| Beckmann (ARD, 24.11.03) |
|
| R. Beckmann: Ich freue mich auf die Schauspieler Mariele Millowitsch und Walter Sittler, Deutschlands erfolgreichstes Fernsehpaar. Seit fast zehn Jahren stehen sie gemeinsam vor der Kamera. Bei "girl friends" durften sie sich verlieben, bei "Nikola" kabbeln sie sich als Arzt und Krankenschwester so lustvoll, dass sie dafür gerade mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurden. Ich freue mich sehr, dass beide heute gemeinsam hier sind. Herzlich Willkommen, Mariele Millowitsch und Walter Sittler. Schönen guten Abend. | |
| Mariele: Guten Abend. Walter: Guten Abend. R. Beckmann: Mariele, viele Menschen glauben, Sie sind in Wirklichkeit, im wahren Leben ein Paar. Wie oft begegnet Ihnen das? Mariele: Jetzt nicht mehr so oft. Wir haben die Leute doch überzeugt, dass es auch ohne geht. Wir haben von Anfang an... Walter: Ich find's interessant, dass er das auffrischt. (er lacht) |
![]() |
|
Mariele: Es ist witzig, ich hab aber damit gerechnet. Ich hab
wirklich damit gerechnet, denn die Leute verstehen irgendwie nicht, dass
zwei Menschen so gut miteinander arbeiten und harmonieren können,
ohne das was dahinter steckt. Ich GLAUBE aber, die Voraussetzung, dass
es so gut funktioniert, IST, dass man nichts miteinander anfängt.
Denn dann wird's kompliziert, das hat man ja immer wieder mal bei Kollegen
erlebt. |
|
![]() |
Walter: Ja, wir mochten auch die Arbeit so sehr...
das wäre kaputt gegangen, glaube ich. Mariele: Das meine ich, das hätte nicht gehalten. (Walter nickt zustimmend) R. Beckmann: Gab es nicht ansatzweise zu Beginn so etwas wie einen romantischen Moment, der zum "Krösken" hätte werden können? Mariele: (überlegt kurz) Nee. Walter: Nee, wir waren gleich befreundet. (er lacht) |
| Mariele: Es stand irgendwie nicht zur Debatte. Und die Liebesszenen, die wir miteinander gedreht haben, die gehen irgendwie... es ist natürlich sowas da wie ein Knistern, wenn man sich gut versteht. Also es ist immer einfacher, den Walter zu küssen als irgendjemanden, der mir unsympathisch ist, das muss ich dazu sagen. Also mit Walter macht es richtig Spaß zu Knutschen. | |
| Walter: Es geht mit größter Heiterkeit
von statten: "Du machst es so, dann mache ich das so und gehe mit der
Hand dahin und dann passt das." Wenn man ein Paar ist, ist es ganz
schwierig, weil jeder so Erwartungen hat und so. Und dann macht man was
falsch und das alles. Mariele: Und wehe die Beziehung kommt dann in die Schieflage... R. Beckmann: Was zeichnet ihn aus? Warum kann er so gut knutschen? Mariele: Weiß ich nicht... |
![]() |
| Walter: Das hat sie nicht gesagt, Moment, Moment.
(er lacht) Mariele: Doch, ich hab gesagt, es macht... |
|
![]() |
Walter: ...mehr Spaß! Mariele: ... mehr Spaß mit IHM zu knutschen als mit sonst wem. Ich hatte ja schon ein paar. Walter: Man ist so vertraut. Mariele: Ja wirklich. Er ist durch gute Schulen gegangen... Walter: Ich danke dir. |
| R. Beckmann: Nikola, die wortgewaltige Krankenschwester,
immer sozusagen für eine Pointe gut. Auf der anderen Seite der hochmütige
Dr. Robert Schmidt. Zwei, die sich ständig anzicken, aber im Grunde
des Herzens mögen sie sich. Manchmal denke ich, das hat auch was von
Doris Day und Rock Hudson in super guten Momenten. Also wir haben was wirklich
Komisches ausgesucht aus der neuen Staffel, hier ist ein Beleg. Kleines
Duell. [gezeigt wird die Szene im Fahrstuhl aus "Der neue Job"]
Wer zieht die schnellere Pointe? Ist das auch im Privaten so? Walter: Nein! Mariele: Je nachdem... manchmal frotzeln wir dann rum und machen Blödsinn und... Walter: Wir machen schon Blödsinn, aber man will auch wissen was los ist. Man muss den anderen... R. Beckmann: Austesten? Walter: Wir müssen das nicht üben im privaten Bereich. Das müssen wir nicht, das geht so. R. Beckmann: Wann haben Sie denn entdeckt, dass Sie vor der Kamera zusammen richtig gut ticken? Das muss doch irgendwann passiert sein, dass man sagt "Hey, wir funktionieren zusammen!" Walter: Ziemlich gleich, oder? (Mariele nickt) Wir haben uns getroffen das erste Mal 1994 im April oder Mai. Mariele: Du erinnerst dich noch, wie wir uns getroffen haben. Ich hab das verdrängt. (sie lacht) |
|
| Walter: Ja, und dann haben wir angefangen zu drehen
und ich war mit einer anderen Frau verheiratet im Film und sie sollte sich
verlieben und das ging sehr schnell. Mariele: Trotz dieser grauenhaften Perücke. (sie müssen wieder beide lachen) Walter: Ja, die war ziemlich schrecklich. Mariele: Die Anfänge von "girl friends" waren so bitter. Ich hatte eine Perücke auf, die war RICHTIG schlecht. Wenn der Wind drehte, dann klappte die immer so am Stück um, so wie kein Haar der Welt sich verhält. Es war wirklich sehr erheiternd. (zu Walter) Aber du hast dich trotzdem in mich verliebt, ich weiß das zu schätzen. |
![]() |
| R. Beckmann: Gibt es die Idee für andere Projekte,
so eine gemeinsame Personality Show: "Sillowitsch & Mittler"
wäre mein Vorschlag. Mariele: (lacht) "Sillowitsch & Mittler". Walter: Also wenn wir mal gar nichts mehr kriegen, dann wäre das vielleicht eine Idee (er lacht) R. Beckmann: Danke, Herr Sittler, sehr nett! Walter: Nein, es ist so. Es ist ja jeden Tag neu. Natürlich machen wir "Nikola" jetzt schon eine ganze Weile und man weiß auch so ungefähr wie es geht und dennoch stellt sich jeden Tag wieder die Frage: wie kriegen wir das hin? Auch wenn man jetzt einen Preis bekommen hat: das ist wunderbar und schön. Aber das ist für das, was wir gemacht haben. Aber das, was wir jetzt machen ist wieder alles neu. Mariele: Das ist wahr. Walter: Und das ist ja das Schöne an unserem Beruf: das, was gestern war... was interessiert mich mein Gespiele von gestern? Und das ist das Interessante. R. Beckmann: Wenn ich das jetzt so spüre, diese Gemeinschaft zwischen Ihnen beiden und diese Selbstverständlichkeit, also wer zieht schneller, wer hat die besseren Pointen, alles irgendwie gelebt und gelernt. Wie kommen Ihre Partner damit klar? Sie verbringen doch möglicherweise mehr Stunden mit sich selbst als mit ihren Lebenspartnern. Mariele: Ja, kein Problem. Walter: Also meine Frau sagt immer: Eifersucht ist immer, wenn man Grund dazu hat. Und den Grund müsste ich liefern und sie sagt, den liefere ich nicht und dann ist gut. |
