Hier ab 4
(MDR, 01.10.98)
 
Vielen Dank an Monika und Kerstin für die Bilder!
 
Frank Liehr: Der Mann spielt ja in der Serie "girl friends". Nun haben einige Damen sich das angesehen, es waren nachher noch einige mehr, und haben beschlossen, das könnte eigentlich auch mein "boyfriend" sein. Aber jetzt sage ich natürlich erstmal "Hallo und herzlich willkommen, Walter Sittler ."
 
Hier ab 4 - Bild 1 Walter: Hallo. 

Frank Liehr:
Ein Mann, der auf verschiedenen Kontinenten unterwegs ist. Bevor wir aber dazu etwas sagen, haben Sie noch etwas in eigener Sache... 

Walter: Ja, ich habe hier einen Auftrag bekommen, den ich gerne erledige. Es ist eine Premiere für "Hier ab 4": Ich habe hier Grüße an eine junge Frau aus Espenau, die auch mal als Komparsin bei "girl friends" mitarbeiten durfte und ich habe Grüße an Kerstin Jordan zu ihrem 21. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! 
 
Frank Liehr: Da sagen wir natürlich auch "Herzlichen Glückwunsch und alles Liebe und alles Gute". Das Fax kam im Vorfeld und sonst wird hier bei uns nicht gegrüßt und beglückwünscht, aber in diesem Fall haben wir mal ‘ne Ausnahme gemacht. Ich hoffe, die Grüße sind jetzt angekommen und die Kerstin sitzt noch auf ihrem Hocker oder Sessel und ist nicht vor lauter Freude jetzt umgefallen, weil sie baff ist.  Jetzt kommen wir aber noch mal zu den verschiedenen Kontinenten. ‘Ne stehende Leitung vom letzten Drehort bis hierher gibt’s nicht, auch keine Flugverbindung. Wo waren Sie? 

Walter: Ich war in Namibia die letzten zwei Monate. Wir haben da einen Zweiteiler gedreht für’s ZDF und ich bin noch nicht mal eine Woche wieder da. 

Frank Liehr: Darf man sich da als Schauspieler auch in die Sonne legen? 

Walter: Man darf schon, aber nur mit ... völlig eingehüllt mit Sunblock. Das haben wir natürlich nicht gemacht, wir haben gearbeitet hauptsächlich. Und ich hatte meine Familie dabei, was sehr schön war und ich hab ein bißchen Urlaub gemacht mit denen da. 

Frank Liehr: War das eigentlich ein Novum, dass sie mit Ihrer leiblichen Tochter (Jennifer, Anm.d.W.) gespielt haben, die dann auch noch Ihre Filmtochter ist?

Walter: Ja! Das war ein Novum, das war ein Zufall. Ich hatte das Buch gelesen und las die Rolle der Tochter und sagte der Katharina Trebitsch, die das produziert: "Das ist sie! Sag ich Ihnen so." Und da sagte sie "Nee, wir haben schon jemanden aus Südafrika." Und da sagte ich "Ja gut Katharina, pass auf: Ich mach dir ‘ne Aufnahme von ihr und wenn du sie nimmst, ist gut und wenn nicht, ist auch gut. Kein Problem." Und dann machte ich das und Katharina schaute sich das an, schickte die Kassette dem Regisseur, zwei Tage später war der Anruf da: "Sie wollen sie haben!" Und dann haben wir das gemacht. 
Hier ab 4 - Bild 2
 
Frank Liehr: Jetzt wollen wir was anders haben, beziehungsweise hören: Die Preisfrage für heute. 

Walter: Jaaa ... die Preisfrage für heute lautet folgendermaßen: Der Ronaldo Schäfer heiratet in der Serie "girl friends" die Marie Malek in zweiter Ehe. Die Preisfrage jetzt ist: Wie heißt die erste Ehefrau von Ronaldo Schäfer mit Vornamen? 

Frank Liehr: Die richtige Antwort, ein funktionierendes Telefon und die richtige Nummer gewählt und dann könnten Sie sich diesen Preis sichern, den wir heute für Sie haben. (er nennt Telefon- und Fax nummer). Beide Nummern gelten natürlich auch, wenn Sie mit ihm, mit Walter Sittler, reden wollen am heutigen Tage; wenn Sie Fragen haben, die er beantworten soll. 
Und wir haben natürlich für all die Desorientierten, die gar nicht wissen, was der Walter Sittler so treibt im Fernsehen, unter Umständen gucken die gar nicht "girl friends" - kann ich mir nicht vorstellen - aber wir haben ein Gastportrait zusammengestellt. 

Eingespielt wird die Szene aus "Der schönste Tag" in der Ronaldo bei Harsefelds um Maries Hand anhält. Danach folgen verschiedene Szenen aus "Der schönste Tag", dem Film "Spatz in der Hand", der Musicalaufführung "Der überaus starke Willibald" und der Gastauftritt von ‘Nikola und Dr. Schmidt‘ in der RTL Serie "Das Amt". Zwischendurch erzählt eine Stimme aus dem Off: 

Walter Sittler und Mariele Millowitsch in der ZDF Erfolgsserie "girl friends". Beide sind ein neues Traumpaar im deutschen Fernsehens und haben in Folge 1 der vierten Staffel auch endlich geheiratet. Walter Sittler wurde 1952 in Chicago geboren; auf Umwegen kam er zur Schauspielerei. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst im Krankenhaus, jobbte als Taxifahrer und Möbelpacker. 1978 begann er ein Studium an der Münchner Falckenberg Schauspielschule. Als ihn das Fernsehen entdeckte, hatte er bereits 14 Jahre Theater gespielt, was in Mannheim begann. 
Sittler, der 1,94 m Mann lebt mit seiner Frau, einer Tanzpädagogin, und drei Kindern in Stuttgart. Walter Sittler , der Familienmensch, kam vergangenes Wochenende aus Afrika zurück, wo er für einen ZDF Zweiteiler als Farmer vor der Kamera stand.  Mit seiner Frau Sigrid hat Sittler ein Musical für Kinder geschrieben und produziert, das in Putbus auf Rügen aufgezeichnet wurde und noch im Oktober als Video zu haben sein wird. "Der überaus starke Willibald" ist eine ganz besondere Mäusegeschichte.  Mit der RTL Serie "Nikola" bekam Walter Sittler, der auch im Radio eine bekannte Stimme ist, dieses Jahr bereits den Adolf-Grimme-Preis. Übermorgen werden wieder ‚Goldene Löwen‘ vergeben. Als Comedy-Serie  ist auch "Nikola" nominiert. 

