Menschen bei Maischberger
(ARD, 07.10.03)
 
Sandra Maischberger: Mein nächster Gast hat gerade den Fernsehpreis bekommen für seine Rolle als Chefarzt in der Serie "Nikola". Und damit ist er sozusagen - jedenfalls im Moment - auf dem Höhepunkt seiner Karriere, die unter anderem auch mal als Taxifahrer begonnen hat. Ganz wie bei Joschka Fischer. Ob er sonst noch viele Gemeinsamkeiten hat mit den 68ern wollen wir wissen von... Walter Sittler.

(Walter kommt ins Studio, wird begrüßt usw.)

Glauben Sie, dass Gerhard Schröder stürzen wird nächsten Freitag? [wenn im Bundestag über das Vorziehen der Steuerreform und Hartz-Gesetze abgestimmt wird].
 
Walter: Nein.

S. Maischberger: Was macht Sie so sicher? Sie haben ihn ja vor einem Jahr noch vor der Wahl unterstützt und gesagt: "Ich bin für Gerhard Schröder, weil er sich nicht vor Wahrheiten drückt." Irgendwie so was in der Art.

Walter: Erstens das und zweitens weil ich der Meinung war und bin, dass er die für die jetzige Zeit bessere Mannschaft um sich hat...

S. Maischberger: Glauben Sie das noch?

Walter: Ja, glaube ich immer noch. Und ich glaube, die derzeitige Opposition, die CDU/CSU, ist heilfroh, dass sie nicht regieren müssen im Moment, weil es so schwierig ist, was auf uns zu kommt. Und mit ihren Konzepten sind sie auch nicht sehr viel weiter vorne, würde ich mal sagen. Und deswegen glaube ich, dass es nächste Woche nicht passieren wird.

S. Maischberger: Aber sind Sie durch und durch zufrieden mit dem, was passiert ist, in dem einen Jahr seitdem Sie das gesagt haben?

Walter - bei Maischberger 1 Walter: Sagen wir mal so: Nein, ganz zufrieden bin ich nicht. Aber ich bin nicht jemand, der sagt: "Die Regierung ist schuld." Denn die Regierung kann die Gesetze erlassen und kann versuchen zu steuern, aber die Menschen müssen schon selber mitarbeiten. Und das ist ein Punkt, der im Land im Moment noch nicht so gut läuft wie er könnte. Auch die Arbeitsplätze müssen natürlich geschaffen werden, aber das müssen die Leute machen, die ein bisschen Geld haben, die Unternehmen haben.
Und die dann auch lieber hier bleiben, weil sie sagen: "Die Umstände in Deutschland sind so gut, ich produziere lieber hier und versuche nicht auf jede erdenkliche Weise Geld rauszuholen." Und ich denke, es gibt genügend, die das machen. Und es wird auch wieder besser werden, da bin ich ganz sicher.
 
S. Maischberger: Und Sie würden Gerhard Schröder noch mal unterstützen? Ernsthaft?

Walter: Ja.

S. Maischberger: Mensch!

Walter: Ja, nochmal. Ich sehe einfach auf der anderen Seite im Moment niemanden, den ich unterstützen wollen würde. Nicht, dass die nicht gut sind. Das sind auch gute Politiker dort, aber... nee, sehe ich nicht.

S. Maischberger: Sie haben ja drei Kinder, zum Teil in Lehrstellen-Alter, muss man sagen. Die sind ja jetzt vielleicht unmittelbar davon betroffen, dass sie aus der Schule rausgehen - die Älteste, glaube ich, ist soweit - und sich überlegen müssen: "Aber was mache ich denn dann?" Glauben Sie, dass die auf eine gute Situation treffen? Oder machen Sie sich da Sorgen als Vater?

Walter: Also, wenn ich mir überlege, wie es mir ging, als ich mit der Schule fertig war... Ich hatte auch keine Ahnung, was ich machen soll. Und wie es geht. Und wo es lang geht. Und dann hatte ich mich entschieden, ich studiere. Plötzlich war da ein Numerus Clausus, den ich irgendwie nicht bedacht hatte. Ich kriegte keinen Studienplatz. (S. Maischberger lacht) Ja, dämlich!

