| "Ein wüster Dreh" (Bericht zu den Dreharbeiten - "Wüstenrose") (HÖRZU, 23.12.99) |
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| Sandstürme, Autounfälle, Pferde, die durchgehen: Unter
abenteuerlichen Bedingungen entstand in Nambia der opulente ZDF - Zweiteiler
"Die Wüstenrose". Für HÖRZU vor Ort: Evelyn Holst, die auch das Drehbuch
schrieb. Uhr früh in der Wüste von Namibia. Der Himmel ist nachtschwarz. In der Ferne jault ein Kojote. Das scharfe "sssttt", das die Stille zerreißt, kommt weder von Grillen noch von hungrigen Hyänen. Es sind die Reißverschlüsse der 72 Zelte, in denen 47 Schauspieler und 98 Crewmitglieder eine luxusfreie Weihnacht (??? Anm.d.W. im Sommer 98???) verbracht haben. Das Filmteam der "Wüstenrose" erwacht. Im Verpflegungszelt brutzeln schwarze Köchinnen Spiegeleier mit Speck. Der Kaffee ist deutsch. An allen Tischen Gähnen und Strecken - leichte Verkaterung, der afrikanische Wein ist schuld. Nur Walter Sittler ("Girlfriends") ist guter Laune - "Set Sunny", wie er deshalb in der Maske heißt. Dabei ist "Die Wüstenrose" alles andere als eine Wellness - Oase mit Kuschelaroma, sondern Abenteuer pur, Fronteinsatz mit Hindernissen. "Eine Herausforderung", sagt Herstellungsleiter Giselher Venzke über die drei Jahre vorbereitete Produktion. Zufrieden blickt er zu den Aufnahmen hinüber, die nur von ferne den Eindruck träger afrikanischer Gelassenheit machen. Vielmehr ist jeder konzentriert bei der Sache. Die fünf Millionen Mark, die ZDF Abteilungsleiter Claus Beling für den Zweiteiler angesetzt hat, sind genau kalkuliert. |
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| Professionalität, die ganz im Sinne von Produzentin Katharina
Trebitsch ist. Für sie sind die Dreharbeiten die Erfüllung eines langgehegten
Traumes. Nach Aufhebung der Apartheid folgte sie einer Einladung der südafrikanischen
Filmindustrie und wurde gefragt: "Die Amerikaner haben die Western. Was
hat eigentlich Deutschland?" Ja, was? "Die Kolonien", fiel jemandem ein.
Bingo! Die Idee zur "Wüstenrose", benannt nach einem typischen Wüstenstein, war geboren, die Geschichte der jungen Ärztin Klara von Sellin (Birge Schade), die 1908 nach Deutsch - Südwest auswandert, um dort im Krankenhaus zu arbeiten. Die Heldin bekommt es mit drei Männern zu tun: ihrem Vorgesetzten Dr. Kummerow (Brian O'Shaugnessy), der eigentlich keine Frauen in seiner Klinik duldet, dessen Sohn Martin (Ralf Bauer), einem Lebemann, der sich ebenso leidenschaftlich wie vergeblich in Klara verliebt, und Richard von Salomon (Walter Sittler), der großen, komplizierten Liebe ihres Lebens. |
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Viel Zeit verging, bis im Sommer 98 ein Mammuttreck zum Dreh in die Wüste Namibias aufbricht. Aus Deutschland reisen 47 Schauspieler, 98 Crew - Mitglieder, zwölf Reit- und Kutschpferde, ein Löwe, vier Kutschen, zwei Botte, 15 Mann zum Aufbau und über 90 Wohn-, Dusch-, Toiletten- und Versorgungszelte. Sie werden transportiert von insgesamt 45 Fahrzeugen, davon elf Lastzügen. Das Team dreht 52 Tage lang bei Hagel, Schnee, Nebel, Regenstürmen und eine kaprizösen Wüstensonne, bei Temperaturen zwischen einem und 40 Grad. |
