Fanfiction zur Folge "Die Babyfalle"
(August 1999)
   
Ein paar Anmerkungen der Autorin vorneweg:
1. Ich hab überhaupt keine Ahnung von Babys (weder in dem Alter noch in einem anderen *g*)
2.Warum es mit dem Beauty-Abend nix wurde und wo Stephanie ist, hab ich mir nicht überlegt... fiel mir jetzt so nachträglich auf.
3. Über einige Formulierungen stolpere ich jetzt auch, aber da wird nun bei der Veröffentlichnung vier Jahre (Herbst 2003) später nix mehr dran geändert... ;-)



Die Inhaltsangabe zur Folge...

Nikola hat nicht nur Stress im Krankenhaus, auch Peter macht Probleme. Sie hat herausbekommen, dass er mehrere Tage nicht in der Schule war. Tim und Elke verabreden sich daher mit ihr zu einem Beautyabend. Nikola soll sich mal richtig entspannen. Doch daraus wird nichts. Zuerst belügt sie Peter, dann steht Dr. Schmidt mit einem weinenden Baby für Tür. Es ist Max, der sechs Monate alte Sohn seiner neuen Errungenschaft Klara. Leider mußte sie ganz kurzfristig weg, und er hat als Babysitter völlig versagt. Ob Nikola ihm nicht helfen könnte?

Sie ist wütend, dass sie Schmidt jetzt auch noch bei seinen Liebesabenteuern beistehen muß. Aus Sorge um Max springt sie widerwillig ein und kümmert sich um den Kleinen. Völlig am Ende schlafen alle drei friedlich ein bis sie am nächsten Morgen vom friedlichen Quieken Max geweckt werden...


In dem Moment, als Nikola es sich mit Chips und Fernbedienung auf dem Sofa bequem machen wollte, klingelte es an der Tür.
"Da will man einmal einen ruhigen Abend verbringen. Ganz ohne seine nervenden Kinder. Einfach nur einen ruhigen Abend!" schimpfte sie leise vor sich hin, "und dann... Wenn das Peter ist, kann er was erleben!" Aber so wie sie ihren Sohn kannte, würde der sich nicht vor morgen früh wieder nach Hause trauen.
Sie öffnete die Tür und sah jedoch nicht Peter, sondern Schmidt, der ihr allerdings in diesem Moment den Rücken zuwandte, so als ob er sich überlegt hätte, doch wieder zu gehen.
"Hoffentlich tut er das", dachte Nikola, sagte dann aber so höflich wie sie gerade noch in der Lage war: "Dr. Schmidt? Ich hoffe Sie haben einen guten Grund dafür, mich an meinem freien Samstag Abend..."
Weiter kam sie nicht, denn Schmidt hatte sich inzwischen zu ihr umgedreht und sein Anblick ließ Nikola verstummen. Er war nicht alleine. Ihr Chef und Nachbar Dr. Robert Schmidt stand an diesem Samstag Abend mit einem Baby auf dem Arm vor ihrer Tür.
Im ersten Augenblick war sich Nikola sicher, dass sie endgültig den Verstand verloren hatte und das hier sicher eine Halluzination sei. Sein musste, denn Schmidt mit einem Säugling auf dem Arm, das konnte doch nur so real sein wie, wie ... Tim und eine Frau oder Siegfried ohne Roy oder ....
"Nikola, Gott sei Dank dass Sie zu Hause sind", rief Schmidt erleichtert aus. "Sehen Sie..."
"Moment, Moment!" unterbrach Nikola ihn. "Ich träume das, oder? Ich meine, ich sehe hier nicht wirklich Dr. Robert Schmidt, den Traum aller Frauen, mit einem Baby auf dem Arm vor meiner Tür stehen? Oder ist das etwa...?" Nikola kam gerade ein geradezu unvorstellbarer Gedanke... "Sie sind doch nicht etwa...?" stotterte sie. "Ich meine, dass ist doch nicht etwas Ihr...?" Sie konnte es nicht einmal aussprechen.
"Nein, es ist nicht mein Kind, falls es das ist, was Sie mich mit Ihrem unverständlichen Gestammel fragen wollten", antwortete Schmidt genervt. Und diese unverschämte Antwort bestätigte, woran Nikola einen Moment lang gezweifelt hatte. Es war tatsächlich Schmidt.
"Wenn es also nicht Ihr Kind ist, wo haben Sie es dann her?" fragte sie neugierig, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an den Türrahmen. Das könnte schließlich eine hochinteressante Geschichte werden. Sie konnte sich ein Lachen fast nicht verkneifen, denn so wie Schmidt das Kind auf Armlänge von sich weghielt, schien er mit seiner Rolle - was für eine Rolle dies auch sein mochte - nicht gerade glücklich. "Aber noch viel wichtiger: Warum stehen Sie mit diesem Kind, das nicht das Ihre ist, vor meiner Tür?"
Noch bevor sie die Frage zu Ende gesprochen hatte, konnte sie sich den Grund dafür denken und Schmidts bittender Blick tat sein übriges. "Oh nein, nein, nein!", rief sie aus, bevor Schmidt überhaupt antworten konnte. "Vergessen Sie's! Wessen Kind es auch immer ist, es ist Ihr Problem...
"Schwester Nikola, bitte!!" unterbrach Schmidt sie. "Ich kann nicht mehr, ich bin einfach total ..." In diesem Moment fing das Baby an zu schreien. "Sehen Sie? Er schreit! Er schreit schon die ganze Zeit und ich weiß überhaupt nicht warum und..."
"Wahrscheinlich weil Sie ihn am ausgestreckten Arm verhungern lassen!"
"Wie bitte?" fragte Schmidt verständnislos.
Nikola seufzte, trat noch einmal vor Wut vor den Türrahmen, aber nahm Schmidt dann das weinende Kind ab und strich dem Kleinen sanft über den Rücken. Das Kind schien sich ein klein wenig zu beruhigen.
"Gott sei Dank" seufzte Schmidt. "Ich wusste ja, dass Sie es schaffen werden." Nach einer kleinen Pause fuhr er fort: "Ich weiß es ist viel verlangt, aber könnten Sie sich vielleicht vorstellen..."
"Nein!" antwortete Nikola vehement und gab Schmidt das Kind zurück. Sie kannte ihn schließlich lange genug um zu wissen, worauf er hinaus wollte. Und sie hatte überhaupt keine Lust an diesem Abend für ein Kind mit dem sie absolut nichts zu tun hatte, Babysitter zu spielen.
"Aber der Kleine muss gefüttert werden und gebadet und..." begann Schmidt und versuchte das Kind wieder so weit wie möglich von seinem Armani Anzug fernzuhalten. "Und die Windeln müssen auch gewechselt werden, Schwester Nikola!" zischte er leise.
Nikola grinste. "Und? Wo ist das Problem? Wo ist vor allem MEIN Problem?"
"Nikola, bitte!" flehte Schmidt ein wiederholtes Mal. "Ich habe Klara versprochen gut auf ihren Max aufzupassen und..."
"Ah, Klara", warf Nikola ein. Sie erinnerte sich noch gut daran, wie Schmidt im Krankenhaus vor nur wenigen Tagen von seiner neuen Eroberung Klara und all ihren Vorzügen geschwärmt hatte. Ein sechs Monate alten Sohn hatte er dabei allerdings nicht erwähnt.
"Ja genau, Klara", wiederholte Schmidt. "Und wenn Klara erfährt, dass ich als Babysitter total unfähig bin, dann ..."
"...dann ist die Sache mit Klara bald Geschichte, richtig?" lächelte Nikola ironisch.
"Richtig", antworte Schmidt erleichtert, der wie so oft die Ironie in Nikolas Stimme überhört hatte. "Ich meine.... das ist doch für Sie sicher ein Kinderspiel, Sie haben doch Erfahrung. Baden, wickeln, füttern. Und dann schläft er. Und morgen früh, bevor Klara irgendetwas merkt, hole ich ihn wieder ab. Versprochen!"
Ohne Zögern streckte er ihr den Jungen entgegen und Nikola brauchte einen Moment um zu begreifen, dass Schmidt dies wirklich ernst meinte. Fassungslos knallte sie ihm die Tür vor der Nase zu und das Knallen der Tür brachte den Kleinen wieder zum Weinen.

