| "Liebe ist doch nichts Teuflisches" (Berliner Morgenpost, 09.04.00) |
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| Walter Sittler über seine Rolle im ZDF Melodram
"Das Herz des Priesters" Spätestens seit dem Quotenerfolg der "Dornenvögel" mit Richard Chamberlain als unglücklich liebendem Priester hat das Zölibat im Fernsehen Hochkonjunktur. Auch in dem heute und morgen ausgestrahlten Zweiteiler "Das Herz des Priesters" (20.15 Uhr) verliebt sich ein katholischer Priester und gerät in einen schweren Gewissenskonflikt: Nichts ist mehr, wie es war, als Priester Robert Thelen (Walter Sittler) durch einen Beinahe-Autounfall einer Fallschirmspringerin (Anja Kling) begegnet. Sie wird zur großen Liebe seines Lebens. Schon im Vorfeld der Dreharbeiten im vergangenen Herbst gabs Aufregungen: Obwohl Pater Bieger, der katholische Berater des ZDF, das Drehbuch abgenommen hatte, fand die ZDF-Crew weder in Münster noch in Eichstätt eine Kirche, in der sie die vorgesehenen Kuss-Szenen drehen durfte."Wir schrieben das Drehbuch extra um, die Kuss-Szenen raus. Aber das genügte der katholischen Kirche in Bayern dann doch nicht, weil das Drehbuch ihrer Meinung nach immer noch zu klischeehaft und die Problematik des Zölibats nicht richtig behandelt worden sei", erzählt Producer Joke Kromschröder. Gedreht wurde das Melodram dann nach längerer Suche ("Wir fürchteten schon, nach Norddeutschland ausweichen zu müssen") in einer kleinen Kirche im österreichischen Braunau. Kromschröder: "Die Kuss-Szene im Gotteshaus wurde wieder ins Drehbuch hineingeschrieben." Die Titelrolle spielt Walter Sittler (47), seit der ZDF-Serie "girl friends" ein Liebling der weiblichen Zuschauer. Was hält er vom Zölibat? "Ich halte das eher für einen Irrtum. Ein Priester ist ja nicht aus Pappe, sondern ein Mann aus Fleisch und Blut. Liebe und Sexualität sind doch nichts Teuflisches. Aber bei unserem Film geht es nicht um Kritik an der katholischen Kirche. Die findet, wenn überhaupt, eher zwischen den Zeilen statt." Was die evangelische Kirche betrifft, ist Sittler, der die ersten Jahre seiner Kindheit in Chicago verbrachte, sogar "vorbelastet": "Mein Großvater war evangelischer Pfarrer in Amerika, hat mich auch getauft. Und mein Onkel war ebenfalls Theologe. Aber mein Vater trat 1965 aus der Kirche aus. Da war ich, das jüngste von acht Kindern, 13 Jahre alt. Meine eigenen Kinder sind katholisch getauft, geheiratet habe ich aber nur standesamtlich. Ich brauche die Kirche nicht, um an etwas zu glauben. Was ich wirklich brauche, ist meine Familie. Meine Frau, unsere beiden Töchter und der Sohn sind meine schönste Entspannung nach dem Dreh-Stress. Am liebsten hätte ich auch acht Sprösslinge gehabt." Sittler, der ursprünglich Arzt werden wollte und erst mit 25 Jahren auf die Münchner Falckenbergschule kam, spielte zunächst jahrelang erfolgreich Theater, ehe ihm mit "girl friends" und "Nikola" (Grimme-Preis 1998) der Fernseh-Durchbruch gelang. In beiden Serien - neue Folgen sind geplant - ist Mariele Millowitsch seine Partnerin. Wie geht seine Frau, eine Ballett-Choreographin, mit dem Thema Verehrerinnen um? Sittler: "Sie schmunzelt darüber." Viele halten ihn für einen schönen Mann. Und er? "Na ja, wenn ich mich mit anderen Männern vergleiche, bin ich ganz zufrieden." © 2000 Berliner Morgenpost |