| Als Erich Kästner noch ein Junge war (Tagesspiegel, 11.01.08) |
| Von Erich Kästner, Schriftsteller, Drehbuchautor und Kabarettist
(1899 1974), gibt es nur wenig Autobiographisches. Seine Helden,
etwa die in "Emil und die Detektive", wurden allemal berühmter
als er. Nur über seine Dresdner Kindheit hat er geschrieben, wunderbar
leicht, mit freundlicher Ironie: "Als ich ein kleiner Junge war"
heißt das Buch. Der Schauspieler Walter Sittler und der Autor Martin Mühleis haben daraus einen furiosen Bühnenmonolog gemacht, eine dicht inszenierte Rezitation mit Orchestermusik, komponiert von dem brillanten Saxophonisten Libor Sima. Im Admiralspalast kann man diese Kindheitsgeschichte nacherleben. Ohne Bühnenbild und Kostüme regieren allein Wort und Musik. Die Spannung ist hoch, die Stimmung nahezu feierlich, wenn hier ein Erwachsener, erinnernd aus der Sicht eines Kindes, erzählt. Da streiten die Eltern, wer das bessere Geschenk für den Schuljungen hat, der hin- und hergerissen zwischen beiden steht und beinahe verzweifelt. Kästners Onkel Franz Sittler in unwiderstehlicher Hochform prahlt mit seinen Bombengeschäften und serviert die arme Verwandtschaft in der Küche ab, während seine Schwester, Kästners Mutter Ida, einen kargen Friseursalon im Wohnzimmer ihrer Wohnung eröffnen muss. Und mitten in all den kleinen, grausamen, komischen, berührenden Konflikten und zaghaften oder großen Gefühlen endet die jugendliche Unschuld jäh: Der Weltkrieg hatte begonnen, und meine Kindheit war zu Ende. Kästner wurde Antimilitarist. Das Kind in seiner Seele blieb lebendig, und in dieser Inszenierung kann man das erleben. © 2008 Tagesspiegel; Carolin Fetscher |