Nachdem sie fünf Minuten lang das weinende Kind und Schmidts unerbitterlichen Klopfen, Klingeln und Schreien erfolglos zu ignorieren versuchte hatte, riss Nikola die Tür wieder auf.
"Dr. Schmidt! Wie um alles in der Welt kommen Sie auf den Gedanken, dass ich für Sie den Babysitter spiele? Nur damit Sie vor Klara immer noch als Traummann da stehen können? Glauben Sie wirklich ich habe an meinem freien Abend nichts besseres zu tun, als einem selbstherrlichen Macho..."
"Und ich glaube", wurde sie von Schmidt unterbrochen, "dass Sie als Mutter und als fürsorgliche Krankenschwester sich geradezu dazu verpflichtet fühlen sollten, mir..." Und schon hatte Nikola ihm die Tür ein zweites Mal vor der Nase zugeknallt.
"Mist", dachte Schmidt, "das mit dem Appell ans Pflichtgefühl hätte ich mir besser mal für den absoluten Notfall aufheben sollen." Dann musste nun doch eine andere Taktik ran.
"Nikola", rief er durch die verschlossene Tür. "So wie der Kleine schreit, fehlt ihm vielleicht was. Vielleicht ist er krank, weil er so schreit. Ich hab Ihnen gesagt, dass ich keine Ahnung vom Umgang mit Kindern habe. Wollen Sie wirklich verantworten, dass diesem Baby nicht die richtige Fürsorge zu teil wird?" Wie um die Position seines Babysitters zu unterstützten, wurde das Weinen des Babys immer lauter.
"Mistkerl", dachte Nikola. Sie war sich sicher, dass dies nur einer von Schmidts Tricks war. Aber sie spürte auch, dass er eigentlich Recht hatte. Auch wenn er es selbst wahrscheinlich gar nicht wusste. Sie konnte dieses arme Kind wirklich nicht alleine in Schmidts Obhut überlassen. Mit Schrecken erinnerte sie sich auf einmal an Schmidts Unfähigkeit auch nur für den Hund seiner Ex-Frau zu sorgen. Und ein Kleinkind...

Nikola riss die Tür wieder auf und Schmidt lächelte sie mit seinem "Hab ich's doch gewusst" - Lächeln an.
"Na warte", dachte Nikola, "das werden wir ja sehen."
"Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Dr. Schmidt" erklärte sie lächelnd, als sie ihm zum zweiten Mal das schreiende Kind abnahm und zurück in die Wohnung ging.
"Und der wäre?" Mit der Tasche voller Baby-Utensilien betrat er zögerlich Nikolas Wohnung, denn irgendetwas in Nikolas Lächeln beunruhigte ihn.
Nikola hatte sich inzwischen mit dem Jungen auf dem Arm aufs Sofa gesetzt und streichelte dem Baby beruhigend über den Rücken. Mit Erfolg.
"Der wäre..." begann sie, als Schmidt sich erwartungsvoll vor ihr aufbaute. "... ich zeige Ihnen wie man ein Baby wickelt, badet und füttert und danach nehmen Sie das Kind wieder mit."
"Aber Nikola, ich denke Sie sind viel geeigneter, um..."
Er konnte den Satz nicht einmal mehr beenden, da hatte Nikola ihm den Kleinen schon wieder übergeben, ging zur Wohnungstür, öffnete sie und schaute Schmidt einladend an.
"Verdammt", dachte Schmidt. Er hätte sich wohl einen noch besseren Plan überlegen müssen. "Ok, ok, einverstanden" seufzte er dann.
"Na also", grinste Nikola und schloss die Tür wieder. "Warum denn nicht gleich so?"

