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Hatten Sie in Ihrer Kindheit wilde Phasen?
Walter: Da war nicht viel mit wild. Ich war in drei verschiedenen
Internaten. In einem war ich Schulsprecher, da hatte ich so viel Verantwortung
auf dem Buckel, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.
Vorher war der Walter immer ein Musterschüler?
Walter (lacht): Als ich in Berchtesgaden im Internat war, haben
wir mal im Kurgarten sämtliche Tulpen abgeschnitten und damit die
Schule dekoriert. Der plötzliche Tulpenschwund wurde sogar in der
Zeitung gemeldet.
Der erste Artikel über Sie!
Walter: Nicht ganz, denn die hatten damals zum Glück nicht
rausgekriegt, dass wir das waren. Das war 1969, das müsste heute
verjährt sein.
Für Sie kam es nicht infrage, Ihre Kinder ins Internat zu schicken?
Walter: Ich wollte gern die Zeit, die sie zuhause sind, mit ihnen
verbringen. Gegen ihren Willen hätte ich so etwas auch nie entschieden.
Lea-Marie: Wir fanden es ganz gut hier, weil es zu Hause ja auch
so schön ist.
Das klingt ja echt nach Traumfamilie
Walter: Uaaah. Wenn ich das Wort Traumfamilie höre, kriege
ich Pickel. Halten Sie mich davon bloß fern!
Lea-Marie: Finde ich auch.
Was macht den Begriff so albtraumhaft?
Walter: Diese Vorstellung, alles ist immer rosa, ist dermaßen
kitschig! Bei uns zu Hause läuft es mal toll und mal weniger toll.
Traumfamilien gibt es doch nur in schlechten Filmen.
Werden Sie in der Schule angesprochen, wenn Ihr Vater wieder im Fernsehen
war?
Lea-Marie: Ja, aber ich bin noch nie hingegangen und habe gesagt:
Hey, mein Vater ist Walter Sittler.
Kaum ein Schauspieler war so oft nackt im TV zu sehen, wie Sie!
Walter: O ja. Das war auch ein Teil von "Nikola". Es
wurde keine Kollegin ganz nackt gezeigt, aber ich! In den jeweiligen Szenen
machte es Sinn, deshalb war es okay.
Fanden Sie das witzig oder peinlich?
Lea-Marie: Manchmal war es schon unangenehm. Ich dachte: Oh Papa,
nicht schon wieder!
Walter: Also ich bin nie darauf angesprochen worden.
Lea-Marie: Ich schon!
Walter: Echt?
Lea-Marie: Ja klar: "Hey, ich habe deinen Vater gestern nackt
gesehen." Ich habe geantwortet: Ja mei, er ist halt Schauspieler.
Aber das war mir tierisch peinlich.
Haben Sie das mitbekommen, dass Ihr Vater eine Art Sexsymbol für
viele Frauen ist?
Lea-Marie: Ja, schon. Meistens für Frauen in Mamas Alter.
Die finden ihn attraktiv.
Walter: Na ja, Sexsymbol ist vielleicht etwas übertrieben.
Til Schweiger ist ein Sexsymbol. Ein Film, in dem mein Oberkörper
zwei Minuten zu sehen ist, zieht keinen ins Kino.
Wie findet es Ihre Frau, wenn Sie BHs, Kuschelbären oder Heiratsanträge
geschickt kriegen?
Walter: So was gibt es fast nie. Aber: Einmal bekam Sigrid einen
anonymen Brief, in dem sie gefragt wurde, ob sie überhaupt wüsste,
dass ich bei Dreharbeiten in Köln ständig fremdgehen würde.
Da war natürlich nichts dran, aber hart war das schon. Für mich
ist das Teil meines Berufs, aber für meine Frau fand ich das sehr
schlimm.
Lea-Marie: Den Großteil der Fanpost haben mein Bruder und
ich erledigt. Daddy hat die Autogramme geschrieben und Bene und ich haben
sie eingetütet.
Freiwillig?
Lea-Marie: Klar, von Daddy gab es auch einen Stundenlohn von 2,50
Euro.
Dann haben Sie ja richtig gutes Geld verdient!
Lea-Marie: Na ja, meistens waren wir spätestens nach 45 Minuten
fertig.
Walter: Ach
Wollen Sie auch Schauspielerin werden?
Lea-Marie: Muss nicht sein, das macht ja schon mein Vater. Ich
kann mich noch nicht zwischen Musik und Naturwissenschaften entscheiden.
Aber wahrscheinlich werde ich Musiklehrerein. Wenn ich mal Familie habe,
will ich nicht so viel unterwegs sein, wie mein Vater.
Liebäugeln Ihre Geschwister mit der Schauspielerei?
Lea-Marie: Jenny studiert in London Fotografie
Walter:
und Benedikt hat gerade seinen Zivildienst in einem
Kindergarten beendet. Er kann toll mit Kindern umgehen. Er würde
das vielleicht sogar beruflich machen
Aber?
Walter: Die Bezahlung von Erziehern ist in Deutschland eine Katastrophe.
Je jünger die Kinder, desto schlechter die Bezahlung der Betreuer.
Von dem Job kann man keine Familie ernähren. Das ist einer der größten
Fehler, die wir im Moment begehen.
Wird in Ihren Augen im Bereich der Erziehung so viel falsch gemacht?
Walter: Ganz viel. Auch bei Lehrern fehlt die Anerkennung. Die
machen so einen wichtigen Job und werden dafür gehauen. Die müssen
so viele Aufgaben erledigen, die zu Hause versemmelt werden, weil manche
Eltern keine Lust haben, nicht aufpassen oder nicht nachdenken. Das ist
sehr schade.
Würden Sie Ihren Vater als Glucke bezeichnen?
Lea-Marie: Ich weiß noch, ich bin mit fünf mal mit einer
Freundin abgehauen und an den Bach gegangen. Ich kann mich erinnern, dass
Daddy Alarm machte und uns suchen wollte.
Walter: Manchmal bin ich zu fürsorglich. Aber ich bemühe
mich darum, dass es nicht peinlich wird.
© 2007 BamS, N. Bogdon + M. Nyary
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