Walter: Das war sehr schön. 

Frank Liehr: Er hat, liebe Zuschauer, zwischendurch immer wieder geschmunzelt, zumal bei der ersten Szene. Mit dem Antrag... 

Walter: Ja, der Heiratsantrag... 

Frank Liehr: 27 Einstellungen! Das ist doch tödlich. Da wird man doch schon bald wieder entlassen. 

Walter: Nein, das ist so: wir kennen uns alle schon sehr lange, die da spielen. Und die Szene war dran und es ging um die Probe und jeder saß auf seinem Platz und ich war also dran, meinen Heiratsantrag zu machen. Und ich machte das und stand auf und ging um den Tisch rum zu Mariele. Und jeder, der Filme dreht, weiß: wenn ein Schauspieler um den Tisch rum geht, muss man von 35 verschiedenen Richtungen die Sachen aufnehmen. Und die Mariele schaute mich an wie ein Pferd, aber es war zu spät. Und dann dauerte das Ganze eben drei, vier Stunden. Aber es ist ‘ne schöne Szene geworden, mir gefällt sie sehr gut. 

Frank Liehr: Was haben die Kollegen gesagt? "Hättest du dir nicht was anderes einfallen lassen können? Bleib doch da stehen, wo du stehst" ?

Walter: So was Ähnliches. Ich werde das jetzt nicht wiederholen... 

Beide lachen. 

Frank Liehr: Liebe Zuschauer nach wie vor steht immer noch die Preisfrage an, also wenn Sie sie beantworten wollen, rufen Sie ganz einfach an. Ansonsten ich unterhalte mich auch mit dem Herrn ganz gerne selbst noch. - Der "Goldene Löwe" steht an. 
 
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Walter: Ja. 

Frank Liehr: Bereitet man sich, wenn man nominiert ist, darauf vor, indem man schon eine Rede schreibt? "And the winner is and..." 

Walter: So was Ähnliches. Also ich kriegte die Nachricht in Afrika. Ich hab mal angerufen und dann hieß es, wir kriegen den "Goldenen Löwen" und da dachte ich "Oh mein Gott, jetzt müssen wir wieder was reden".  Und dann rief ich vorgestern in Köln an und die sagten "Nein, nein, der "Löwe", wenn wir ihn bekommen, geht an die Produktion, du musst gar nicht reden, sondern der Redakteur muss reden" und da hab ich gesagt "Wunderbar, kein Problem, soll er reden". Und er rief mich an und da hab ich gesagt "Mein Lieber ... dein Problem!" 

Frank Liehr: Und wie war’s beim Grimme-Preis? 

Walter: Da haben wir selber gesprochen. 

Frank Liehr: Wollte ich doch sagen... 

Walter: Da haben wir selber gesprochen, das war sehr schön. Hat Spaß gemacht. 

Das Telefon klingelt und die Zuschauerin beantwortet die Preisfrage richtig mit "Ursula" 

Walter: Jawohl, stimmt genau, sehr gut. 

Frank Liehr: Sind Sie "girl friends" Guckerin? 

Zuschauerin: Ja, regelmäßig. 

Frank Liehr: Also von mir kriegen Sie erstmal das (hält einen Schirm hoch) Ich spanne ihn heute mal nicht auf, Sie kennen ihn ja bestimmt, unseren "Hier ab 4" Schirm. Den würden wir Ihnen in den nächsten Tagen zuschicken. 

Zuschauerin: Ja, Danke schön. 

Frank Liehr: So, aber wir haben noch etwas ganz Besonderes. Und das ist nicht von mir, das hat er sich einfallen lassen und dazu muss er selber was sagen. 

Walter: Und von mir bekommen Sie das Musical, was wir produziert haben auf Rügen. Das kann man im Moment noch gar nicht kaufen. In den nächsten Tagen wird’s im Buchhandel erhältlich sein: "Der überaus starke Willibald" und... 

Frank Liehr: Und das Andere? 

Walter: Und Sie kriegen dazu noch die CD, die wir als Erstes produziert haben letztes Jahr, meine Frau und ich. Und wenn Sie wollen, kann ich Ihnen auch gerne noch was drauf schreiben, also, ich hab nur keinen... 

Frank Liehr: Ich hab ‘nen Stift da. Ich bin so gut sortiert. 

Walter: (zur Zuschauerin) Wollen Sie, dass wir das auspacken und was drauf schreiben? 

Zuschauerin: Natürlich möchte ich das. 

Walter: Gut, dann machen wir das doch. 

Frank Liehr: (zur Zuschauerin) Wie sind Sie zur Serie "girl friends" gekommen, einfach so beim Durchzappen? 

Zuschauerin: Eigentlich, weil mir die Mariele Millowitsch schon so gut gefällt, habe ich das angefangen zu gucken und dann war der Walter Sittler auch ein so sympathischer Schauspieler, da bin ich einfach dabei geblieben... 

Hier ab 4 - Bild 4 Frank Liehr: (zur Zuschauerin) Darf ich Sie mal was fragen, so jetzt von Mann zu Frau? Hatten Sie nicht auch irgendwie den Eindruck zwischen dem Walter Sittler und der Mariele Millowitsch knistert es richtig? 