|
![]() |
Mariele: Ich denke für die Partner ist es angenehmer,
wenn jemand abends von der Arbeit nach Hause kommt und auch gut gelaunt
ist, weil es eine schöne Arbeit war. Und da ist doch ein guter Partner
die beste Voraussetzung. Also wenn ich genervt wäre, weil ich mit Walter nicht klar käme, und dann müsste das der arme Alex aushalten, das wäre ja furchtbar für ihn. Und so ist es einfach ein heiteres Arbeiten, das macht richtig Spaß! R. Beckmann: Und die fühlen sich nicht ausgeschlossen? Mariele: Aber überhaupt nicht. |
| Walter: Nein, nein. Mariele: Wenn wir's irgendwie schaffen, gehen wir in Köln auch zusammen essen und so. Also das versuchen wir unter einen Hut zu bringen. Walter: Nicht dauernd, also wenn wir zum Beispiel drei Monate zusammenarbeiten, wie oft gehen wir dann Essen? Vier Mal? (Mariele nickt zustimmend) R. Beckmann: Haben Sie sich schon mal dabei erwischt Herr Sittler - das ist ja die klassische Szene, kennt man ja von der Comedy her: Sie sind zärtlich zu Ihrer Frau, streichen ihr übers Haupthaar und sagen "Ach Nikola..." Walter: (lacht) Nein, hab ich nicht! Müsste ich mal machen, müsste ich mal machen, gute Idee, mache ich mal. R. Beckmann: Nie passiert? Passiert ja in den besten Haushalten, in den besten Beziehungen, würde ich meinen... Walter: Also es passiert dauernd, dass die Mariele mich Alex nennt... |
|
| Mariele: Das passiert öfter. Walter: ... aber sie hat mich noch nie Robert genannt, also mal ehrlich. Alex oft. Gerade vorhin wieder. Mariele: Das passiert mir immer wieder. Weil ich viel mit ihm zu tun hab und dann rutscht mir Alex raus. Und umgekehrt. Ich sag zum Alex auch ab und zu Walter. R. Beckmann: Wie reagiert der dann? Mariele: Gelassen (sie lacht) es ist so. |
![]() |
| R. Beckmann: Wir haben eben darüber geredet, diese Liebesszenen vor der Kamera. Normalerweise sagen ja Schauspieler: Das bedeutet nichts, das ist rein professionell. Wenn man sich aber so mag wie Sie beide, bedeutet es dann immer noch nichts oder ist es dann richtig schwierig? War das am Anfang so? War das richtig schwierig am Anfang? | |
![]() |
Walter: Also ich erinnere mich, wenn ich das erzählen
darf, an eines. (zu Mariele) Du weißt, diese besagte Szene... Mariele: Sschhh! Walter: (lacht) Dritte Staffel Anfang, Buch 25. R. Beckmann: Bitte, raus damit. Mariele: Ja, jetzt hast du damit schon angefangen. |
| Walter: Das war einfach schwierig, weil die Situation
so schwierig war. R. Beckmann: Können Sie die Situation beschreiben, damit wir einsteigen können ins Drehbuch? Mariele: (zu Walter) Jetzt raus damit. |
|
| Walter: Die Situation war, dass wir angefangen hatten
"Nikola" zu drehen und das erfolgreich war und wir Schwierigkeiten
hatten, weil wir dann wieder "girl friends" spielten. Also WIR
hatten keine Schwierigkeiten damit, aber insgesamt war die Situation schwierig.
Plötzlich waren wir zwei Paare: Nikola und Schmidt und dies und das
und es war schwierig zusammen zu kriegen. Und wir sollten eine Liebesszene
spielen, die einfach an der Stelle schwierig war. Falsch, fande ich die,
wenn ich das sagen darf. Mariele: Ja, die war sehr heftig. Walter: Die war sehr heftig. |
![]() |
| R. Beckmann: Wie heftig? Mariele und Walter: (gleichzeitig) Ziemlich! Mariele: Das war am nächsten Tag... Walter: ... in der Bild-Zeitung. Mariele: Da hatte das jemand rausgescannt und dann war das das Titelbild auf der Bild-Zeitung. Meine Wenigkeit mit nichts an und das war ziemlich herb. R. Beckmann: Das hat jemand rausgescannt...? Mariele: Die Bild-Zeitung. Ja klar, vorne auf dem Titelbild... Walter: ..und auf Seite 3. Mariele: Und dann haben sie noch meinen Vater angerufen und versucht ihn zu interviewen und der war schon ein alter Mann... Walter: Und das war schwierig. |
|
![]() |
Mariele: ...und das war wirklich ekelig. Walter: Das war ekelhaft, ja. Mariele: Aber das war jetzt ein Seitensprung, das war ja gar nicht gefragt. Aber wir hatten da schon unsere Probleme dann damit, das stimmt schon. Weil da eben die Vermischung der beiden Rollen war und da merkte ich dann auch, da ist so eine Grenze. Also das ist eine Form von Körperlichkeit, das ist - aber dann egal mit wem - unangenehm. MIR zumindest. Da hab ich mit Walter - und du [Walter] mit mir - wahrscheinlich noch das große Los gezogen. |
| Walter: Ja. Mariele: Das sind Szenen die sind - glaube ich - generell anstrengend. Also jemanden so nah an sich rankommen lassen. Und dann haben beide nichts an und dann kommt schon so eine Scham hoch und so eine Unsicherheit, die ist einfach da. Dann hat man die Leute um sich rum. Gut, man schmeißt die Hälfte aus dem Zimmer, also wer nicht da sein muss, muss raus und darf nicht zum Drehort. Aber es ist trotzdem unangenehm. |
|
| Walter: Aber wenn man sich kennt, so wie wir, dann
setzt man sich hin und überlegt: wie machen wir das? Ok, das machen
wir jetzt so und dann nimmt man sich an die Hand und macht die Augen zu
und... Mariele: Trotzdem waren wir nervös. Walter: Natürlich. Mariele: Wir waren beide wahnsinnig nervös. Mache ich auch nie wieder. |
![]() |
| R. Beckmann: Was Mariele gerade beschrieben hat als
Scham, haben Sie [Walter] das genauso empfunden? Walter: Nicht so wie sie. Das ist aber bei Mädchen anders, glaube ich. Weil sie einfach einem anderen Blick ausgesetzt sind als Männer. Sie werden immer sofort beurteilt: Wie sieht sie aus? Ist alles schön? Ist alles glatt? Und das haben wir Männer nicht. Und insofern verstehe ich das sehr gut. Also wenn ich eine Frau wäre, ich hätte das sicher genauso. R. Beckmann: Sie leben ja eigentlich ganz unterschiedliche Lebensmodelle. Walter Sittler: drei Kinder, seit 18 Jahren verheiratet, lebt in Stuttgart. Mariele, Sie sind mit Ihrem Lebensgefährten Alexander zusammen... Mariele: ... unverheiratet, zwei Hunde. R. Beckmann: Köln. Nicht Stuttgart. Und getrennte Wohnungen! Mariele: Ja. R. Beckmann: Wie soll ich das verstehen? Ist das Vollgas mit angezogener Handbremse? Mariele: Nein. R. Beckmann: Warum die getrennten Wohnungen? |
|
![]() |
Mariele: Es ist einfach praktischer. So kann jeder
für sich sein, wenn's denn sein muss und Alex geht dann in seine Wohnung.
