| Johannes B. Kerner - Show (ZDF, 16.03.00) |
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| JBK: Und gleich zu Beginn mache ich Sie bekannt mit
einem GANZ bsonderen Filmpaar. Sie kennen die beiden z.B. aus "girl friends"
und so sieht's dann aus und hört's sich an. Eingespielt wird die Streitszene bei Harsefelds aus Folge 17 "Wutentbrannt" JBK: Herzlichen Willkommen: Walter Sittler und Mariele Millowitsch. [...] Ich oute mich gleich zu Beginn: Ich dachte immer, Sie sind auch im wirklichen Leben ein Paar. |
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| Mariele: Das ist uns nachgesagt worden von Anfang
an. Es war ganz schwer, der - sagen wir - "Journaille" beizubringen, dass
Männlein und Weiblein befreundet sein können ohne das es irgendwie knistert.
Auch wenn wir Liebes-Szenen gespielt haben... JBK: Aber 'ne besondere Beziehung ist es schon. Also, es ist nicht einfach "Kollege und Kollegin" Mariele: Nicht mehr. Das hat sich WIRKLICH geändert. Also wir sind jetzt ... (zu Walter) Seit wann kennen wir uns? |
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| Walter: Es gab keine Zeit, wo wir uns nicht kannten,
Mariele. Mariele: Gab's 'ne Zeit ohne dich? Nee, ne? Walter: Nee. Mariele: Aber wann war's wirklich? 1994 ...? Walter: 1994 ... im Mai. 2. Mai oder so. Mariele: Und das ist natürlich 'ne Menge Zeit. Und viele Kräche ... also Fernseh-Kräche, Fernseh-Liebes-Szenen und irgendwie ist dieser Mann mir an's Herz gewachsen. (sie nimmt Walters Hand und beide lachen) JBK: Ja weiter so und da werden Sie die Gerüchte, die's gibt, eher noch vervielfältigen. Mariele: Ja, wahrscheinlich schon. Also ... (zu Walter) weg jetzt. |
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JBK: Wie kommt das? Das man als Paar so authentisch
wirken kann? So wirklich, dass die Leute sagen: Ja, die sind zusammen. Walter: Naja, das ist ein Geheimnis, das ist so geheim, das wissen wir nicht mal. Also das ist einfach so: wir spielen gern. Und wir sind welche, die brauchen den Gegenüber zum Spielen (Mariele nickt zustimmend), weil wir alleine nicht... Ja, ich spiele nicht gerne alleine und sie auch nicht und so ist das. Mariele: Nee, ich verstehe was er meint. Und wir haben eine Chemie, würde ich mal sagen. Und ich kann das abnehmen, was er mir gibt. Das ist einfach... das ist einfach nur schön. |
| JBK: War das schauspielerische Liebe auf den ersten
Blick? Mariele: Das ging schnell. Walter: Ja, sehr schnell. Mariele: Das merken Sie auch bei einem Kollegen recht flott. Also, irgendwie... Sie kommen da nicht ran und dann hakt es dazwischen oder ich verstehe nicht, was er will oder ich verstehe die Emotion nicht und denke "Was will der Mann von mir?!?!" Aber bei ihm wusste ich es wirklich so fort. JBK: Aber er wollte ja gar nix. (Walter lacht) Mariele: Nein, aber "was will er für Emotionen? Was soll ich jetzt spielen?" und bei ihm hatte ich das Problem nie. Nicht eine Sekunde! JBK: Wie haben Sie das Kennenlernen empfunden? Und wie war das genau? Erinnern Sie sich dran? Walter: Das Kennenlernen, so wie ich das erinnere ... |
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| Mariele: Ich weiß es nicht mehr. Walter: ... wir waren verabredet in einem Lokal um die Ecke vom jetzigen "Steigenberger" in Hamburg. Und sie saß da und Tamara Rohloff saß da und noch jemand, der mir nur noch nebulös in Erinnerung ist. Und ich kam die Treppe runter mit Christine Kabisch - die Regisseurin hauptsächlich - und kam so die Treppe runter und guckte so und drehte mich so zu dem Tisch und sah die dort und dachte ... ich war ganz neu im Fernsehen, hatte ja noch nicht viel gemacht und dachte: "Naja, das kann ja heiter werden." Und das wurde es dann auch, dann wurde es schön. So hab ich das erlebt. Mariele: (gespielt zweifelnd) So? (die beiden lachen) Na, jetzt weiß ich es auch mal. |