Zuschauerin: (lacht) Ja, hatte ich. 

Frank Liehr: Die Frage geben wir mal weiter... 

Walter: Gute Schauspielerin, die Mariele. 

Allgemeines Gelächter im Studio. 

 
Frank Liehr: Und der Walter Sittler nicht, oder was? 

Walter: Nein, nein, wir ... sagen wir mal so: wir kennen uns wirklich sehr sehr gut. Wir haben sehr viel zusammen gedreht schon und ... noch kurz dazwischen (zur Zuschauerin) Ich würde gerne den Vornamen da draufschreiben, können Sie mir den noch mal sagen? 

Zuschauerin: Heidi. 

Walter: "Für Heidi" schreib ich da drauf. Wunderbar. - Und wissen Sie, es ist so: Wenn man so lange zusammen spielt und aus dem Theater kommt, wie wir beide, da ist es wichtig, dass man eben ... keine privaten übermäßigen Verwicklungen hat, sonst kann man nicht mehr ordentlich spielen. Das ist es. Und das ist das Geheimnis, das wir haben: wir mögen uns, wir sind SEHR gut befreundet..

Frank Liehr: Mal anders rum gefragt: Sie sind nicht verheiratet, Sie haben keine drei Kinder... Was wäre dann mit Mariele und Ihnen? 

Walter: Ja, hättste, wennste, könnste, keine Ahnung. 

Die Zuschauerin wird verabschiedet, da klingelt schon wieder das Telefon. Ein Zuschauer aus Oberhausen. 

Zuschauer: Ich habe ein Frage an den Studiogast, Sie machen ja größtenteils nur Serien: Könnten Sie sich vorstellen bei Kriminalfilmen einen Kommissar zu spielen? 

Walter: Oh ja, sehr gerne sogar. Ich hab noch keinen angeboten bekommen, aber wenn, würde ich das sehr gerne annehmen. 
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Frank Liehr: Ich weiß nicht, soll nicht der Wilfried Glatzeder jetzt ausgewechselt werden? Vielleicht suchen die noch mal so einen Großen... 

Walter: Ich bin ja erstmal wieder Dr. Schmidt die nächste Zeit. 

Frank Liehr: Ach gut. 

Beide lachen und verabschieden den Zuschauer. 

Frank Liehr: So, es ist ein ewiger Traum. Kennen Sie wahrscheinlich auch, den vom...? 

Walter: Fliegen! 

Es folgt ein Filmbeitrag übers Fliegen (ich weiß nicht genau worum es ging, ist ja eigentlich auch egal..., Anm. d. W.) 

Frank Liehr: Gefällt Ihnen das? Luftschiff, Segelfliegen? 

Walter: Ja, sehr sehr schön. Würde ich gerne machen. Ich hab einmal auch versucht, Fallschirm zu springen, aber ich kam nie dazu, weil der Bodenwind zu stark war und ich durfte nicht springen und nächstes Jahr hab ich mich nicht mehr getraut. 

Frank Liehr: Alleine oder so ein Tandemsprung? 

Walter: Nee, alleine. 

Frank Liehr: Alleine? 

Walter: Alles gefaltet, alles war fertig, wir saßen schon drin, sind dann aber nicht gesprungen. 

Frank Liehr: Jetzt haben Sie auch noch das Glück, dass Sie in so einer Serie mitspielen, weil ... da lernt man ja was. Andere lernen surfen und Sie haben reiten gelernt... 

Hier ab 4 - Bild 6 Walter: Ja, ich hab reiten gelernt. Also, ich habe die Rolle Ende April bekommen und dann hab ich im Mai angefangen und hab wirklich ... bin viel zum Reiten gegangen, also eigentlich jeden Tag, manchmal auch zwei Mal. Und das war so, nach drei Wochen hab ich gedacht "Ich geb’ die Rolle zurück! Das schaff' ich nie!" Das tat SO weh und es ging nicht vorwärts und das Pferd trabte und ich machte ... (siehe Bild, Anm.d.W.) Aber dann so nach ‘ner Weile, so ungefähr zwei Wochen vor Drehbeginn ging’s ganz gut.

Frank Liehr: Also, ein zweiter Paul Schockemöhle werden Sie nicht, aber jetzt kommen Sie schon mal klar mit den Pferden. 

Walter: Nein, aber ich könnte ‘ne Serie über ihn drehen (er lacht) 
 
Frank Liehr: Gut, können Sie noch etwas, was andere Menschen nicht können? Fechten, reiten...? 

Walter: Ja, fechten, das kann man von der Schauspielschule, das können alle Schauspieler... 

Frank Liehr: Und Musik? Man kriegt ja mal... 

Walter: Ich spiele Querflöte. Nicht mehr so sehr viel, weil die Zeit nicht mehr langt, aber ... und mit den Kindern halt... 

Hier ab 4 - Bild 7 Frank Liehr: Die Zeit haben wir, die Zeit haben wir. Wir haben ‘ne Querflöte da und da können Sie schon mal loslegen. (gibt ihm eine Querflöte) 

Walter: Ach du lieber Gott... 

Frank Liehr: Sie kennen sich ja wahrscheinlich viel besser aus als ich. 

Walter: Ach du lieber... (er lacht) 

Frank Liehr: Wir bräuchten dann vielleicht noch ein paar Noten "Lern Querflöte spielen - Unter Mitarbeit von vielen anderen"... 
 
Walter: (fummelt an der Querflöte) Wo ist denn hier...? 

Frank Liehr: Was brauchen wir? Oder vielleicht das hier? "M. Rose"... 

Walter: Ich muss hier erstmal ... die ist ein bißchen ...

Frank Liehr: Mit Noten oder ohne? 

Walter: Lieber mit. Die funktioniert nicht gescheit. Die Klappen sind zu. 

Frank Liehr: Wir probieren’s einfach mal. 