Wir sind im selben Haus, es ist ja bloß eine Treppe dazwischen. Und
er geht dann arbeiten und ich kann so für mich wurschteln, wenn wir
auch unterschiedlich an Tagen... man ist ja nicht immer gleich. Und mal bin ich ein bisschen schlechter drauf und mal er und dann kann man sich aus dem Weg gehen. Und es ist eine Freiwilligkeit, die dadurch entsteht. Also ich hab jetzt nicht das Gefühl ich muss mit jemandem zusammensein, weil ich auf 100 oder 120 Quadratmeter auf Gedeih und Verderb drauf angewiesen bin, sondern es ist freiwillig. Und wenn Alex dann runterkommt, dann weiß ich, dass er runterkommen WILL. Oder wenn wir uns zusammen das Essen machen und so was, das ist einfach eine schöne Art. Ich mag das sehr gern. |
| R. Beckmann: Waren Sie immer so ein Typ, der so Rückzugsmöglichkeiten
für die eigene Freiheit, für das eigene Wohlbefinden braucht?
Mariele: Eigentlich ja. Ich hab das eine Zeitlang verleugnet und immer gemeint, ich brauch es ganz ganz sicher und eng und familiär. Und letztendlich gibt es ja keine Sicherheiten, ich meine wir können zig Papiere unterschreiben und dann wird man hinterher doch geschieden. Insofern macht es ja keinen Sinn, dann brauche ich auch nichts zu unterschreiben. Und ich bin auch jemand, der sich ab und zu verziehen muss. Ich bin auch manchmal ein Muffkopp. Du [Walter] kennst das. Und dann bin ich einfach unleidlich und dann muss man mich in Frieden lassen und dann komme ich auch wieder raus aus dem Loch. R. Beckmann: Weil ich das eben verglichen habe mit den unterschiedlichen Lebensmodellen. Haben Sie, Herr Sittler, schon mal gedacht: "Hey, das ist ja eine ganz andere Nummer, eine ganz andere Lebensform. Kann ich mich da reindenken? Würde ich gerne mal auch so eine Form der Unabhängigkeit leben?" |
|
| Walter: Ich bin kein Allein-Leber. Ich mag's auch
nicht besonders. Ich bin auch ungern alleine monatelang an Drehorten. Es
liegt mir nicht. Kommt aus der Herkunft, die große Familie, meine
Frau ist auch aus einer großen Familie. Ich hab kein Problem mit Menschen
um mich rum. Ich brauche wohl auch ab und zu mal meine Zeit alleine, aber anders als Mariele, wir sind da einfach unterschiedlich. Und ich muss mich da nicht unbedingt reindenken. Wenn Mariele mal so einen Tag hat, dann hat sie den eben. Der geht auch wieder weg. Dann muss man nett sein zu ihr (Mariele schmunzelt) und dann am nächsten Tag ist es wieder gut. |
![]() |
![]() |
Mariele: Oh, nicht erst am nächsten Tag, das
ist am selben schon! Walter: Ja, oder am selben Tag... Mariele: (lacht) Mach's nicht länger als es ist. Walter: Und es hat auch mit mir gar nichts zu tun. Anfangs dachte ich, es hätte was mit mir zu tun, aber das lernt man mit der Zeit. Es ist mit ihr und wenn sie Lust hat, redet sie drüber und wenn nicht, redet sie nicht. Das hat auch was mit Respekt zu tun. Das man das aushalten kann. Und das kann ich. Und das kann ich zu Hause eben auch. Ich mag Leute da haben. Ich mag's gerne, wenn die Wohnung belebt ist. |
| R. Beckmann: Mariele hat's ja eben angesprochen, zu
der anderen Lebensform gehören zwei Hunde. Den einen, den kenne ich
ja noch, das ist Hans-Günther, der Dackel... Mariele: Dackel-Yorkshire-Mischling, bitte. R. Beckmann: Ich hatte mich auf den Dackel damals so konzentriert. Mariele: Ok, belassen wir's beim Dackel. Er ist auch sehr dackelig. R. Beckmann: Wollte ich sagen, er ist auch sehr dackelig. Der ist immer dabei? Mariele: Ja, der war immer dabei. Jetzt sind's dann zwei, die immer mit müssen. |
|
| Walter: (seufzt) Ja, oft. (und lacht) Mariele: Walter kriegt dann immer so einen "afrikanischen", wenn er schlafen will, mittags bei "Nikola" und die Hunde toben übern Gang, bzw. der Hans-Günter und der kann gut bellen. R. Beckmann: (zu Walter) Dann reden wir doch mal drüber: Wie eng ist Ihr Verhältnis zu Hans-Günther, Herr Sittler? Walter: Ziemlich eng! Also es gibt Wochen da komme ich durch die Tür und dann kommt er an und dann muss er gestreichelt werden zwei Minuten. Und dann ist gut und dann lässt er einen auch in Ruhe. |
![]() |
| R. Beckmann: Frau Millowitsch, wir müssen bei
der Gelegenheit mal über das Image des deutschen Dackels reden. Warum
hat der deutsche Dackel so ein schlechtes Image? Mariele: Hat er? R. Beckmann: Ja, ich finde schon. Mariele: Wieso? R. Beckmann: Ja, als wadenbissig, als laut, als einer der immer rumkläfft. Ich finde, der Dackel hat nicht mehr so ein gutes Image wie früher. Was ist das passiert? Mariele: Ich glaube, es liegt an diesen Bandscheibenvorfällen, denn man hat ihn nicht lang. Man hat einen Dackel wenn man Pech hat, zwei, drei Jahre und dann können Sie schon anfangen ihn operieren zu lassen, weil die einfach durch die Art der Züchtung auf diesen krummen Beinchen... R. Beckmann: Langer Rücken, kurze Beine, oder was ist es? Mariele: Es ist nicht nur das, es ist eine Prädisposition, da könnte ich jetzt länger ausholen, das wäre langweilig. Bei denen verändern sich die Knorpel, also auch die Bandscheiben anders als bei anderen Hunden, die nicht zu diesen chondrodystrophen Rassen gehören. R. Beckmann: Liebe Mariele, wir müssen mal eben unseren Zuschauen erklären, dass Sie ... Walter Sittler ist im Moment völlig ausgeschlossen, wie Sie merken, er lauscht, als Medizin-Interessierter, kann aber nicht wirklich mitreden. Mariele: Der hat mehr Ahnung als ich... Walter: Ich bin mehr auf Menschen konzentriert, sie mehr auf Tiere. Aber das ist gut so. R. Beckmann: Mariele Millowitsch hat Tiermedizin studiert. Das wissen viele nicht. |
|
![]() |
Mariele: (leise) Das glaube ich nicht, dass das...
