| "Natürlich habe ich mal geklaut" (Gong, 18.03.05) |
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| Walter Sittler über Pantoffelhelden, seine Comedy-Partnerin
Mariele Millowisch - und frühe Erfahrungen als Meisterdieb Besonnen sitzt der schlaksige 1,94-Meter-Riese inmitten staubiger Bücherstapel und mimt den ahnunglosen Antiquar: Walter Sittler ist zum zweiten Mal der berüchtigte Meisterdieb "Der Fuchs" in der gleichnamigen SAT.1-Komödie. Tagüber Göttergatte, nachts liebenswerter Ganove - eine Rolle, die dem 52-jährigen auch privat zuzutrauen wäre. |
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Herr Sittler, ist eine dritte Folge von "Der Fuchs"
in Arbeit? Der Zuschauer entscheidet, ob Max weitermacht. Stoff genug ist da. Wir können sofort einen Tag nach der Ausstrahlung loslegen und einen dritten Film drehen. Großen Männer wird of eine stille Komik nachgesagt. Trifft das auch auf Sie zu? Das Leben ist in all seiner Tragik eher komisch, weil wir verzweifelt versuchen alles richtig zu machen. Jeder von uns tritt aber zwangsläufig mal daneben. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. Gibt man anderen die Schuld, macht man ein großes Bohei oder nimmt man freundlich zur Kenntnis, welchen Mist man gebaut hat. Letzteres gefällt mir. Entdeckt man an Ihnen - wie bei Max - auch spießige Züge? Ich wohne mit meiner Frau und unseren drei Kindern in Stuttgart zur Miete in einem Einfamilienhaus. Ich bin gerne zu Hause und habe von meinen Kindern gerade ein Paar Lederpantoffeln geschenkt bekommen, damit ich keine kalten Füße bekomme. Wenn das spießig ist, dann bin ich es. |
| Haben Sie kriminelle Energie? Ich kenne niemanden, der keine hat. Weil ich immer viel Glück hatte, gab es für mich keinen Anlass, kriminelle Energie zu entwicklen. Aber ich hoffe, dass meine Zivilcourage ausreicht um Gesetze, die gegen Menschen und deren Würde gerichtet sind, zu ignorieren. Aber natürlich hab ich mal geklaut. Natürlich? Ich habe noch nie geklaut! Noch nie? Mensch, dann fehlt Ihnen aber etwas im Lebenslauf. (er lacht). Als Zehnjähriger habe ich meinen Eltern Geld geklaut. Die 50 Pfennige, die ich pro Stunde fürs Aufsammeln von Bällen auf dem Tennisplatz verdiente, reichten nicht, um aufs Oktoberfest zu gehen. Sie haben Ihre Beute in Kettenkarusselle investiert? Ja, und in diese Züge, in denen man noch nicht mal lenken, sondern nur sitzen konnte. Ist Ihr Diebstahl aufgeflogen? Ja, aber ich habe keine Schläge bekommen. Das schlechte Gewissen war für mich schlimmer: Man hat seine Eltern enttäuscht. Daran denkt man nicht, wenn man klaut. Das war für mich eine sehr gute Lektion. Wie fühlen Sie sich mit Ihren 52 Jahren? Gut. Ich möchte keinen Tag jünger, keine 20 oder 25 sein. Die ganzen Schwierigkeiten mit Frauen und Job, nein danke. Würden Sie alles noch mal genauso machen in Ihrem Leben? Einige Fehler würde ich versuchen, zu vermeiden. Ich dachte, ich müsste mal ganz andere Typen spielen: einen Kriegsheimkehrer, der sich mit Huren herumschlägt, zum Beispiel. Das war katastrophal. Und privat? Natürlich hab ich Leichen auf meinen Wegen: unsaubere Trennungen, Freundin verlassen, Eifersucht aus den lächerlichsten Gründen. Ich würde früher versuchen herauszufinden, was mich wirklich glücklich macht. Sie drehen mit Mariele Millowitsch gerade die letzte Staffel der RTL-Comedy "Nikola". Warum soll trotz guter Quoten damit Schluss sein? "Nikola" ist rund - und zu Ende. Mariele und ich haben das Gefühl, es ist Schluss. Ich werde es bedauern. Trotzdem ist es richtig. Wir machen einfach was Neues. Zusammen? Ich hätte nichts dagegen. Mariele und ich funktionieren blind. Ohne sich näher zu kommen? Wir sind uns nah, Mariele würde ich als meine Freundin bezeichnen. Ich arbeite wahnsinnig gern mit ihr, aber ich liebe meine Frau. Ich bin also auch gar nicht mehr zu haben. © 2005 Gong; Julia Jüttner |