Walter: Nein, aber ... Nee, die Klappe ist zu. Man kann gar nicht ... die muss auf. Was ist denn das für eine? 

Frank Liehr: Na, ‘ne Querflöte. (lacht). Wir versuchen’s einfach mal. 

Walter: (versucht zu spielen , aber es kommt kein Ton) Warte mal.  Es ist ja so ... es gibt ja bei der Querflöte verschiedene Methoden der Mechanik. Und diese hier z.B., diese Klappe, die ist bei mir auf. 

Frank Liehr: Soll ich sie aufhalten?  

Walter: Wär‘ am Besten. Und dann musst du sie aufmachen können, sonst kommen die Töne nicht raus.  

Frank Liehr: Also diese hier... 
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Walter: Und diese hier geht überhaupt nicht... 

Frank Liehr: ich halte jetzt meinen Finger hier rüber... 

Walter: Was ist das denn? 

Frank Liehr: Hoffentlich guckt uns kein Musiker zu, der also Querflöte... 

Walter: Ja, ich fürchte... Wir haben uns schon mal lächerlich gemacht. Und dann vor allen Dingen: wo ist die Gis-Klappe? Die Gis-Klappe ?!?!  Mein Gott,  jetzt habt Ihr mich aber reingelegt...aber mal gucken. Ist das ‘ne Altflöte?

Frank Liehr: Ich weiß nicht. Sie sieht jung aus. 

Walter: (versucht es noch mal, ohne Erfolg). Da kommt nichts raus. 

Frank Liehr: Wenn Sie hier drauf drücken, dann geht mit einem Mal die Klappe zu. Sonst ist sie auf. 

Walter: Ja, aber... 

Frank Liehr: Wir können ja auch was anders machen... 

Walter: Oh Kinder... 

Frank Liehr: ...wir können ja noch ein bißchen telefonieren, wir haben nachher noch ‘ne halbe Stunde Zeit. In der halben Stunde können wir noch ein bißchen üben und dann hören wir zu Beginn der zweiten Stunde vielleicht noch ein kleines Solo. 

Walter: Ach, du lieber Gott ... Ja gut, ich werde versuchen das alles hinzukriegen. 

Frank Liehr: Wir können das ja mit einer ... was sollen wir da nehmen, ‘ne Humoreske? 

Das Telefon klingelt wieder und nach anfänglichen kleinen Verständigungsprobleme stellt die Zuschauerin ihre Frage. 

Hier ab 4 - Bild 9 Zuschauerin: Und zwar interessiert mich, wie Herr Sittler zur Schauspielerei gekommen ist. Denn  vorhin wurde gesagt, er kam auf Umwegen dazu oder nicht auf direktem Weg. 

Walter: Jaaa, das ist so ‘ne Sache... 

Frank Liehr: Ich nehme Ihnen mal den Staffelstab (meint die Querflöte) ab. 

Walter: Ja und dann besorgen wir ‘ne Sopranflöte. Das ist keine Sopranflöte.
 
Frank Liehr: Alles klar. 

Walter:
(zur Zuschauerin) Nein, ich hab viele andere Sachen ausprobiert und es hat mir nichts so gut gefallen. Und dann nahm mich ein Freund mit in die Schauspielschule zu einer Weihnachtsfeier, die die Klasse dort organisiert hatte und ich dachte: "Wow! Das ist toll! Das gefällt dir!" Und dann hab ich mich beworben an der Schule und ... ja, zu meinem Erstaunen wurde ich aufgenommen und jetzt ... bin ich hier. So einfach war das. 

Zuschauerin: Das ist schön zu hören. Irgendwie hat man den Eindruck, dass Sie, doch, sag ich mal, irgendwo anders im Leben stehen und nicht nur wie man allgemein über manche Schauspieler die Ansicht hat, das Leben so ein bisschen aus der Ferne betrachten, wenn Sie sich vor ihrem eigentlichen Schauspielerdasein doch schon irgendwie durchs Leben haben schlagen müssen.

Walter: Oh ja, ich hab ‘nen Haufen Sachen gemacht und alles Mögliche ausprobiert vorher. Und dann ist es ja außerdem so, wenn man dann noch verheiratet ist und drei Kinder hat, da ist das Leben ziemlich im Gang, neben dem Drehen... 

Frank Liehr verabschiedet die Anruferin und es folgt ein 30 Minuten Tierfilm-Beitrag. 

Frank Liehr: Wir haben heute einen ganz interessanten Mann eingeladen. Der fiebert eigentlich schon dem Wochenende entgegen, denn die Serie, in der er mitspielt "Nikola" soll vielleicht sogar am Sonnabend ausgezeichnet werden und zwar mit dem "Goldenen Löwen". 
Der Mann ist auch sehr musikalisch und vorhin wollten wir, dass er auf einer Querflöte so ein bißchen spielt, ging wohl nicht, weil uns fehlte eine Sopran-Querflöte. Sollten Sie vielleicht eine haben zu Hause und schnellstmöglich hier zu uns ins Studio kommen, dann könnten wir vielleicht noch ein Solo von ihm hören. 
Also wenn Sie vielleicht im Besitz eines trabants und einer Solo-Querflöte oder sonst irgendwas sind, dann kommen Sie doch einfach mit Ihrer Solo-Querflöte hierher und dann hören wir, wie gesagt das Solo. Aber vorab erstmal ein Steckbrief von unserem Gast.

Es werden Ausschnitte gezeigt aus "Der schönste Tag", dem TV Film "Spatz in der Hand" und "Nikola" und dabei erzählt wieder eine Stimme aus dem Off:

Ihn kann man nicht übersehen: 194 cm geballte Manneskraft: Walter Sittler, der Fernsehnation aus den Serien "girl friends" und "Nikola" bestens bekannt. Zur Schauspielerei kommt der in Chicago geborene Hüne auf Umwegen. Nach dem Abitur jobbt er im Krankenhaus und als Taxifahrer. Seit 1981 spielt er Theater in Mannheim und Stuttgart. Der Fernsehdurchbruch gelingt im 95 an der Seite von Mariele Millowitsch. Über neue Projekte plaudert Walter Sittler heute bei "Hier ab 4". 


