Vipshow
(HR, 27.11.05)

Holger Weinert: […] Der TV Mann des Jahres - jetzt bei uns - hat allerdings Schröder unterstützt. Er ist politisch nämlich außerordentlich interessiert. Er gehört zu den beliebtesten deutschen Schauspielern und hat gerade in Offenbach gedreht: Walter Sittler! (Walter kommt ins Studio und wird mit viel Applaus vom Publikum empfangen) Herr Sittler, wie war denn diese Woche für Sie? Es passiert ja nicht alle Tage, dass eine Frau Kanzler wird.

Walter: Dass sie Kanzlerin würde, das wusste man ja schon länger. Spätestens am Abend der Wahl, nach der Elefantenrunde war klar, wer das Rennen machen würde.

H. Weinert: Das war Ihnen sofort klar. Dachten Sie, der Schröder setzt sich nicht durch?

Walter: Nein, der Schröder musste noch einmal Luft ablassen und er hatte ja ein gutes Ergebnis eingefahren und sie sind letztendlich die stärkste Fraktion, wenn man die Parteien auseinander nimmt. Aber es war völlig klar, dass es auf die CDU hinauslaufen würde.
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Walter Sittler H. Weinert: Welche Bilder sind Ihnen denn von dieser Woche besonders in Erinnerung, welche haben sich ganz besonders eingeprägt?

Walter:
Ich hab in dieser Woche Nachrichten bekommen aus Afghanistan, weil dort eine Schule für 5000 Mädchen gebaut wird von dem Geld, das ich bei RTL gewonnen habe. Und der Dr. Reinhard Erös hat Bilder mitgebracht und das ist natürlich sehr beeindruckend, daneben verblasst ziemlich vieles. Aber eines ist mir sehr im Gedächtnis geblieben: Angie bei Jacques und Angie bei Tony.

H. Weinert:
Was ist Ihnen da aufgefallen?

Walter: Sagen wir so: Wenn Regierungschefs - Männer - zusammen kommen, dann ist das erst: meine Regierung, meine Armee, mein Finanzminister. Und jetzt müssen sie sich besser benehmen die Buben und tun das auch.

H. Weinert: Aber Chirac hat doch Frau Merkel gepackt und so beiseite geschoben oder gedreht, ist Ihnen das aufgefallen?

Walter: Ja, erstmal hat er sie sehr gut begrüßt und erst einen angedeuteten Handkuss und dann hat er sie mitgenommen und sehr gut geführt und am Ende hat er ja fast eine … Liebeserklärung gemacht. Das fande ich sehr schön.

H. Weinert: Ich kann Ihnen was verraten: auch in Berlin beim Bundespresseball ist die Atmosphäre inzwischen eine andere. Früher rannten da Fischer und Schröder mit ihren Bodyguards wie die Maschinen durch, also recht militant und das ist alles deutlicher entspannter. Das ist meine Beobachtung.

Walter: Es ist wahrscheinlich auch deshalb, weil das ganze Jahr so voller Anspannung war darüber, was werden würde. Und jetzt kann man wieder so sein, wie man eigentlich ist und das ist ganz schön so.

H. Weinert: Ja, die Atmosphäre war deshalb auch ein bisschen gelöster als sonst. Die sind froh, dass es jetzt vorbei ist, diese schwierige Regierungsbildung.

Walter: Man ist wieder so ein bisschen auf dem Boden und das was man alles im Wahlkampf gesagt hat, das ist alles nicht in Stein gemeißelt, also was soll das...

Es folgt ein Beitrag über Hugo Müller-Vogg, einen Journalisten der Angela Merkel lange begleitet hat

H. Weinert: Walter Sittler im Studio, Schauspieler. Sie haben so aufmerksam zugeguckt.

Walter Sittler Walter: Ja. Also ich finde, Politiker spielen ja auch eine Rolle. Die sind ja nicht immer so, wie sie als Politiker auftreten. Und ich muss sagen, die Wandlung der Angela Merkel seit 1990 bis heute ist erstaunlich, also sehr sehr gut. Und sie ist auch als Wissenschaftlerin sehr konzentriert und das gefällt mir eigentlich sehr.

H. Weinert: Sie kann auch sehr energisch sein und so weiter, das klang ja auch an. Sie sind in Ihrer Familie als jüngstes von acht Kindern die einzige Berühmtheit. Wie war das denn für die übrige Familie?