[viele nicht wissen] R. Beckmann: Und die Promotion, Doktorarbeit mit welchem Titel? Mariele: (zögerlich) Ja...? Walter: Sag es ruhig, es ist nicht schlimm... Mariele: Es war irgendwie "Die partielle perkutane Disektomie beim Bandscheibenvorfall... |
| R. Beckmann: "als alternative Behandlungsmethode
beim Bandscheibenvorfall des Dackels" Mariele: Gut, Danke! R. Beckmann: Warum dieses Thema? Weil der Dackel damit wirklich ein akutes Problem hat? Mariele: Es bot sich irgendwie an. Das Thema war frei, denn man muss ja gucken was frei ist, also was nicht sowieso schon gemacht wird. Und mein Dackel ist mit drin in der Statistik. In meiner Arbeit steht vorne: Für Gerda, Willy und Sophie. Also für meine Eltern und für meinen Dackel. Sophie hatte einen Bandscheibenvorfall und die haben wir auch so operiert und das hat auch funktioniert. R. Beckmann: Wie sind Sie da eingestiegen in so eine Promotion, das war ja auch ein praktischer Teil und ein theoretischer Teil. Und Sie haben sich natürlich richtig mit diesem Thema über eine lange Zeit beschäftigt. Wie viele Dackel haben Sie da untersucht? Mariele: Das weiß ich nicht aus dem Kopf. 60, 70 oder mehr? Ich weiß es nicht mehr so genau... R. Beckmann: Man braucht ja einen empirischen Wert. Mariele: Ich weiß es wirklich nicht mehr aus dem Kopf, es können auch mehr gewesen sein. R. Beckmann: Irre Anzahl. |
|
| Mariele: Das waren viele, ja. Das hat sich aber auch
gezogen. Das war so eine Zeit, wo ich sowieso nicht so richtig wusste, was
ich machen sollte. Schauspielerei jein, ich bin ja immer so Kringel gefahren
statt zielgerichtet wohin. Und das war wieder so eine Zeit, wo ich dachte,
ich weiß nicht, was ich will. Also habe ich dann die Auszeit gefüllt
mit der Doktorarbeit. Wenn Sie mich heute fragen, wie ich das gemacht hab: ich weiß es nicht mehr. Die Disziplin herzunehmen und mich morgens um 9 hinzusetzen und anzufangen zu schreiben. Und immer dann in die Klinik zu fahren und die Tiere zu untersuchen. Ich weiß nicht, wie ich's gemacht hab. Ist mir ein Rätsel. Denn zu der Zeit hatte ich drei Hunde und ein Schwein im Garten. |
![]() |
| R. Beckmann: Ein Schwein im Garten? Mariele: Ja, meine Püppi. R. Beckmann: So ein Mini-Schwein... Mariele: Ein vietnamesisches Hängebauchschwein. (zu Walter) Du kennst Püppi, oder? Walter: Ich kannte Püppi, ja. R. Beckmann: Püppi noch da? Mariele: Püppi tot. Oh, das war furchtbar. Ich hab mich ja getrennt in Köln und bin nach Hamburg gezogen und hatte sie auf einen Bauernhof gegeben zu vielen vielen anderen Schweinen. Aber Schweine kann man genauso wenig einfach so zusammenwürfeln wie Menschen. Aber ich dachte: "Oh lauter Kumpels, prima das wird schon gehen." Aber dann ist bei ihr drei Monate später ein Magengeschwür durchgebrochen und sie ist gestorben. Und ich hatte die Nachricht abgeholt bei der Post; es war so ein Einschreiben und ich ahnte nichts. Und wir haben hier in Hamburg am Flughafen gedreht und wir hatten eine längere Pause, weil die mit dem Licht nicht fertig wurden. Und ich hatte den Brief gelesen und dann hab ich, glaube ich, eine Stunde durchgeheult. (zu Walter) Deine Wolljacke, die stand hinterher vor lauter Tränen. Walter: Wir brauchten dann eine neue, ja. |
|
![]() |
Mariele: Ich hab mich so geschämt irgendwie.
Das kann man wahrscheinlich gar nicht erklären. R. Beckmann: Sie fühlten sich schuldig, dass Sie das gute Tier alleine gelassen haben... Mariele: Ja! R. Beckmann: ...und dass es vor Gram eingegangen ist. Mariele: Ich hab mich wirklich irgendwie ein bisschen geschämt. Klingt albern, aber... |
| R. Beckmann: Medizin ist ja nichts unbekanntes für
Walter Sittler. Sie spielen den Weißkittel in "Nikola",
aber da war ja schon fast eine Berufung da. Sie wollten Arzt werden. Woran
ist das gescheitert? Walter: (überlegt kurz) Erst mal am Abiturs-Durschnitt... R. Beckmann: Sie mussten warten? Walter: Ich musste zu lange warten. Und dann war ich in sehr guten Kliniken unterwegs und hab das mitbekommen wie das läuft und dachte irgendwie: "Das kann ich nicht wollen." |
|
| R. Beckmann: Was haben Sie gemacht in den Kliniken?
Walter: Ich war Pflegehelfer in der Augen-Station, dann war ich OP-Pfleger in der Neurochirurgie und in der ersten Computertomographie in Deutschland in München war ich dann technischer Angestellter. Weil ich keinen Abschluss hatte, mussten die was erfinden, damit sie mich einstellen konnten. Und das war alles irre interessant, aber was da so ablief zwischen den Ärzten und so... wovon ich geringe Teile nur "Nikola" benutze, denn das Echte ist immer viel schlimmer, als das was wir machen übrigens. Da dachte ich: "Das kann's nicht sein!" Es hat zu lange gedauert. R. Beckmann: Also die Erfahrungen waren so schlimm, dass Sie gesagt haben... |
![]() |
| Walter: Nein, es hat zu lange gedauert im Wesentlichen.
Wenn ich nach drei Jahren den Platz bekommen hätte, hätte ich
studiert. Aber es dauerte fünf und das waren einfach zwei Jahre zuviel.
