| Der Schauspieler Walter Sittler wurde durch TV-Serien bekannt, in denen
er an der Seite von Kollegin Mariele Millowitsch spielte. Am Ostermontag
sind die beiden gemeinsam in der ZDF-Komödie Scheidung für
Fortgeschrittene zu sehen. Unserem Redaktionsmitglied Petra Noppeney
verrät er im Interview, warum ihm so viel an dieser Kollegin liegt.
Ich erinnere mich an einen Film, in dem Sie ebenfalls geschieden wurden
...
Stimmt. Das ist lange her, 2004 oder 2005. Reife Leistung
mit Angela Roy und Ina Paule Klink. Das ist einer der Filme, die auch
mir in meiner Vita gut gefallen.
Dabei wirken Sie gar nicht wie ein Scheidungstyp.
(Walter lacht) Mein wahres Ich hat mit den Figuren, die ich spiele,
nicht viel zu tun. Die Auswahl, wem welche Rolle angeboten wird, wird
vom Produzenten mit der Regie getroffen. Die gucken darauf, welche Besetzung
gut für die Komödie ist, wer also so eine Rolle spielen kann.
Als Mann für Komödien haben Sie sich schon oft bewiesen.
Schön ist, dass Sie auch das Ernste können - den deutschen Kommissar
in Schweden etwa.
Ja, das ist das Wunderbare an meinem Beruf, dass man immer wieder
in andere Rollen schlüpfen kann, und zwar sowohl im Film wie auf
der Bühne. Insofern führe ich ein luxuriöses Leben.
Was muss eine Rolle haben, damit sie Sie interessiert?
Das Drehbuch muss mich anspringen. Ich muss merken: Da habe ich Lust drauf.
Und ich muss die Figur, die ich spielen soll, emotional mögen.
Das wird bei der Figur des Jörg Wiedemann nicht allzu schwer
gewesen sein.
Stimmt. Ich hatte aber auch Lust, mal wieder mit Mariele Millowitsch zu
drehen. Das hatten wir beide schon lange vor, aber es fand sich einfach
kein gutes Script.
Sie sind ein geniales Fernsehpaar. Kommt es auch vor, dass Frau Millowitsch
spontan bei Ihnen auf eine Tasse Kaffee vorbeischaut?
(Walter lacht) Das ist leider schwierig, weil wir zu weit auseinander
wohnen. Aber wir passen schon auf, was beim anderen so los ist. Das geht
so weit, dass wir uns auch gegenseitig beraten, was Stücke oder Rollen
angeht. Wir haben von Anfang an gut zusammengearbeitet. Es hat niemanden
gegeben, mit dem ich so viel zusammen gedreht habe. Das wird auch für
die Zukunft gelten.
Wissen Sie eigentlich noch, wie viele Filme es waren?
(Walter überlegt kurz) Wir haben von 1994 an 65 Girl Friends-Folgen
miteinander gedreht, von 1996 an 111 Folgen der RTL-Serie Nikola
- und jetzt diesen Film.
Was verbindet Sie als Künstler mit Ihrer Kollegin Mariele Millowitsch?
Wir wollen beide, dass eine Szene gut wird, dass man miteinander etwas
Gutes abliefert. Mariele ist nicht eitel als Schauspielerin. Außerdem
verbindet uns unsere Vergangenheit am Theater. Sie hat lange bei ihrem
Vater gespielt, ich am Nationaltheater in Mannheim und am Staatstheater
in Stuttgart.
Sie sind durch zwei Langlauf-Serien einem größeren Publikum
bekannt geworden. Bei manchen Schauspielern sind Serien ja verpönt
...
Ich bin kein Gegner der Serie. Sie ist ein wichtiges TV-Format. Sollte
ich noch mal eine Rolle übernehmen, würde ich mir die Serie
aber gut anschauen. So etwas gut zu konzipieren, ist schwierig. Mit zwei
erfolgreichen Serien bin ich in meinem Schauspielerleben mehr als zufrieden.
Und das Drehbuch zu Ihrem jüngsten Film. Hat Ihnen das gleich
zugesagt?
Ja. Wir haben nur noch Kleinigkeiten verändert. Ansonsten mussten
man die Geschichte nur mit Leben füllen.
Können Sie die Diskussion zur Qualität des Fernsehens nachvollziehen?
Ich sag´s mit den Worten einer Bekannten: It´s so
easy to be negative. Wir haben genauso viel Gutes im Programm wie
früher. Es ist nur schwerer zu finden heute, weil das Angebot so
groß ist. Hin und wieder gib es auch bei den kommerziellen Sendern
Sachen, die gut sind. Dass manches nicht genug Zeit zur Entwicklung bekommt,
ist ein Phänomen unserer Zeit. Wir müssen aufpassen, dass wir
uns vor lauter Effektivität und Schnelligkeit nicht selbst den Hahn
zudrehen.
Sie sind in Amerika geboren. Verfolgen Sie, was unter Präsident
Obama dort politisch passiert?
Ich bin grundsätzlich an Politik interessiert, auch an den Vorgängen
in Amerika, denn ich habe noch Familie dort. Und vieles von dort färbt
auf uns hier ab. Die amerikanischen Geschichte zeigt uns, dass die Demokratie
dort keine lang gewachsene ist. Was den Rassismus angeht, leben wir hier
im Paradies.
Stimmt es, dass Sie dabei waren, als im Mai 2009 der deutsche Bundespräsident
gewählt wurde?
Das stimmt, und zwar auf Einladung der SPD Baden-Württemberg.
Das war eine schöne Veranstaltung, aber ich war enttäuscht über
die politische Klasse, die die bessere Kandidatin nicht gewählt hat.
Der Schwung von Gesine Schwan, ihre Klarheit in der Analyse, hätte
uns gut getan.
Sie selbst haben in Jugendjahren drei Jahre lang ein Internat besucht.
Wie erleben Sie die aktuelle Missbrauchsdiskussion, die diese Institution
ins Gerede gebracht hat?
Zunächst: Dort, wo ich war, im Internat Schloss Salem, habe ich
nichts von dem mitbekommen, was man jetzt aus anderen Internaten hört.
Dass Kinder und Jugendliche im Internat gezüchtigt oder missbraucht
wurden, ist deshalb so schlimm, weil sie Pädagogen und Erziehern
anvertraut waren. Meiner Meinung nach müsste bei der Ausbildung dieser
Kräfte mehr auf deren Persönlichkeit geschaut werden. Und den
Kinder muss man beibringen, Nein zu sagen. Außerdem muss man auch
auf dem Feld der Sexualität viel früher viel mehr Aufklärung
betreiben. Die sexuelle Revolution in den 60er Jahren hat da noch viel
zu wenig bewirkt.
© 2010 Borkener Zeitung, P. Noppeney
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