Walter: Das kann man so nicht sagen. Mein Bruder, der sehr viel in der politischen Bildung tätig war, hat jetzt gerade erst das Bundesverdienstkreuz bekommen, also das kann man so nicht sagen, dass ich der Einzige bin...

H. Weinert: Aber so richtig kennt ihn noch keiner.

Walter:
Noch nicht, nein, aber das kommt schon noch.

H. Weinert: Und dann sind Sie auch der Hübscheste, sagen Ihre Schwestern.

Walter: Können Sie das noch mal… was trinken Sie? Einen Champagner für den jungen Mann hier… (Gelächter im Publikum)

H. Weinert: Aber wie haben Sie das denn gemacht? So ein Beispiel für "Anstand und Sittler"? Wie sind Sie so normal geblieben, so ausgeglichen? Wie kriegt man das überhaupt hin, wenn man plötzlich so bekannt wird?

Walter: Das hat ja zum Glück spät angefangen.

H. Weinert: Erstaunlich spät bei Ihnen.

Walter: Ich hab sehr spät angefangen überhaupt Theater zu spielen und dann habe ich erst mal lange Theater gespielt und dann hat man so viel auf die Nase bekommen, wie jeder übrigens hier im Raum auch. Und das vergisst man dann nicht so leicht und weiß, das Leben ist ein bisschen anders als der Erfolg, den man da hat. Der Erfolg ist wunderbar, ich mag den auch gern, ich arbeite auch dafür, aber das Leben spielt anderswo.

H. Weinert: War das also am Ende gut, dass es bei Ihnen erst Mitte 30, Ende 30 so richtig los mit dem Fernsehen. Vorher Theater…
Walter Sittler

Walter: Vermutlich. Also ich kenne in meiner Branche einige, die den Erfolg sehr früh hatten und die schwer damit klar kommen. Einige kommen sehr gut damit klar. Aber es kommt drauf an, wie man gelagert ist, aber das ist ja immer so. Um auf die Politik zurück zu kommen: Wo Leute sagen: "Wenn du im dritten Reich gelebt hättest, was hättest du gemacht?" Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es kommt auf die Freunde an, die man hat, auf die Familie, die man hat. Wer weiß? Vielleicht wäre ich auch irgendwo in einer der Organisationen gelandet, kann schon sein. Ich bin da Anhänger von Peter Stein, der sagte, wer weiß, ob er nicht auch SS-Mann geworden wäre. Das weiß man nicht. Hoffentlich nicht!

H. Weinert: Die Gefahr droht ja jetzt Gottseidank nirgendwo mehr.

Walter: Nein, die ist vorbei in Deutschland.

Es folgt ein Beitrag über den Bundespresseball

H. Weinert: Der Gast im Studio, der Schauspieler Walter Sittler, politisch sehr interessiert. Sie haben wieder so aufgepasst. Wären Sie gerne Politiker?

Walter: Nee, das kann ich nicht so gut. Ich könnte denen sagen, was sie tun sollen, das würde ich wohl sehr gerne tun.

H. Weinert: Aber woher wissen Sie das?


Walter Sittler Walter: Also ich befasse mich in meinem Beruf immer mit Menschen und wie sie so sind und warum sie so handeln, wie sie handeln. Und den Politikern, den Männern hauptsächlich, denn die bestimmen immer noch die Politik - ob das gut ist, ist jetzt eine andere Frage - könnte man manchmal sagen: "Ihr müsst eure persönlichen, privaten Probleme ein bisschen außen vorlassen, ein bisschen mehr auf die Menschen gucken, die eure Hilfe oder eure Führung wirklich brauchen und nicht so auf euch selber." Aber ich spiel meine Filme und mach das da und wenn sie Lust haben zu gucken, können sie es sehen und wenn nicht, dann kann ich es auch nicht ändern.

H. Weinert: Sie haben Schröder unterstützt. Sind Sie jetzt enttäuscht?

Walter: Nee. Es ist ja in der Politik so, dass man seine Meinung hat und daran arbeit, dass diese Meinung möglichst weit vorne landet. Dass die Leute, die man unterstützt, von denen man glaubt, dass sie es richtig machen, gewinnen. Nur wenn sie dann nicht gewinnen, dann muss man wieder anfangen und schauen, dass sie in vier Jahren gewinnen. Und ich glaube ja, die große Koalition ist gar nichts Schlechtes. Von vielen wird gesagt: "Wir wandern aus! Dieses Ergebnis ist blöd!" Dieses Ergebnis ist wunderbar. Es entspricht zum großen Teil dem, was die Wähler denken und die sind der Souverän und die hat man gefälligst zu respektieren. Und ich tue das, ich finde das wunderbar, mich stört das gar nicht. Das Einzige was mich stört und worin ich ein Problem sehe, ist, dass alle drei wichtigen Staatsämter in der Hand von einer Partei sind. Das hat sich so ergeben, das war kein Putsch oder irgendwas, das ist so geworden und das halte ich für nicht gut für die Demokratie. Walter Sittler

