"Für meine Familie würde ich auch große Rollen ablehnen"
(Frau im Spiegel, Sommer 1997)
   
Die Arbeit meiner Frau finde ich viel wichtiger als meine“, sagt der Stuttgarter. Gemeinsam vertonte das Ehepaar ein Kinderbuch, das auf Rügen als Musical aufgeführt wurde.

Rügen, die schmucke Ostseeinsel, im Spätsommer. Letzte Sonnenstrahlen erwärmen die Luft. Mitten in einem idyllisch gelegenen Park steht ein alter Pferdestall, der zum Theater umgebaut wurde. Rund 150 Kinder und Erwachsene warten gespannt auf das Kindermusical „Der überaus starke Willibald“. Walter Sittler (45) beaufsichtigt, sichtlich nervös, Ton und Kamera, er will ein Video von der Aufführung produzieren. Anspannung und Hektik legen sich erst nach dem begeisterten Schlußapplaus: Erfolg auf der ganzen Linie fürWalter Sittler und seine Frau Sigrid (41), die Macher von „Willibald“.
Der TV-Liebling („Nikola“, „girl friends“) hegt eine besondere Liebe für diese Projekte, die er und Sigrid gemeinsam realisieren. Die Choreographin und Tanzpädagogin gründete vor fünf Jahren in Ludwigsburg ein Tanztheater für junge Mädchen. Sie inszeniert die Stücke, studiert die Tänze ein, entwirft Kostüme und Ausstattung. Ihr Mann kümmert sich allgemein um die Planung, ist Mitautor, Dramaturg und „seelischer Berater“. „Viele Ehen scheitern, wenn die Partner auch noch zusammen arbeiten“, erzählt Walter. „Unsere wird dadurch immer besser - und das seit zwölf Jahren. Meine Frau ist der Mensch, der mir im Leben am nächsten steht.“ Und fügt seine Erkenntnis in Sachen Partnerschaft hinzu: „Wenn sie gut sein soll, muss ein Mann mindestens vier Rollen beherrschen: Ehemann, Freund, Geliebter und Vater.“
Einen Teil seiner Gagen steckt er in die Musical-Projekte, die inzwischen so erfolgreich sind, dass es sie auch auf CD gibt. Und immer, auch auf Rügen, ist der Sittlersche Nachwuchs mit von der Partie: Lea (8), Benedikt (10) und Jennifer (12), die sogr als Souffleuse mithilft. Aber auch Lea und Jenny hatten schon kleine Rollen.
Doch Walter sagt: „Ich finde die Arbeit meiner Frau viel wertvoller als meine, leider sieht sie nur ein kleines Publikum“, bedauert Sittler, dier sich überhaupt nicht als Star der Familie fühlt.
„Dafür sorgen schon die Kinder, sie haben zu Hause das Zepter in der Hand, die interessiert null, was ich den ganzen Tag gemacht habe. Sie haben ihre eigenen Probleme.“ Und so hilft Vater bei den Hausaufgaben oder übt mit den Sprößlingen Klavier, denn „die Familie ist für mich ein Kraftquell und steht an erster Stelle.“
Ihr zuliebe würde Walter Sittler auch große Rollen ablehnen, wenn er dafür zu lange fern von daheim bleiben müsste. „Länger als zwei, drei Wochen - das geht nicht“, hat Sittler festgestellt. Und werden’s doch mal mehr, kommt Sigrid samt Kinder zum Drehort. „Wie bei ‚Nikola‘, das hat ihnen großen Spaß gemacht“, sagt Sittler. „Die Kids wollen natürlich wissen, wie mein Beruf funktioniert. Sie sollen auch wissen, wovon wir leben, und dass es im Prinzip ein Beruf wie jeder andere ist.“

© 1997 Frau im Spiegel; C.Mortag/B.Fritsch