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| JBK: Wie haben Sie's denn erlebt? Mariele: Ich hab es vergessen. Ich muss Ihnen ehrlich sagen... JBK: Das ist eine ehrliche Antwort. Mariele: Nein, ich meine das ernst. Der ist immer da gewesen für mich, der Walter. Das ist... seit meiner Geburt ungefähr, das muss in den Windeln gewesen sein, ich weiß es nicht... Walter: So 1965 oder so. Mariele: Er ist mir einfach so ans Herz gewachsen. Er ist einfach immer da gewesen. JBK: Ist es denn dann so, dass die Szenen, die Sie ja schon beschrieben haben, also Kuss, Liebes-Szenen, Nackt-Szenen, Bett-Szenen... Mariele und Walter: (fast gleichzeitig) Alles! JBK: Im Film? Mariele: Ja. JBK: Dass die 'ne besondere Bedeutung haben? Dass man das irgendwie anders macht? Mariele: Es vereinfacht die Sache. Also wenn man einen Kollegen kennt und wirklich mag, dann ist es nicht... es ist nicht angenehm, sowieso nicht, solche Nackt- und Bett-Szenen. Ich würde es auch nicht mehr machen wollen. Aber mit Walter war's einfach so: Man kennt jemanden und mag jemanden. Wir haben beide Eis-Füße, wir haben dann beide Eis-Hände, sind beide aufgeregt und das verbindet. JBK: Und das ist nicht so, wenn man die Zutaten einer Liebesbeziehung nimmt... also, ich will Sie jetzt nicht sozusagen zusammenbringen. Aber wenn man die Zutaten nimmt und sagt: Die mögen sich. Sie sagen: "Wir sprechen eine Sprache". Die Chemie stimmt. Wir mochten uns gleich. Im Bett geht's auch. (Mariele nickt erstmal zustimmend, während Walter sofort loslacht) Das sind doch sozusagen die normalen Zutaten für 'ne klassische Liebesbeziehung. |
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Mariele: (lachend) Ja, aber weil wir den letzten
Schritt nicht getan haben, sind wir noch befreundet, schätze ich mal. Das
ist dann schon entspannend... JBK: Haben Sie sonst Kontakt außerhalb von Dreharbeiten? Also, wenn Sie sagen "wir sind befreundet" heißt das ja auch mal so telefonieren oder mal da sein... Mariele: Beschränkt sich auf's Telefon... Walter: ... Telefon, ja... |
| Mariele: ... der Mann ist ja in Stuttgart, leider
... Walter: ... also wenn ich drehe: ich weiß eigentlich immer, was mit ihr los ist. Und sie weiß es eigentlich auch. Also wenn wir nicht drehen, dann telefonieren wir viel. Aber wir haben die letzten sechs Jahre fast ausschließlich zusammen gedreht, glaube ich... Mariele: Ja eben. Ich werde ihn ja nicht los. Also, insofern ... (sie schmunzelt) ich weiß sowieso immer, was los ist. JBK: (zu Walter) Sie haben Familie. Sie haben drei Kinder. Walter: Ja. JBK: War Ihre Frau nie eifersüchtig, dass die gesagt hat: "Mensch, also, mit der Millowitsch spielst Du aber ganz schön viel?" (Gelächter) Walter: Nee! Weil, es ist ja so... JBK: Ja könnte doch sein. Sie haben ja auch wochenweise im Jahr mehr Zeit miteinander verbracht als mit der eigenen Frau. Mariele: Das stimmt. Walter: Das stimmt. Sehr viel. Und wir haben sehr sehr viel zusammen gespielt, also wirklich. Nee, es ist ja so: Es braucht ja für die Eifersucht auch Gründe, und solange keine Gründe da sind... Und die Gründe müsste ich ja liefern, und die liefere ich nicht, weil ich mit meiner Frau sehr .... |
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| Das nebenstehende Foto wird eingeblendet Walter: (ganz stolz) ... da sind sie ja überhaupt. Da sieht man sie ja. Genau. JBK: Die Sittlers. Walter: Das ist in England. JBK: Man sieht das irgendwie an der Regenbekleidung. Walter: Ja, ne? JBK: Aber wir sind ja in Hamburg auch Kummer gewöhnt. Walter: Nein, aber deswegen gab's das nie. Nee, das gab's nicht. |
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| JBK: Ja, ich find das 'ne außerordentlich interessante Beziehung. Das ging ja sogar soweit, dass Sie (Mariele) irgendwann mal gesagt haben: "Ich spiele das wohl gerne und so, aber dann am liebsten mit dem Walter Sittler zusammen." | |
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Mariele: Naja, ich hab ein bisschen gepokert, ich
geb's zu. Es ging um "Nikola". Und es musste ein Partner gefunden werden.