Sie kam zurück ins Wohnzimmer und fing an die Tasche mit den Baby Utensilien auszupacken. Ihr Blick fiel wieder auf Schmidt, der das Baby immer noch so weit wie möglich von sich weg hielt.
Sie seufzte. "Dr. Schmidt, Max würde es sich besser gefallen, wenn Sie ihn nicht so auf Distanz halten würden. Babys brauchen Körperkontakt. Und außerdem tut er Ihnen nichts."
"Doch", antwortete Schmidt sofort. "Er spuckt! Was glauben Sie, wie oft ich heute schon mein Hemd gewechselt habe? Und ich habe keine Lust mir auch noch meinen sündhaft teuren Armani Anzug zu versauen."
"Ahja", nickte Nikola verständnisvoll, "aber das Problem lässt sich doch sicher leicht lösen."
"Stimmt", antwortete Schmidt nachdenklich, "Sie haben Recht, ich könnte den Anzug ausziehen..."
Kopfschüttelnd legte ihm Nikola ein kleines Handtuch über sie Schulter. "Armani wird's überleben" erklärte Nikola mit ernster Miene und drehte Schmidt den Rücken zu, damit dieser ihr Grinsen nicht auch noch zu sehen bekam.
Widerwillig fügte sich Schmidt seiner neuen Rolle und er begann zu Nikolas Erstaunen sogar, dem Baby sanft über den Rücken zu streicheln. "Und jetzt?"
"Jetzt befreien wir den Kleinen erst mal von seiner Windel" erklärte Nikola, während sie die Wickelutensilien auf dem Sofa ausbreitete.
"Ja, ähm, also ..." Schmidt wollte den Kleinen schon wieder Nikola überlassen, als diese dankend abwinkte.
"Schon vergessen, Dr. Schmidt? Ich zeige Ihnen nur wie es geht..."
Schmidt verzog das Gesicht, denn offensichtlich verlief dieser Abend ganz und gar nicht so, wie er ihn sich vorgestellt hatte.
"Legen Sie ihn einfach als erstes mal hin", begann Nikola zu erklären und konnte ein Grinsen schon wieder nicht unterdrücken, als Schmidt den Kleinen nun vorsichtig wie ein rohes Ei auf dem Sofa ablegte.
"Ok, und jetzt?" fragte Schmidt zaghaft. Irgendwie war ihm diese Sache nicht ganz geheuer.
"Jetzt ziehen Sie dem Kleinen den Strampelanzug aus und dann..."
"Nicht so schnell", unterbrach Schmidt sie, der erfolglos an Max Strampelanzug herumfingerte.
"Naa?" fragte Nikola nach einer Weile. "Klappt's nicht?"
Schmidt warf ihr nur einen verzweifelten Blick zu.
Nikola konnte sich einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen: "Sie müssten doch Übung darin haben jemanden auf dem Sofa auszuziehen..."
Der Blick, den Schmidt ihr daraufhin zuwarf, machte Nikola jedoch klar, dass sie zu weit gegangen war. "Tschuldigung", murmelte sie und ohne ein weiteres Wort zeigte sie Schmidt, wie die Knöpfe des Strampelanzugs zu öffnen waren.
Für einen kurzen Moment berührte sich dabei ihre Fingerspitzen und als beide im gleichen Augenblick ihren Kopf hoben, sahen sie sich für eine Sekunde lang direkt in die Augen. Aber so schnell wie dieser Moment gekommen war, verging er auch wieder und peinlich berührt verfielen beide in emsige Aktivität.
Nikola erklärte Schmidt nicht nur wie man die Klebestreifen einer Windel öffnete, sondern auch wie man einen wunden Baby-Popo richtig versorgte und Schmidt schien dies alles mit großem Interesse zu verfolgen.
"So, fertig", sagte Nikola, woraufhin ihr Schmidt pflichtbewusst direkt eine neue Windel entgegen hielt.
"Danke", meinte Nikola erstaunt, "aber ich glaube, wir sollten Max jetzt erstmal baden, oder nicht?"
"Äh, natürlich" erwiderte Schmidt.
"Ok", erklärte Nikola, "dann räumen Sie am besten mal hier auf, während ich für Max das Badewasser einlasse."