H. Weinert: Sie haben eben gesagt, Sie hätten gerne Gesine Schwan als Präsidentin gehabt, das wäre ja der Zwei-Frauen-Staat gewesen!

Walter: Und?

H. Weinert:
Ja? Interessant. Wenn er es verkraftet...

Walter: Überhaupt kein Problem, wir hatten einen Zwei-Männer-Staat lang genug. Und bei der Gesine Schwan ist es auch so, dass die Männer anders zuhören müssen, wenn eine Frau kommt...

H. Weinert: Ja, ich glaube, da ändert sich was.

Walter: ...und sie ist sehr in der Bildung verhaftet, das ist das, was mir gefällt, Und sie ist so offen und direkt und kann auch mal Unverschämtheiten sagen ohne dass es gleich ein Bohei gibt. Aber das hat nicht funktioniert.

H. Weinert: Gleich gibt es bei uns übrigens noch einen Überraschungsgast, aber schauen wir mal Walter Sittler. Fernsehen, Familie. Jetzt erst heute: unser Mini-Portrait des Gastes.

Das Portrait ist eine Zusammenstellung von Filmausschnitten und schon bekannten Portrait-Aufnahmen ("höchstpersönlich" etc)

Off: Dieser Gang… und dieser Blick. Walter Sittler ist zu Recht der TV-Mann des Jahres 2005. Geboren in Chicago als jüngstes von acht Kindern. Und der Jüngste wurde der Größte. 1,94 Meter ist Walter Sittler. Schuhgröße? Angeblich 50. Dabei gilt er als schüchtern, uneitel und als treue Seele. Seit 20 Jahren verschmust mit Ehefrau Sigrid. Und mit einer eigenen großen Familie. Drei Kinder gibt's. Um seine 87-jährige Mutter kümmert sich Walter Sittler intensiv. Ein Familienmensch eben. Gerade hat er in dieser Fabrikanten-Villa in Offenbach gedreht. "Ein Fall für den Fuchs". Wieder ist er der Größte und alle Kolleginnen schwärmen von ihm.

hr vipshow Simone Thomalla: Er ist charmant...

Esther Schweins: ...integer.

S. Thomalla: Und wie gesagt: Ganz, ganz groß! (sie lacht)

E. Schweins: Und komm, jetzt können wir's ja sagen: Gutaussehend. Ist auch schon ein gutaussehender, attraktiver Mann.

S. Thomalla: Ja doch, er sieht schon... er ist schon ein Schnittchen, jaja.

H. Weinert: Meine Güte, ich glaube, ich werde das Interview nur verhüllt fortsetzen. Aber Sie sind als achtes Kind doch ein Familienmensch. Wir haben den Beitrag geguckt und Sie haben immer gesagt: "Das ist meine Tochter und meine Mutter ist so und so alt" Alles aufmerksam verfolgt. Ist man dann doch geprägt als achtes Kind?

Walter: Also ich zumindest. Ich hab auch kein Problem, wenn 30 oder 40 Familienmitglieder da sind. Das ist dann so. Andere werden wahnsinnig und sagen: "Ich kann mehr als fünf auf einem Haufen gar nicht ertragen." Ich hab das nicht. Sicher bin ich geprägt, klar.

H. Weinert: Sie haben sich sogar mal mit ihrer kompletten Familie zwei Wochen in Italien aufgehalten, oder?

Walter: Es waren fast alle da. Wir kriegen nie alle, weil wir zu viele sind.

H. Weinert: 23 Enkelkinder, glaube ich.

Walter: 19. 19 Enkel, drei Ur-Enkel. Und dann diverse abgelegte Partner, aktuelle Partner. Also nicht von mir [abgelegte Partner], aber es ist halt so. Ganz normale Familie halt. Und das war sehr sehr schön. Wir waren dann zu 40 Leuten in der Hoch-Zeit und als dann mal 17 weg waren, hatten wir das Gefühl, es ist keiner mehr da. Wir waren aber noch 23! Das war schön ja.
Walter Sittler

H. Weinert: Tja, dann wollen wir mal unseren Überraschungsgast begrüßen, mal sehen wer da kommt...

Walters Bruder Loring Sittler kommt ins Studio

Walter: Ach nee!