| Jeder schwitzt und hängt an der Wasserflasche. Fliegen dösen, Pferde schnauben und Klara, Martin und Richard spielen das Lied von Tod und Liebe. Heute wird der dramatische Höhepunkt der "Wüstenrose" gedreht: Martin, der Klara vergewaltigt hat, lauert ihr vor der Missionsstation auf. Erklärt ihr seine Liebe, bittet sie um Vergebung. "Ich dachte Sie wären mein Freund", sagt Klara, die inzwischen längst mit Richard verheiratet ist. | |
| "Ich war nie Ihr Freund, wertes Fräulein", entgegnet Martin,
"ich habe Sie geliebt, wie ein Mann eine Frau nur lieben kann. Ich habe
mich verzehrt nach Ihnen." Er fordert einen Kuss ein, nur einen, dann will
er gehen. Klara wehrt sich. Sie ringen um seine Waffe, Martin ergreift sie
und schießt sich in die Brust. Klara schleppt den Verwundeten in die Missionsstation,
wo der Maskenbildner bereits mit künstlichem Blut wartet. Und dann stirbt
Martin in Klaras Armen, während eine dekorative Träne über ihre bleiche
Wange rinnt. "Bitte nicht sterben", flüstert sie. Der Set in trance, in Wüstentrance. Es ist kurz vor Sonnenuntergang, der in Afrika atemberaubend schön und blitzschnell vorüber ist. Ein gleichzeitig dramatisch wie zartes Licht, in dem alles golden und märchenhaft schimmert. Ein Licht, das den Kameramann zugleich verzückt und panisch macht, denn jede Sekunde zählt. Schon ein Versprecher wäre eine schlimme Panne. Doch alles klappt. "Und - cut!" ruft Regisseur Hans Werner. "Das war toll." |
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| In solchen Momenten leuchtet das Leben wie eine Weihnachtskugel.
Aller Stress ist im Nu vergessen, der Wüstensand in den Ritzen, der unvermeidlich
scharfe Körpergeruch wegen Wasserknappheit und ständig besetzter Duschzelte,
die benzinbetriebenen Generatoren und dass die nächste Tankstelle 50 Kilometer
weit ist. Kein Gedanke mehr an geklaute Make-up-Koffer, geplatzte Nähte
und kaputte Knöpfe an den Kostümen des Babelsberger Fundus, eine unerwartet
schwanger gewordende Schauspielerin, die aus den Kleidern platzt. Keine
Rede davon, dass alle Akteure als ungeübte Reiter schmerzhafte blaulilagrüne
Blutergüsse haben. "Knochensuppe", sagt der Pferdetrainer trocken. Kameramann Falko Ahsendorf hat wie bei jedem Dreh einen Zettel mit Unfällen an die Kamera gepinnt. Das Protokoll: eine Bandscheibe, ein Knie, eine Hüfte, ein Beinbruch, Prellungen, Quetschungen, Bänderrisse. Nur Walter Sittler ist unverletzt, denn er hat vorher reiten gelernt und genießt "eine tolle Zeit." Für ihn bedeuten die Dreharbeiten Job und Familienurlaub zugleich. Frau und drei Kinder sind mit von der Partie. Jenny, die älteste spielt seine Filmtochter Maris. "Ich bin wüstenrosensüchtig", sagt er. "Sogar melken kann ich jetzt." Allüren kann sich keiner leisten an diesem arbeitsintensivem Set, der von Hans Werner streng regiert wird. "Die Darsteller", sagt der Regisseur bemüht knurrig, "sollen auf Knopfdruck losheulen und gefälligst nicht gegen die Möbel rennen." Anfrage des Kameramanns: "Na, wollen wir wieder Schauspieler quälen, Hans?" Das tun sie ein paar Tage später bei der Anfangsszene am Strand von Swapkomund. Klara und Henriette (Mariella Ahrens) werden in einem kleinen Boot von starken Männern an den Strand gerudert. So die leichtfertige Drehbuchanweisung. Die Brandung ist hoch. Das Wasser hat nur zwölf Grad. Das Boot driftet ab. Ein Komparse geht über Bord, die anderen springen hinterher. Das Boot kippt um, läuft voller Wasser. Herausforderung? Ein ganz normaler Drehtag. © 1999 HÖRZU, Evelyn Holst zurück zu "Die Wüstenrose" |
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