Sie nahm den Kleinen auf den Arm und verschwand ins Badezimmer. So hätte es auch früher schon sein müssen, dachte sie für sich. Männer, denen man ohne schlechtes Gewissen die unangenehmen Dinge, wie "Windeln - entsorgen" aufs Auge drücken konnte.
Mit Max auf dem Schoß setzte sie sich auf den Rand der Badewanne und drehte den Warmwasserhahn auf.
Der Kleine schien sich an die neue Umgebung inzwischen gewöhnt zu haben, denn er schaute sich aufmerksam um und schenkte Nikola dann ein zahnloses Grinsen. Und damit hatte er endgültig Nikolas Herz gewonnen, die nun in unverständlicher Baby-Sprache auf ihn einredete. Max brabbelte genauso unverständlich zurück, was Nikola regelrecht erfreute. Sie erinnerte sich daran, als Peter und Stephanie noch so klein waren und ein bisschen wehmütig vermisste sie diese Zeit.
Sie war so in ihr "Gespräch" mit Max versunken, dass sie gar nicht bemerkte, wie Schmidt das Badezimmer betrat. Erst als er sich wiederholt räusperte, schreckte sie auf und angesichts dessen, was sie gerade wohl von sich gegeben hatte, lief sie erst ein mal rot an.
"Max geht es, glaube ich, wieder gut", stammelte sie und versuchte Schmidts Blick zu deuten. "Wahrscheinlich hat er mich jetzt total als Glucke und Mutter abgeschrieben", dachte Nikola und wusste nicht einmal genau, warum ihr dies so viel ausmachen würde. Um von sich abzulenken, testete sie noch mal die Temperatur des Wassers und drehte dann den Hahn zu.
Schmidt war die ganze Situation mindestens ebenso peinlich, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Als er Nikola und Max so einträchtig zusammen sah, wurde ihm wieder einmal klar, wie viel er in seinem Leben verpasst hatte. Und wie viele Dinge er, wenn er ganz ehrlich war, vermisste.
Irgendwie fühlte er sich hier total fehl am Platze, fast wie ein Eindringling, der etwas Privates beobachtete, dass nicht für seine Augen bestimmt war. Um diese peinliche Situation zu überspielen, begann er sich im Badezimmer umzusehen und gedankenverloren stöberte er in Nikolas Wäschekorb herum.
"Dr. Schmidt, ich glaube Sie sollten mal...." begann Nikola, aber als Schmidt sich zu ihr umdrehte und sie fragend ansah, brach sie ab und starrte fassungslos auf Schmidts Hand. Schmidt folgte ihrem Blick und bemerkte erst da, dass er Nikolas Seidenunterwäsche in der Hand hielt.
"Hier spielt die Musik!" blaffte Nikola ihn an und peinlich berührt stopfte Schmidt die Unterwäsche zurück in den Korb und kniete sich neben Nikola vor die Badewanne.
Nikola kochte innerlich noch vor Wut über Schmidts Unverfrorenheit, einfach so ihre Wäsche zu durchwühlen und würdigte ihn keines Blickes.
"Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie ... helfen?" fragte Schmidt vorsichtig.
Nikola drehte sich zu ihm um und versuchte mit einem Blick abzuschätzen, was Schmidt im Schilde führte. Er konnte doch wohl kaum anbieten wollen, Max selbst zu baden, oder ...? Sie wollte ihm gerade eine passende Antwort geben, als sie in seinem Blick etwas erkannte, dass sie von Schmidt bisher nur selten erlebt hatte. Sollte er tatsächlich ernsthaft seine Hilfe angeboten haben? Irgendwie wurde sie aus Schmidt einmal mehr nicht schlau.
"trauen Sie sich denn zu den Kleinen alleine zu baden?"
Nun eigentlich traute sich Schmidt dies nicht wirklich zu, eigentlich hatte er wahnsinnige Angst davor irgendetwas falsch zu machen. Und unter normalen Umständen hätte er dies mit einem "Logisch traue ich mir das zu" überspielt. Aber in diesem Moment wollte er Nikola gegenüber nicht schon wieder den "starken Mann" spielen. Auch wenn er es sich fast nicht eingestehen wollte, wollte er sich Nikola gegenüber eigentlich überhaupt nicht verstellen, im Gegenteil. Aber um nicht schon wieder irgendetwas Falsches zu sagen, nickte er nur.
Irritiert von dieser für Schmidtsche Verhältnisse so unnormale Reaktion, nicht mit einem dummen Spruch zu antworten, stand Nikola auf und überließ Schmidt das Feld.
Von der Tür aus beobachtete sie ihn noch einen Augenblick und war noch mehr irritiert, als sie sah, wie zaghaft, aber doch liebevoll, sich Schmidt um den kleinen Max kümmerte. "Das träume ich das sicher alles nur", dachte sie sich, aber ein schmerzhafter Kniff in den Arm bewies ihr das Gegenteil. Schmidt saß tatsächlich in ihrem Badezimmer und badete ein Baby. Und was noch viel unglaublicher war: Es schien ihm Spaß zu machen.
Kopfschüttelnd verließ sie das Bad, um in der Küche schon mal das Fläschchen für Max vorzubereiten.

Als sie kurz danach ins Badezimmer zurückkehrte, blieb sie aus irgendeinem Grund erst einmal vorsichtig in der Tür stehen. Schmidt war so darin vertieft sich um Max zu kümmern, dass er sie nicht bemerkte und somit kam Nikola in den vollen Genuss, Schmidt nicht nur mit Max planschen zu sehen, sondern auch zu hören, wie Schmidt und Max in unverständlicher Babysprache miteinander brabbelten.
Nikola war gerührt und sie hätte diesen Anblick auch gerne länger genossen, wenn Schmidt sich nicht in diesem Moment umgedreht und Nikola entdeckt hätte.
Peinlich berührt brachen beide wieder in hektische Betriebsamkeit aus.
"Das Fläschchen ist bald fertig" sagte Nikola im gleichen Moment als Schmidt ihr versicherte, dass Max jetzt ganz sicher ganz sauber sei.
"Dann sollten wir jetzt vielleicht..." sagten beide gleichzeitig.
"Ja?", fragte Schmidt vorsichtig.
"Ihn abtrocknen, wickeln, anziehen und füttern", antworte Nikola.
Kein Wort mehr davon, dass Schmidt ihn dann schleunigst wieder mit zu sich in die Wohnung nehmen sollte.
"Sie oder ich?" wollte Schmidt wissen.
"Wie bitte?"
"Naja", erklärte Schmidt. "Wer von uns beiden darf ihn abtrocknen?"
Als Nikola in diesem Zusammenhang das Wort "darf" auf Schmidts Mund hörte, war ihre Rührung fast noch größer als zuvor, was ihr aber im nächsten Moment schon wieder mega-peinlich war.
"Das überlasse ich Ihnen", stottere sie.
"Danke", sagte Schmidt schlicht und als er Max dann vorsichtig aus der Wanne hob, in ein Badetuch wickelte und auf den Arm nahm, hätte Nikola Schmidt fast dafür küssen können.
Verwirrt über Schmidt und vor allem über sich selber kehrte Nikola in die Küche zurück.

