"Nach acht Jahren noch immer kein Paar"
(Bunte, 21.08.02)
 
Spätzünder seien sei, alle beide. "Als wir im Fernsehen Karriere gemacht haben, waren wir bereits in dem Alter, in dem andere Kollegen schon wieder aufhören zu arbeiten", sagen Mariele Millowitsch (46) und Walter Sittler (49) wie aus einem Munde. Dann prosten sie sich mit dem italienischen Weißwein zu und lachen so ansteckend, dass auch das junge Pärchen am Nachbartisch in der trattoria in der Kölner Südstadt grinsen muss.

Das passiert im Laufe des BUNTE-Gesprächs an diesem Abend mehrfach: Mariele fängt einen Satz an, Walter beendet ihn - oder umgekehrt. Er prustet plötzlich los, sie weiß sofort, worum es geht und stimmt mit ein.
Als sie bei der Pasta jammert, dass sie ein "dicker Klops" sei, kommentiert er trocken: "Marieles subjektives Gefühl entspricht nicht dem, was man sieht. Aber das kann man ihr nicht ausreden. Und wenn sie es glauben will, soll sie."

Zwischendurch nennt sie ihn liebevoll "Schatz" und "Engelchen" und überhaupt gehen sie so vertraut miteinander um wie ein altes Ehepaar. Gekribbelt hat es zwischen dem beliebten TV-Paar aus den Erfolgsserien "girl friends" (ZDF) und "Nikola" (RTL) aber garantiert nie, versichern beide.
Mariele und Walter beim Bayrischen TV Preis
   
Nix passiert, obwohl Sie seit 1994 streckenweise mehr Zeit miteinander verbracht haben, als mit Ihren eigenen Familien?
Mariele:
Wir waren vom ersten Drehtag an Freunde. Hätte man da auf Krampf versucht, eine Liebesbeziehung hinzukriegen, hätte man die Freundschaft gefährdet.
Walter: Es wäre kaputt gegangen...
Mariele: ...das war auch nie ein Thema.
Walter: Ich habe noch nie mit jemandem so viel gearbeitet wie mit Mariele. Insgesamt haben wir bis jetzt 148 Folgen "girl friends" und "Nikola" zusammen gedreht.
Mariele: Der Walter ist mir in der ganzen Zeit nicht ein einziges Mal auf den Wecker gegangen. Wenn er mal seine fünf Minuten hat, muss ich nur grinsen.

Wie sehen diese fünf Minuten aus?

Mariele: Dann hat Walter ganz arg viel Recht. Und wehe, jemand sieht das anders. Ich denke dann nur: Uihhh...
Walter: Dafür bestrafst du alle mit Liebesentzug, wenn du DEINE fünf Minuten hast.
Mariele: Das stimmt, ich bin dann nicht zickig, aber spröde und gehe blöderweise schnell auf Konfrontation, wenn mir einer gute Ratschläge geben möchte. Wenn ich richtig wütend bin und die Gräte in mir ganz schief sitzt, rede ich erstmal mit keinem. Aber das kommt relativ selten vor, stimmt's Walter?
Walter: Manchmal ist auch gar keine Gräte da und sie macht sich selbst welche. Hört dann aber auch relativ schnell wieder damit auf.

Haben Sie in den drehfreien Zeiten eigentlich Entzugserscheinungen voneinander?
Mariele:
Wir telefonieren häufig.
Walter: Und wissen eigentlich immer, was bei dem anderen los ist.
Mariele: Walter lebt ja mit seiner Familie in Stuttgart, ich in Köln. Darum können wir uns nicht so oft sehen. Aber wenn er in Köln zu tun hat, ruft er mich an und wir versuchen zusammen essen zu gehen. Wenn es dem Walter mal irgendwann ganz schlecht gehen sollte oder er Probleme hätte, würde ich alles stehen und liegen lassen, um ihm zu helfen.
Walter: Ich würde Mariele auch fragen, wenn ich Hilfe bräuchte.

die Sittlers Sind Ihre Partner gar nicht eifersüchtig?
Walter: Nein, weil es keinen Grund gibt. Meine Frau Sigrid wäre nur eifersüchtig, wenn sie das Gefühl hätte, ich würde ihr etwas verschweigen. Und das mache ich ja nicht.
Mariele: Ich kenne Walters Frau, mein Lebensgefährte Alexander kennt Walter und seine Familie. Wir waren schon oft zu viert unterwegs und hatten jedes Mal viel Spaß.
Walter: Mariele ist mit ihrem Alex zusammen, ich bin seit 17 Jahren glücklich mit Sigrid verheiratet und lebe mit ihr und unseren drei Kindern - und genau so soll es sein.