Und ich wusste - ich kannte Walter von der Bühne - und ich wusste, dass
der ein UNGLAUBLICH komisches Potenzial hat. Wollte aber keiner glauben
irgendwo. Die Amerikaner sagten immer: "Der ist irgendwie zu schön und der
ist so straight und der kann nicht komisch sein." Und dann musste ich ein kleines bisschen erpressen. Dann habe ich gesagt: "Ok, wenn Walter die Rolle nicht kriegt, dann spiele ich nicht." Und dann dachte ich: "So, Alte, jetzt hast du, glaube ich, den Bogen überspannt". Und plötzlich mit einem Mal: War Walter dabei, war ich dabei. Und jetzt machen wir schon die 4. Staffel "Nikola" und es funktioniert. Und ich wusste es. |
| JBK: Und gut. Mariele: Ja! JBK: Die Leute gucken und sie mögen's... Mariele: Ja, hoffe ich. JBK: Und wir hoffen, dass es auch in der anderen Geschichte ein Fortsetzung gibt. Nicht zuletzt aus einem ureigenen ZDF Interesse heraus. Mariele: You'll never know... Walter: Das wird man sehen. JBK: Wir werden das einfach alles verfolgen. Er hat von seiner Familie gesprochen. Und ich vermute - auch wie Sie freudig eben das Foto kommentiert haben - dass Ihnen das ein Ruhepol ist und Kraft gibt für das schauspielerische Leben. Walter: Oh ja, das fing 1985 an. Also ich lernte meine Frau Ende '84 kennen, also ich kenne sie kaum sozusagen. 15 Jahre, was ist das schon? JBK: Gerade kennengelernt, schon verheiratet. |
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| Walter: So ungefähr und schon Kinder und alles. Und
da war ich noch am Theater. Und als es dann beim Fernsehen losging ... da
gibt es auch manchmal so Tage oder Wochen, wo es nicht so läuft. Wo auch
irgendwelche Sachen zu stande kommen, so Intrigen im Gang sind, wo man denkt:
"Was ist hier eigentlich los?" Ich habe das auch nicht so durchschaut. Und dann konnte ich jedes Mal sagen: "Ok, Kinder. Ich gehe nach Hause." Und da war alles in Ordnung. Und das ist jetzt immer noch so.Wenn's mir irgendwie nicht mehr gut geht oder wenn ich denke: "Ich hab keine Lust mehr" dann denke ich an zu Hause. Dann läuft das und dann am Freitag kann ich heim. Und das ist toll. |
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| JBK: Aber es ist schon, dass die Kinder einen auch
dahingehend fordern, dass sie sagen: "So, Papa, jetzt leg mal den Schauspieler
ab. Hier bist Du Vater, hier musst Du nicht uns irgendwas vormachen." Walter: Brauchen sie nicht. JBK: Klappt automatisch? Walter: Nee, der Schauspieler bleibt auf dem Set. Mariele: Ja. JBK: Ist wirklich so? Walter: Ja, immer. JBK: Ja, wenn man das so trennen kann... Mariele: Er verläßt das Set und ist NORMAL, ja. Im Gegensatz zu manchen Kollegen. Das ist unglaublich. Walter: Das ist wie .... wenn nachher der Oliver Kahn kommt. Der kommt ja auch nicht als Fußballspieler nach Hause, sondern der spielt Fußball im Stadion. Und zu Hause spielt er ja nicht Fußball. Das ist genau dasselbe. JBK: Wir werden ihn fragen. Walter: Wir werden ihn fragen, ja. Und zu Hause .... das ist ein ganz anderes Feld. Da sind wir zu fünft und jeder hat seinen ganz eigenen Bereich und die Kinder fordern einen auch, weil die einen Sachen fragen und wissen wollen und sagen: "Daddy, komm, jetzt mach mal das und hilf mir mal und spiel mit mir" und so. Daher... JBK: Wenn der gute Freund Walter Sittler so von der Familie erzählt und sagt: "Mensch, mit den Kindern, das ist toll, da kann ich