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Walter Sittler schaut interessiert zu, wie der menschliche Körper
an der knorrigen Kiefer emporgezogen wird. Kurze Zeit später wird
hier auf einer sturmumtosten Steilklippe der schwedischen Ostseeinsel
Gotland statt eines Stuntmans eine grausam zugerichtete Frauenleiche hängen
- ein weiterer Fall für Kommissar Robert Anders, den Sittler in vier
Fernsehfilmen für das ZDF verkörpert.
"Ein Mord ist für alle Beteiligten, die Freunde des Opfers,
die Täter eine Katastrophe. Und die Ermittelnden kommen in diese
angeknacksten, zerstörten Leben rein und müssen irgendwie schauen,
dass sie nicht noch mehr Schaden anrichten", beschreibt Sittler das
Besondere der Reihe "Der Kommissar und das Meer". "Mit
dem Fangen des Täters ist nichts in Ordnung. Alle verlieren."
Gewonnen hat nach eigener Ansicht hingegen die schwedische Bestsellerautorin
Mari Jungstedt, deren Krimis die Vorlagen für die Filme bilden. "Er
ist wirklich wie Robert Anders, wie ich ihn mir vorstelle: sympathisch,
warm, ein netter Kerl", sagt die Schriftstellerin nach einem Wiedersehen
mit dem Hauptdarsteller am Set.
Im vergangenen Sommer hatten sich die beiden kennengelernt, als auf Gotland
Jungstedts Krimidebüt "Den du nicht siehst" und der Nachfolger
"Näher als du denkst" verfilmt wurden. Die Filme werden
voraussichtlich im Dezember im ZDF ausgestrahlt, "Näher als
du denkst" wird am 1. Oktober auf dem Filmfest Hamburg vorgestellt.
Die nächsten zwei Teile, die von Juli bis September auf der Ostseeinsel
entstanden, sollen Ende 2008 gesendet werden.
"Wir wollen nicht lindströmen", beschreibt Regisseur Anno
Saul ("Kebab Conncetion") das Konzept der Produktion von Network
Movie. Dazu gehört auch, dass Sittler mit vielen skandinavischen
Kollegen vor der Kamera steht, darunter die Dänin Paprika Steen ("Das
Fest") als seine Ehefrau und "Pippi Langstrumpf"-Darstellerin
Inger Nielsson als Pathologin. "Die Filme sollen sich wirklich schwedisch
anfühlen, kein Wallander sein. Wir wollen die Härte und die
Direktheit", erklärt Saul.
Tatsächlich hat Autorin Jungstedt dem rund 45-köpfigen Drehteam
auf Gotland besonders grausame Morde ins Drehbuch geschrieben. Mit der
Ergreifung des Täters sind die Geschichten nach Ansicht Sittlers
aber noch lange nicht erzählt. "Wenn man es genau betrachtet,
sind das alles tragische Verhältnisse, wo einer einmal einen Fehler
macht und nie wieder rauskommt. Und dann steht man da, als Ermittler und
sagt: Menschlich müsste man eigentlich sagen ´Komm, lauf´.
Aber es geht natürlich nicht", erklärt er das Dilemma seines
Kommissars, der im Gegensatz zu seinem Kollegen Kurt Wallander ein harmonisches
Familienleben führt. "Die Bösen erkennt man nicht am Aussehen.
Das ist im Leben nicht so. Es ist ein ganz heikles Thema, das wir nicht
schwarz-weiß malen."
Damit würde Sittler gerne fortfahren. Er hoffe sehr, dass es noch
mehr Teile geben werde, sagt er am Ende eines anstrengenden Drehtags in
der mittelalterlichen Altstadt von Visby. "Es ist ein relativ brutales
Geschäft, das Fernsehen, weil selbst gute Sachen manchmal nicht ankommen,
weiß der Himmel warum." Die Chance auf eine erneute Rückkehr
nach Gotland - "ein raues, schönes, altes Land", wie Sittler
es beschreibt - steht jedoch gut. Das ZDF plant, den fünften Jungstedt-Roman
im nächsten Sommer zu verfilmen. Parallel zur Buchreihe sind in Absprache
mit der Autorin auch eigene Folgen geplant.
© ddp 2007
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