"Der Mann, der Sehnsüchte erfüllt"
(Frau im Spiegel, 12.04.00)
 
So einen Mann wie ihn hätten viele Frauen gern daheim: gut aussehend, romantisch, ehrlich, bescheiden - und er kann sogar Knöpfe annähen.

Selbst als katholischem Pfarrer fliegen Walter Sittler (47) die Frauenherzen zu. Sicher, so stand es zwar im Drehbuch für den Zweiteiler "Das Herz des Priesters", in dem der lange Blonde mit dem treuen Blick gerade zu sehen war. Aber dass er einen dicken Stein im Brett bei der holden Weiblichkeit, das steht fest.
"Ich habe das Glück gehabt, Rollen zu spielen, die Sehnsüchte erfüllen", sinniert der bescheidene Stuttgarter über seinen Erfolg. "So wie in 'girl friends'. So einen Chef, Vater, Mann möchten sicher viele haben. Der Ronaldo steht zu den Sachen, die er macht, ist kein Dummkopf, kann zuhören und ist nicht so schrecklich erwachsen. Und der Dr. Schmidt in 'Nikola' ist zwar ein Loser, ist ein bisschen verrückt, aber er ist kein Macho, mehr ein großer Junge und ein umheimlich guter Arzt."

Für "Nikola" steht Sittler gerade wieder in Köln vor der Kamera - und da kommt ihm seine Zeit im Münchner Klinikum Großhadern zugute, wo er arbeitete, bevor er auf die Schauspielschule ging. Sittler "packt aus": "In der Uni-Klinik erlebt man die Ärzte schon wie den Dr. Schmidt: Die wollen helfen, aber die passen auch auf ihre Karriere auf. Es ist einfach nicht so melodramatisch-emotional wie in deutschen Arztserien. Es gibt sehr viel Selbstdarstellung dadurch, dass Ärzte durch ihre Position in der Gesellschaft fast göttliche Züge an. Das hat gar nichts mit dem technischen Können zu tun - die meisten können ganz gut, was sie gelernt haben." Klare Worte.

Wenn Familienmensch Sittler dreht, nimmt er - wenn's die Schulferien erlauben - am liebsten die ganze Familie mit: So waren Ehefrau Sigrid, die Kinder Jenny (14, spielte sogar eine große Rolle), Lea (9) und Benedikt (12) allesamt mit in Namibia, als die "Wüstenrose" gedreht wurde. "Familie ist mein Fundament", sagt Walter. Zumindest am Wochenende will er seine Lieben um sich haben. Und mit Sigrid plaudert er seit neuestem elektronisch: "Wir haben beide eine heimliche E-Mail-Adresse."
Sigrid, sein Glücksfall, wie Sittler findet. "Ich habe die richtige Frau im richtigen Moment kennen gelernt - aber damit die Liebe bleibt, muss man auch was dafür tun." Dazu gehört, dass Walter zu Hause mitanpackt. "Wir waren daheim acht Kinder, da musste man sich die Hausarbeit einfach teilen." Sogar nähen kann der Schauspieler: "Ich habe meiner Tochter mal ein Ganzkörper-Hasenkostüm für Fasching geschneidert, nach Schnitt, sogar mit Reißverschluss. Und Knöpfe annähen, mal ehrlich, Männer, ist doch kein Hexenwerk!"

Man merkt dem Mann einfach an, dass er die Frauen mag. "Ich habe ja selber eine ganz wunderbare. Aber ich gucke schon auch auf andere, wie die so aussehen", gesteht er freimütig. Ebenso, dass er Frauenfreundschaften schätzt. "Frauen sehen Dinge anders, können über Gefühle leichter reden", findet er. "Männer haben ein Bild von sich, dass sie länger vor sich hertragen, bevor man zu ihnen durchdringt."
Angesichts solcher Worte verwundert es nicht, welche Art von Lieblingspart Sittler, der sich aus vollem Herzen zum Melodram bekennt, sich wünschen würde: "Wenn so was wie 'Vom Winde verweht' noch mal geschrieben würde, das wäre toll!" Ja,ja so einen Rhett Butler des 21. Jahrhunderts, den könnten wir Frauen uns schon ziemlich gut vorstellen!

© 2000 Frau im Spiegel; Susanne Nolden