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Der Schauspieler Walter Sittler ist unter die Buchautoren
gegangen - "Malin" entstand aus Briefen an seine Kinder
Erst vor wenigen Tagen kam Walter Sittler aus Schweden zurück. Er
spielte hier einen Kommissar für neue Folgen einer Fernsehserie.
Sittler ist ein gefragter Mann. Er ist nicht nur ein beliebter Seriendarsteller
und Filmschauspieler, erfolgreicher Solokünstler im Theater, Komödiant
und charmanter Frauenschwa rm. Der 54-Jährige verkörpert außerdem
den Prototyp des liebenden Ehemanns und Vaters: Er hat drei mittler weile
erwachsene Kinder und ist seit 22 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet.
Zwischen der Verleihung des deutschen Fernsehpreises, dem Filmfest in
Hamburg und einer Theater-Tournee im Winter macht er kurz Zwischenstopp
in seiner Wahl- Heimatstadt Stuttgart. Er sitzt in einem Café über
dem Stuttgarter Schlossplatz, trinkt einen Cappuccino, schaut auf die
Fußgängerzone hinunter und sinniert über das Leben. An
den Nachbartischen scheint niemand Notiz davon zu nehmen, dass nur wenige
Meter entfernt einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands sitzt:
im hellgrauen Hemd, dezentem Streifenanzug und in voller Größe
von 1,94 Metern.
In Amerika geboren, kam Sittler Ende der 80er Jahre ans Stuttgarter Staatstheater.
Von seiner schwäbischen Wahlheimat ist Sittler immer noch angetan
- wohl auch weil ihm Prahlerei und Eitelkeit ein Dorn im Auge sind: "Eine
Eigenschaft der Stuttgarter ist das leichte Understatement. Die geben
nie damit an, was sie haben und was sie sind. Die gucken, was als nächstes
kommt und ruhen sich nicht auf Erreichtem aus", stellt Sittler fest.
Ihm sei es wichtig, Menschen nicht in "Kästchen" zu stecken,
wie er es nennt. Denn "Kästchen" sind Vorurteile. Und die
verengen den Blick. "Ich versuche, die Menschen so zu nehmen, wie
sie sind. Ohne sie zu beurteilen", sagt der Schauspieler. "Ich
verstehe schon, dass man ein klares Gerüst in seinem Leben haben
will, damit man weiß, wie es funktioniert. Aber das gibt es nicht.
Das einzige Gerüst, das man hat, ist man selbst."
Ihn selbst zeichne eine durchweg positive Lebenseinstellung aus, ist der
Schauspieler überzeugt. Es sei leicht, diese Einstellung abzuwerten
und ihn als "Positivisten" zu bezeichnen, "doch damit lässt
es sich gut leben" grinst er und sagt ein kleines bisschen stolz:
"Das können nicht so viele." Die meisten Menschen hätten
einfach Angst. Eigentlich müssten sie sich seiner Ansicht nach aber
nur eine Frage stellen: "Wollen Sie etwas oder nicht? Und wenn Sie
etwas wirklich wollen, dann müssen Sie nach Wegen suchen, es zu verwirklichen
und es nicht hinter angeblichen Gründen verstecken." Das wollte
er auch seinen drei Kindern mitgeben.
Sittler war es wichtig, ihnen Werte zu vermitteln und vorzuleben, was
ein guter Mensch ist. Die Gesellschaft und wie die Menschen glücklich
in ihr werden können, beschäftigt den Schauspieler ganz besonders.
"Wir geben wahnsinnig viel Geld aus für wissenschaftliche Bildung.
Aber nichts für die menschliche Bildung", klagt Sittler immer
wieder. Man müsse aber in die ethische und persönliche Entwicklung
der Kinder investieren, findet Sittler. Und das gehe nur mit Musik, mit
Theater, mit Sport.
Auch bei seinem neuesten Streich richtet sich das Augenmerk des Schauspielers
auf die Kinder. Der 54-Jährige ist unter die Kinderbuchautoren gegangen.
"Malin" heißt das Werk und entstand aus Briefen, die Sittler
bereits im Jahr 1991 an seine Kinder schickte, während er auf einer
Tournee war. Das Buch erscheint jetzt zur Frankfurter Buchmesse. "Kicherkinder"
nennt er seinen Nachwuchs darin zärtlich und erzählt ihnen von
einem kleinen Kobold, der ihn auf seiner Reise begleitet. Seine älteste
Tochter Jennifer reagierte zunächst ein wenig zurückhaltend
auf die Veröffentlichung der Geschichte. "Das gehört doch
mir", fand die mittlerweile 22-Jährige. Doch dann gab sie nach:
"Ich habe das Erlebnis gehabt, als ich die Briefe bekommen habe.
Und das wird ja dadurch nicht geschmälert, dass sie gezeigt werden."
© 2007 Esslinger Zeitung, Catherine Simon
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