Als sie jedoch kurze Zeit später aus dem Bad ein lautes "Och neee" hörte, raste sie, das Schlimmste befürchtend zurück. In der Tür stieß sie fast mit Schmidt zusammen, der seine neuentdeckte Kinderliebe wohl schon wieder vergessen hatte und Max wieder einmal auf Armlänge von sich weg hielt.
Und mit einem Blick auf Schmidts Anzug und Hemd, auf denen inzwischen ein großer nasser Fleck zu sehen war, wusste Nikola auch warum.
"Ist was passiert?" fragte sie dennoch scheinheilig und konnte ein Grinsen kaum unterdrücken.
"Ja! Dieses Monster spuckt nicht nur, es macht einen auch noch nass!"
Schmidt schüttelte sich, während Nikola Schmidt den Kleinen wieder abnahm.
"Regen Sie sich doch nicht so auf. So was passiert nun mal."
"Ja und was mach ich jetzt?!?!?" wollte Schmidt genervt wissen.
"Wie wär`s mit: Sich einfach was anderes anziehen?" schlug Nikola vor.
"Gute Idee", erwiderte Schmidt, "also dann bis gleich" Er ging Richtung Wohnungstür.
"Moment mal! Wo wollen Sie denn hin?" rief Nikola ihm hinterher.
"In meine Wohnung, mir was anderes anziehen", erklärte Schmidt.
"Und woher weiß ich, dass Sie wieder runterkommen? Ich meine, dass Sie Max nicht einfach hier "vergessen"?"
"Nikola, Sie kennen mich doch..."
"Eben drum!"
Schmidt seufzte genervt. "Soll ich jetzt den ganzen Abend mit einem nassen Hemd hier rumsitzen?"
Nikola schüttelte den Kopf. "Ich bin mir sicher, dass ich irgendwo noch was finde, was Ihnen passt". Sie hielt ihm den Kleinen entgegen, den Schmidt widerwillig wieder auf den Arm nahm.
Kurze Zeit später kam Nikola mit einem alten Herrenhemd aus ihrem Schlafzimmer. "Könnte an den Ärmeln vielleicht ein bisschen zu kurz sein, aber sonst..." Sie nahm Max wieder auf den Arm und drückte Schmidt das Hemd in die Hand.
Schmidt ergab sich seinem Schicksal und ging ins Bad um sich dort umzuziehen. Aber erst als Nikola ihm "Wenn Sie wollen, wasche ich das Hemd für Sie mit" hinterher rief, war er wieder etwas versöhnt.
Zurück im Wohnzimmer, sah er Nikola, die Max gerade das Fläschchen gab auf dem Sofa sitzen und dieser Anblick versöhnte ihn dann vollständig. Nikola sah zu ihm auf und als er ihr die viel zu kurzen Hemdsärmel zeigte, lächelte sie und Schmidt musste ebenfalls lachen.
Er setzte sich neben sie und Nikola erinnerte sich wieder daran, dass sie Schmidt ja vor allem in die Grundzüge der Baby-Pflege einweihen wollte.
"Hier, machen Sie mal weiter", sagte sie also und schob Max aufs Schmidts Schoß und übergab Schmidt das Fläschchen. Schmidt sah Nikola mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck an.
"Keine Sorge, Dr. Schmidt, der tut Ihnen diesmal wirklich nichts", lächelte sie und zeigte ihm noch genau, wie er das Fläschchen zu halten hatte.
Ohne Widerspruch ließ sich Max nun auch von Schmidt füttern und Schmidt drehte sich zu Nikola um: "Ist ja eigentlich gar nicht so schwer, ne?"
"Nöö, eigentlich ist das ganz einfach", antwortete Nikola und als Schmidt seine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz dem Kleinen widmete, konnte sie ihren Blick einfach nicht von ihm lösen. "Warum werde ich aus diesem Mann einfach nicht schlau", fragte sie sich. Und viel schlimmer: "warum macht er mich manchmal so verdammt nervös?"
Genau wie jetzt, fuhr es ihr durch den Sinn, als Schmidt sich auf einmal wieder zu ihr umdrehte und sicher auch bemerkt hatte, dass sie ihn beobachtet hatte.
"Wollen Sie vielleicht auch irgendwas trinken? Wein oder so?" fragte Nikola schnell, um diese Peinlichkeit zu überspielen. Schmidt nickte und dankbar dafür, aus dieser Situation zu entkommen flüchtete sie in die Küche.

