Der Mustervater - Allein unter Kindern
AT: A Man's World
(SAT.1, Erstausstrahlung: 10.02.2004)
 
Handlung | Darsteller | Produktion | Quote & Kritiken
 
Für den erfolgreichen Produktmanager Stefan Herrlich (Walter Sittler) ist ein perfektes Familienleben nur eine Frage der guten Organisation. Seine Kinder, die 12-jährige Ada (Marie Terese Katt), der fünfjährige Timmy (Leo Natalis) und die zweieinhalbjährige Leni (Lisa-Marie Warszewski) sind ihm am liebsten, wenn sie friedlich schlafen. Den Rest überlässt er gerne seiner Frau Ines (Claudia Michelsen), sie gibt Kurse an einer Modefachschule.
   
Doch plötzlich stehen die Eltern vor einem riesigen Problem: Der Kindergarten, in dem die zwei Jüngsten untergebracht sind, ist über Nacht abgebrannt. Für beide Berufstätige muss schnell eine Lösung her.
Wie gewohnt überlässt Stefan Ines das Problem, doch ein Ersatz ist nicht zu finden. Als Ines ihr Leid klagt, behauptet Stefan kurzerhand, dass es doch ein Leichtes wäre, selbst einen Kindergarten zu gründen. Ines nimmt ihm beim Wort und Stefan stellt sein Organisationstalent unter Beweis: Er gründet einen Privat-Kindergarten. Typisch für ihn: Sobald die lärmende Rasselbande Einzug hält, verabschiedet er sich Richtung Büro.

Doch da lauert auch schon die nächste Überraschung: Während Stefans Abwesenheit wurde seine defizitäre Abteilung kurzerhand eingespart - Stefan ist arbeitslos! Von heute auf morgen ist er den Themen Haushalt und Erziehung ausgesetzt. Ines erhält ein Angebot als Designerin und Teilhaberin einer Boutique und ist auf dem besten Wege, Karriere zu machen. Sie übernimmt die Ernährerrolle. Für den selbstbewussten Macher mit dem gut entwickelten Ego eine bittere Pille.
 

Sein Ego steht ihm aber auch in andere Hinsicht im Weg. Stefan will partout kein Arbeitslosengeld beantragen, weil er dies als Niederlage betrachtet. Seine Abfindung hat er zu Ines' großen Unverständnis in Aktien seiner Ex-Firma angelegt, seine Bewerbungen sind erfolglos und die Mahnungen und Rechnungen die ihm ins Haus flattern, ignoriert er. Allerdings steht schon bald zum ersten Mal der Gerichtsvollzieher vor der Tür.
   
Als sich dann auch noch die Erzieherin wegen Unterbezahlung aus der Verantwortung stiehlt, bleibt Stefan nichts anderes übrig, als den Kindergarten selbst zu führen. Doch für diese Herausforderung hat selbst er kein Konzept: acht Kinder unter fünf Jahren, die es täglich zu bändigen gilt. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten kommt er mit der Rasselbande aber doch ganz gut klar...

   
 

Bei einem Ausflug in die Stadt gerät Stefan allerdings an seine Grenzen. Als er im Cafe auf den Kollegen trifft, der für seine Entlassung verantwortlich ist, verläßt er das Cafe überstürzt und vergisst dabei seine Tochter Leni.
   

Zwar findet er sie schnell unversehrt wieder, aber der Schock sitzt ihm auch Tage später noch in den Knochen. Immerhin überwindet er sich doch endlich Arbeitslosengeld zu beantragen. Da er sich aber erst Monate nach der Entlassung arbeitslos meldet, muss er dabei Abstriche machen. Und die finanziellen Sorgen gehen weiter, denn die Bank droht mit Zwangsversteigerung, da die Herrlichs seit Monaten die Raten für das Haus nicht mehr gezahlt haben.

Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als das Haus zu verkaufen und in eine Wohnung in der Stadt zu ziehen. Die Stimmung zwischen Ines und Stefan wird immer schlechter, da Stefan nun auch noch eifersüchtig auf Ines Geschäftspartner ist.

Der nächste Ärger steht schon ins Haus: Das Jugendamt hat Wind von dem Kindergarten bekommen und da dieser weder angemeldet noch den gesetzlichen Vorschriften entspricht, muss er geschlossen werden.

