"Mein Glück - das ist eine große Familie"
(Das goldene Blatt, 13.10.99)
 
Er ist ein Mann, den die Frauen mögen: gutaussehend, sympathisch und charmant. Er wirkt, als könnte ihn nichts aus der Bahn werfen. Der Schauspieler aus "Girl Friends" und "Nikola" hat seinen Mittelpunkt gefunden: "Meine Familie gibt mir Halt", sagt Walter Sittler. Mit seiner Frau Sigrid (44), einer Choreographin und Tanzlehrerin, hat er drei Kinder: Jennifer (14), Benedikt (12) und Lea (10) - für heutige Verhältnisse schon fast eine Großfamilie. Kein Wunder, immerhin ist der Wahl-Stuttgarter selbst in einer großgeworden und erinnert sich gern an seine Kindheit. Vor 46 Jahren wurde Walter Sittler in Chicago geboren als jüngstes von acht Kindern! Familie Sittler, 1953
 
"In unserem Zehn-Personen-Haushalt ging es natürlich turbulent zu, aber wir waren immer füreinander da", erinnert er sich. Der Vater, Edward Sittler, war Professor; die Familie folgte ihm von Universitätsstadt zu Universitätsstadt. "Wenn wir irgendwo neu waren und noch keine Freunde hatten, war das nicht so schlimm: Schließlich hatten wir ja unsere Familie; sie war das Netz, das uns auffing."
Bei der Hausarbeit wurde jede Hand gebraucht. "Jedes Kind hatte seine Aufgabe. Ich musste nach dem Mittagessen spülen. Und damals räumte man nicht einfach die Spülmaschine ein - alles wurde mit der Hand abgewaschen. Ganz schön anstrengend, und große Lust hatte ich natürlich auch nicht dazu." Doch heute ist er stolz darauf, dass er wie alle seine Geschwister den Haushalt schmeißen kann. ,,Waschen, bügeln, putzen, nähen... Das ist für mich auch heute überhaupt kein Problem."

Was liebt der dreifache Vater so am Familienleben? "Mitzubekommen, wie die Kinder heranwachsen, sie immer selbständiger werden - das ist einfach faszinierend. Es ist schön, zu erleben, dass sie dich lieben, so wie du bist." Wie erzieht er seine Sprößlinge? "Wir zwingen ihnen nichts auf, sondern versuchen herauszufinden, was sie mit Freude erfüllt, um ihre Begabungen zu fördern." Alle drei haben bereits als Statisten in "Nikola" erste Schritte in die Schauspielerei unternommen und an Hörspielen mitgewirkt. Jennifer stand sogar mit ihrem Vater in Afrika für den Film "Wüstenrose", der im Januar ausgestrahlt wird, vor der Kamera. Das Wichtigste bei der Erziehung? "Offen zu seinen Kindern zu sein. Wenn sie wissen wollen, woher die Babys kommen, dann muss man ihnen auch antworten. Die Dinge beim Namen nennen und nicht um den heißen Brei herumreden. Meine Eltern konnten das nicht", bedauert er, "ich musste alles selber herausfinden." Doch Erwachsene, meint Walter Sittler, können auch von ihrem Nachwuchs lernen: "Eigentlich erziehen nicht wir unsere Kinder, sondern sie uns. Denn sie geben ihren Eltern eine unmittelbare Rückmeldung, wie sie sie empfinden - und halten uns damit einen Spiegel vor."

Zeit mit Frau und Kindern zu verbringen, ist für Walter Sittler das Schönste. "Wenn ich zu lange von zu Hause fort bin, bekommt mir das gar nicht. Deshalb organisieren wir uns so, dass wir nicht zu oft voneinander getrennt sind." Am Wochenende kommt der Schauspieler oft nach Hause, oder seine Familie besucht ihn am Drehort.
Zu seinen drei Brüdern (Mark starb 1975, genau wie Vater Edward) und drei Schwestern hat der Schauspieler auch jetzt noch eine liebevolle Beziehung. Ihre heute 82jährige Mutter haben die Geschwister, die in alle Himmelsrichtungen verstreut sind, zur 19fachen Großmutter gemacht. Walter Sittler freut sich schon auf das nächste große Familienfest: "Weihnachten verbringen wir alle gemeinsam bei meinem Bruder Wolf: in Texas. Da geht es dann bestimmt wieder hoch her!"

© Das Goldene Blatt, Ulrike Jansen, 1999