"Schöne Frauen sind langweilig"
(Bild der Frau, 16.04.05)
 
20 Jahre Ehe-Glück, 3 Kinder: Der Schauspieler verrät, was eine große LIebe ausmacht

Ihm entgeht man nicht: Im TV gibt es zur Zeit die reinsten Walter-Sittler-Festspiele, er ist in zahlreichen Rollen zu sehen. Gut so! Bild der Frau-Chefreporterin Tanya Munsche besuchte den Frauenliebling zu Hause in Stuttgart.

Ein gemütliches Häuschen mit wunderschönem Garten. TV-Star Walter Sittler (52) öffnet die Tür. Er ist groß, charmant, hat strahlend blaue Augen. Drinnen: Viele Bücher, hell, kuschelig. Hier lebt der baumlange Schauspieler ("Nikola", "EIn Fall für den Fuchs") mit seiner Frau Sigrid (50, Tanzpädagogin) und den Kindern Jennifer (19), Benedikt (18) und Lea-Marie (15).
Und das gibt's in seiner Branche auch nicht oft: Seit 20 Jahren ist Sittler glücklich verheiratet! Die Familie ist für ihn das Wichtigste. Trotzdem hat er viel gearbeitet in den letzten Monaten. Seine neueste Rolle: ein Versicherungsdetektiv im Samstagabend-Krimi "Gegen jedes Risiko" (ZDF, 23.04., 20.15 Uhr), der sich zwischen Wahrheit und Familie entscheiden muss.

Wie fällen Sie privat schwierige Entscheidungen?
Zuerst brauche ich Ruhe. Dann warte, gucke, horche und denke ich. Und dabei wird mir automatisch klar, was das Beste ist. Mein Gefühl muss stimmen. Sonst ist die Entscheidung falsch. Familiäre Probleme löse ich mit meiner Frau. Wenn beispielsweise unser Sohn zuviel vorm Computer sitzt, überlegen wir, wie wir an ihn rankommen. Er soll sich auch für andere Dinge interessieren.

Und wie vermitteln Sie das Ihren Kindern?

Mit Gesprächen und Argumenten. Ich sage nie: "Ich habe recht, weil ich erwachsen bin und mehr weiß". Erstens bin ich mir nicht sicher, ob ich mehr weiß. Zweitens wissen Kinder viel mehr, als wir ihnen zutrauen. Wir sollten Kindern Respekt entgegenbringen. Sie ernst nehmen. Und auch zugeben, wenn wir selbst Mist gebaut haben. Ich will nicht, dass meine Kinder mir irgendwann etwas vorspielen, von dem sie glauben, dass es mir gefällt.

Sie sind das jüngste von acht Kindern. Welche Erwartungen hatten Ihre Eltern an Sie?
Ich glaubte, studieren zu müssen. Es hat auch etwas gedauert, bis meine Mutter meinen Beruf vollkommen akzeptiert hat. Sie fragte manchmal: "Machst du wieder eine Schmonzette? Oder was Ordentliches?" (er lacht) Was Ordentliches ist für sie ein ernsthaftes TV-Movie oder ein Kinofilm. Aber inzwischen findet sie auch meine TV-Filme und Serien ganz ordentlich. Manchmal denke ich, sie hätte ein bisschen lässiger sein können. Aber wenn man 1917 geboren ist und acht Kinder in die Welt gesetzt hat, geht das vielleicht nicht so leicht. Sie hat eine Energie, die für zehn Menschenleben reicht...

Ihre Geschwister sind fast alle geschieden - was haben Sie besser gemacht?
Nicht so früh geheiratet! Und Glück gehabt! Meine Frau und ich haben uns zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Als wir uns mit Anfang 30 kennenlernten, hatten wir schon genug auf die Nase gekriegt, um ein Gefühl dafür zu haben, was wirklich wichtig ist. Für eine lange Liebe muss da schon mehr sein, als ein bisschen Kribbeln. Als ich noch sehr jung war, bin ich oft einem Traumbild hinterhergerannt.

Was heißt das?
Ich hatte ein ganz genaue Vorstellung davon, wie meine Traumfrau auszusehen hat. Und sprang nur auf einen bestimmten Typ an. Dabei hat das Äußere mit der Person, die da drin steckt, nicht viel zu tun. Das musste ich schmerzhaft lernen. Ich habe gemerkt, das es mit denen, auf die ich äußerlich stand, nicht funktionierte. Zum Verzweifeln! Ich hätte fast aufgegeben...

