Der "Mustervater" spricht über seltsame
Bestattungsmöglichkeiten, Dickköpfigkeit und die Familie heute.
Herr Sittler, mit dem "Mustervater 2" knüpfen Sie an
den Erfolg des ersten "Mustervater"- Films an - ein Beweis dafür,
dass die deutsche Komödie lebt?
Es stimmt einfach nicht, dass es hierzulande keine guten Komödien
gibt.
Es heißt, mit Kindern und Hunden zu drehen, sei eine ganz besondere
Herausforderung.
Der Hund war zudem noch sehr jung und konnte noch nicht besonders
viel. Aber mit ein bisschen Geduld ging es schon. Mit Kindern und mir
geht es sowieso gut . . .
Weil Sie selber drei Kinder haben?
Die sind inzwischen zwar schon groß, aber man vergisst nicht,
dass sie einmal klein waren.
Zurück zum Film: Als Stefans Mutter stirbt, will sein Vater Hubert,
dass sie im Wald unter irgendeiner Buche vergraben wird - ist das in Deutschland
erlaubt?
Das weiß ich nicht, in der Schweiz aber ganz sicher. Dort gibt
es so genannte Friedwälder. Da darf man eine kompostierbare Urne
beisetzen und eine Plakette an einem Baum anbringen. In Deutschland sind
Seebestattungen erlaubt. Das ist auch schön.
Aber eine Urne - wie Sie es als "Mustervater" Stefan tun
- ein paar Wochen im Kleiderschrank zwischenzulagern, ist doch etwas gewagt.
Soweit ich weiß, kann man sich die Urne mit der Post zuschicken
lassen, wenn der Beerdigungs-Termin noch nicht feststeht. Auf dem Paket
ist dann ein Aufkleber, auf dem steht: "Achtung, Urne". Dann
hat man sie zu Hause. Im Film sieht man durch den Streit um die Urne,
was zwischen Vater und Sohn los ist.
Da geht es ja mächtig zur Sache - ein waschechter Generationskonflikt.
Den gibt es auch im wirklichen Leben häufig - vielleicht nicht
ganz so ausgeprägt. Jeder nimmt sich selbst am wichtigsten - ein
bekanntes Phänomen.
Der Sohn steht dem Vater in Sachen Sturheit und Dickköpfigkeit
in nichts nach.
Das stimmt. Aber das Schöne an der Familienkonstellation ist,
dass alle vorwärts kommen, miteinander reden, streiten und einlenken
können, auch der Vater. Weil sie sich nicht bierernst nehmen. Das
ist das Kunststück.
Das Problem "Wohin mit den alten Eltern" ist ja sehr aktuell.
Wenn man auf dem Lebensentwurf einer Kleinfamilie beharrt, hat man
ein Problem. In unserer Gesellschaft muss immer alles schnell und pragmatisch
gelöst werden. Aber keiner traut sich, das zuzugeben, weil jeder
nach außen kompetent erscheinen will. Dabei sollte man sich die
Zeit lassen, um auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Es gibt keine vorgefertigten
Lösungen. Nicht die Menschen sind für das System da, sondern
umgekehrt: das System für die Menschen.
Wie würden Sie denn reagieren, wenn Ihre Mutter bei Ihnen wohnen
würde und sich in die Kindererziehung einmischen würde.
Da ist die Reaktion von Ines genau richtig, die sagt: "Du kannst
hier alles machen, aber die Erziehung machen wir." Da muss man klare
Grenzen ziehen.
Der Lover Ihrer Filmtochter benutzt nicht nur das Badezimmer, als
ob es seines wäre, sondern auch noch Ihre Zahnbürste.
Da muss man sich an die Zeit erinnern, als man selbst 18 Jahre alt
war. Das ist die Lässigkeit der Jugend. Oder wie mein Filmsohn Timmy
sagt: "Vielleicht lebst Du nicht mehr lange. Dann machst Du Dir Vorwürfe,
weil Du jetzt so einen Mist machst." Wunderbar.
Und Opa Hubert entwickelt eine starke Beziehung zu seinen Enkelkindern
- eine realistische Reaktion?
Ja, deswegen ist es auch so schade, dass viele Großeltern nicht
in der Nähe ihrer Kinder und Enkel leben. Aber unsere Welt ist dafür
nicht eingerichtet. Wir haben uns in die falsche Richtung bewegt, finde
ich.
Wer hat schon eine so große Wohnung, dass er ohne Not ein Zimmer
abzweigen kann?
Kaum jemand. Jede Familie muss damit klarkommen. Der soziale Zusammenhalt
ist so wichtig, weil beide Seiten - Kinder und Eltern - etwas voneinander
lernen können. Die Frage ist, wie macht man es, dass jeder den Platz
bekommt, den er braucht, und Kindern nicht sagt: Du musst mit vier Jahren
anfangen, Sprachen zu lernen und mit 23 Geld verdienen. Wir sind in der
Gesellschaft zu eng geworden - vor lauter Freiheit.
Sie sind demnächst wieder mit Ihrem Erich-Kästner-Programm
"Als ich ein kleiner Junge war", deutschlandweit unterwegs.
Wir haben da mit sechs Musikern etwas ganz Neues ausprobiert: eine
szenische Erzählung mit Musik. Die Reaktionen waren so überwältigend,
dass wir dieses Mal eine richtig lange Tournee machen, die am 9. November
in Berlin anfängt. Ich stehe da auf der Bühne und rede mit dem
Publikum. Das ist ein ganz besonderes Ereignis - auch für mich. Ich
bin letztlich ein Theatermensch: Film ist meine Arbeit, Theater meine
Heimat.
Vermissen Sie Mariele Millowitsch, mit der sie lange gemeinsam gearbeitet
haben, nicht?
Ich würde sehr gerne wieder mit ihr drehen. Mariele ist eine
richtige Freundin für mich. Aber wir haben die Serien in einer sehr
guten Form zu Ende gebracht, wie ein kleiner goldener Ball liegt das vor
uns, weil Mariele und ich rechtzeitig gesagt haben: "Jetzt ist es
gut."
© 2007 KStA, Marianne Kolarik
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