Frank Liehr: Tja und da wollen wir natürlich einiges wissen, über die neuen Projekte. 

Walter:
Ja, bitte schön. 

Frank Liehr: Aber erstmal brauchen wir ‘ne Solo- nee, eine Sopran-Querflöte. 

Walter: Einfach eine ganz normale genau, so wie ich sie zu Hause habe.  

Frank Liehr: Und dann ... was werden wir dann hören? 
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Walter: Ich schau mal, was Sie da so haben und dann... 

Frank Liehr: "Im Frühtau zu Berge"? 

Walter:
Warum nicht, warum nicht? Dann spielen wir das. Oder ich sing’s auch, egal... 

Frank Liehr:
Können Sie sich eigentlich noch an Ihre Zeit in Amerika erinnern? Sie sind als 6jähriger Bub hierher gekommen nach Deutschland. Gibt’s da noch Eindrücke und wenn ja, welche? 

Walter:
Ja, also wir sind ja früher, auch hier, sehr viel umgezogen. Das ist in Amerika auch üblicher, man bewegt sich da schneller. Und ich erinnere mich noch gut an zwei Häuser, wo wir gewohnt haben.  Ich bin ja der Jüngste von acht Kindern und da ist einfach immer ziemlich viel Leben im Haus und da erinnere ich mich noch sehr gut dran. Z.B., ein Beispiel ist, wenn man also ... wir hatten einen wunderbaren Hang vorm Haus im Winter und man fuhr Schlitten und ich war der Jüngste und wir fuhren zu acht. Wer ist der Letzte? Ich natürlich und wie weit kommt man als Letzter? Überhaupt nicht weit, nach 10 Metern war’s rum. Aber es war sehr schön. 

Frank Liehr:
Nun ist ja mein Sohn zur Zeit gerade dabei, der hatte so eine U-Untersuchung. d.h so eine Untersuchung die immer turnusgemäß angesetzt ist. Können Sie sich an einen amerikanischen Arzt auch noch erinnern? 

Walter: (überlegt kurz) Ja. Oh Gott! Da war ich in sowas Ähnlichem wie "Kindergarten", das war nicht ein richtiger Kindergarten so wie hier, aber das vor der Schule. Und ich erinnere mich noch, ich musste da rein und da war ein Stuhl, da musste ich mich draufsetzen, der wurde nach hinten gekippt und dann kam ein Zahnarzt. Er hat nichts getan, er hat mir nur die Zähne geputzt, aber seitdem hab ich’s schwer mit Zahnärzten. Ich muss sehr viel zum Zahnarzt gehen, aber es war hart ... das war hart. 

Frank Liehr: Und jetzt, wir hatten ja vorhin schon darüber gesprochen, sind Sie in der glücklichen Lage sogar mit Ihren Kindern zu Auftrittsorten zu fahren, zu Drehorten und sogar mit der Tochter zu spielen. Ist der Vater da richtig knallhart? Anders als vielleicht zu einem... 

Walter:
Nein. 

Frank Liehr: ...zu einem unbekannten Kind, das die Rolle spielt. 

Walter: Nein, das ist nicht meine Art. Nein, das liegt mir auch gar nicht. Ich bin nicht einer von denen, die sagen, die Schauspieler müssen leiden, damit sie gut werden. Solche Regisseure gibt es. Ich bin kein Regisseur, ich bin nur Schauspieler. Und deswegen bin ich mit Schauspielern auch sehr freundlich, weil ich auch freundlich behandelt werden will. 
Und nach ‘ner Weile hat man so ein paar ... weiß man, wie man die Kollegen, oder meine Tochter eben, dazu bringt, dass sie entspannt ist und dass sie freundlich und ... oder auch je nachdem, wenn sie eine Szene hat, wo sie wütend sein muss, wie man das macht. Und dann hilft man ihr und dann ... weil sie muss ja vorwärts gehen, nicht ich. Und dann bringe ich sie dazu und dann geht das. 

Frank Liehr: Dieter Wedel soll mal gesagt haben "Schauspieler sind sowieso alles Schweinepriester, die spielen mehr am Drehort, als das sie richtig ihre Rollen beherrschen ...( Beide lachen) Da muss Zucht und Ordnung ran!". Stimmt das? 

Walter:
Das kann sein, dass er das gesagt hat, aber das ist in so einem Zusammenhang, wenn man so viel dreht wie er, passiert das schon mal, dass man solche Sachen sagt. 

Frank Liehr:
Jetzt wollen wir spielen: Vier gewinnt. Schon ein bißchen geübt? 

Walter: Ich kenne das Spiel... 

Frank Liehr: Sie kennen das Spiel? 

Walter:
Oh, ja...  (Anm. d. W: "Vier gewinnt" wird auf einem Computer gespielt. Beide Spieler müssen abwechselnd die Nummer der Spalte nennen, in die ihr Chip fallen soll.) 

Hier ab 4 - Bild 10 Walter spielt gegen eine Zuschauerin namens Conny, die sich auch wacker schlägt, am Ende aber leider einen "dummen" Fehler macht und somit verliert. 

Frank Liehr:
Eigentor. 

Zuschauerin:
Mist! 

Walter:
Conny ... war schön. 

Frank Liehr: Sollte nicht sein... 
 
Zuschauerin: Schade. 

Frank Liehr:
Viele Grüße... 

Zuschauerin:
Danke. Alles Gute. Tschüß. 

Walter:
Danke schön. - Eigentlich hätte ich sie gewinnen lassen sollen, das war ... naja... 