|
|
![]() |
R. Beckmann: Also bei der ZVS eingereicht in
Dortmund und Sie bekamen einfach nicht den Studienplatz. Wie sind Sie dann
zum Schauspielfach gekommen? Walter: Also für die Zuschauer, die das noch nicht wissen: Ich wurde mitgenommen in die Schauspielschule von einem ehemaligen Schulfreund, der dort war. Ich schaute mir diese Weihnachtsfeier an und dachte "Wow, das ist es, das mache ich!" Ich hatte keine Ahnung von Ackerbau und Viehzucht, wirklich. Nicht die geringste Ahnung. Hab meine Papiere geholt, hab mich vorbereitet, hab die Aufnahmeprüfung gemacht und wurde aufgenommen. Also ich habe Glück gehabt. |
| R. Beckmann: Unfassbar. Frau Millowitsch, es ist doch nicht zu fassen: es gibt so viele Schauspieler in Deutschland, die haben sechs Prüfungen, sieben Prüfungen, acht Prüfungen gemacht undsind immer noch nicht angenommen worden. Veronica Ferres, Til Schweiger um mal ein paar Beispiele zu nennen. Und der Kerl wird gleich beim ersten Mal angenommen. Weil er so gut ist? | |
| Mariele: Ja. Wundert mich nicht. Walter: Das ist sehr nett. (dreht sich nach hinten) Haben wir Champagner für die junge Frau hier? Ich glaube, ich hab einfach Glück gehabt. Denn ich war mir sicher, sie nehmen mich nicht nach meinem zweiten Auftritt. Ich hatte was vorbereitet, Ferdinand [aus "Kabale und Liebe"] natürlich. Was man so macht als junger Mensch... R. Beckmann: Können Sie das noch mal wiedergeben, damit wir uns das vorstellen können? |
![]() |
![]() |
Walter: Ich weiß nicht mehr genau, wie es war,
ich lag so überm Tisch und hatte auch ein Messer dabei und litt wahnsinnig
und das mit der Luise lief nicht und so. Und wenn ich da heute dran denke:
Ich hätte mich NIE aufgenommen. Ich hätte gesagt: "Rufen
Sie uns nicht an, wir rufen Sie auch nicht an. Wiedersehen." R. Beckmann: Überspielt sozusagen. Walter: Ich ging dann weg und dachte: "So das war's." Ich hatte meinen Medizinstudienplatz zurückgegeben, den ersten an der FU Berlin. Hatte zurück geschrieben: ZVS studiert selber, es interessiert mich nicht... |
| Mariele: Wie? Du hast dann einen gehabt und hast den
abgegeben? Walter: Ja, ich hatte mich doch bei der Schauspielschule beworben, was sollte ich denn in Berlin? Und dann ging ich die Treppe runter und dann riefen die mich zurück: "Herr Sittler, können Sie noch mal kommen?" Ich sag: "Könnt ihr mich nicht... ich weiß, ich bin durchgefallen, ist ok!" Und dann wurde ich auf die Bühne gerufen für eine nach mir, die spielte Gretchen. Und ich sollte den Henker spielen. Ok, mir doch egal, mache ich doch. Kriegte gesagt: "Also die hat diesen Text und bei dem da müssen Sie kommen und sie von der Bühne bringen." Ich stehe da im Off, sie macht ihren Text und spielte sich völlig wahnsinnig wirklich die Seele aus dem Leib. Mein Auftritt: ich komme und sie will nicht mitgehen. Ich hebe sie hoch und trage sie von der Bühne. Und dann bin ich gegangen. Und deswegen haben die mich aufgenommen. R. Beckmann: Wegen dieser dramatischen entschlossenen Schluss-Szene? Walter: Bin einfach hin und hab's gemacht. Einfach nur das gespielt, was die verlangten und das war's. R. Beckmann: Ein grandioser Abgang: Er trug sie von der Bühne. Walter: Ich trug sie von der Bühne. Aber deswegen... Ich weiß nicht, ob dass das einzige war, aber ich glaube. R. Beckmann: Wenn das so war mit diesem Konflikt: hab ich da die richtige Entscheidung getroffen oder nicht? Also die tollen Sachen, die Sie heute spielen, die waren ja nicht von Beginn an da. Wie groß war der Zweifel zwischendurch, als Sie in Mannheim oder sonst wo am Theater waren... |
|
| Walter: Also, der Zweifel geht nie weg. Im Theater
ist es spätestens am Abend der Premiere. Man steht auf der Bühne,
weiß es geht los und denkt sich: "Hätte ich auf meine Mutter
gehört." Man möchte vor den Vorhang gehen und sagen: "Liebe
Leute, ihr kriegt alle Sekt, aber die Vorstellung findet nicht statt."
Beim Drehen ist es etwas anders, weil man kein Publikum hat, also nicht direkt vor sich. Aber zwischendurch denke ich auch immer wieder: "Was mache ich eigentlich hier? Ich hab doch keine Ahnung, das merkt nur keiner." R. Beckmann: Bei einem Sittler merke ich das natürlich nicht, weil der mit so einem Selbstbewusstsein im Spiel daher kommt, dass ich denke, der kann gar keine Selbstzweifel haben. |
![]() |
| Walter: Das ist schön. Mariele: Aber das Spiel wird, glaube ich, auch erst interessant, wenn man diese Zweifel hat. Walter: Ich glaube auch. Mariele: Ich denke, wenn man sich nur noch um sich selber dreht und sich auf den Lorbeeren ausruht und dann drei oder vier Gesichter hat, wie ich immer sage, von denen man weiß: Die kommen an! Und die dann nur noch anbietet. Dann ist es aus. R. Beckmann: Bei allen Gegensätzlichkeiten, die wir soeben besprochen haben zwischen Ihnen beiden. Aber es gibt eine große Gemeinsamkeit: Sie sind beide Nesthäkchen. Ich reihe mich da jetzt auch noch mal still mit ein: ich auch. Mariele: Sie sind auch Nesthäkchen? R. Beckmann: Ja mit großem Abstand. Mariele: Ist doch cool. |
|
![]() |
R. Beckmann: Ganz cool. Ich fand das nicht unvorteilhaft.
Mariele: Wie viele Kinder sind Sie zu Hause? R. Beckmann: Wir waren drei Jungs. Sind es immer noch. Mariele: Ist doch herrlich. Beim dritten hört doch jeder Erziehungsversuch auf, oder? R. Beckmann: Sie hatten es ja noch besser, jüngstes von vier... |
| Mariele: Jüngste von vier. Und bei dir [Walter]:
jüngster von acht. R. Beckmann: Diese Familie Sittler, unfassbar. acht zu Hause gewesen. Haben wir Küken etwas, was immer so bleibt im Leben? So eine feste Nesthäkchen Prägung? Mariele: Weiß ich gar nicht. Günstig ist auf jeden Fall, dass alle verkrampften Erziehungsversuche dann ab Nr. 3 wahrscheinlich eingestellt werden. Am schlimmsten dran sind die ältesten, könnte ich mir vorstellen. Ich meine Du [Walter] hast da mehr Ahnung von Kindererziehung. Aber wenn ich sehe, meine große Schwester wurde immer sehr hergenommen und die musste die Vernünftige sein... |
|
| R. Beckmann: Vorbild sein. Mariele: Und dann kam auch gerade der Peter, der hatte sowieso eine besondere Stellung als einziger Sohn. Da hab ich manchmal das Gefühl, meine Schwester tut mir heute noch leid, was die da alles bringen musste letztendlich. Und bei mir haben sie mehr oder weniger gesagt: "Ach komm, mach was du willst." Und das hat mir gut getan. Walter: Also ich glaube, als jüngster von acht ist man ja nun ziemlich weit hinten. Mariele: Dann wird's schon wieder... |
![]() |
![]() |
Walter: Ich glaube, mir hätte ein bisschen mehr
Aufmerksamkeit von den Eltern gut getan. Ich hatte Aufmerksamkeit genug
von den Geschwistern. Ich war immer gut aufgehoben, also es war immer irgendjemand
da, immer. Aber was tatsächlich übrig geblieben ist: Mein Grundgefühl im Leben ist: "Ich bin der Jüngste." Es ist einfach so. Diese Position kenne ich auswendig und die kann ich rückwärts. Und jetzt bin ich oft am Drehort der Älteste. Und zwar nicht nur am Drehort, sondern in der gesamten Produktion. Das war bei "Nikola" so. Und ich dachte: "Das kann doch nicht sein!" Doch! Und als Ältester hat man andere Funktionen, man hat auch für die Jüngeren andere Vorbildfunktionen. Auch für die anderen Mitarbeiter. Da kann man nicht mehr dieses dumme Zeug machen, was man als Jüngster die ganze Zeit darf. Mariele hat mir das zum Glück mal gesagt. |