Als sie kurz danach ins Wohnzimmer zurückkehrte, hatte Schmidt Max bereits auf dem Arm, um den Kleinen sein Bäuerchen machen zu lassen.
"Sie lernen aber schnell", sagte sie bewundernswert, und stellte sein Glas vor ihm ab.
"Naja...", wehrte Schmidt verlegen ab.
"Seien Sie vorsichtig", sagte Nikola dann, "das sind so Momente in denen sie wieder spucken."
"Ist ja nicht mein Hemd", grinste Schmidt.
Nach einer kurzen Pause fragte Nikola neugierig: "Es geht mich ja eigentlich nichts an, aber warum haben Sie eigentlich keine Kinder? Ich meine, wollten Sie und Yvonne nie Kinder?"
"Können Sie sich Yvonne als Mutter vorstellen?" gab Schmidt zurück.
Nikola dachte kurz an Schmidts Ex-Frau und deren Dogge Bijoux zurück und schüttelte energisch den Kopf.
"Na sehen Sie?" lächelte Schmidt.
"Aber vermissen Sie das gar nicht?" fragte Nikola weiter und überlegte im gleichen Moment, ob sie vielleicht schon zu viel Wein getrunken hatte, dass sie mit Schmidt solche Gespräche führte. Aber sie konnte jetzt auch nicht mehr zurück.
"Kinder, Familie?" fuhr sie fort. "Ich meine, meine Kinder treiben mich ja oft genug in den Wahnsinn, aber ... ohne sie? Das könnte ich gar nicht."
"Vielleicht...", begann Schmidt nachdenklich. "Vielleicht habe ich bis jetzt einfach noch nicht die richtige Frau getroffen."
"Ist Klara denn vielleicht die Richtige? Also, mit Klaras Familie kommen Sie ja schon mal ganz gut zu Recht."
Schmidt schmunzelte. "Wenn ich ehrlich bin, hab ich die dunkle Ahnung, dass Klara mich heute Abend für einen andern Typen versetzt hat."
Auf diese Nachricht hin verschluckte Nikola sich erstmal an einem Schluck Wein. "Das ist nicht Ihr Ernst, oder? Klara lässt Sie auf ihren Sohn aufpassen, während sie selbst...?"
Schmidt nickte.
"Dann ist Klara wohl wirklich nicht die Richtige" meinte Nikola lakonisch.
"Haben Sie das gehört?" rief Schmidt in dem Moment aufgeregt. "Er hat sein Bäuerchen gemacht." Schmidt strahlte Nikola stolz an, die davon schon wieder völlig gerührt war.
"Und jetzt?" fragte Schmidt. "Ich meine, sollte Max jetzt nicht ins Bett?"
"Doch, doch", beeilte Nikola sich zu antworten. "Aber vielleicht sollten wir ihn einfach hier einschlafen lassen. Ich meine, wenn er dann tief und fest schläft können Sie ihn dann ja nachher..."
"...gute Idee", unterbrach Schmidt sie. Er selbst wollte nicht daran denken, dass er nachher alleine mit dem Kleinen in seine Wohnung zurück sollte. Es war weniger die Angst nicht zu wissen, was zu tun sei, sondern viel mehr, die merkwürdige Tatsache, dass er die Situation, so wie sie im Moment war, genoss. Aber er konnte ja wirklich nicht von Nikola erwarten, dass sie ihren freien Abend mit einem fremden Baby und vor allem mit ihm verbringen wollte. Oder doch?
Während Nikola den Kleinen vorsichtig in ihrem Bett unterbrachte, erinnerte sich Schmidt daran irgendwo bei den Baby-Utensilien eine Spieluhr gesehen zu haben, die er nach kurzer Suche auch fand. Zurück in Nikolas Schlafzimmer zog er diese Spieluhr auf und legte sie neben Max aufs Bett und tatsächlich fielen dem Kleinen bei der leisen Musik schon schnell die Augen zu. Nikola und Schmidt blieben noch einen Moment lang einträchtig neben dem Bett stehen um den Kleinen zu beobachten und schlichen sich dann leise zurück ins Wohnzimmer.
"Ich denke in einer halben Stunde oder so dürfte er tief und fest schlafen", erklärte Nikola, "und dann..." ...können Sie ihn mit nach oben nehmen, hätte sie eigentlich sagen sollen, aber irgendwie kam es ihr nicht über die Lippen.
"Ich muss verrückt sein", dachte sie, aber irgendwie konnte sie sich gut vorstellen, noch den Rest der Nacht mit Schmidt für den kleinen Max Babysitter zu spielen. Total verrückt.

Tief in ihre eigenen Gedanken versunken, bemerkte sie erst nach einer Weile, dass Schmidt neben ihr auf dem Sofa über irgendetwas nachzudenken schien.
"Dr. Schmidt? Alles in Ordnung?" So einen leicht entrückten Gesichtsausdruck war sie von ihm gar nicht gewohnt.
"Ach, es ist nur...", begann er zögerlich. "Es ist nichts.", versuchte er die Sache herabzuspielen.
Nikola antwortete nicht darauf, da sie sich sicher war, dass es eben doch etwas war, sie Schmidt aber auch nicht bedrängen wollte.
Und tatsächlich, nach einer kurzen Pause sagte Schmidt: "Wissen Sie, so ein Baby bringt einen schon zum Nachdenken."
"Ja", nickte Nikola verständnisvoll.
"Über das eigene Leben und darüber, was man vielleicht verpasst hat", fuhr Schmidt vor. "Aber das kann man doch alles nachholen", versicherte Nikola, "wenn Sie erstmal die richtige Frau gefunden haben, dann..."
"Ja vielleicht", antwortete Schmidt und rückte ein Stück näher an Nikola heran.
Und obwohl sie wusste, dass ihr diese Situation gefährlich werden könnte, konnte Nikola nicht anders als zu fragen: "Und ... wie müsste sie sein? Die richtige Frau?"
Schmidt antwortete nicht sofort, sondern sah sie nur an, so dass Nikola auf einmal ganz anders zu mute wurde.
"Ich glaube...", begann Schmidt.
"Ja?" fragte Nikola leise und rutsche ebenfalls ein Stückchen näher an Schmidt heran.
"Ich glaube, diese Frau müsste so sein wie..."
Max lautes Weinen aus dem Nebenzimmer hielt Schmidt davon ab, den Satz zuende zu sprechen
"Ich glaube, wir sollten mal nach Max sehen", sagte Nikola stotternd.
Schmidt nickte."Ich geh schon".
Und während Schmidt ins Schlafzimmer ging, atmete Nikola noch einmal tief durch. Sie wusste nicht, ob sie sich jetzt über diese Unterbrechung ärgern oder darüber freuen sollte, dass womöglich eine große Dummheit verhindert wurde.
Es bliebt ihr aber keine Zeit um darüber nachzudenken, denn Schmidt kam mit einem schreienden Max auf dem Arm zurück ins Wohnzimmer.
"Nikola", sagte er ängstlich, "ich finde, das hört sich gar nicht gut an."
Und er hatte recht, denn Max Weinen klang anders als das eines Babys, das nur mal so aufgewacht war.
"Geben Sie ihn mir mal", sagte Nikola und als sie den Kleinen auf dem Arm hatte, bemerkte sie, wie er krampfhaft die Beine anzog. "Er hat Krämpfe", seufzte sie. "Anscheinend hat er das Fläschchen nicht so gut vertragen."
"Und was heißt das?"
Nikola warf Schmidt einen resignierten Blick zu. "Das heißt, das wir heute wohl kaum ins Bett kommen werden." Erst als sich Schmidts Gesichtsausdruck änderte, wurde ihr klar, wie doppeldeutig diese Antwort aufzufassen war. "Also, ich meine..." stotterte sie los und merkte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. "Ich meine, wir werden nicht zum Schlafen kommen." Sie schloss peinlich berührt die Augen und dachte: "Klasse, das ist ja viel eindeutiger."
"Also, ich meine", begann sie im dritten Anlauf, ohne Schmidt dabei anzuschauen, "Max wird uns heute nacht auf trab halten. Ja, genau, das meine ich, Max wird uns auf trab halten."
Als sie sich nach einem kurzen Moment wagte, Schmidt wieder anzuschauen, entdeckte sie in seinem Gesicht nicht die Spur des arroganten Lächelns, dass sie in dieser Situation eigentlich erwartet hätte.
"Das tut mir leid", sagte Schmidt entschuldigend und Nikola wagte nicht darüber nachzudenken, welche ihre Aussagen genau ihm denn nun leid täte.
"Also, ich meine, dass ich Ihnen das hier zumute. An ihrem freien Abend", versuchte Schmidt zu erklären, der sich ebenfalls darüber im Klaren war, auf welch dünnem Eis sie sich hier bewegten. "Ich denke, ich sollte jetzt vielleicht besser mit Max nach oben gehen und Ihnen die wohlverdiente Nachtruhe lassen."
Er hatte wirklich ein schlechtes Gewissen, dass Nikola sich nun seinetwegen mit einem schreienden Baby herumärgern sollte. Und auch wenn er sich nicht gerade wohl dabei fühlte, sich den Rest der Nacht alleine um Max kümmern zu müssen, war er doch davon überzeugt, dass er Nikola dies schuldig sei.
"Nehmen Sie's mir nicht übel, Dr. Schmidt, aber meinen Sie nicht, eine erfahrene Mutter wäre jetzt im Moment der bessere Babysitter?" fragte Nikola, die Max inzwischen vorsichtig auf dem Sofa abgelegt hatte und sanft seinen Bauch massierte.
"Naja schon, aber..." Schmidt wusste nicht so recht was er sagen sollte. "Gibt's denn nicht irgendwas, was wir tun können?"
"Doch. Massieren, herumtragen, beruhigen und die Nerven behalten."
"Oh Mann." Schmidt ließ sich neben Nikola aufs Sofa fallen. "Und ich dachte, das wäre alles ein Kinderspiel."
"Tja..." lächelte Nikola ihn. "Aber vielleicht ist es alles nur halb so schlimm und er hat sich gleich wieder beruhigt." Nikola nahm den Kleinen auf den Arm und strich ihm vorsichtig über den Rücken, aber Max schrie ohne Unterbrechung weiter.

