Jetzt wird's kriminell
(Frau im Spiegel, 20.04.05)
 
An dem kommt keiner vorbei. Im deutschen Fernsehen scheint nichts mehr ohne den Stuttgarter Walter Sittler (52) zu laufen. Nachdem der "girl friends"-Smartie mit "Nikola" auch das Comedy-Terrain erobert hat, ist jetzt die Krimi-Offensive mit ihm im Gange. Gleich drei verschiedene Traumrollen haben ihm SAT.1, RTL und nun auch das ZDF auf den schlaksigen Leib geschneidert - und bei mindestens einer davon steht fest, dass sie in Serie geht.
Sittler ist der pfiffige "Fuchs", ein Robin Hood der Großstadt (SAT.1). Er ist Sebastian Sand, ein Profiler, der seit dem Tod seiner Kinder unter Zwangsneurosen leidet (RTL). Und er ist der eher ernste Max Czerlitzky, Ex-Gitarrist und Versicherungsdetektiv. (ZDF, 23. April, 20.15 Uhr). "Dass ich drei Krimihelden spiele, ist Zufall. Ich habe einfach die Bücher ausgesucht, die mir am besten gefielen", sagt Sittler.
Fuchs, Sand, Czerlitzky - drei liebevoll gezeichnete Charaktere, wie sie vor allem bei den privaten TV-Sendern Seltenheitswert haben. Welcher liegt ihm nun am meisten am Herzen?
Walter Sittler

"Der ‚Fuchs' ist ein Teil von mir, weil ich das mag, wenn einer so anarchistisch vorwärts geht, Spaß hat bei dem was er macht, und dabei das Richtige nicht aus den Augen verliert", erklärt Sittler, der auch privat das Herz eines Robin Hoods hat. "Es gibt bestimmte Sachen, für die spenden wir jedes Jahr, wie die SOS-Kinderdörfer, das Stuttgarter Weglauf-Haus und Obdachlose. Und dann kommen immer noch Sachen hinzu wie der Tsunami", so Sittler. "Ich hab noch nie einen so dämlichen Spruch gehört wie ‚Geiz ist geil'. Ich bin der Meinung, dass jeder, der eine gewisse Summer verdient und gemütlich leben kann, einen ziemlich guten Beitrag spenden soll. Wir haben alle eine Verantwortung dafür, wie es in der Gesellschaft zugeht."
Beim "Fuchs" steht fest: Es geht weiter. Bei "Die unlösbaren Fälle des Herrn Sand", ist sich RTL noch nicht so sicher. "Die Quoten waren mittelmäßig", so Pressesprecher Claus Richter über das durchaus ambitionierte Projekt. "Es gab zum Teil harsche Kritik, wir hätten unsere eigene US-Serie ‚Monk' plagiert. Die Chancen stehen fifty-fifty". Schade eigentlich, denn die skurrile Figur ist entwicklungsfähig. Findet auch Sittler, der sich intensiv vorbereitet hat. "Ein Freund ist Psychoanalytiker, er hat mir Bänder geschickt von Menschen, die unter Zwangsneurosen leiden. Er hat mir über ihr Denkweise erzählt, und ich habe versucht, mich da hinein zu bewegen", schildert er. "Der ‚Sand' war erst am weitesten von mir weg - aber am Ende des Tages doch nicht, habe ich dann festgestellt. Wir alle haben ja viele Seiten in uns. Aber nur wir Schauspieler dürfen sie ausleben und werden sogar noch bezahlt dafür."
Der ZDF-Czerlitzky ist dagegen einer, der sehr authentisch ist - wie Sittler selbst. Authentisch zu bleiben, das liegt auch ihm am Herzen. "Ich versuche, meine Rollen so auszuwählen, dass ich mir selber ins Gesicht schauen kann", sagt er. "'Czerlitzky' kommt ursprünglich von der Musik, weshalb er in sich verankert ist und eine relativ entspannte Sicht auf die Welt hat. ER hat seine eigene Meinung, die gibt er auch nicht her", das schätzt der Schauspieler an seinem Alter Ego. Ob die Zuschauer seiner Meinung sind und Sittler bald gegen die samstägliche Damen-Riege mit Rosa Roth, Bella Block & Co antreten darf - der Pilotfilm wird's zeigen.
Gerade dreht der Vielseitige die letzte "Nikola"-Staffel, "endgültig, man soll aufhören, wenn's am schönsten ist". Danach ist vorerst Schluss mit dem Sittler-Boom. "Dann arbeitet meine Frau, sie ist Tanzpädagogin, für vier Wochen in der Ukraine, und ich bin Hausmann. Im Sommer fährt Lea, unsere Jüngste, sie ist 15, für ein Austauschjahr nach Schweden. Was dann kommt? Schau'n mer mal!" Wir sind gespannt auf weitere unbekannte Facetten des Walter S.

© 2005 Frau im Spiegel; S. Nolden