abschalten" Denken Sie (Mariele) da manchmal: "Mmh, hätte ich auch haben können?" Mariele: Ich hab Hans-Günther. Wo ist das Problem? (sie lacht). Also, mein Dackel, der hilft da schon weiter. Es ist ok, es ist ok. Ich hab auch mein Zuhause und meine Freunde. Ich hab halt keine Familie, aber es ist jetzt nicht, dass es mir nachhängt und ich sage, ich müsste oder ich hätte gerne. Es ist nicht so. Hätte ich's gewollt, hätte ich sie. JBK: Sie haben keine Familie im Sinne von Nachkommen. Sie haben aber eine große Familie... Mariele: Ja ja, ich hab 'ne große Familie, ja klar. Meine vorhandende Familie natürlich und meinen Freundeskreis und da bin ich genauso aufgehoben und auch die würden mich ganz schön korrigieren, wenn ich nach Hause käme und würde dann Theater weiterspielen oder weiter den Schauspieler raushängen lassen. Also deswegen hab ich auch mein Korrektiv. JBK: Ja gut, aber das ist ja nicht irgendeine Familie, sondern das ist eine große Schauspiel-Familie. Haben Sie [Walter] Vater Millowitsch kennengelernt noch? |
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| Walter: Ja! Ich war ... zwei Mal war ich bei
euch. Das war vor zwei Jahren und jetzt letztes Jahr. Mariele: Jetzt letztens noch, ne? Walter: ...letztens noch. Ein halbes Jahr bevor er gestorben ist etwa, war ich da. Das war sehr interessant, dann sass er da ... (Mariele schmunzelt) ... in seinem wunderbaren Lehnstuhl und hat dann erzählt. Und man braucht ihn ja nur ein bisschen was zu fragen und dann sprudelte das sofort los, Anekdoten und alles Mögliche. Das war sehr schön. |
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| Mariele: Das stimmt. JBK: Und schon 'ne beeindruckende Figur? Walter: Sehr! JBK: Also ein Mann, der einfach das Leben gelebt hat und... Walter: Nein, es ist ja auch so, wenn das Theater die Heimat ist... ist es für mich immer noch, obwohl ich jetzt keins mehr mache im Moment, aber das wird sicher wieder kommen. Dann ist so jemand, der für das Theater wichtig ist und der ein dermaßenes Theater-Tier ist... Mariele: Ist er! Walter: ... mit einem Talent, wo man sagt: "Hätte ich doch nur ein Viertel davon." Dann ist das sehr beeindruckend. JBK: (zu Mariele) Jetzt haben Sie gerade gesagt "ist er". Mariele: "Ist er." Rutscht mir immer noch raus, klar. JBK: Haben Sie das ... wie soll ich sagen ... verarbeitet, verkraftet, auseinander gesetzt damit? Mariele: Ach Gott, das macht man ja immer nur portionsweise, das läßt man ja nicht einem Schwung zu. Weil ... so Abschiednehmen, so was können wir alle nicht so gut, denke ich. So portionsweise geht's dann schon. JBK: Hat er denn zu Hause weitergespielt? Oder hat er das auch abgestreift und hat gesagt: "Millowitsch-Theater ist Millowitsch-Theater und zu Hause bin ich nur der Willy"? Das kann man sich gar nicht vorstellen. Mariele: Er hat's eigentlich ... er hat's ziemlich gelassen, wenn er nach Hause kam. Man ist oft so ... ich hab ja selber lange bei ihm gespielt. Man kommt abends nach Hause und ist noch ein bisschen überdreht. Man braucht so 'ne ½ bis ¾ Stunde (Walter nickt zustimmend) bis man nach einem Theaterstück so langsam wieder runterkommt. Dann war er aber auch immer bei sich selber, also er hat nicht irgendwie den Willy von der Bühne weiter mitgebracht. JBK: War er ein strenger Vater? Mariele: Kann ich nicht sagen, er war wenig da. Als