Er schrie auch zwei Stunden später noch und Nikola und Schmidt waren mit ihrem Nerven am Ende. Sie hatten dem Kleinen abwechselnd den Bauch massiert, ihn herumgetragen, ihm Geschichten erzählt und Liedchen vorgesungen. Doch Max schrie immer noch.
"Sind Sie sicher, dass es nicht doch irgendwas Ernstes ist?" fragte Schmidt, der mit Max auf dem Arm durchs Wohnzimmer spazierte, verzweifelt.
Nikola, die inzwischen erschöpft auf dem Sofa lag, schüttelte müde den Kopf. "Glauben Sie mir, mit Stephanie ging das eine Zeitlang genau so. Da müssen wir jetzt durch."
"Und hat bei Stephanie nichts geholfen?"
Mit einem Mal setzte sich Nikola auf."Oh Mann, bin ich blöd! Fencheltee!!"
Auf Schmidts verständnislosen Blick hin, erklärte sie ihm, dass Fencheltee bei Stephanie immer dazu geführt hatte, dass das Bauchweh und die Krämpfe nachgelassen hatte und sie ruhig einschlafen konnte.
Schmidt und Nikola rannten gleichzeitig in die Küche und begannen wie wild die Schränke zu durchsuchen. Leider ohne Erfolg.
Verzweifelt lehnte sich Nikola an die Wand und Schmidts schlechtes Gewissen wurde noch größer. Und außerdem traf es ihn irgendwie, Nikola dermaßen verzweifelt zu sehen. Dann kam ihm allerdings eine Idee. "Apotheke."
Nikola sah ihn nur verständnislos an.
"Na, in einer Apotheke gibt es doch bestimmt Fencheltee."
Ein Lächeln huschte über Nikolas Gesicht.
"Dr. Schmidt, Sie sind ein Genie."
Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer beeilte sie sich ein "Manchmal!" hinterher zu schicken.
Sie suchte nach der Zeitung, um herauszufinden, welche Apotheke in der Nähe Notdienst hatte und einen Moment später kehrte sie in die Küche zurück und nahm Schmidt den schreienden Max ab.
"Sternapotheke - Andreas-Straße." sagte sie nur und sah Schmidt auffordernd an.
"Sind Sie sicher, dass Sie nicht lieber selbst...?" fragte er.
Nikola schüttelte den Kopf und konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. "Dazu bin ich viel zu müde. Und außerdem sind Sie mit Ihrem Ferrari doch viel schneller." Das konnte sie sich einfach nicht verkneifen.
"Stimmt", antwortete Schmidt ernsthaft und Nikola konnte wieder einmal nur fassungslos den Kopf schütteln.

Nachdem Schmidt die Wohnung verlassen hatte, ging sie selbst mit Max wieder zurück in ihr Schlafzimmer. "Beruhigend auf ihn einreden kann ich auch, wenn ich selbst im Bett liege", dachte sie sich.
Als Schmidt 20 Minuten später an der Tür klingelte, ging es Max kein bisschen besser und Nikola war mit den Nerven noch mehr am Ende, als sie es sich zu Beginn des Abends hätte träumen lassen.
"Wie geht's ihm?" war Schmidts erste Frage, als Nikola ihm die Tür öffnete, aber da Max Schreien aus dem Schlafzimmer laut zu hören war, erübrigte sich eine Antwort. Müde nahm Nikola Schmidt die Plastiktüte der Apotheke aus der Hand und murmelte nur: "Sie sind dran" und deutete Richtung Schlafzimmer.
"Ok", nickte Schmidt schuldbewusst und während er im Schlafzimmer versuchte den Kleinen zu beruhigen, bereitete Nikola das Tee-Fläschchen zu.
Kurze Zeit später kehrte sie ins Schlafzimmer zurück, wo Schmidt es sich nun ebenfalls auf Nikolas Bett bequem gemacht hatte. Ans Kopfende gelehnt hielt er Max auf dem Arm und flüsterte ihm beruhigende Worte ins Ohr.