S. Maischberger: Was war das? Medizin?

Walter: Ja, Medizin damals noch.
Walter - bei Maischberger 2
 
S. Maischberger: Und da wußten Sie nicht, dass es einen Numerus Clausus gibt?

Walter: Ich wußte das schon, aber irgendwie war das nicht wichtig. Das ist schon so lang her, dass man dachte, wenn man Abitur hat, kann man studieren. Stimmte aber nicht. Und ich denke, jede Zeit hat so ihre Schwierigkeiten. Und wenn wir das in unserer Familie hinkriegen, dass die Kinder das machen, was ihnen wirklich liegt und wofür sie geeignet sind und begeistert sind, dann wird das auch funktionieren.

S. Maischberger: Wieso hatten Sie keine Ahnung was Sie machen wollten? Denn Sie sind ja in einer Familie mit sieben Geschwistern, also acht Kindern, aufgewachsen. Sie haben gelebt in Deutschland und Amerika. Sie waren im Internat in Salem, wo ja unglaublich viel an musischer Erziehung auch gegeben wird... man würde meinen, so ein Kind wie Sie, kriegt alle möglichen Inputs...

Walter: Da war auch das Problem.

S. Maischberger:
...und hat danach nur die Qual der Wahl was er machen soll.

Walter: Ja genau, man hat die Qual der Wahl und weiß nicht, was man tun soll. Man kann theoretisch alles. Das war auch die Zeit, wo man sagte: "Wenn du Abitur hast, steht dir alles offen!" Ja, aber... was soll ich dann machen, mit dem ganzen Allen? Also viele in meiner Klasse wussten nicht genau, was sie machen sollten. Ich war ein ganz normaler junger Abiturient, dann war ich noch bei der Bundeswehr - hab das auch noch gemacht, was viele nicht machten, andere machten es, also ich hab's gemacht. Und danach war ich genauso klug wie zuvor, also...

S. Maischberger: Haben Sie gedacht, die Bundeswehr gibt eine Antwort?

Walter: Ich hatte gehofft, die Antwort würde zu mir kommen, aber sie kam nicht. Und ich glaube auch nicht, dass die Bundeswehr irgendjemandem eine Antwort geben kann. Und die Schauspielerei, die ist es dann so geworden.

S. Maischberger: Sie sind ja dann erstmal - früher hätte man gesagt "Wanderjahre" - sie haben das Land verlassen und sind erstmal nur gereist unter anderem auch zu einer Schwester von Ihnen, die in Peru gelebt hat, in Lima.

Walter - bei Maischberger 3 Walter: Also, Reisen würde ich das nicht nennen, ich bin nach Lima um zu arbeiten. Um rauszukriegen, ob ich nicht da leben will. Das Problem war... ich kam dort an und es war auch alles sehr schön. Und ich war gerade acht Tage da, da gingen wir zu einer Tante ihres Mannes, die im Krankenhaus lag.
Und die war damals 65 oder so was, sah mich reinkommen und schaute mich so an. Und sie konnte Deutsch und sagte: "Du bist ein schöner junger Mann! Du wirst Peru nicht unverheiratet verlassen!" Da hab ich mir gedacht: "Das werde ich dir schon zeigen!" Und ich hab es unverheiratet verlassen und hab dann einfach...

S. Maischberger: (lacht) War das damals eine Bedrohung oder was?
 
Walter: Das war damals eine echte Bedrohung, wo ich dachte: "Moment mal! Ich will hier selber entscheiden, was ich mache mit meinen 23 Jahren." Und dann hab ich dort gearbeitet in zwei verschiedenen Firmen...

S. Maischberger:
(unterbricht ihn) Entschuldigung. Es gibt ja junge Männer, die fahren gerade weg um dann die Frau fürs Leben auf der Reise zu finden. Das war nicht Ihr Ziel...

Walter:
Also, ich brauche immer ziemlich lang, bis ich weiß, wie ich Sachen machen will. Und wie das so geht. Und das war mit den Mädchen nicht anders (S. Maischberger schmunzelt). Also, ich sah die in meiner Klasse, die Abiturienten auch und die hatten dann immer ihre Freundinnen und fuhren mit den Autos rum und ich hab mich gefragt "Wie machen die das? Wie funktioniert das?"
Das liegt vielleicht daran, dass ich als Jüngster von acht es einfach gewohnt bin, der Jüngste zu sein. Die Rolle kann ich. Also die kann ich blind. Sagen Sie mir irgendwo, ich mach es. Und dazu gehört auch, dass man als Jüngster nicht so genau Bescheid weiß. Man wartet, bis die Älteren sagen, was man tun soll. Und ich musste diese Rolle erstmal ablegen. Und das dauerte lang.

