| Der Ritter in der Schublade (KA News, 26.04.09) |
| Zu Schubladen hat der Schauspieler Walter Sittler ein gespanntes Verhältnis.
Er selber wird seit Jahren immer in ebensolche gesteckt: Held, Frauenschwarm,
Schwiegermutters Liebling - andere Attribute sind mit Blick auf Sittlers
Fernsehrollen kaum vorstellbar. Aus diesen Schubladen kommt er wohl nicht mehr heraus. "Ich bin meist der Ritter mit der goldenen Rüstung", gibt der 56-Jährige zu. Er scheint sich damit arrangiert zu haben - und schließlich lebt er ja auch ganz gut davon. Sollte ein Produzent kommen, der ihm die Rolle eines echten Bösewichts auf den Leib schneidert, "dann würde ihm das nachher eh kein Sender abkaufen", sagt Sittler. Lust hätte er aber schon auf ein solches Experiment. "Im Film, also im Kino, da ginge das vielleicht. Aber nicht im Fernsehen.""Da sei er ja jahrelang in gewohnter Weise über den Bildschirm ins Wohnzimmer gekommen - allein das lasse wenig Freiraum, Dinge zu ändern. "Leider: für viele TV-Produktionen wächst der Zeitdruck", sagt Sittler, der sein Handwerk am Theater lernte. Dabei lasse ihm seine "Schublade" doch gewisse Freiräume, argumentiert der Serienstar aus "Girl Friends" und "Nikola". "Ich darf mich auch schon an den Rändern der Schublade bewegen", meint er und fügt grinsend an: "Aber nur an den Innenseiten." Die ZDF-Krimireihe "Der Kommissar und das Meer" ist so ein Versuch. Die Drehs für zwei neue Folgen liefen bald an, verrät der graumelierte 1,94-Meter-Mann. Doch auch bei diesem TV-Stoff à la Wallander ist er wieder ein wenig der "Held in der Rüstung". Irgendwie sei das Bild des Ritters gar nicht so abwegig für den echten, den privaten Walter Sittler, meint der Schauspieler. "Das war schon früher in meiner Familie so. Wir mussten mindestens die Welt retten, alles andere war zu wenig." Und fernab seiner Rollen überrascht Sittler auf jeden Fall: Politisch gibt er sich leidenschaftlich. Als Wahlmann wird er in wenigen Wochen auf Vorschlag der SPD in der Bundesversammlung mitentscheiden, wer neuer Bundespräsident wird. Ginge es nach ihm, muss die SPD-Frau Gesine Schwan den Amtsinhaber Horst Köhler ablösen. Er habe zwar nichts gegen den Wirtschaftsmann Köhler, aber die Philosophin und Ex-Hochschulpräsidentin Schwan sei in Zeiten der Krise geeigneter für intellektuelle Führung. Sie sei sympathisch, aber halt auch unbequem. "Wenn sie von Vertrauen redet, dann ist das eben ganz anders, als wenn einige von der CDU von Vertrauen reden", sagt Sittler, der die linke 2taz" liest, aber "wegen der Bandbreite" auch die "Stuttgarter Zeitung" abonniert. Und fern aller Parteipolitik, aber als Fachmann seines Berufes, lobt Sittler sogar Roland Koch. "Der wechselt ja von Schwarz zu Weiß in Sekunden", bescheinigt er dem konservativen CDU-Mann Qualitäten als Schauspieler. Er selber wolle nicht in die Politik, sagt er - nicht ohne einen Seitenhieb gegen den "Tatort"-Kommissar Peter Sodann, der für Die Linke als Kandidat um das Bundespräsidentenamt kämpft: "Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass er die Kandidatur mit einem guten Rollenangebot verwechselt." Ohnehin müssten Schauspieler aufpassen, die reale Welt nicht zu verlieren. "Das Leben am Drehort ist ein sehr künstliches", sagt der Wahl-Stuttgarter, der das Understatement der Schwabenmetropole schätzt und den Medien nie Skandale bot. Seit fast 25 Jahren ist er verheiratet mit Ehefrau Sigrid. Drei erwachsene Kinder haben sie. Sittler feixt: "Ich weiß, das macht mich langweilig." © 2009 KA News (Heiko Lossie, dpa) |