„Der Weltenbummler und das Schwarzwaldmädel“
(Frau im Spiegel, Sommer 1996)
 
Von Dienstag zu Dienstag wächst der Fanclub der „girl friends“. Und einer, der auf der Symphatieskala ganz oben steht, ist der smarte Hotel-Chef Ronaldo mit den grauen Schläfen. dass die gefärbt sind, wen er im richtigen Leben liebt und wie er lebt, verriet er FRAU IM SPIEGEL beim Exklusiv-Interview.

Überraschung im Stuttgarter „Café am Schloßgarten“: Walter Sittler (43), der seine Familie aus dem Rummel um die „girl friends“ heraushalten will, hat nun doch seine Frau zum Fototermin mitgebracht: „Das ist meine Sigridärin - weil sie Sigrid heißt - und ich bin ihr Privatsekretär.“ Vor zwölf Jahren haben sie sich kennengelernt und durch die junge Frau aus Furtwangen im Schwarzwald ist der Weltenbummler seßhaft geworden.

Sittler erzählt: „Mein Vater war Amerikaner mit elsässischen Vorfahren, meine Mutter ursprünglich Hamburgerin, aber da ihr Vater Kaufmann bei der Englisch-Ostindischen Gesellschaft war, wurde sie Engländerin.“ In Berlin - Vater Sittler, Anglist und Germanist studierte dort - trafen sie sich. 1946, als die ersten vier von acht Kindern geboren waren, kehrte die Familie in die Staaten zurück. Walter wurde als Jüngster in Chicago geboren. „Heute leben alle, die in Deutschland geboren sind, in den USA, und alle, die drüben geboren sind, hier.“
Ganz leicht hatte es der Benjamin der großen Familie nicht: „Als jüngstes Kind läuft man so mit“, erinnert sich der 1,94 Meter lange, jungenhafte Schauspieler. „Ich weiß noch, mit fünf habe ich ein kleines Schweizer Taschenmesser bekommen. Als ich es verlor, brach für mich eine Welt zusammen. Aber zur gleichen Zeit hat mein ältester Bruder ein geklautes Auto an die Wand gesetzt - da fand mein so großes Problem natürlich keine Beachtung. Doch man wurde auch oft genug in den Arm genommen.“

Als Walter sechs war, kehrte die Familie nach Deutschland zurück. „Mein Vater liebte die deutsche Sprache, rezitierte Gedichte und sang Schubert - Lieder.“ Sein Abi machte Sittler als Stipendiat in Salem - dann begannen die Wanderjahre. „Ich habe Spanisch gepaukt und bin dann ein Jahr zu meiner Schwester nach Lima, habe dort als Autodidakt Verwaltung und Kantine einer 15-Mann-Firma aufgebaut. Ich habe Maschinen eingerichtet in einer Sackleinenfabrik und die Auflösung einer Textilfabrik abgewickelt.“
So recht gefallen hat ihm alles nicht. Er beschloß in München Medizin zu studieren. „Aber ich musste mit ‘nem Abi-Schnitt 2,3 auf den Studienplatz warten, habe anderthalb Jahre im Klinikum Großhadern gearbeitet.“ Des Wartens überdrüssig machte Walter den Taxischein und schrieb sich für Geschichte und Philosophie ein. Bis er durch einen Freund an die Schauspielschule kam. „Ich war mit 26 eigentlich schon zu alt für die Aufnahmeprüfungen, aber sie haben mich trotzdem genommen.“ Finanziert hat er sich das Studium als Filmvorführer im Arri-Kino.

Seine erste Station als Schauspieler war von 1981 an sieben Jahre lang das Mannheimer Nationaltheater. „In der Zeit traf ich auch Sigrid. Unsere Geschichte klingt wirklich unglaublich.“ Sie beginnt damit, dass sich immer ein Mitglied des Sittler-Clans in Salem befand. Heute ist seine Schwester dort Lehrerin. 1984 war Walters Mutter Mentorin. Sie hatte in den USA studiert, nachdem alle Kinder aus dem Haus waren.

„Sie wollte, dass ich als Ex-Schülersprecher zu einer Ehrung für einen meiner ehemaligen Lehrer komme. Ich hatte keine Lust, aber ich bin doch gefahren.“ Von der Bühne herunter, wo aus dem Leben von Jocelyn Winthrop-Young erzählt wurde, blieb sein Blick an einem Gesicht im Publikum hängen: Sigrid. Die Faszination muss gegenseitig gewesen sein, denn die junge Tanzlehrerin erklärte Walters Mutter: „Der fährt nicht wieder, bevor du ihn mir vorgestellt hast!“ Und so geschah es.
   
Sittler: „Zwei Wochen später kam sie nach Mannheim in meine Vorstellung, ein dreiviertel Jahr später waren wir verheiratet, zehn Monate später war Jennifer unterwegs.“ Inzwischen hat die Zehnjährige noch Bruder Benedikt (9) und Schwester Lea-Marie (6). 
„Es war alles so einfach. Wir mussten nie diskutieren über Heirat oder Kinder. Ich wäre sicher verheiratet gewesen, wenn mich vorher jemand hätte heiraten wollen. Aber so war ich gerade frei. Sigrid hatte ein halbes Jahr vorher ihren langjährigen Freund ‚abgesägt‘. Damit war alles klar.
Walter Sittler und Kinder
 
Sittler sinniert: „Sicher lag das auch am Alter, sie war 29, ich 32. Da hat man schon den einen oder anderen kräftig auf die Nase bekommen, weiß eben, dass es kein Paradies auf Erden gibt, aber dass schlechte Tage vorbeigehen. Und man versucht nicht mehr, den anderen zu ändern.“ Zum gegenseitigen Verständnis trage sicherlich auch bei, dass Sigrid ebenfalls aus einer Großfamilie kommt. „Sie ist das dritte von fünf Kindern. Da weiß man, dass immer ein gewisses Grundchaos herrscht, dass die sprichwörtliche offene Zahnpastatube nun wirklich kein Grund zu streiten ist.“

© 1996 Frau im Spiegel; Susanne Nolden