S. Maischberger: Und das galt auch für...

Walter: Das galt auch für die Mädchen. Nicht das es keine gab, aber "Frau fürs Leben"? Das war überhaupt kein Thema.

S. Maischberger: Aber eben die Arbeit fürs Leben, die haben Sie in Lima auch nicht gefunden.

Walter: Nee!

S. Maischberger: Sie haben aber herausgefunden, dass Sie dort nicht leben wollen, oder was?

Walter: Das hatte nichts mit Lima zu tun, sondern ich hab dort in Firmen gearbeitet, war Privatsekretär und hab eine kleine Firma mit meiner Schwester aufgebaut. Und hab dann bei einer anderen die ganze Abwicklung gemacht und hab festgestellt: Das ist nix für mich. Das kann ich nicht. Job, 8 - 5, Schreibtisch, kann ich nicht.

S. Maischberger: Immerhin eine Erkenntnis.

Walter: Ja. Das heißt man hat hier [in dem beruflichen Bereich] nicht mehr suchen müssen, aber das restliche Feld war immer noch so groß. Also ich kam zurück und wußte auch nix.

S. Maischberger: Man sagt immer, dass das heute gar nicht mehr geht. Also Bummel-Studenten sind das eine, das ist ja nichts anders als vielleicht auch die Suche nach dem was man eigentlich will im Leben. Und in dieser Gesellschaft, in der wir jetzt leben, geht das gar nicht mehr, weil gar nicht mehr so viel Geld da ist. Und man muss schneller rein und schneller Leistung bringen und so...

Walter: Ich hab mich selber finanziert. Ich hab nicht gebummelt, sondern ich hab immer gearbeitet in der Zeit. Also gut, in Lima, hab ich bei meiner Schwester gelebt und das bisschen, was ich hatte, dann dort ausgegeben. Aber als ich dann wieder in Deutschland war, hab ich richtig gearbeitet...

S. Maischberger:
Unter anderem als Taxifahrer tatsächlich.

Walter: Als Taxifahrer, als Krankenpfleger, als Filmvorführer und das ging ganz gut. Und ich war insgesamt drei Monate an der Uni und dann bin ich geflohen.
Walter - bei Maischberger 4
 
S. Maischberger: Sind Sie denn zwischendurch auch arbeitslos gemeldet gewesen, also kennen Sie diesen Gang zum Arbeitsamt, wo man dann sagt...?

Walter: (grinst) Morgen wieder.

S. Maischberger: Morgen? Mittwoch?

Walter: Ja, morgen. (S. Maischberger lacht) Nein, mein Beruf ist ja ein bisschen verrückt. Denn die Produktionsfirmen, für die ich arbeite, die beschäftigen mich als Angestellten. Ich bin also "abhängig beschäftigt". Und normalerweise ist so es im Arbeitsmarkt-System... also Herr Clement [der vorher mit seiner Frau interviewt wurde] muss da nix ändern, das ist einfach ein verrückter Beruf. Ich bin also sechs Wochen beschäftigt, dann bin ich vier Wochen ohne Beschäftigung und ich bin auf dem Papier arbeitslos.
Und dann gehe ich zur Frau Reck, meiner Sachbearbeiterin und sag: "Frau Reck, hier bin ich wieder." Sagt sie: "Ja, was haben Sie denn gemacht?" - "Ich hab einen schönen Film gemacht für SAT.1 oder fürs ZDF." - "Haben Sie denn eine neue Autogrammkarte, denn wir haben wir eine neue Mitarbeiterin..." Und wenn ich eine dabei hab, unterschreibe ich die ...(S. Maischberger lacht)... und dann geht das wieder.

S. Maischberger: Und für Sie hat das überhaupt gar keinen Schrecken? Denn es gibt Leute, für die ist das ein Stigma. Zum Arbeitsamt gehen zu müssen. Hatte das irgendwie für Sie einen Schrecken beim ersten Mal?

Walter: Bei mir ist es nicht so wie für die Menschen, die ihre Arbeit verlieren und die nicht wissen, wie es weitergeht.

S. Maischberger: Das ist anders als bei ihnen.

Walter: Ich weiß, wie es weitergeht. Für mich ist das ein bürokratischer Vorgang, der so organisiert ist, dem ich nicht entgehen kann. Und das ist kein Schrecken für mich, nein.