Als Stefan nun schon fast verzweifelt, wendet sich doch alles zum Guten. Er wird kurzerhand zu einem Vorstellungs-Gespräch eingeladen, dass sehr positiv verläuft. Er erfährt, dass er völlig unbegründet eifersüchtig war und als er dann auch noch den neuen Job bekommt, ist das Glück perfekt. Und auch das Problem der Kinder - Betreuung können die Herrlichs in Eigen-Regie lösen.


Darsteller
 
Walter Sittler Stefan Herrlich
Claudia Michelsen Ines Herrlich
Marie Terese Katt Ada Herrlich
Leo Natalis Timmy Herrlich
Lisa-Marie Warszewski Leni Herrlich
Ulrike Hübschmann Regine Kessler
Bruno Schubert Oskar Kessler
Kirk Kirchberger Rudi
Alexandra Finder Sabine Rudolph
Michael Christian Karl Döring
Christoph Jungmann Gerichtsvollzieher


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Produktion
   
Regie Dagmar Hirtz
Buch Silke Zertz
Kamera Phillip Timme
Produktion Roxy Film
Produzenten Andreas Richter, Ursula Woerner, Annie Brunner
gedreht wurde vom 12. August bis 16. September 2003 in Berlin
   
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Quote / Kritiken
 

Einschaltquote (Erstausstrahlung)
Der Film war an dem Abend in der klassichen Werberelevanten Zielgruppe (14-49 Jahre) mit 20,3% Marktanteil Primetime-Sieger . Insgesamt hatte der Film 4,27 Mio Zuschauer.

epd medien, 21.02.04

[....] Und dann schauen zwei Frauen - Silke Zertz und Dagmar Hirtz - einfach mitten in den ganz normalen Alltag und schöpfen aus trockenen Vokabeln, die eher in die Tagesschau gehören (Arbeitslosigkeit, Familie und Beruf, Kindergartenplätze, Hartz-Reform, Schwarzarbeit usf.) eine witzige, wirklichkeitsnahe Komödie - und die läuft zur besten Sendezeit bei Sat.1. Zeichen und Wunder! [....] Wenn es so herzerfrischend daherkommt wie hier.[....] Genau das ist die wirkliche Komödienkunst: Aus einer Misere heraus die Gedanken tanzen zu lassen und ihr auch komische Seiten abzugewinnen, ohne die Probleme klein zu reden. Ein Teil des Films ist der Wirklichkeit genau abgeschaut, der andere glänzend ausgedacht: eine unschlagbare Mischung. Autorin Silke Zertz hat ein wunderbar erdnahes und leichtfüßiges Buch mit pointenreichen Dialogen geschrieben, Regisseurin Dagmar Hirtz bringt das Buch szenisch auf den Punkt. Nie wird dieser Film langweilig, eigentlich möchte man, als Zuschauer hochbeglückt, jeden Gag nacherzählen: die Szene auf dem Arbeitsamt, der Besuch der bürokratischen Amtstante ("Hygienebedingungen!"), die den Kindergarten schließen lässt. Walter Sittler braucht sein komisches Talent längst nicht mehr zu beweisen. Aber es ist ein Hochgenuss, ihm in diesem Film zuzuschauen, in dem er all sein spielerisches Können beweisen kann. Denn Stefan ist keine Witzfigur, er leidet zutiefst an der Verwirrung seines männlichen Weltbildes, und das kann man durchaus nachvollziehen. Claudia Michelsen, die man gerne öfter in einer größeren Rolle sehen würde (und das nicht nur des interessanten Gesichts wegen) ist da die ideale Spielpartnerin, sie nimmt sich zurück, und gerade durch diese Zurückhaltung gewinnt ihre Figur Persönlichkeit und Kontur: [....] Es geht hier also um nichts weniger als um Männer und Frauen, Eltern und Kinder, Arbeitsplatzbesitzer und -verlierer, Bürokratie und Kreativität, alte und neue Rollenmuster, sogar um die jämmerliche Verfasstheit des Standorts Deutschland. Den Beweis, dass man daraus eine herrliche Komödie machen kann, haben alle Beteiligten mit diesem Film geliefert. Lachen ist ja immer noch das beste Mittel gegen Verspannungen aller Art. Das märchenhaft glückliche Happy-End, wie es zu Komödien gehört, sei schon allein deshalb allen gegönnt.