Die verbissene Suche?
Ja, mit Krampf und festen Bildern im Kopf ist man verloren. Sehr viele suchen nach jemanden, den sie schön finden. Das ist aber nur ein Teil - der unwichtige. Schönheit ist nicht abendfüllend, langweilt schnell. Und reicht nicht für eine gute Ehe.

Wie schaft man das 20 Jahre Ehe-Glück?
Indem man sich selbst nicht so wichtig nimmt. Entscheidend ist auch, dass man die Veränderung, die der Partner im Laufe der Jahre durchlebt, mitmachen kann. Dass man sie wahrnimmt.

Was lieben Sie an Ihrer Frau?
Wenn sie ja sagt, meint sie ja. Bei den Frauen, die ich vorher hatte, war das nie eindeutig. Mit diesem "Ich weiß noch nicht, mal gucken" konnte ich aber nie was anfangen. Und Sigrid ist tolerant. Sie kann komplizierte Eigenheiten einfach aushalten. Dieses große Herz hat sie für die Leute um sich herum, für mich, für die Kinder. Das macht das Leben mit ihr sehr schön.

Haben Sie Macken?
Ich glaube nie, das ich oder meine Arbeit gut genug sind. Ich zweifle an mir. Es gibt viele Frauen, die das nicht aushalten könnten. Sigrid aber versteht mich. Sie selber ist das dritte von sieben Geschwistern, weiß auch um die Schwierigkeiten.

Welche sind das?
Ich fand früher andere Menschen immer viel toller als mich. Wenn man der Jüngst ist, sind die anderen eben älter, schlauer, können mehr. Aber dieses Gefühl muss man überwinden, so schwer das auch ist. Darum wollen meine Frau und ich auch, dass unsere Kinder ein gutes Selbstwertgefühl bekommen - wenn wir irgendwie dazu beitragen können. Emotionale Nähe gibt Sicherheit im Leben. Sie sollen relativ wenig Angst haben und auch in schwierigen Situationen das Gefühl bekommen: Das schaffe ich schon.

Wovor haben Sie Angst?
Dass den Kindern oder meiner Frau etwas passiert. Aber diese Ängste beherrschen nicht mein Leben. Angst macht schwach.

Was für Menschen gefallen Ihnen?
Ich mag Menschen, die das, was sie können, auf eine gute Art umsetzen. Ohne zu sagen: "Ich mach das Tollste auf der Welt." Mir gefallen Angeber und Wichtigtuer nicht.

Was kann Ihrer Frau besser als Sie?
Neben vielem anderen auch kochen. Aber sonst mache ich beispielsweise alles im Haushalt, wenn ich da bin. Zuerst Frühstück. Beide Mädchen kriegen Gemüse, die eine zusätzlich Obst, die andere Müsli. Dann schmiere ich Brote. Ich mach das gern. Sie müssen doch was Ordentliches zu essen in die Schule mitnehmen.

Sie haben mal ein Hasen-Kostüm für Ihrer Tochter gebastelt. Handwerkeln Sie noch?
Ja. Ich habe einen ganz guten Werkzeugkasten. Ich habe Hochbetten gebaut, einen Rollwagen gezimmert, Regale umgebaut. Das hat den Nachteil, das ich massenhaft Farbe, Holzverschnitt und so weiter habe. Ich kann schlecht wegschmeißen... (er lacht)

Ist Ihre Frau eifersüchtig auf Filmpartnerinnen?
Nein. Sie sagt immer: "Warum sollte ich, wenn ich keinen Anlass habe?" Und diesen Anlass hat sie nicht, weil ich treu bin. Ich allerdings bin schon eher eifersüchtig.

Wollen Ihre Kinder auch Schauspieler werden?

Jenny hat in einem Zweiteiler mit mir gespielt, und Lea in einem Kurzfilm mitgemacht. Alle waren auch schon Statisten. Aber ich glaube nicht, dass sie Schauspieler werden wollen. Ich wünsche mir, dass die Kinder etwas machen, was sie glücklich macht. Egal was.

© 2005 Bild der Frau, Tanya Munsche