"Wenn es Ärger gibt in der Familie"
(Kölner Stadt-Anzeiger, 01.10.07)

 
Der "Mustervater" spricht über seltsame Bestattungsmöglichkeiten, Dickköpfigkeit und die Familie heute.

Herr Sittler, mit dem "Mustervater 2" knüpfen Sie an den Erfolg des ersten "Mustervater"- Films an - ein Beweis dafür, dass die deutsche Komödie lebt?
Es stimmt einfach nicht, dass es hierzulande keine guten Komödien gibt.

Es heißt, mit Kindern und Hunden zu drehen, sei eine ganz besondere Herausforderung.
Der Hund war zudem noch sehr jung und konnte noch nicht besonders viel. Aber mit ein bisschen Geduld ging es schon. Mit Kindern und mir geht es sowieso gut . . .

Weil Sie selber drei Kinder haben?
Die sind inzwischen zwar schon groß, aber man vergisst nicht, dass sie einmal klein waren.

Zurück zum Film: Als Stefans Mutter stirbt, will sein Vater Hubert, dass sie im Wald unter irgendeiner Buche vergraben wird - ist das in Deutschland erlaubt?

Das weiß ich nicht, in der Schweiz aber ganz sicher. Dort gibt es so genannte Friedwälder. Da darf man eine kompostierbare Urne beisetzen und eine Plakette an einem Baum anbringen. In Deutschland sind Seebestattungen erlaubt. Das ist auch schön.

Aber eine Urne - wie Sie es als "Mustervater" Stefan tun - ein paar Wochen im Kleiderschrank zwischenzulagern, ist doch etwas gewagt.
Soweit ich weiß, kann man sich die Urne mit der Post zuschicken lassen, wenn der Beerdigungs-Termin noch nicht feststeht. Auf dem Paket ist dann ein Aufkleber, auf dem steht: "Achtung, Urne". Dann hat man sie zu Hause. Im Film sieht man durch den Streit um die Urne, was zwischen Vater und Sohn los ist.

Da geht es ja mächtig zur Sache - ein waschechter Generationskonflikt.
Den gibt es auch im wirklichen Leben häufig - vielleicht nicht ganz so ausgeprägt. Jeder nimmt sich selbst am wichtigsten - ein bekanntes Phänomen.

Der Sohn steht dem Vater in Sachen Sturheit und Dickköpfigkeit in nichts nach.
Das stimmt. Aber das Schöne an der Familienkonstellation ist, dass alle vorwärts kommen, miteinander reden, streiten und einlenken können, auch der Vater. Weil sie sich nicht bierernst nehmen. Das ist das Kunststück.

Das Problem "Wohin mit den alten Eltern" ist ja sehr aktuell.
Wenn man auf dem Lebensentwurf einer Kleinfamilie beharrt, hat man ein Problem. In unserer Gesellschaft muss immer alles schnell und pragmatisch gelöst werden. Aber keiner traut sich, das zuzugeben, weil jeder nach außen kompetent erscheinen will. Dabei sollte man sich die Zeit lassen, um auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Es gibt keine vorgefertigten Lösungen. Nicht die Menschen sind für das System da, sondern umgekehrt: das System für die Menschen.

Wie würden Sie denn reagieren, wenn Ihre Mutter bei Ihnen wohnen würde und sich in die Kindererziehung einmischen würde.
Da ist die Reaktion von Ines genau richtig, die sagt: "Du kannst hier alles machen, aber die Erziehung machen wir." Da muss man klare Grenzen ziehen.

Der Lover Ihrer Filmtochter benutzt nicht nur das Badezimmer, als ob es seines wäre, sondern auch noch Ihre Zahnbürste.
Da muss man sich an die Zeit erinnern, als man selbst 18 Jahre alt war. Das ist die Lässigkeit der Jugend. Oder wie mein Filmsohn Timmy sagt: "Vielleicht lebst Du nicht mehr lange. Dann machst Du Dir Vorwürfe, weil Du jetzt so einen Mist machst." Wunderbar.

Und Opa Hubert entwickelt eine starke Beziehung zu seinen Enkelkindern - eine realistische Reaktion?
Ja, deswegen ist es auch so schade, dass viele Großeltern nicht in der Nähe ihrer Kinder und Enkel leben. Aber unsere Welt ist dafür nicht eingerichtet. Wir haben uns in die falsche Richtung bewegt, finde ich.

Wer hat schon eine so große Wohnung, dass er ohne Not ein Zimmer abzweigen kann?
Kaum jemand. Jede Familie muss damit klarkommen. Der soziale Zusammenhalt ist so wichtig, weil beide Seiten - Kinder und Eltern - etwas voneinander lernen können. Die Frage ist, wie macht man es, dass jeder den Platz bekommt, den er braucht, und Kindern nicht sagt: Du musst mit vier Jahren anfangen, Sprachen zu lernen und mit 23 Geld verdienen. Wir sind in der Gesellschaft zu eng geworden - vor lauter Freiheit.

Sie sind demnächst wieder mit Ihrem Erich-Kästner-Programm "Als ich ein kleiner Junge war", deutschlandweit unterwegs.
Wir haben da mit sechs Musikern etwas ganz Neues ausprobiert: eine szenische Erzählung mit Musik. Die Reaktionen waren so überwältigend, dass wir dieses Mal eine richtig lange Tournee machen, die am 9. November in Berlin anfängt. Ich stehe da auf der Bühne und rede mit dem Publikum. Das ist ein ganz besonderes Ereignis - auch für mich. Ich bin letztlich ein Theatermensch: Film ist meine Arbeit, Theater meine Heimat.

Vermissen Sie Mariele Millowitsch, mit der sie lange gemeinsam gearbeitet haben, nicht?
Ich würde sehr gerne wieder mit ihr drehen. Mariele ist eine richtige Freundin für mich. Aber wir haben die Serien in einer sehr guten Form zu Ende gebracht, wie ein kleiner goldener Ball liegt das vor uns, weil Mariele und ich rechtzeitig gesagt haben: "Jetzt ist es gut."

© 2007 KStA, Marianne Kolarik