Frank Liehr:
Nein es geht hier ja auch um Etwas. Da kann man nicht ohne weiteres die Leute gewinnen lassen. - Wir waren stehengeblieben bei den Dreharbeiten... 

Das Telefon klingelt wieder; die Zuschauerin stellt folgende Frage: 

Zuschauerin: Ich gehöre zu den ganz großen Fans von "girl friends" und von "Nikola" und ich finde die schauspielerischen Leistungen einfach toll. Mich würde jetzt interessieren - man spricht ja immer vom Traumpaar Millowitsch / Sittler - ob in der Richtung weitere Projekte zwischen Ihnen - mit Mariele Millowitsch - geplant sind? 

Walter:
Ja, das ist so: wir haben ein weiteres Projekt, das ist November, Dezember, Januar, Februar weitere Folgen von "Nikola". Und ansonsten ist nichts weiter geplant, weil die Bücher so weit im voraus oft noch gar nicht geschrieben sind. Deswegen kann ich gar nicht sagen, ob es weitere Projekte geben wird. Ich habe nichts dagegen mit Mariele zu spielen. Es ist wunderbar, sie ist eine wunderbare Kollegin, also ... aber ob danach noch was kommt, weiß ich nicht. 

Die Zuschauerin bedankt und verabschiedet sich, da ruft schon die nächste Zuschauerin (aus Dresden, wo das Interview auch stattfindet) an. 

Frank Liehr:
(zur Zuschauerin) Sie haben nicht zufällig eine Sopran-Querflöte noch zu Hause? 

Zuschauerin: Nein, habe ich nicht. 

Frank Liehr:
Schade. Dann dürfen Sie aber trotzdem eine Frage stellen. (Walter lacht) 

Zuschauerin:
Und zwar wollte ich wissen, was die Familie so sagt, wenn er öfter mal unterwegs ist. 

Frank Liehr:
Was sagt die Familie dazu, wenn Walter Sittler so oft unterwegs ist? 

Walter: Ja, das ist so: Ich versuche möglichst wenig von zu Hause weg zu gehen, wenn das geht. Ich hab ... während der Serien bin ich sehr viel weg und am Wochenende immer da. Und bei Namibia, da war ich ja zehn Wochen weg, da war die Familie sieben Wochen mit mir dort. Das war Bedingung, damit ich überhaupt die Rolle annehme. Ich versuche einfach viel zu Hause zu sein. 

Frank Liehr:
Wer zahlt denn dann die Unterkunft? Da geht ja die Hälfte der Gage drauf, ich meine man verdient ja bloß 3,50 DM. 

Walter:
Nein, ich hatte ja eh ein Haus dort, deswegen hat meine Familie da einfach so mitgewohnt. Ich musste lediglich die Reise und das alles Übrige bezahlen, aber das ist ja kein Problem, weil mit der Familie zusammen sein, ist einfach ... das ist für mich das Wichtigste überhaupt. Wenn das nicht geht: Schluss! 

Frank Liehr:
Ja, jetzt spielt die Tochter mit, jetzt spielt der Vater mit. Was machen die anderen? Stehen die da nebenan und langweilen sich? 

Walter: Nein. (lacht) Es ist so, die anderen kennen ja das Set auch und sind sehr gerne auf’m Set und haben alle Leute kennengelernt auch und meine Frau hat sehr viele Bilder gemacht, sehr schöne.  Und ich hatte sehr viel Zeit zwischendurch, weil meine wesentlichen Auftritte am Ende des Drehs waren. Also die letzten zwei Wochen habe ich sehr viel gearbeitet und davor immer mal wieder. Und deswegen hatten wir Zeit und haben ein bißchen Ferien gemacht. Das war toll. 

Die Zuschauerin wird verabschiedet, da klingelt schon wieder das Telefon. 

Frank Liehr:
Ich komme gar nicht dazu ... Mir brennt noch eine Frage... 

Walter: Also den einen Anruf noch und dann machen wir... 

Frank Liehr: Na, mal sehen ... (begrüßt die Zuschauerin) 

Zuschauerin:
Also, eigentlich ist meine Frage schon beantwortet worden. Ich wollte wissen, ob nach der zweiten Staffel noch mal weiter gedreht wird? Und dann möchte ich dem Herrn Sittler ein Kompliment aussprechen, denn ich denke, er hat charakterlich die Rolle des Ronaldo Schäfer sehr gut dargestellt und ich bin der Meinung, so mancher echte Chef könnte sich da ‘ne Scheibe abschneiden. 

Walter:
Na, danke schön, das ist ja wunderbar, danke. 

Frank Liehr:
Wir haben auch vorhin, ich habe Ihnen doch ein Fax gegeben, da stand das auch noch mal drin, sollte man sagen. Also da hat uns eine Dame noch mal ein Fax zukommen lassen ... (fängt an das Fax zu suchen, findet es aber nicht) 

Walter: Ich bin der Alptraum aller Chefs, die müssen mich nachmachen, na wunderbar. 

Zuschauerin: Ich habe noch ein Frage: Besteht die Möglichkeit nach einer Autogrammadresse? Ich bin seit einem Jahr hinter dem Soundtrack von "girl friends" hinterher und bekomme ihn nicht. 

Die Autogrammadresse wird in genau dem Moment eingeblendet 

Walter:
Den Soundtrack kann man kaufen. Im Handel ...  glaube ich zumindest. Also ich hab ihn schon mal gesehen. 

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Frank Liehr: Gut sortiertes Plattengeschäft, bestellen oder...  

Frank Liehr und Walter: (gleichzeitig) ... beim ZDF anrufen. 

Die Zuschauerin wird verabschiedet. 

Frank Liehr:
Jetzt würde mich mal interessieren: jetzt lernt man Mariele Millowitsch kennen. 

Walter: Ja? 

Frank Liehr:
Aber zu Mariele Millowitsch gehört ja noch ein anderer: Der Papa! 

