| Flexibles Familientier (Hörzu, 11.03.05) |
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| "Wer ein erfolgreicher Ganove sein will, braucht Talent, Mut, Geschicklichkeit und jahrelanges Training." Der heitere Stolz mit dem Walter Sittler seine Rolle in der Krimikomödie "Ein Fall für den Fuchs" beschreibt, läßt reichlich Raum für die Interpretationen. Es gefällt ihm sichtlich, seinem Saubermann-Image, in den Langzeitserien "girl friends" und "Nikola" liebevoll aufgebaut, ein paar Ecken und Kanten hinzuzufügen. Mehr noch: In der "Fuchs"-Reihe, die in loser Folge in SAT.1 läuft, darf er auch Abenteurer sein. Wie einst Cary Grant katzenhaft über die Dächer streifen, um als moderner Robin Hood den Reichen zu nehmen, was sie den Armen gestohlen haben. Eine wunderbare Männerphantasie, die Spaß macht und zugleich die Vorstellung vieler weiblicher Zuschauer vom Traummann bedient. | |
| Tatsächlich ist auch der Vergleich mit Cary Grant so
abwegig nicht. Der bekam seine großen Rollen ebenfalls erst im besten
Alter. Sittler ist 52, charmant, graumeliert, über 1,90 Meter groß.
Obwohl im wahren Leben kein heldenhafter Draufgänger, haben ihn die
Zuschauerinnen im vergangenen Jahr zu ihrem "TV-Traummann" gewählt.
Die Auszeichnung, von anderen schnell als piefig abgetan, genießt er: "Es ist ein schöner Ausdruck von Anerkennung. Weshalb ich jetzt aber nicht täglich in den Spiegel schaue und mir vorbete, was für ein toller Typ ich bin." Die leichte Ironie, mit der er es sagt, drückt sein Erfolgsgeheimnis sowieso besser aus. Sittler akzeptiert das Verhältnis zwischen Zuschauer und Schauspieler als Geschäft. Es ist angenehm, wenn einer mal nicht allein auf seine Kunst und sein Talent pocht, um zu erklären, wie er es bis in die erste Reihe der Fernsehschauspieler gebracht hat. |
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| Die nächsten Wochen sind wahre Sittler-Festspiele. Neben
einem alten und neuen "Fall für den Fuchs" zeigt SAT.1 noch
die Wiederholung des Zweiteilers "Für immer verloren", in
dem er den Ehemann von Veronica Ferres spielt, die in einem türkischen
Gefägnis einsitzt. Im April geht es mit zwei neuen Krimis weiter: "Die
unlösbaren Fälle des Herrn Sand" (RTL, 07.04.) sind eine
deutsche Version der US-Topserie "Monk". Ernsthaft dramatisch
ist die Rolle im ZDF-Film "Gegen jedes Risiko" (23.04.). Sittler
spielt einen Versicherungsdetektiv, der den Unfalltod seines Bruders aufklären
will. Beinahe ohne Pause stand er über ein Jahr lang ohne Pause vor der Kamera. Es hat selbst ihn an seine Grenzen gebracht. Denn Sittler spielt nicht nur in seinen Rollen häufig das Familientier, er ist es auch privat. "Ich verkaufe mich teuer, um dann viel Zeit für meine Familie zu haben." Für seine Kinder, zwei Töchter und einen Sohn, alle im Teenageralter, und seine Frau Sigrid. Seit 19 Jahren verheiratet, versäumt er nicht, ihr bei jeder Gelegenheit raffinierte Dessous mitzubringen. "Man muss in der Ehe wachbleiben, sich für den anderen interessieren, sonst klappt's nicht." Sie leben in Stuttgart, sind dort gerade aus der Mietwohnung in ein Haus umgezogen. "Heimatgefühle", sagt Sittler, "habe ich nie gehabt. Mein Zuhause ist dort, wo meine Familie ist." Zu seiner Kindheit gehörten ständige Umzüge. Der Vater war Amerikaner, Anfang der 30er Jahre kam er als Student nach Deutschland und lernte hier Sittlers Mutter kennen. Nach dem Krieg zogen sie in die USA, wo der Vater als Literaturprofesser an Unversitäten unterrichtete. Sittler wurde als jüngstes von acht Kindern in Chicago geboren. Ende der 50er Jahre ging es zurück nach Deutschland. Sittler kam ins Internat nach Salem, eine akademische Laufbahn schien sicher. Nach einem Praktiumsjahr in Peru, wollte er Arzt werden. Dass er zur Schauspielschule ging, war eher Zufall. 15 Jahre lang trat er ausschließlich im Theater auf, in München, Mannheim und zehn Jahre im Stuttgarter Staatstheater. Die Leidenschaft für die Bühne steckt ihm im Blut. Die verliert man nicht, sie war letztendlich sogar der Auslöser für seine Fernsehkarriere. Der Durchbruch kam 1995 mit der Rolle des Ronaldo Schäfer in der ZDF-Serie "girl friends" an der Seite von Mariele Millowitsch. Auch sie kam vom Theater, man verstand sich auf Anhieb. Bis heute ist Mariele seine engste Bezugsperson - rein beruflich gesehen. Die Paarung Millowitsch/Sittler funktionierte im TV so gut, dass RTL den beiden ein weiteres Format anbot: die Comedyserie "Nikola". Dafür gab's 1998 den renommierten Adolf-Grimme-Preis, 2003 dann auch den Deutschen Fernsehpreis. Zur Zeit wird in Köln die letzte Staffel gedreht. Gibt man ein Erfolgsstück wie "Nikola" freiwillig auf? "Eines Abends stand ich mit Mariele am Kulissenrand. Wir sahen uns an, und Mariele sagte: 'Wir müssen aufhören.' Und ich nickte." Kein Bedauern, sondern Erleichterung. Und natürlich wird die Frage, ob sich die beiden - in der Serie - nun endlich kriegen, dann in der allerletzten, der 111. Folge im Herbst gelöst. © 2005 Hörzu; S. Goertz-Ulrich |
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