Zu Gast am Ebnisee
(L-TV, Januar 2004)
 
Anm.d.W.: Leider hab ich es nicht geschafft von einem Real-Player Clip Screenshots (also Bilder zum Interview) zu machen. Hier also doch nur der Text. Den Clip kann man sich an dieser Stelle runterladen, dann muss bei der runtergeladenen Datei aber die Datei Endung verkürzt werden, so dass dort nur .rm steht.


Sprecher:
Walter Sittler, ist der Name zu einem bekannten Fernseh-Gesicht. Man(n) und vor allem Frau kennt ihn als Casanova Dr. Schmidt in der Comedy-Serie „Nikola“. 1998 erhielt er dafür sogar den Adolf-Grimme-Preis. Aber nicht nur als TV-Star ist er zu bewundern. Besonders gerne spielt er Theater und lädt zu literarischen Abenden ein. Zum Thema „Eine Liebesgeschicht, die durch den Magen geht“ begrüßte man im Hotel Schassberger den beliebten Fernseh-Schauspieler Walter Sittler. Kunst, Kultur und kulinarische Köstlichkeiten gehören bereits traditionell zum Verwöhn-Programm für die Hotel-Gäste. An diesem Abend ging's auf Tucholskys Spuren in ein anderes Jahrhundert.

U. Schassberger: Ja, der Herr Sittler, der ist jetzt schon zum zweiten Mal bei uns. Ich kann sagen, der ist schon ein richtiger Stammgast bei uns geworden. Und so entwickelt sich so was eben auch mit der Zeit. Wir haben ja immer wieder sehr viele prominente Gäste bei uns, da sind wir natürlich sehr stolz drauf. Hans Hermann ist immer gerne bei uns zu Gast, die Kelly-Family hatten wir mal vor ein paar Jahren hier bei uns, die hier auch übernachtet haben. Und aber auch sonst sind immer einige Menschen noch mit dabei, auch aus der Politik, wo man sich umdreht und denkt: „Mensch, den kenne ich doch, den hab ich doch schon mal irgendwo gesehen. Und das machte es natürlich für uns auch sehr spannend und sehr schön.

Walter: Ich bin ja vom Beruf her ein Theater-Mann und da ist die Verbindung zum Publikum auch ganz wichtig. Die merkt man auch sofort und das mag ich sehr gerne. Und die Menschen kommen alle freiwillig hierher, um sich was Schönes anzuhören. Und wenn ich dann merke, dass die Verbindung zustande kommt, oder ich zumindest glaube, dass sie zustande kommt, dann ist das ein sehr beglückendes Gefühl. Und ich lese sehr gerne vor, muss ich sagen, ja.

Sprecher: Als Dr. Schmidt in der Fernsehserie „Nikola“ hält er sich für unwiderstehlich und desöfteren knistert es sogar zwischen den Hauptdarstellern. Versteht man sich mit Mariele Millowitsch auch privat?

Walter: Also wir wissen auch immer was los ist mit dem anderen. Und ich komme morgens in die Maske und ich weiß, wie's ihr geht. Und dass wir befreundet sind und ich sehr wirklich gerne mag, hat das zur Folge, dass wir sehr gut zusammen spielen können, weil es nie darum geht: wer ist besser? Wer ist weiter vorne? Sondern: wie kriegen wir die Szene so hin, dass sie möglichst optimal ist? Das klappt nicht immer. Aber das, was wir machen, macht mir sehr viel Spaß mit ihr. Und diese Distanzen zwischen uns in unseren Rollen... ich glaube, deswegen lieben es die Leute auch, weil es wie im Leben ist. Man denkt: Jetzt passiert es! Und dann ist es wieder nichts. Oder es ist doch was, aber dann nur für kurz und dann fällt es auseinander, weil das Mißverständnis wieder zu groß wird. Und das Entscheidende bei der Komödie ist: es muss irgendwo im Leben verankert sein, so dass die Menschen es wiedererkennen. Wenn wir nur Quatsch machen würden, würde man eine Zeitlang gucken und irgendwann würde man sagen: "Jetzt haben wir genug Quatsch gesehen, jetzt weg damit." Aber dadurch, dass es immer wieder Begebenheiten sind, die die Leute kennen oder sich wünschen oder erahnen oder was auch immer... Ich glaube, deshalb funktioniert es.

Sprecher: Zwischen einem 4-Gänge Gourmet-Menü gab es amüsante und pikante Einzelheiten aus Tucholskys Reise-Aufzeichnungen. Selber ständig unterwegs, zieht es Walter Sittler aber immer wieder in seine Heimatstadt Stuttgart zurück. Seine Familie ist ihm am wichtigsten, trotz Karriere und Star-Rummel.

Walter:
Dass ich jetzt acht Jahre drei Monate hintereinander in Köln drehe, ist ein Zufall, das ergibt sich durch die Serie. Alles übrigen Sachen sind dann mal in Berlin, mal in Hamburg, mal in München. Auch einmal in Stuttgart schon. Dann zwei Mal in Südafrika. Wo immer man hinzieht, wird garantiert die nächsten Jahre nicht gedreht. Zumindest nicht mit mir. Deswegen war für uns immer wichtig, dass wir uns im Leben außerhalb des Films, nach der Familie richten und nicht nach den beruflichen Drehorten.

Sprecher: Walter Sittler scheint im Moment auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Gespielt hat er fast alles, egal ob Liebesfilme, Krimis oder Komödien. Sein Typ ist gefragt. Und trotzalledem: einen Traum hat er noch. Einmal in seinem Leben in einem großen Kinofilm dabei zu sein und dann...

Walter: ...mehr Zeit bekommen und mehr Ruhe bekommen, schöne Filme zu drehen und dass der Druck ein bisschen weniger wird, der jetzt so immens ist. Was zur Folge hat, dass die Sender Sachen machen, wo ich sag: „Das gefällt mir nicht wirklich.“ Ich weiß, dass 24 Stunden Sendezeit unendlich viel ist und da kann man nicht nur tolle Sachen senden, das geht gar nicht. Aber ich wünsche mir, dass es einfach ein Niveau gibt, was nicht unterschritten wird. Denn das passiert jetzt manchmal.

© 2004 L-TV