S. Maischberger: Und kennen die Leute, die da jetzt auch sitzen und arbeitslos geworden sind und da warten und ihre Nummer gezogen haben, bis sie dran kommen... kennen die Sie jetzt mittlerweile und sagen: "Was macht der Sittler hier eigentlich?"

Walter - bei Maischberger 5 Walter: Einige schon, ja. Aber es fragt keiner.

S. Maischberger: Die gucken nur.

Walter: Die gucken nur und sind wahrscheinlich verwirrt, dass einer... "Der ist doch im Fernsehen, der kann doch nicht arbeitslos sein, das ist doch kein normaler Mensch." Aber natürlich bin ich das schon. Aber es fragt eigentlich keiner. Und die Frau Reck ist ganz normal und wir schwätzen ein bisschen und ...
 

S. Maischberger: Morgen kriegt sie eine neue Autogrammkarte.

Walter: Ich hab noch keine, ich muss wieder welche machen.

S. Maischberger:
Ich hab das vorher so gesagt und ich weiß nicht ob es stimmt, also ob Sie das selber so empfinden, wenn man so einen Preis bekommt, den Deutschen Fernsehpreis: Sie sind jetzt gerade auf dem Höhepunkt irgendwie des eigenen Schaffens...

Walter:
Ich hoffe nicht, dass es der Höhepunkt ist, sondern dass es der Anfang ist.

S. Maischberger: Das ist aber erst einmal... also Sie haben den Preis bekommen für "Nikola", da geht es jetzt auch weiter. Aber wo Sie aufhören ist das, womit Sie dann tatsächlich den großen Durchbruch geschafft haben, was jedenfalls die Popularität angeht, nämlich "girlfriends". Da ist jetzt dann im Herbst mit Ihrer Rolle Schluss. Und Mariele Millowitsch will da auch nicht weitermachen. Wie ist das, wenn man das - wie Sie seit 1995 - so lange gespielt hat: kriegt man Phantomschmerzen, wenn man sich so eine Figur dann aus dem Leib wieder rausschneidet?

Walter:
Nein! Es ist so, ich hab jetzt...

S. Maischberger: Sie sind erleichert, oder? Sie gucken so ein bisschen...


Walter: Nee, ich hab die Rolle sehr gerne gespielt. Die war sehr wichtig für mich in meinem beruflichen Werdegang. Aber es ist wie am Theater auch. Man entwickelt sich dann auch, man spielt andere Sachen anschließend.
Und diese Rolle ist ein wichtiger Teil, aber sie ist in der Vergangenheit. Und ich betrachte sie gerne, aber es ist ... ich fahre jetzt Formel 1 und nicht mehr das andere. Das andere ist Rolls-Royce, das ist wunderbar, aber Formel 1 ist genauso schön. Und irgendwann hört man mit Formel 1 auf und fährt dann Fahrrad oder irgendwas.

S. Maischberger: Bei Formel 1 ist das Problem, das ist eben schon ganz oben. Danach gibt's dann nur noch...
Walter - bei Maischberger 6
 
Walter: Es kommt drauf an, wie man es anschaut. Es ist wie Äpfel und Birnen. Also ich könnte mir vorstellen zum Beispiel, Motorrad ist was ganz anderes als Formel 1. Und wenn wir "Nikola" spielen ist es was ganz anderes als "girl friends". Oder wenn man diesen Film nimmt, den ich mit Veronica Ferres gedreht habe, das ist wieder was anderes.
Also in unserem Beruf ist das Schöne: die Anforderungen und die Erlebnisse sind immer wieder neu. Und die Rollen sind immer wieder neu, so dass wir immer wieder von vorne anfangen. Also so ein Preis ist nicht: "Schaut mal ich bin ein toller Schauspieler, ich kann das jetzt alles." Sondern bei der nächsten Rolle fange ich wieder mit Null an.

S. Maischberger: Bei dem Preis haben Sie dann die Konstante in Ihrem Leben erwähnt, in dem Sie eine Liebeserklärung an Ihre Frau formuliert haben, als Sie den Preis bekommen haben. Und Sie haben da so sinngemäß gesagt...

Walter: Ich kann's wiederholen, ich weiß es.

Walter - bei Maischberger 7 S. Maischberger: Sagen Sie's noch mal, es war so schön.

Walter: "Und vielen Dank an die Frau, die mich vor kurzem geheiratet hat..."

S. Maischberger: Was ja nicht stimmt...

Walter: "...so vor 18 Jahren."