Wollten Sie keine Kinder, Frau Millowitsch?
Mariele:
Ich sage mal, wenn ich welche gewollt hätte, hätte ich sie. Der Walter hat drei, das langt doch. Aber mal im Ernst: Das hat sich einfach nie ergeben. Also habe ich's gelassen. Und jetzt, in meinem Alter, muss ich damit auch nicht mehr anfangen.

Wollen Sie Ihren Lebensgefährten, den Kölner Anwalt Alexander Isadi, heiraten?
Mariele: Der Alex ist ein Klassetyp. Wir sind seit fünf Jahren zusammen und kommen richtig gut miteinander aus, legen aber Wert darauf, dass jeder seine eigene Wohnung behält. Heiraten wollen wir beide nicht, wir bleiben lieber freiwillig zusammen. Sagen wir mal so: wir arbeiten daran, gemeinsam alt zu werden.
Mariele und Alex
 
Gibt es eigentlich noch Ihren Dackel Hans-Günther, Frau Millowitsch?
Mariele: Na klar, dem geht's prima, der bewacht zu Hause die Bude.
Walter: Hans-Günther war schon dabei, als wir 1997 die erste Staffel "Nikola" gedreht haben.
Mariele: Ja, der Dackel ist eine wirkliche Konstante in meinem Leben...
Walter: ...wenn er mal nicht mehr ist, hören wir auch mit "Nikola" auf...
Mariele: ... er ist jetzt acht, kann aber locker 16, 17 Jahre alt werden, ist dir das klar, Walter? Schaun wir mal, wer zuerst aufhört: Der Dackel zu leben oder wir mit "Nikola".

Nach fünf Staffeln "girl friends" sind Sie - trotz Traumquoten - jetzt beide aus der Serie ausgestiegen. Warum?
Walter:
Wir haben 1994 mit der Serie angefangen, irgendwann war bei mir einfach kein richtiges Feuer mehr da. Das mag ich nicht. Darum höre ich lieber von allein auf, wenn ich merke, es ist etwas zu Ende. Jetzt sind neue Schauspieler dabei, die erzählen eine neue Geschichte, das ist schon in Ordnung so.
Mariele: Eigentlich wollten wir ja schon nach der vierten Staffel aufhören, aber das ZDF wollte unbedingt weitermachen, also haben wir noch einmal zugestimmt. Schließlich wollten wir beide nicht undankbar sein: Wir hatten tolle Arbeitsbedingungen und für uns beide hat mit "girl friends" unsere Fernsehkarriere begonnen: Ich war damals schon 39, Walter war 42. "girl friends" war unser Sprungbrett, wir werden dem Drehbuchautor Christian Pfannenschmidt und allen Beteiligten ewig dankbar sein. Es war eine tolle Zeit, aber irgendwann musste einfach Schluss sein.

Stimmt es, Frau Millowitsch, dass Sie die Hauptrolle in "Nikola" nur annehmen wollten, wenn Walter Sittler Ihr Partner wird?
Walter:
Wenn ich sagen würde, sie hat sich mich gewünscht, wäre es zu sanft ausgedrückt. Ihre Worte waren: "Ich spiele nur, wenn Walter mein Partner wird."
Mariele: Anfangs musste ich den Produzenten erst davon überzeugen, dass Walter die ideale Besetzung für den arroganten Arzt in "Nikola" ist. Nach dem Pilotfilm waren mir alle dankbar für die tolle Empfehlung. Am 13.9. zeigt RTL bereits die sechste Staffel und nächstes Jahr drehen wir auf jeden Fall neue Folgen. Und sogar für übernächstes Jahr stehen die Signale bei RTL schon auf Grün.

Wird es weitere gemeinsame Projekte mit Ihnen geben?
Mariele:
Wenn ein gutes Angebot kommt, spielen wir liebend gerne wieder zusammen.
Walter: Aber nicht auf Biegen und Brechen, es muss schon der richtige Stoff sein.

Welchen Film würden Sie gern drehen?
Walter:
Einen Western - oder eine Neuverfilmung von "Vom Winde verweht". Ja, da würde ich sehr gern mal mitspielen...
Mariele: ...o ja, dann spiele ich die Scarlett O'Hara...
Walter: ...die war aber ein ganz schönes Biest...
Mariele: Wunderbar, dan kann ich endlich mal mein Innerstes nach außen kehren...

© 2002 BUNTE; Tanja May