| R. Beckmann: Aber Sie haben das doch. Dieses Clowneske,
dass Sie in jeder Situation zu einem Scherz bereit sind, für eine gute
Laune sorgen können. Warum soll das weggehen? Walter: (zu Mariele) Hab ich das? Mariele: Ja. |
|
| Walter: Nein, das kann ja ruhig bleiben. Aber man
muss auch mal sagen, wo's lang geht. Und das tut man als Jüngster nicht,
weil man immer gesagt bekommt, wo's lang geht. Die Eltern sagen: "Du gehst in die Schule!" Der große Bruder sagt: "Du kommst jetzt nach Hause!" Ich bin nicht gewohnt zu sagen: "Du kommst jetzt nach Hause!" Ich hab das mit den Kindern gelernt, das ist nicht das Problem. Aber auch im Berufsleben... Ich bin Berufsjüngster. Und das ist jetzt echt schwierig, denn ich bin jetzt nun nicht mehr der Jüngste, bei weitem nicht. Das ist auch ein schöner Vorgang, ich mag das auch, aber ich muss echt lernen. Und ich glaube, das ist sehr vorteilhaft für meinen Beruf. Dass ich ständig lerne, die Position, die ich ohnehin schon habe, irgendwie auszufüllen. |
![]() |
| R. Beckmann: Bei Mariele war das natürlich sicherlich eine einfach Geschichte sich in so eine Familien-Dynastie sich reinzuleben, wo die Prägung so stark ist. Großes Volkstheater über Generationen. Ich war früher, als ich in Köln lebte, mehrmals im Theater und kannte den Vater ganz gut. Hab zwei, drei Filme über den Vater gemacht und kenne auch das Büro, das er hinter der Bühne da hatte, diese kleine Kabuff Büro Situation. | |
![]() |
Mariele: Ja, das war süß. R. Beckmann: Und Peter kam dann vorbei und brachte ein paar Käsestullen und dann wurde geredet. Also diese Forderung: Du musst dieses weiterleben, du musst bei uns in der Familie bleiben und auf der Volkstheaterbühne stehen. Wie stark war das immer präsent? Mariele: Den Druck hatte ich gar nicht. R. Beckmann: Nee? |
| Mariele: Überhaupt nicht. Der Peter hatte die
"schlechten Karten" als einziger Sohn. Mein Vater hatte immer
noch so ein bisschen diese Erbhof-Mentalität, also dass ein Sohn das
weiterführen muss. Und da kam ich letztendlich gar nicht vor. Und mein
Vater war auch sehr erschüttert, als ich dann damals sagte: "Ich
mach was anderes." Dass ich meinen Weg dann schon geh, war dann aber
auch ok für ihn letztendlich. R. Beckmann: Hat er es akzeptiert mit der Tiermedizin? Mariele: Er war für einen Augenblick irritiert als ich sagte:" Ich gehe nicht nach Salzburg aufs Mozarteum, sondern ich mach was anderes." Da hat er kurz gezuckt, denn eigentlich hat er es ganz gern, wenn alle Millowitschs auf der Bühne sind, aber dann war's auch gut. Aber als ich dann nach dem Physikum die Faxen dicke hatte von der Uni und angerufen und gesagt hab: "Ich glaube, ich schmeiß alles hin!" Da hab ich mir dann aber ne Schelle geholt, da hat er gesagt: "DAS machst du zuende!" R. Beckmann: Nicht zurück auf die Bühne...? Mariele: Nicht zurück. Nein, ich hab nach dem Physikum ein Semester blau gemacht, denn ich konnte irgendwie alles was mit Lernen und Büchern zu tun hatte nicht mehr sehen. Physikum ist wirklich hart. Und dann habe ich mir einfach eine Auszeit genommen und Theater gespielt und bin dann wieder zurück zur Uni gegangen. Das brauchte ich einfach. R. Beckmann: Die Selbstverständlichkeit auf der Bühne zu stehen, das ist etwas, was ich bewundere, weil es einfach in der Familie so vorgegeben ist. Man geht auf die Bühne und spielt einfach. |
|
Mariele: Das war toll, da durfte ich ja ganz früh schon mit 9 das erste Mal anfangen und dann hab ich, glaube ich, kontinuierlich gespielt, seit ich 17 war. R. Beckmann: Kontinuierlich immer Theater gespielt. Mariele: Kontinuierlich. Auch Abitur nebenbei gemacht und das war learning by doing. Mein Vater ist für mich heute noch ein grandioser Komödiant. Gewesen, leider. Also ich habe auch ganz oft in der Nullgasse gestanden, also hinter dem Seitenvorhang und hab geguckt, was er macht. Manche Szenen waren einfach jeden Abend anders, (zu Walter) Du hast vielleicht ein paar Stücke gesehen und du kanntest ihn auch... |
![]() |
| Walter: Ich hab ein paar Stücke gesehen,
ja. Wahnsinn. Mariele: Und er konnte auch so improvisieren, dabei aber im Timing bleiben und so, dass die Leute unten auch verstanden, was los war. Denn er hasste es, wenn auf der Bühne irgendwas passierte und die Leute haben es unten nicht verstanden, weil es so Insider-Sachen waren. Da wurde er sauer. Aber wenn er das Publikum miteinbezogen hat, die haben sich gefreut da unten. Und er hat wirklich jeden Abend irgendeinen Scheiß gemacht - ums mal laut zu sagen - und das war mir einfach... ich musste immer gucken, was er treibt. Ich hab viel gelernt! Sehr sehr viel gelernt. R. Beckmann: Ich hab einen Ausschnitt ausgesucht... Mariele: Ehrlich? R. Beckmann: Sie zusammen mit Ihrem Vater. "Ett fussig Julche" Mariele: Nein, ist ja süß. Gezeigt wird ein Ausschnitt aus dem Theater-Stück "Ett fussig Julche" (1977), der ersten Theater-Hauptrolle von Mariele. |
|
![]() |
Walter: Wow. Sehr schön, wunderbar. Mariele: Das hat Spaß gemacht auf der Bühne. R. Beckmann: Richtige Hammer-Pointe noch hintendrauf. Mariele: Ja das war klar, er hatte es ja vorbereitet: Raufschaukeln und Zack! Oben kommt dann die Pointe. Das konnte er wirklich toll. R. Beckmann: Müssen wir das übersetzten: Fussig Julche? |
| Mariele: Nein, muss man nicht, oder? Fussig = fuchsig
= rothaariges Julchen. R. Beckmann: Also diese Aussprache mit dem Vater darüber, einen eigenen Weg zu gehen., die hat es aber gegeben? Mariele: Ja. Hat er mich letztendlich auch gelassen. Was ihm nicht so passte damals war, als ich dann schon beim Schauspiel wieder gelandet bin und schräg gegenüber [vom Millowitsch-Theater] hatte dann meine Schwester ein Theater, das hieß das "Theater im Bauturm". Und da haben wir ein Stück selber geschrieben, mit Freunden zusammen, das hieß "My fair Pygmädsche". Das war eine Adaption von Pygmalion mit My Fair Lady. Also diese Geschichte, diese Frau wird verändert von ihrem Mentor. R. Beckmann: Was hat er gedacht? Machen Sie Konkurrenzunternehmen auf? Mariele: Ja. Und das war ausverkauft bis unters Dach, die Leute haben Schlange gestanden. Das passte Willy nun nicht so. Erst mal dass zwei Töchter das machen und dann auch noch so gut verkauft drüben und da merkte ich schon, da hat es ein bisschen... R. Beckmann: Da hat es gekracht? Mariele: Ja, er war nicht so offen. Er musste immer irgendeine Bemerkung dann darüber loslassen. Ich hab's ihm aber nachgesehen. |
|
| R. Beckmann: Also so ein bisschen so süßes
Gift hat er dann. Mariele: Da ist er dann schon Theaterchef. Dann ist er einerseits der Papa, aber dann wird er zum Theaterchef und Konkurrenzunternehmen... R. Beckmann: War er ein Patriarch? Mariele: Aber Hallo! Natürlich war er das. R. Beckmann: Wie hat sich das geäußert Ihnen gegenüber? |
![]() |
| Mariele: Es war selbstverständlich, dass er der
Bestimmer war. Es drehte sich, wenn er zu Hause war um ihn. Also an den Wochenenden,
wenn er von Tournee da war und er hatte mal Zeit, dann wurde auch alles
auf ihn abgestimmt. Auch wir. Wir vier Kinder waren auch gleich angezogen,
wenn er kam und es musste immer alles vorzeige-mäßig sein. Und
dann hat er uns fünf Minuten ertragen und dann mussten wir auch sehen,
dass wir aus dem Zimmer kommen, dann wollte er wieder für sich sein.