S. Maischberger: Genau! 18 Jahre.
 
Walter: Ich empfinde 18 Jahre als kurz. Also in der Beziehung... das ist wie bei Herrn Clement und seiner Frau. Diese Heiterkeit miteinander. Da sind die Jahre nicht lang. Die sind kurz. Und auch da ist es so - es hängt vielleicht mit meinem Beruf zusammen - man verändert sich ständig. Und in der Beziehung verändert man sich auch. Und wenn man das schafft, den Partner in der Veränderung weiter zu begleiten und zu mögen, dann spielt die Zeit keine Rolle.


S. Maischberger:
Die Frage ist nur: Wie schafft man das?

Walter:
Aufmerksam sein und sich nicht so wichtig nehmen. Sich selber nicht so wichtig nehmen. Nicht sagen: "Ich bin der Größte und ich kann das und ich weiß, wie du sein musst und ich weiß wie Beziehungen funktionieren!" Denn ich hab letztlich auch nicht wirklich ne Ahnung.
Sondern man kämpft sich so durch und das ändert sich ständig und man weiß auch nicht, wie es weitergeht. Und aufmerksam sein. Das, was die Clements auch sagten, man muss miteinander im Gespräch bleiben und dran arbeiten.
Walter - bei Maischberger 8
 
S. Maischberger: Bei Ihnen ist es ein bisschen was anderes, Sie haben drei Kinder, Ihre Frau ist aber auch berufstätig. Das heißt, Sie müssen ein bisschen mehr organisieren, vermutlich, als die Clements, wo die Frau ganz zu Hause bleibt. Ist das eher eine Schwierigkeit gewesen bei Ihnen?

Walter:
Also wir mussten früher ein bisschen organisieren, als ich am Theater war und sie dann weg fuhr zum Unterrichten. Jetzt ist es so, seit ich beim Fernsehen bin, ist sie mehr zu Hause und die Kinder sind auch nicht mehr so klein. Also jetzt zum Beispiel waren wir 10 Tagen in Afrika zusammen für die "girl friends" wieder und da waren die zwei Jüngsten alleine zu Hause. Sie wollten das unbedingt. Es war ein bisschen Zahnschmerzen meinerseits, es ging ganz wunderbar. Es ging sehr gut.

S. Maischberger: Wie lange waren die alleine zu Hause?

Walter: 10 Tage.

S. Maischberger: 10 Tage?

Walter: Es waren Ferien, also es war keine Schule. Es waren 10 Tage.

S. Maischberger:
Sie haben Vertrauen in Ihre Kinder. 10 Tage alleine?

Walter: Ja. Und der Benedikt ist 16, die Lea ist jetzt 14 und sie ist groß, 1,85m und singt in 'ner Band und ist wunderbar. Und dann bin ich zum Benedikt und hab gesagt: "Bene, wenn ich weg bin, pass ein bisschen auf die Lea auf!" Und er war am Computer und dann nahm er so seine Kopfhörer ab und guckte mich so an und sagte: "Das mache ich sowieso." Und das stimmt auch. Und da kann man das Vertrauen haben.

S. Maischberger: Und Sie sind wiedergekommen und alles war gut.

Walter: Ja, wir brauchten ein bisschen um die Wohnung wieder in Gang zu bringen, aber es war alles gut.

S. Maischberger: (lacht) Aber die war nicht irgendwie von einer Party...

Walter - bei Maischberger 9 Walter: Überhaupt nicht. Also die haben auch zusammen gekocht zwischendurch und haben nicht so wahnsinnig viel miteinander zu tun gehabt. Aber jedes Mal, wen wir anriefen - wir haben nicht oft angerufen, vielleicht 2-3 Mal - aber da wußten die immer, was mit dem anderen los ist. Und eine Begebenheit war noch: die Lea war aus mit Freunden und rief ihn an und wollte statt um halb zwölf um halb eins nach Hause kommen. Nachts!

S. Maischberger: Sie rief ihren Bruder an und fragte: "Darf ich das?" ?

Walter: Ihren Bruder. Sie sagte "Bene, ich möchte gerne später kommen." Und da sagt der Bene: "Nein. Mit 14 muss man um halb zwölf zuhause sein." Ja, was will man mehr?
 
S. Maischberger: Das ist vielleicht dasselbe Prinzip wie bei Ihnen, wenn Sie der Jüngste waren von acht Kindern, da übernimmt man viel früher wahrscheinlich Verantwortung und Selbständigkeit. Geht gar nicht anders.