ich klein war, ist er immer Tournee gefahren und wirklich kennengelernt habe ich ihn eigentlich erst, da war ich so 15, 16. Und da haben wir so das erste Bierchen miteinander getrunken oder auch mal eine gequalmt. Und dann ging das los, das wir uns unterhalten haben. Und dann war ich ja lange bei ihm am Theater und da war's ein prima, wirklich tolles Arbeitsverhältnis, das kann ich nur unterstreichen. Er war für mich ein Granaten-Komiker! Ich hab auch, wenn wir gespielt haben abends oft ... Null-Gasse nennt man diese Gasse, die da hinterm Vorhang im Nirvana endet ... mich da hinten versteckt, weil keine Vorstellung zwei Mal gleich war. Und dann habe ich immer geguckt, was macht er heute abend? JBK: Immer improvisiert? Mariele: Und es war so spannend! Ich hab mich oft abgebogen da hinten. Wenn er gute Laune hatte, dann war's schon schön. Er hat einfach immer extemporiert und die Leute veräppelt und Schauspieler fertig gemacht. Aber immer so, dass das Publikum es mitbekam, dass die was zu Lachen hatten. JBK: Haben Sie aus der Kindheit dann ... jetzt haben Sie eben gesagt, Sie haben ihn gar nicht so richtig wahrgenommen, weil er viel unterwegs war. Aber ich stelle mir das Millowitsch - Familien - Haus irgendwie so vor wie eine Komödien-Bühne. Tür auf, Tür zu, hier rein, da raus... |
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Mariele: (ganz ernsthaft) Ja klar, über die Kronleuchter
sind wir geschwungen, durch die Fenster rein, klar. Was man so .... logisch!
JBK: Und das immer mit Express-Fotograf dabei. (sie lachen) Mariele: Immer! Immer 'nen Fotografen dabei. JBK: So stellt man sich das vor... |
| Mariele: Nee, ganz normaler Haushalt.
Das ist egal, ob Sie ein Theater haben, Schauspieler sind oder ob jemand
'nen Bäckerei-Betrieb oder so was hat. Das ist eben halt ein Familien-Verband,
der ganz normal funktioniert wie jeder andere auch. Außer das ich als Kind
schon sehr früh gemerkt hab, wenn der Name fiel, dass das in Köln was Besonderes
war. Dann war schon ... (sie flüstert) "Och, das ist die Millowitsch und
so." Da musste ich mich erstmal dran gewöhnen. JBK: Und deshalb sind Sie erstmal einen völlig anderen Weg gegangen? Mariele: Ich denke, das hat damit zu tun, ja. JBK: Jetzt habe ich mir den Titel der Doktorarbeit aufgeschrieben und finde ihn nicht (er fängt an zu suchen) Mariele: Hören Sie auf, ich weiß ihn selber nicht mehr. JBK: (hat den Zettel gefunden) Doch ich weiß ihn: Perkutane, partielle Diskektomie als alternative Behandlungsmethode ... Da reden dann alle fast gleichzeitig Mariele: ... beim Bandscheibenvorfall... Walter: ... des Dackels. (Gelächter) JBK: Ich hab vorher mal so rum gefragt. Ich wußte es nicht und hab dann mal so gefragt. Einige wußten es es, andere nicht. Also, sie ist Tiermedizinerin und das ist der Titel ihrer Doktorarbeit. Mariele: So ist es. JBK: Sie hätten auch Dackel behandeln können. Mariele: Hätte ich, ja. Dann habe ich es aber wieder nicht geschafft, an dem dran zu bleiben, was ich gelernt hatte. Ich denke, das war so ein Fluchtversuch, also so eine kleine Kurve weg von zu Hause. Das bedeutet weg erstmal von zu Hause und weg vom Familienbetrieb. Mal was machen, was mit MIR zu tun hat, wo mir keiner reinquatschen kann. Das war ganz gut. Ich würd's wieder machen. Sofort! JBK: Und auch wieder nicht in dem Beruf arbeiten? Ich stelle mir das