"Schmidt in meinem Bett", schoss es Nikola durch den Kopf, aber sie war viel zu müde, um darüber nachzudenken, wie absurd diese Situation eigentlich war. Stattdessen kletterte sie ebenfalls wieder ins Bett und lehnte sich neben Schmidt ans Kopfende.
"Hier", sagte sie müde und gab Schmidt das Fläschchen.
Es dauerte eine Weile, bis Max an der Flasche nuckelte, aber zumindest trank er schon mal.
"Und wenn er trinkt, kann er wenigstens nicht schreien", dachte Nikola, der fast die Augen zu fielen. Müde rutsche sie vom Kopfende runter ins Bett und kuschelte sich in ihre Kissen, was Schmidt, der sich voll und ganz auf den Kleinen konzentrierte, erst gar nicht bemerkte.
Erst als Max zu Ende getrunken hatte und danach nicht sofort wieder losschrie, drehte sich Schmidt zu Nikola um.
"Nikola?"
"Mmh?" kam die Antwort von unten
"Nichts", flüsterte Schmidt leise, um sie nicht aufzuwecken.
Vorsichtig legte er Max, der sich inzwischen wirklich beruhigt hatte, neben Nikola in die Kissen und strich ihm noch ein paar Mal sanft über den Bauch. Aber das Bauchweh schien verschwunden und die Krämpfe auch.
Erst jetzt merkte Schmidt, wie sehr ihn diese vergangenen Stunden selbst angestrengt hatten und auch er begann zu gähnen.
"Nikola?" flüsterte er erneut, aber Nikola schien schon tief und fest zu schlafen.
"Und jetzt?" dachte Schmidt.
Er hatte Nikola schließlich versprochen Max mit sich nach oben zu nehmen, sobald er schlief, aber eigentlich wollte nicht riskieren, dass er sich alleine um den Kleinen kümmern musste. Er könnte sich nun natürlich im Wohnzimmer aufs Ohr legen, dann wäre er auch noch in der Nähe, überlegte er. Aber irgendwie schien er viel zu müde zu sein, um aufzustehen, ins Wohnzimmer zu gehen und... Schon wieder fielen ihm fast die Augen zu.
"Also was soll's?" sagte er leise zu sich selbst und kuschelte sich ebenfalls in die Kissen. Seine linke Hand legte er beschützend auf Max' Bauch und er war schon im Halbschlaf, als er auf einmal spürte, wie Nikola ihre Hand ebenfalls auf Max' Bauch legte.
Ohne groß darüber nachzudenken, umschlossen seine Finger die ihren und so schliefen sie, mit dem kleinen Max zwischen sich, ein.

Am nächsten Morgen wurden Nikola von Max geweckt, der fröhlich vor sich hin brabbelte. Nach den Problemen der letzten Nacht lächelte sie, als sie sah, dass es ihm wieder richtig gut zu gehen schien. Das Lächeln verschwand allerdings, als sie bemerkte, wie sie die Nacht verbracht hatte. In einem Bett mit Schmidt! Händchenhaltend!
Sie zog abrupt ihre Hand zurück, was auch Schmidt aus dem Schlaf riss. Er öffnete die Augen und war nicht minder geschockt darüber Nikola gegenüberzuliegen. Keiner von beiden sagte ein Wort, bis Schmidt sich ein Herz fasste.
"Guten Morgen, Nikola", sagte er leise.
"Ähm, guten Morgen, Dr. Schmidt" antwortete Nikola ebenso leise.
Danach herrschte wieder peinlich berührtes Schweigen, das nach kurzer Zeit wieder von Schmidt durchbrochen wurde.
"Ja, also ich denke, es ist höchste Zeit, dass ich mit Max zurück in meine Wohnung gehe."
Nikola sah auf den Wecker. "Ja, Klara wird sicher schon bald vor Ihrer Tür stehen, nicht wahr?"
Schmidt nickte, aber er machte keine Anstalten das Bett wirklich zu verlassen, was Nikola einerseits beunruhigte, aber andererseits...
Erst Max lautes Quäken riss beide aus ihren Gedanken und Schmidt wusste nicht, wie er noch mehr Zeit totschlagen könnte. Also stand er auf und nahm Max vorsichtig auf den Arm.
"Oh, nein, nein, bleiben Sie ruhig liegen", rief er als Nikola ebenfalls aufstehen wollte. "Ich finde schon alleine raus."
Energisch schüttelte Nikola den Kopf und bestand darauf, Schmidt zumindest dabei zu helfen, alle Baby-Utensilien wieder zusammenzusuchen und einzupacken. Nikola begleitete ihn sogar bis zur Tür und als sie Max einen Abschiedskuss gab, kam sie Schmidt dabei wieder einmal gefährlich nahe.
"Tja, das war dann wohl unsere erste gemeinsame Nacht", lächelte Schmidt und Nikola war sich nicht sicher, wie sie dieses Lächeln aufzufassen hatte. Vorsichtshalber besann sie sich auf ihre Schlagfertigkeit. "Und die verlief sicher ganz anders als ihre "ersten Nächte" sonst, oder?"
"Stimmt", gab Schmidt unumwunden zu, "aber es war trotzdem..."
"Ja?" Nikola ärgerte sich schon wieder darüber, dass ihre Stimme so zu zittern schien.
Schmidt zögerte einen Moment, aber dann sagt er leise "...trotzdem schön."
Bevor sie noch irgendetwas erwidern konnte, verließ er die Wohnung.
Nikola blieb einen Moment lang verwirrt im Flur stehen, aber dann lächelte sie und glücklich lächelnd schlich sie zurück in ihr Schlafzimmer.

© August 1999, liljan98