H. Weinert: Herzlich Willkommen, Loring Sittler. Würden Sie sich bitte erst mal kurz hier hinstellen, weil Sie ja doch ein bisschen anders aussehen. Sind Sie wirklich Brüder?

Loring Sittler: Das sind wir.

Walter: Natürlich.

hr vipshow H. Weinert: Also im Gesicht sehen sich fast alle Sittlers ähnlich.

L. Sittler: Die Stimme ist noch das Ähnlichste.

H. Weinert: Was haben Sie denn für eine Schuhgröße?

L. Sittler: Ganz normal: 43. Ich kann mit ihm nicht konkurrieren.

H. Weinert: (zu Walter) 50, oder? Da geht ein Raunen eben durch die anwesenden Damen bei dieser Schuhgröße. Wie konnten Sie so aus der Art schlagen und das als Jüngster? Ich bin auch der Jüngste und bin der Kleinste.

Walter: Da müssen Sie oben anrufen, keine Ahnung. Das ist so geworden.

H. Weinert: Irre, das hat sich irgendwie rumgemendelt. Aber nett wie Sie da stehen. Ich bin von dieser Familie ganz überzeugt. (die drei setzen sich wieder) Sie haben sich nun genau anderthalb Stunden nicht gesehen. War das eine lange Zeit für Sie?

L. Sittler: Nein, nicht wirklich. (sie lachen) Aber er ist ja ständig gefragt im Fernsehen, deswegen hat er keine Zeit für uns. (er grinst) Ganz einfach.

H. Weinert: Sie hatten heute ein Familientreffen in Stuttgart und sind zusammen zurückgefahren. Sie haben ihm aber nichts verraten?

L. Sittler: Nichts, kein Wort. Nicht mal seiner eigenen Frau.

Walter: Nein, er hat behauptet, er ist zum Essen eingeladen heute Abend.

L. Sittler: Das stimmt ja auch.

Walter: Ja, stimmt.

H. Weinert: Aber das man sich nach anderthalb Stunden schon wieder so herzlich begrüßt... Aber Sie sollen ja politisch völlig andere Meinung sein, oder? Die CDU... ?

L. Sittler: Das ist in der Tat wahr. Alles, was er gesagt hat, bestreite ich politisch.

H. Weinert: Hat's da schon viele Debatten gegeben?

L. Sittler: Viele. Aber fruchtlos. (die Sittlers lachen)
Walter Sittler

H. Weinert: Wie war das denn früher, als er noch heranwuchs? Haben Sie ihn da sehr bevormundet? Oder war er der King in der Familie als Jüngster?

L. Sittler: Nee.

Walter: Nee, der Vater war der King. Nee, er hat ganz andere Sachen gemacht als ich. Ich hab ihn öfter beneidet, weil er schon mit 15 Schiller gelesen hat bei meinen Eltern im Zimmer und ich wollte das auch. Aber ich hab Fußball gespielt und Jerry Cotton gelesen. Aber er hat ganz andere Sachen gemacht von vorneherein. Wir waren sehr unterschiedlich.

H. Weinert: Eine sehr gebildete Familie eigentlich, oder? Der Vater war Professor, Theologe und was weiß ich nicht was. Das färbt doch ein bisschen ab. Und Sie [Loring Sittler] machen sich auch stark für die Streitkultur unter jungen Leuten, was machen Sie denn da? Das haben Sie wohl auch von zu Hause mitgekriegt.

L. Sittler: Inzwischen bin ich beruflich etwas anders gelagert, weil ich für meine eigenen fünf Kinder auch ordentlich Geld verdienen muss.

H. Weinert: Ach, Sie haben das fortgesetzt. Er [Walter] hat ja nur drei.

L. Sittler: Ja, also ich habe fünf und deswegen... Aber am Anfang meines Berufslebens hab ich wirklich mit viel Herzblut 20 Jahre lang ein politisches Bildungswerk geleitet und da haben wir 20.000 Schülerinnen und Schüler in den Ferien dazu motiviert, sich für diese Demokratie zu engagieren. Und nachdem das zu Ende war, hab ich gedacht, eigentlich müsste jetzt ein Ruck durch die Gesellschaft gehen, wenn sich 20.000 Leute engagieren.