Walter: Nee, es geht nicht anders. Und was wir nie gemacht haben, als sie noch kleiner waren: Wir haben nicht gesagt, dass sie das müssen, sondern sie tun das von alleine. Wir haben sehr viel Glück mit den Kindern, dass die sich so mögen und so eng miteinander sind.

S. Maischberger: Zwei Sachen noch. Sie haben in Amerika und Deutschland gelebt. In Ihrer eigenen Familie. Acht Kinder. Wo ist man mit acht Kinder herzlicher willkommen? Haben Sie da einen Unterschied gespürt zwischen Amerika und Deutschland? So mit den kinderreichen Familien?

Walter: Nee. Also Amerika ist wahrscheinlich mit Kindern leichter gewesen, aber das könnte ich gar nicht sagen. Nee. Ich hab nur erlebt, mein nächstälterer Bruder, der fünf Kinder hat, die hatten es wahnsinnig schwer in Bonn. Die wurden wie Asoziale behandelt. Weil fünf Kinder...

S. Maischberger: Tatsächlich?
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Walter: Ja. Und seine Frau war sehr jung, als er sie heiratete, die war 18. Die hatte mit 27 schon fünf Kinder und da dachten die Leute: "Das kann nicht wahr sein, das können nur merkwürdige Leute sein!" Diese Problem hab ich nie gehabt, denn als wir 1959 nach Deutschland kamen, da war die Situation noch ganz anders. Da gab es viel mehr Kinder überall und acht Kinder war zwar viel, aber das war eher schön. Während jetzt sind drei Kinder schon so was.. da muss man schon aufpassen.

S. Maischberger: Und die andere Sache, die mit Amerika zu tun hat. Während wir hier sitzen gehen in Kalifornien die Leute zur Wahl und wählen einen Kollegen von Ihnen...

Walter: Ja, Arnie! The Terminator-Arnie.

S. Maischberger:
Würden Sie Arnold Schwarzenegger wählen zum Gouverneur?

Walter: Ich hab nicht die geringste Ahnung, was in Kalifornien los ist. Also wenn ich wüßte...

Walter - bei Maischberger 11 S. Maischberger: Ernsthaft, trauen Sie dem das zu? Das ist die Frage.

Walter: Wenn ich seine Mannschaft kennen würde, könnte ich es beurteilen. Ich kenne seine Mannschaft nicht.

S. Maischberger: Aber ihn.

Walter: Das Entscheidende in der Politik ist, das da einer ist, der das vorne repräsentieren kann. Und die tatsächliche Arbeit müssen andere machen. Und wenn er die hat, dann ist es gut.
 
S. Maischberger: Dann würden Sie ihn auch wählen?

Walter: Dann würde ich ihn wählen.

S. Maischberger:
Glauben Sie, dass hätte in Deutschland eine Chance? Einer der aus dem Schauspielfach kommt und sagt: "Ich werde jetzt Ministerpräsident!"?

Walter: Nee.

S. Maischberger: Warum nicht?

Walter: Das geht in Deutschland nicht. Weil man als Schauspieler noch nicht diese Anerkennung im breiten Bereich hat. Es ist schon toll, dass man Schauspieler ist und alle möchten das werden, aber so richtig trauen tut man denen noch nicht so. Und sie werden auch nicht genug geliebt. Also die Stars, die es in Amerika gibt, die gab's in Deutschland auch, die gibt es jetzt nicht im Moment.
Denn wenn einer anhebt Star zu sein, wird irgendwas gefunden, was nicht gut ist, und man versucht ihn klein zu machen anstatt ihn groß zu machen. Das machen die Franzosen anders, das machen die Engländer anders, das machen die Amerikaner anders und deswegen funktioniert das da. Hier geht das nicht.
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S. Maischberger: Mal sehen, ob das gut oder schlecht ist, wenn Arnold tatsächlich dann Gouverneur werdne sollte.

Walter: Es könnte sein. Es hörte sich heute abend so an.

S. Maischberger: Na, wir müssen morgen früh mal gucken.

Walter: Naja, wenn die Wahlmaschinen funktionieren, das weiß man ja in Amerika nie.

S. Maischberger: Wenn die zählen können, genau. Herr Sittler, ich wünsche Ihnen für das, was Sie jetzt als "nach der Formel 1 kommend" beschrieben haben, sehr viel Spaß und viel Erfolg. Und Danke für das Kommen.

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