auch sehr interessant vor. Ich mag das gar nicht vergleichen mit der erfolgreichen Schauspielerei. Mariele: Die Leute werden wahrscheinlich denken: "Wie blöd. Jetzt hat Sie das gelernt und das viele Geld investiert. Warum macht sie's nicht!" Aber diese Kurve über die Naturwissenschaften und dann auch mal so ein paar Semester oder eben halt alle Semester mit Menschen zusammen zu sein, die ... es ist egal, ob Du Müller oder Meier oder Millowitsch heißt. Unterm Strich: wenn Du die Prüfung nicht bestehst, bestehst Du sie nicht. Und das war ganz erholsam. Also 'ne schöne Zeit für mich, Mariele zu sein. Ich hab das sehr genossen. JBK: Frau Dr. Millowitsch jetzt. Mariele: Fräulein Dr. bitte schön, ja. (Walter lacht) Dann auch Fräulein Dr. Marie-Luise Millowitsch, wenn man's ganz genau nimmt. JBK: Herr Sittler, wie verkraften Sie es, dass Sie in der Produktion, in der wir Mariele demnächst im Fernsehen sehen, nicht mit auftreten? Ich meine, das muss doch wie Liebesentzug sein? (Mariele ergreift mal kurz "tröstend" Walters Hand) Walter: Das ist wie bei... JBK: Und dann heißt die Nummer auch noch "Ich kaufe mir einen Mann"! Walter: Ja eben, sie muss schon weggehen, um sich einen zu kaufen. Mich hat sie ja. |
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| Mariele: Stimmt, dich kriege ich billiger. Walter: Nee, es ist ganz schön, wenn man in so einer Beziehung ab und zu mal "fremdgeht" ... Mariele: ...muss sein auch. Walter: Das muss sein. Und einfach mal sehen, was sie sonst noch so kann. Weil ... die kann 'ne ganze Menge - die Marie-Luise. Mariele: (gerührt) Och, Walter. Süß! Walter: (lacht) Ja!! |
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JBK: Das kann ich bestätigen, wir gucken mal kurz in einen Ausschnitt
rein. Sagen Sie kurz vorher, worum es ungefähr geht in der Geschichte,
damit man ein bisschen was.... Mariele: Naja, es ist wieder die Geschichte einer Frau, die eine Lebenslüge lebt. Nämlich sie meint, dass ihre Ehe wunderbar funktioniert und das sie glücklich ist mit diesem Mann. Kriegt die Trennung serviert an einem Hochzeitstag und der hat 'ne Geliebte und das muss sie erstmal verkraften. Fliegt raus im Job, versemmelt 'ne Prüfung und alles geht den Bach runter. Und dann verunglückt dieser Mann und sie findet in der Wohnung, aus der sie mittlerweile ausgezogen wurde - rausgeschmissen wurde, einen Koffer voll Geld und mit dem fängt sie ein neues Leben an. Die Kurzform war das jetzt. JBK: Ein Drehbuch in 30 Sekunden. (Mariele lacht) Und das sind die Bilder dazu. Eingespielt wird die Szene, in der Helen von ihrem Mann die Trennung serviert bekommt. JBK: Sieht aber gar nicht so glücklich aus. Mariele: Nee, sollte sie da auch nicht sein. JBK: Ist das dann nur Schauspielerei oder lebt man so sehr in einer Rolle drin, dass man sich während der Vorbereitung dann auch Gedanken drüber macht? Mariele: Naja, sagen wir mal, die Situation verlassen zu werden, ist wahrscheinlich den meisten von uns bekannt. Irgendwann mal passiert und dann hat man so die Fantasie dazu, wie man sich fühlt, wenn jemand plötzlich abrauscht und man sitzt mutterseelenalleine in einem Restaurant. JBK: Aber die Geschichte heißt nur "Ich kaufe mir einen Mann", also Sie tun's dann nicht tatsächlich? |
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Mariele: DEN habe ich mir nicht zurückgekauft, nein.
