Interview aus der Pressemappe "Ein Geschenk des Himmels"
(ARD, April 2005)
 
Das Interview wurde mit Walter und Suzan Anbeh geführt, hier gibt es aber nur die Fragen/Antworten von Walter.

Im Film spielt die Gemeinde der Pietisten für Sie beide eine große Rolle. Haben Sie sich für die Dreharbeiten genauer mit den pietistischen Vorstellungen vom Leben auseinander gesetzt?

In meinem Leben sind bisher nur die Zeugen Jehovas als strikte religiöse Gemeinschaft mit dem Versuch aufgetreten, mein Leben zu beeinflussen, und das konnte ich erfolgreich abwehren. Von mir nicht gewünschten Einfluss lasse ich einfach nicht zu.

Johnny John führt einen, wie seine Mutter im Testament streng vermerkt "liederlichen Lebenswandel". Welche kleinen und großen "Sünden" entdecken Sie an sich selbst?
Der sogenannte "liederliche Lebenswandel" beruht ja in diesem Film mehr auf der Einbildung der Mutter, beziehungsweise ihrer Erfahrung mit dem Kindsvater. Mit seinem tatsächlichen Leben hat das nicht viel zu tun. Oft hat der Schein oder die hineinvermuteten Geheimnisse wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Was meine "großen und kleinen" Sünden betrifft, halte ich es ausnahmsweise mit der Kirche: Die machen wir doch mit unserem Gott oder Jahwe oder Allah oder wie auch immer er heißt, ganz allein aus.

Sie leben schon viele Jahre in Stuttgart. Wie viel Schwäbisches steckt mittlerweile in Ihnen? Woran merken Sie es?
Ich bin ein großer Verehrer der schwäbischen Maultaschen und des Zwiebelrostbratens. Auch habe ich den ziemlich komplizierten Abfuhrkalender des Stadtreinigungsamtes ziemlich gut im Griff, mit den wöchentlich wechselnden Abfuhrtermine der verschiedenfarblichen Tonnen. Daran z.B. merke ich, dass ich wohl ein wenig verschwäbelt bin.

Der kleine Tim wünscht sich nichts sehnlicher als einen neuen Papa und hofft auf "Ein Geschenk des Himmels". Glauben Sie an Schicksal?
Schicksal ist so ein schönes dramatisches Wort für das, was sowieso passieren wird und scheinbar passieren muss. Das Problem ist, dass wir das Schicksal so gerne durchschauen würden, was aber unmöglich ist. Also bleibt uns nicht viel anderes übrig als: Carpe Diem, mit aller Kraft und Leidenschaft und Können.

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