Walter:
Der Vater. 

Frank Liehr:
Ja, der Vater. Ist Vater so ein Clan-Chef? Wird man da vorgestellt? 

Walter:
Ja. Als wir in Köln gedreht haben... 

Frank Liehr:
Wie war das? 

Walter: Ja, das war ... da saß dann der Herr Millowitsch, ist ja auch nicht mehr ganz jung, aber der sitzt dann in seinem Sessel mit seinen weißen Haaren und hält Hof. Und da geht man hin und man sagt, wer man ist und dann sagt er "Hab ich schon mal gesehen!" und dann sitzt man da und dann zeigt er einem die Bücher und dann trinkt man Wein und er erzählt so aus seinem Leben hauptsächlich. Fragt ab und zu, aber im Prinzip redet er. Ist schön, sehr interessant, weil er ist ja ein wunderbarer Schauspieler. Ist halt jetzt einfach am Ende seiner Karriere sozusagen. 

Frank Liehr:
Was mir eigentlich fehlt ... das muss ich mir unbedingt mal antun, vielleicht gibt es noch mal die Möglichkeit: Sie haben in "Kabale und Liebe" mal den ‚Wurm‘ gespielt. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, bei 1,94 m. Sie haben gesagt, Sie sind geschrumpft, einen Zentimeter... 

Walter:
Ja ich habe im Laufe meines Lebens einen Zentimeter verloren, ich weiß nicht wo, aber ... 

Frank Liehr: Wie spielt man denn da den Wurm ? Die Schultern zieht man hoch und dann ....? 

Walter:
(lacht) Nein.  Die Katharina Böhm war die Luise und es war sehr schön, aber das war keine besonders gute Rolle von mir! Also ich war froh, dass ich eine Tournee machen konnte, ich hatte Lust drauf, aber besonders gut ist es nicht geworden. Aber ich hab’s sehr gerne gespielt. 

Frank Liehr:
Ich bin mal gespannt, ob uns was anderes gut gelungen ist. Ein graphologisches Gutachten haben wir vorbereitet, mal sehen... 

Walter:
(schlägt die Hand vors Gesicht) Oh Gott! 

Frank Liehr:
... ob wir da den Menschen Walter Sittler etwas anders kennenlernen. 

Walter: Na gut, ok...



Hier ab 4 - Bild 12 Der Schreiber fängt erstmal großartig an und kommt dann in Teufels Küche. Was ihm aber nicht zu viel ausmacht, weil er’s ja gewöhnt ist. Schließlich  ist er mit einer Begeisterungsfähigkeit gesegnet, die auch üble Erfahrungen ungebrochen übersteht. 
Auffallend ist zunächst der Schwung der Großbuchstaben. Er demonstriert damit eine unbekümmerte Selbstsicherheit, mit der er sich zumindest einen guten ersten Eindruck sichert. Dazu passen auch diebetonten Oberlängen, die voll und bauchig in die Höhe treiben (Anm.d. W. bei b, h, d).
Da sammeln sich die Visionen und Hoffnungen, die ihm immer wieder Auftrieb geben, auch wenn die Gegenwart zwischendurch mal trist aussieht. In grauen Alltag läßt er sich nicht einsperren, hat er doch genügend Phantasie, um alles so bunt zu beleuchten, wie es ihm gefällt.
Die Auseinandersetzung mit den Begrenzungen und Tücken der Realität ist ihm ausgesprochen lästig. Er stolpert immer wieder über Widrigkeiten und ärgert sich dann erstmal kräftig.  Der Schreiber hat die Mentalität eines Gauklers. Ab und zu gelingt ihm ein Bravourstück, zwischendurch geht einiges schief und dann wird eben jongliert. Hauptsache, er hält immer ein paar Bälle in der Luft. 

Walter: (lacht) Ja genau. Sehr gut! Ja. 

Frank Liehr:
Also "Kabale und Liebe", die Sache mit dem ‚Wurm‘  ist schiefgegangen. 

Walter:
Ja, schiefgegangen. 

Frank Liehr:
Was ist richtig geglückt im Leben? 

Walter: Die dritte Rolle ... also jetzt vom Theater oder privat? 

Frank Liehr:
Theater und dann privat. 
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Walter: Also Theater: Da gibt’s verschiedene Rollen. Eine an die ich mich besonders gerne erinnere, ist aus "Jagdszenen aus Niederbayern". Da habe ich den Rovo gespielt, das ist der, der von anderen für blöd gehalten wird. Das war eine von den Rollen, wo ich zwei Wochen vor der Premiere auf Zuruf jedes hätte spielen können, jede Szene, egal. 

Frank Liehr:
Und privat? 

Walter:
Meine Familie. Mit meiner Frau. 

Frank Liehr:
Das ging ja ziemlich hastig mit Ihrer Frau, ne? Sie kam, sah und siegte? Oder kamen Sie und siegten? 

Walter:
Wir kamen, sahen und siegten sozusagen (lacht) Es ging also ... es ging wirklich ruckzuck. Nun waren wir auch nicht mehr 22, sondern ich war 32 und es war von vornherein überhaupt keine Frage, es war ganz einfach.  Und als sie dann sagte, sie ist schwanger, war das nicht "Oh Gott, oh Gott, sie ist schwanger, was machen wir jetzt?" sondern ich sagte "Ja!". Ich hab sofort alle Geschwister angerufen, hab gesagt "Hier, ich werde Vater und wir werden heiraten" und dann  ging das vorwärts. 

Frank Liehr: Wenn man Vater von drei Kindern ist, gibt’s jede Menge Stories. Eine?