Der Spiegel, 09.02.04

Die Herrlichs, Mutter (Claudia Michelsen), Vater (Walter Sittler) und ihre drei Kinder, leben unbeschwert in den Tag: Die lieben Kleinen chaotisieren vor sich hin, der Vater flieht ins Büro, und die Mutter ist meistens für die Familie verantwortlich. Doch dann verliert Herr Herrlich seinen Job, und materielle Sorgen klopfen an die Haustür: Der Gerichtsvollzieher meldet sich, Zwangsversteigerung droht. Ein Rollentausch wird unvermeidlich: Der Mann übernimmt Hausarbeit und den Job im Kindergarten, Mutter schafft das Geld heran. Das Charmante an diesem Film (Buch: Silke Zertz, Regie: Dagmar Hirtz) ist die unverkrampfte, wie selbstverständlich daherkommende Erzählung eines Familienschicksals, ohne tragisches Pathos und mit einem großen Herzen für Kinder.

Sächsische Zeitung, 12.02.04
Selten und wohl noch nie im Privatfernsehen sah man eine so lebensnahe, kaum geschönte Widerspiegelung der bundesdeutschen Wirklichkeit. Ausnahme: das märchenhafte Ende. Ein arbeitslos gewordenener Produktmanager (souverän Walter Sittler) muss sich um drei eigene Kinder und noch einige andere kümmern, da der Kindergarten abbrannte. [....] Nicht übergangen werden die Konflikte innerhalb der Ehe, in der nun Frau Ines (ebenbürtige Partnerin Claudia Michelsen) das nie ausreichende Geld verdient.
Für das sehenswerte Ergebnis, in dem sich Warmherzigkeit mit kritischem Realismus vereinen, zeichneten Silke Zertz (Buch mit witzigen Dialogen) und Regisseurin Dagmar Hirtz verantwortlich. Herzliche Gratulation.

TV Beilage des Stern, Februar 2004

[....] Wie elegant und unkitschig der Film nun das Happy-End herbeiführt, zeigt seine Qualität, die sich darüber hinaus in den lebensnahen und witzigen Dialogen manifestiert. Natürlich wird die Wirklichkeit auch in diesem Familienstück zuweilen etwas geschönt, doch so viel gekonnt platziertrer kritischer Realismus wurd dem Fernsehzuschauer in einer deutschen Komödie trotzdem schon lange nicht mehr zugemutet.

Hamburger Abendblatt, 11.02.04

[....] Die von Dagmar Hirtz inszenierte Familiengeschichte war vergnüglich, ohne deshalb ernste Realitäten wie Schulden und Ehekonflikte auszusparen. Als der coole Manager Stefan arbeitslos wird, muss er sich als Vollzeitvater und Kindergärtner beweisen. Sieht man von kleinen Längen ab, machte das komödiantische Spiel von Walter Sittler genauso viel Spaß wie das gute Ende, von dem Millionen Mütter leider nur träumen können: Ausgerechnet die Erfahrungen im Kindermanagement verhelfen dem TV-Papa zu einem neuen Job.

Hörzu, Februar 2004

Komödie mit ernsten Untertönen. Hervorragend: Walter Sittler in der Rolle des Kindermanagers. [....] Mit lockerer Hand, aber auch mit durchaus ernsthaften Zwischentönen inszenierte Dagmar Hirtz diese Komödie über einen Macho, der nach einer Serie von Rückschlägen sein Herz für Kinder entdeckt. Walter Sittler bringt sichtlich seine Erfahrung als dreifacher Vater ein: Als Karrierist wirkt er eher blass, als Kindermanager dagegen richtig lebendig.

Nordkurier, 15.02.2004

[....] Dessen Hauptfigur gibt Walter Sittler mit seinem erfrischenden Spiel kräftige Konturen und beachtliche Tiefe. Die Kinder zaubern duftige Atmosphäre mit ihrer Darstellungsart.

teleschau
[....] Vor ernstem Hintergrund entwickelt das Buch von Silke Zertz eine amüsante, manchmal auch nachdenklich machende Familiengeschichte, die nun SAT.1 erneut zeigt. [....] Das Movie wandelt recht sicher auf diesem schmalen Grat zwischen Komödie und Realität, vor allem dank einer glaubwürdigen schauspielerischen Leistung von Walter Sittler. Selbst mehrfacher Vater, gibt er den Kindergarten-Daddy ebenso sympathisch wie überzeugend.

prisma-online

[....] Bei ihrer witzigen, wenn auch vorhersehbaren Familienkomödie vertraut Regisseurin Dagmar Hirtz ("Der Tod ist kein Beweis", "Bella Block: Bitterer Verdacht") auf das gute Spiel des gesamten Darstellerensembles, allen voran Walter Sittler als Produktmanager auf Abwegen

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