ich hatte halt nicht das Gefühl, dass er da irgendein Problem mit hatte.

Na ja, irgendwann war dann halt leider auch der zweite Teil der Lesung vorbei. Es gab viel Applaus - und es wurde auch noch einmal erwähnt, dass sowohl das DALA-Quartett, als auch Walter Sittler zu Gunsten der Dillmann-Stiftung auf ihre Gagen verzichten. Als Dankeschön bekamen die Damen des Quartetts je einen Blumenstrauß, die Herren je eine Flasche Wein, und Walter Sittler ein paar Blumen und eine CD des SWR Symphonie-Orchesters. Es wurde auch gesagt, was für Stücke auf der CD drauf waren, aber das habe ich mir ehrlich gesagt nicht gemerkt.

Tja - und das war's dann endgültig. Walter Sittler schrieb auch nach der Veranstaltung noch Autogramme - aber ich hatte mir ja meins, wie schon erwähnt, bereits in der Pause geholt - und außerdem musste ich ja auch noch wieder nach München zurück - deshalb wartete ich nicht weiter sondern machte mich auf den Heimweg.

Fazit des Ganzen:
1.) Walter Sittler ist live genauso sympathisch, wie in den diversen Talk-Shows und anderen Fernsehsendungen, in denen er als "Privatmann" aufgetreten ist.
2.) Ich würde mir wünschen, dass er "Als ich ein kleiner Junge war" auch irgendwann mal als Hörbuch aufnimmt. (Also ich wäre der erste Käufer dafür!)
3.) Wer so (vor)lesen kann, der sollte unbedingt mal in Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" - in die Sendung wünsche ich ihn mir ja schon lange.
Und 4.) Das war definitiv nicht meine letzte Walter-Sittler-Lesung, die ich erlebt habe!

© 2005 K. Gniosdorz