R. Beckmann: Das ist ja, glaube ich, ein anderes Vaterbild, als das, was Sie erlebt haben, Herr Sittler. Ihr Vater kam in den 30er Jahren aus Amerika nach Deutschland... Walter: Um zu studieren, ja. R. Beckmann: ...aus Amerika um Philosophie zu studieren. Welche Rolle hat Ihr Vater für Ihr weiteres Leben gespielt? |
|
![]() |
Walter: (überlegt kurz) Dadurch, dass mein Vater
an der Uni war und so wahnsinnig viel gelesen hatte und viel wusste und
auch sehr schön vorlas zu Hause und sang... meine Mutter spielte Klavier
und er sang dann Schubert Lieder. Dadurch war mein Vater ein wirklicher
Künstler. Und wenn er über Bücher redete, war das immer aus
dem Augenblick. Es war nie angelesen oder man merkte, er holt irgendwo was
vor, sondern es war immer neu. Und das war ein Vorgang, der mich am meisten
beeindruckt hat bei ihm. Und er hatte das, was mir im Leben auch gefällt, dass man sich nie ganz sicher ist: wie sind die Sachen wirklich? Wie ist die Interpretation von einem Goethe-Gedicht wirklich? Muss man das SO vortragen? Nein, er konnte 10 verschiedene Versionen vortragen und es war jedes Mal was anderes, obwohl es dieselben Worte waren. |
| Und er war sehr charmant, viele Frauen mochten ihn sehr.
Was da alles war, weiß ich nicht, kann ich auch nichts zu sagen, ich
war ja auch der Jüngste.Meine Schwestern liebten ihn sehr. Das war
für einige dann auch schwer, weil das Vaterbild auch das das Männerbild
prägt. Für mich war es insofern schwierig, weil ich dachte, ich
müsste auch an die Uni und müsste auch irgendwas Wahnsinniges
machen. R. Beckmann: Also doch so etwas wie ein Erwartungsdruck? Dass der Vater es vorgelebt hatte... Walter: Nicht von ihm! Nie von ihm. Er hat nie gesagt, ihr müsst das machen, was ich will. Niemals. Wir konnten machen, was wir wollten. Ich hatten diesen Erwartungsdruck selber, das war das Problem. Ich bin's dann Gott sei Dank losgeworden. Hat gedauert. Und dann hätte ich gerne mit meinem Vater darüber gesprochen, es ging aber nicht, weil er so früh gestorben ist. Mit 59. Mariele hatte ihren sehr viel länger, das war sehr schön, das hätte ich gerne gehabt. Also das fehlt mir wirklich. Aber auch im Umgang mit Menschen, diese Offenheit, dieses nicht sich selber produzieren. Sondern es geht um ein Buch, es geht um ein Gedicht, es geht um eine Vorlesung, es geht um die Leute, die da sind. Das ist das Wichtige. Und das hat mich sehr imponiert. |
|
| Mariele: Ist ein uneitler Mann gewesen, dein Vater,
offensichtlich. Walter: Irgendwie schon. Und er hat das gemacht, was er für richtig empfand. Und als er an der deutschen Uni war, Ende der 60er, Anfang der 70er, da hat man ihm gesagt: "Herr Sittler, Sie müssen jetzt eine Sprechstunde einführen für die Studenten." Dann hat er gesagt: "Wie soll ich das machen?" - "Ja, Sie müssen eine Zeit angeben, wann Sie in Ihrem Büro sind." - "Ich bin in meinem Büro, die Tür ist auf, sie können kommen, wann sie wollen, ich weiß gar nicht, was Sie von mir wollen." Also er hat sich nicht an die Normen angepasst, die da waren, sondern er hat das gemacht, was er für richtig empfand. Und das ist ein sehr starkes Vorbild. Und ist auch ein bisschen eine Last natürlich, weil es auch eine Verpflichtung ist, das zu auch tun. Aber es ist auch eine Lust. |
![]() |
| R. Beckmann: Ihr Vater ist ja sehr früh gestorben.
Ist es dann so, dass einiges unausgesprochen geblieben ist... Walter: Vieles. Also für mich. R. Beckmann: Für Sie persönlich? |
|
![]() |
Walter: Ja, für mich sehr vieles. Einmal die
Vergangenheit. Es ist nun nicht normal, dass ein Amerikaner nach Deutschland
kommt... R. Beckmann: Aus der neuen Welt in die alte Welt. Walter: ...im Dritten Reich anfängt zu studieren, Deutscher wird, eine Deutsche heiratet, deutsche Kinder kriegt, dann nach Amerika zurückgeht, dort seinen Doktor macht. Über Nietzsche ausgerechnet, 1949. Das ist ein Vergangenheit, wo man sich fragt: Wie ist das möglich? Ein intelligenter Mann, warum wird der Deutscher? Und da gibt es sehr viele Beispiele... |
| R. Beckmann: Haben Sie darauf keine Antwort gefunden? Walter: Ich konnte nie mehr mit ihm reden. Als ich soweit war, war er tot. Und nun befasse ich mich damit schon und weiß, es gibt sehr viel mehr Amerikaner, die in Deutschland gearbeitet haben und Deutsche geworden sind bzw. nicht Deutsche geworden sind, sondern dann nach dem Krieg in Amerika angeklagt worden sind wegen Kollaboration mit dem Feind. Das ist ein unglaubliches Thema, das überhaupt noch niemand bearbeitet hat. R. Beckmann: Wollen Sie der Sache ein bisschen mehr nachgehen? ich spüre, dass Sie da ein großes Interesse haben, der Sache nachzurecherchieren. Walter: Das tun wir auch. Es ist sehr schwierig, weil es nicht mehr viele Leute gibt und weil es keine Literatur darüber gibt und weil die Amerikaner, dass auch nicht besonders gepflegt haben. Weil das nicht in ihr Bild passt, dass ein Amerikaner Deutscher wird oder überhaupt für Deutschland arbeiten kann. Das geht nicht. Unter der jetzigen Regierung schon mal gar nicht. Das geht gar nicht. R. Beckmann: Es gab natürlich eine Gegenbewegung in der Zeit und vorher auch. Alle sind nach Amerika gegangen, in die neue Welt. Und Ihr Vater kam hierhin um Philosophie zu studieren und... Walter: Er liebe die Kultur Europas. Und Deutschland liebte er sehr, die deutschen Philosophen, die deutsche Musik. Bach! Wir hatten Kantaten, ganze Reihen von Sachen hatten wir... |
|
| R. Beckmann: Was ist davon geblieben bei Ihnen? Walter: Dass ich die Musik sehr mag. R. Beckmann: Wenn Sie beiden so viel miteinander spielen, auch für sich entdeckt haben, dass Sie vor der Kamera auf eine ganz eigene Art und Weise gut zusammen ticken. Verselbständigt sich das irgendwann? Dass man sagt: "Uns gibt es nur noch im Doppelpack?" Mariele: Nein. Nein, nein, überhaupt nicht. Wir haben viel ohne einander auch geschafft und durchgehalten und durchgestanden. Es wäre auch fatal, wenn wir das machen würden. |
![]() |
| Walter: Es geht auch gar nicht. Die Rollen sind viel
zu verschieden. (Mariele nickt) Also es gibt Rollen, wo ich gar nicht passen
würde. Mariele: Und umgekehrt. Absolut. Walter: Und umgekehrt auch. Wo ich gar nicht auf die Idee käme, die Mariele vorzuschlagen für diese Rolle. Aber wenn man einen Autor hat, der wirklich Ahnung hat, dann würde ich gerne sagen: "Schreib doch mal ein Geschichte für uns zwei!" Das schon. Es ist auch schon versucht worden, aber noch nicht gelungen. Mariele: Nee, das stimmt. Walter: (zu Mariele) Kann man so sagen, oder? Mariele: Aber es ist auch gut, wenn man mal auseinander geht. Dass ist auch wichtig. Dass man auch mit anderen Partnern... R. Beckmann: Sie kennen die Geschichte von Jack Lemmon und Walter Matthau? Dass die dann im Alter doch wieder zusammen spielen mussten, es ging nicht anders. Mariele: Das kann uns ja auch passieren, also dass wir irgendwann... |
|
![]() |
![]() |
| Walter: Da hab ich auch gar nichts gegen, ganz ehrlich.