H. Weinert: Und es ist nix passiert?

L. Sittler: Nichts passiert. Und da hab ich gedacht, da muss man noch ein bisschen mehr machen. Und dann hab ich geguckt: Was machen wir für die Musik? "Jugend musiziert". Was machen wir für Forschung? "Jugend forscht". Also machen wir doch für die Streitkultur: "Jugend debattiert". Da hab ich allerdings zehn Jahre gebraucht um die Idee jemandem zu verkaufen, der also das nötige Geld hatte, um die Qualifiktion zu machen. Und am Ende ist es gelungen durch den ehemaligen Bundespräsidenten Rau. Der hat gesagt: "Ich übernehm die Schirmherrschaft. Und wenn ich jemanden bitte Geld zu geben, dann funktioniert das auch."

Walter Sittler H. Weinert: Es ist wie bei mir zu Hause. Ich bin der Jüngste von fünf, ich kam da auch nie zu Wort. Und musste das später alles nachholen. (Die Sittlers lachen) Da gibt es ja eine Kampagne, die keiner so richtig versteht: "Wir sind Deutschland."

Walter: Nein: "Du bist Deutschland".

H. Weinert: "Du bist Deutschland" wunderbar, noch besser. "Du bist Deutschland". Aber Sie zwei auch, Sie machen da beide mit.

Walter: Ja!

H. Weinert: Nächstes Jahr?

L. Sittler: Ja.

H. Weinert: Was machen Sie da? Werbespots?


L. Sittler: Also, der Zweck der Kampagne ist im Grunde, dieser ewigen Meckerei hier, dass alles schlecht ist, ein richtig positives Signal entgegenzusetzen. Es hat noch nie in diesem Lande so viele Möglichkeiten gegeben, sich politisch und auch sonst zu engagieren wie jetzt. Und im Vergleich zu fast allen Ländern auf der Welt, geht es uns gut.

Walter: Und mir geht es noch darum, dass das Engagement für die Gesellschaft, die Verantwortung, keine Last ist, sondern, eine Lust ist, wenn man das Richtige hat und der Lustgewinn daraus ist viel größer als bei jedem Bungee-Sprung, den Sie jemals machen können. Und das möchte ich auch mitteilen, dass sich die Arbeit lohnt, dass es … geil ist. Letztlich.

H. Weinert: Also das Engagement ist jedenfalls beidseitig und ich bin froh, dass er [Walter] nun auch mal wieder zu Wort gekommen ist.

[....]
Walter Sittler

Walter Sittler H. Weinert: Die Sittler-Brüder bei uns im Studio, vielen Dank für den Besuch. Wie war's denn bei dem Familientreffen heute, da ging es auch um ernste Dinge, oder?

L. Sittler: Ja, aber wir haben eine gute Lösung gefunden.

H. Weinert: Ja? Da geht's auch immer darum, wo bleibt die Mutter dann später auch mal.

L. Sittler: Wer übernimmt sie und wir haben uns im Grunde vorgenommen: nicht ins Altersheim, sondern einer von uns tritt ein und die anderen zahlen dazu.

H. Weinert: Das ist toll, das hat meine Schwester bei meinem Vater auch gemacht. Da hält die Familie doch auch mordsmäßig zusammen. Bei allen Filmen, die man über Ihren Bruder gesehen hat, ist das so eine funktionierende Großfamilie irgendwie. Warum gibt's das denn so selten und warum ist das bei Ihnen so erhalten?

L. Sittler: Vielleicht ist das ein amerikanisches Erbe auch.

H. Weinert: Sie sind beide in Amerika geboren, Ihr Vater ist Amerikaner, ne? Und da ist das besonders ausgeprägt?

L. Sittler: Es ist vielleicht leichter als hier.

Walter: Das gibt es hier auch. Es gibt einfach Familien, wo das Tradition ist und vielleicht ist die Größe der Familie auch ein Punkt dabei. Man weiß, dass man teilen muss und dass man sich gegenseitig fangen kann und dass es ein Netz ist, wo man gut aufgehoben ist und das will man behalten.

H. Weinert: Wunderbar. Ganz vielen Dank für den Besuch an die Brüder Sittler. Aber nicht wie die Gottschalk - Brüder werden.

Walter: Ach, das Einkommen wäre nicht so schlecht. (er lacht)

© 2005 hr
Walter Sittler