Ich hab mir dann schon einen gekauft. JBK: Ja? Mariele: Ja! JBK: Wie's war, wird man dann ja sehen. Mariele: Werden Sie sehen, ja. |
| JBK: Würden Sie im richtigen Leben? Mariele: Ich find's klasse, wenn 'ne Frau das macht. Warum eigentlich nicht? Weil andersrum ist es wirklich so alt wie die Welt, aber ... so sind noch Hindernisse für die Frauen zu überwinden, auch innerliche Hindernisse. Um sich zu entschließen, warum nicht einfach mal 'nem Mann ein paar Scheine hinlegen und dann habe ich einen Mann für eine Nacht und für mich und dann sage ich ihm morgens "Geh heim!" Ich weiß nicht, ob ich's könnte. (sie lacht) Wahrscheinlich nicht. Aber ich fänd's klasse, wenn das jemand macht. JBK: Sie leben in eine zauberhaften Beziehung, also insofern... Mariele: Mir geht's prima, ja. JBK: Gut. Ich bedanke mich sehr herzlich. Den Eindruck vermitteln Sie übrigens auch, genauso wie Ihr Kollege Sittler. Danke sehr herzlich für Ihren Besuch. Und das "passierte" später noch ... [....] Oliver Kahn: Die Kinder und die Familie lassen einen reifen, lassen einen weiterentwicklen, aber ich denke, das ist auch völlig normal. JBK: Da haben wir's wieder irgendwie: mit Familie und dann auch völlig anderer Mensch... Walter: Ich hab's ja gesagt, er ist ganz anders daheim als auf dem Platz, sage ich doch. JBK: Er läßt den Fussballer schön im Stadion. Oliver Kahn: Ja klar. JBK: Können Sie (Mariele und Walter) es verstehen, dass man so, auch mal so ausrastet, auch mal so abdreht, durchdreht? Mariele: Total, ja. Ich hab selber Fussball gespielt früher, muss ich zugeben. Ich hab auch noch ein Zeugnis, da steht drin "Fussball: sehr gut". Und ich weiß, dass, wenn irgendwas nicht so lief, wie ich das haben wollte, unglaublich ausgerastet bin. Hab rumgebrüllt und getobt und geschrien. Walter: Wenn man seinen Beruf wirklich ernst nimmt und mag und dann macht einer dummes Zeug... Mariele: Ja! Walter: ... dann passiert das schon mal. Aber eben nur dann und danach nicht. [....] Elmar Wepper: Es ist einfach wichtig, sagen wir mal so, einen Ort zu haben ... es geht jetzt gar nicht um irgend so eine Attitüde zu bedienen oder was, das man sagt man BRAUCHT als Schauspieler einen eigenen Wohnwagen, sondern, dass wissen wir alle, man braucht einen Ort, wo man sich ein bisschen zurückzieht... JBK: Auch vom Bruder zurückzieht? Elmar Wepper: Ja gut, er geht mir schon manchmal auf die Nerven, aber das .... Walter: Also WIR (er deutet auf Mariele) haben immer 'nen gemeinsamen Wohnwagen auf'm Set. (allgemeines Gelächter) JBK: Ja, das habe ich mir nicht anders gedacht. [....] Fritz Wepper: Also, wenn der Elmar nicht mein Bruder wäre, wäre er mit Sicherheit mein bester Freund. JBK: Das stimmt bei den beiden (Mariele und Walter) mit Sicherheit auch, also nicht auf Bruder... aber so "beste Freunde", das haben wir ja schon raushören können. Mariele: Ja. Fritz Wepper: Ich find's toll, wenn man mit Kollegen so umgehen kann. Mariele: Ja, wenn man den anderen auch versteht. Da muss kein weiteres Wort gewechselt werden, das ist herrlich. Walter: Ich selber hab drei Brüder und zwischen Bruder und Freund - das ist noch mal was anderes, es ist ganz speziell. Das ist ganz anders. Fritz Wepper: [....] Verwandschaft bedeutet ja manchmal sogar auch Zwänge. Und dieser Glücksumstand, dass man sich trotzdem versteht.... Walter: Das ist toll! © 2000 ZDF |
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