Jedes Jahr ein Film mit der Mariele, damit hab ich kein Problem, also echt
nicht. Denn diese Art zusammenzuspielen, die kriegt man nur über die
Jahre. Das ist wie ein Kleinod... Mariele: Ist es auch. Walter: ...das muss man pflegen. R. Beckmann: Eine Film-Ehe, die nicht mehr geschieden werden kann? Walter: Glaub nicht. Mariele: Nöö, da müssten schon höhere Gewalten her. Walter: Ja, aber man muss dran arbeiten. R. Beckmann: Eine Frage hab ich noch. Walter: Und dann sind wir schon fertig? (alle drei lachen) |
|
![]() |
R. Beckmann: Was ist eigentlich, wenn
Sie später im Altersheim keine Zimmer nebeneinander haben? Mariele: Dann sind die Altersheime vielleicht nicht soweit auseinander. Walter: Dann brauchen wir einfach bessere Gehilfen, dann geht das schon. Mariele: Ich wollte gerade sagen: Wenn man Gehhilfen mit Motörchen hat, dann kann das schon so bleiben: Stuttgart - Köln. Aber wir werden sehen. |
| R. Beckmann: Mariele Millowitsch und Walter Sittler.
Ich bedanke mich sehr herzlich, es war ein großes Vergnügen. Mariele: Uns auch. Ausschnitte aus dem Gespräch mit dem dritten Gast Hartmut Gauder, eine ehemaliger Leistungssportler, der nach einer Herzerkrankung 10 Monate mit einem Kunstherzen lebte und dann mit einem Spenderherz wieder zu sportlichen Hochleistungen anderer Art auflief. |
|
| [....] H. Gauder: Natürlich hab ich versucht auf diese Morphin-Derivate zu verzichten soweit es ging, aber da muss ich heute sagen, das ist ein entscheidender Fehler. Lieber ganz viel Schmerzmittel nehmen und das dann im Grunde besser überstehen. Mariele: Absolut. Walter: Auf jeden Fall. |
![]() |
![]() |
Mariele: Es ist leider in Deutschland schwierig mit
Morphinen. Da sind die hier immer nicht gut angesehen. H. Gauder: Ja, die Meinung ist "man muss leiden". Walter: Ja, "Krankheit muss wehtun". Das ist falsch. Mariele: Ich verstehe das auch nicht. Man könnte es den Patienten wirklich erleichtern, wenn man Morphium gibt. Das ist hier immer noch ein Riesenproblem, nach wie vor. |
| [....] Mariele: Wird man irgendwie informiert, wo das Herz herkommt? In welchem Trainings-Zustand das war? von wem das kam? Dass man so ungefähr weiß, was das schon hinter sich hat? Oder weiß man da gar nichts drüber? |
|
| H. Gauder: Das kann auch keinen guten Zustand haben,
denn das ist ja 4-5 Stunden ohne Blutversorgung ist. Das muss ja irgendwo
her transportiert werden. Im Grunde genommen ist das in dem Moment auch
immer ein sehr krankes Herz, was man bekommt. Was sich aber sehr gut erholen
kann. Also anonym bleibt das alles. R. Beckmann: Das ist ja in Deutschland nach wie vor die Regel. Mariele: Ja nicht wegen der Anonymität, sondern um zu wissen, wie alt war derjenige oder ist das Herz trainiert worden... R. Beckmann: Frau oder Mann? |
![]() |
| Mariele: Das ist ja unwichtig, glaube ich. Ob Frau
oder Mann letztendlich, oder? Walter: Ich glaube nicht. |
|
![]() |
Mariele: Also ich glaube schon. Walter: Ist ja auch egal. Er hat genau das Richtige gemacht, denn die lebendigen Sachen wollen benutzt werden. Wenn Du sie nicht benutzt, verkümmern sie. Dass man sie so extrem benutzen muss... muss man vielleicht nicht, aber dafür sind sie da. H. Gauder: Moment, darf ich mal einen Einspruch bringen. Wieso extrem? Ich hab vorher 50 Kilometer Gehen gemacht, jetzt sind es nur noch 42 Kilometer, der Marathon, also... Walter: Ja genau, (er lacht) |
| [...] R. Beckmann: Sie sind in der Handicap-Klasse gelaufen. Darf ich die Zeit wissen? H. Gauder: Ohje, Zeiten sind Schall und Rauch. Also 6 Stunden war Ziel-Richtzeit, so schnell hätte ich sein dürfen und ich war schneller. Aber... Walter: 42 Kilometer in 6 Stunden! R. Beckmann: Ich hab das noch nie gemacht. Walter: Ich würde nicht ankommen, glaube ich (er lacht) [....] |
|
| zur Frage, ob sich die Einstellung und zum Herz nach so
einer OP ändert Mariele: Ich glaube auch, dass man es letztendlich auf etwas "reduziert", was einem dabei hilft am Leben zu bleiben. Ich glaube, dass der ganze Mythos um das Herz mit Gefühl und so irgendwann weg ist. Es geht nur noch darum, dass man was braucht, was verdammt noch mal funktioniert, damit man da bleiben kann. Und was auch immer sich drum rankt, mag sein: Liebesgedichte, Herzklopfen... ich glaube, man möchte einfach nur etwas haben, was einem ermöglicht da zu bleiben. Ich kann das gut nachvollziehen. H. Gauder: Könnte ja auch einfach sagen: ich bin der gleiche geworden, der ich gewesen war. |
![]() |
| Mariele: Das ist ein schöner Satz. [....] R. Beckmann: Das war eine schöne Runde. Vielen Dank, Mariele. Mariele: Ja, Dafür nich'. R. Beckmann: Walter Sittler, Hat mich sehr gefreut. Und viel Erfolg für Nikola für die nächste Staffel. Da geht's immer weiter. Mariele: Das wird lustig. Walter: Ja, ich glaube schon. R. Beckmann: Herzlichen Dank, es war sehr schön. © 2003 ARD |
|