Walter: Eine Story, die ist bis ... (lacht) Ja, die Eltern machen ja immer so Erziehungsversuche. dass die Kinder sich ordentlich benehmen, "danke" und "bitte" sagen und so weiter und so weiter und dass man das lernt. 
Und wir versuchten das also am Tisch beizubringen und saßen da also mit Spaghetti, alles wunderbar. Die Lea war damals vier, die ist die Jüngste. Und wir sagten "du sagst ‚Gibst du mir bitte?‘ und dann sagst du ‚Danke‘" und die hatte das auch alles verstanden. Sie hatte also ihren Teller Nudeln vor sich, schaute meine Frau ganz konzentriert an, hob ihren Teller hoch (er demonstriert es) und sagte "Ich danke dir, dass ich Tomatensoße möchte!" (lacht) woraufhin wir diese Versuche einstellten. Und sie können’s inzwischen ganz gut...
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Frank Liehr: Das Faible für Amerika ... ist das geblieben bei Ihnen? 

Walter: Ja. 

Frank Liehr: Und haben die Kinder das auch? 

Walter: Die Kinder waren mit uns schon in Amerika, wir waren bei einem Familientreffen bei meinem Bruder in Boston. Und meine Kinder sind ... ja, das liegt vielleicht auch an meinem Leben, weil wir soviel rumgekommen sind ... man kann gut mit denen verreisen und die fühlen sich sehr schnell dann wohl dort.  Sie fahren nicht gerne von zu Hause weg, aber wenn sie weg sind, dann ist es schön. Und das war in Lima so (eine seiner Schwestern lebt in Lima, Anm. d. W.), das war jetzt in Afrika so, das war sehr schön mit ihnen. 

Frank Liehr: Wenn Sie sich das aussuchen könnten, wo würden Sie dann leben auf dieser Welt? 

Walter: Ach ... so lange ich mit meiner Frau und meinen Kindern leben kann, ist das eigentlich egal. 

Frank Liehr: Egal wo? 

Walter: Ja! 

Das Telefon klingelt wieder, es meldet sich eine Zuschauein aus Kirchheim an der Weinstraße. 

Zuschauerin: Der Herr Sittler kennt bestimmt die Gegend? 

Walter: Ja, allerdings... 

Frank Liehr: Woher? 

Zuschauerin: Das ist in der Nähe von Mannheim. 

Walter: Aus der Zeit in Mannheim, genau. Vom Weintrinken hauptsächlich. 

Zuschauerin:  Ich habe eine Frage und zwar: Mein Mann und ich sind zwar schon Großeltern, aber wir hören mit Begeisterung ihre Kindersendung... 

Walter: "Pinguin"? 

Zuschauerin: ...im SWR 1 "Pinguin". Kann man diese Sendung ... kann man diese Geschichten aufgezeichnet bekommen? In welcher Form oder gegebenenfalls wo? 

Walter: Also ich weiß... 

Frank Liehr: Kleinen Moment (und beginnt Walter was ins Ohr zu flüstern, beide lachen) 

Walter: Also, erstens ... ich beantworte die Frage mal so: Ich weiß, dass es Kassetten geben sollte. Man muss an den SWR schreiben  in Stuttgart, fragen, ob’s die gibt.  Aber für Ihre Enkelkinder haben wir noch was hier. Das ist das letzte Exemplar, was ich dabei habe. Sie bekommen von mir das Video, was meine Frau und ich hergestellt haben: "Der überaus starke Willibald" für Kinder ... das ist freigegeben ohne Altersbeschränkung. Es steht zwar "ab 6 Jahren" drauf, das lag aber daran, dass wir den Druck gemacht haben, bevor ich die Genehmigung von der FWS hatte. Aber jetzt ist es freigegeben ohne Altersbeschränkung. Und die CD kriegen sie auch... Und das Übrige  ... müssen Sie schauen, ob Sie’s beim SWR bekommen können. Ich selbst hab keine Aufnahmen davon, leider.  Hier ab 4 - Bild 15
 
Die Zuschauerin wird verabschiedet. 

Frank Liehr: Mariele Millowitsch, der Vater - da waren wir vorhin stehen geblieben. Ist das auch so, dass der Willy sich das anguckt, was die Tochter  macht und wenn dann auch noch Protagonisten mit dabei sind, die mit in diesem Stück arbeiten, dass er sagt "Gott, was habt ihr denn da wieder gemacht?"? 

Walter: Kann sein, dass er das sagt, aber nicht mir gegenüber. 

Frank Liehr: Nein? 

Walter: Nein, dazu ist er zuviel Profi. 


Frank Liehr: Das ist richtig Protokoll dann bei ihm ... Hofhalten? 

Walter: Ja, das ist Hofhalten. Und mit seiner Tochter ist er ja sehr kritisch, natürlich. Und als dann der Grimme-Preis kam, dieses Jahr für "Nikola", hatte sie ihm das auch nicht gesagt vorher, sondern erst als es war. Hat sie gesagt "Papa, wir haben für "Nikola" den Grimme Preis bekommen" und da war ... ich saß neben ihr im Auto, als sie telefonierte mit ihm ... da war Stille. Das passiert beim Millowitsch ganz selten. 

Beide lachen. 

Frank Liehr:
Machen Sie mal ‘ne Bewegung aus Ihrem Berufsleben. Gibt’s eine? 

Walter:
Eine Bewegung aus meinem Berufsleben? Also, es gibt das hier (streicht sich übers Haar) das hier ist das eine, das ist Dr. Schmidt. Das hier (siehe Bild) ist immer schön und wird immer gerne genommen in klassischen Stücken .... 
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Es folgen zwei Filmbeiträge, der erste übers "Sauerkraut Stampfen" (kein Scherz!!, Anm.d.W.) und ein zweiter über eine  "Untersuchung/Umfrage", die zum Ergebnis hat, dass die Franzosen die besten Liebhaber sind und die Deutschen leider nur Mittelmaß.

Frank Liehr: Tja, stellt sich natürlich sofort die Frage: Walter Sittler auch Mittelmaß? 

Walter: Jaaaaa (lacht)... ich weiß nicht. 

Frank Liehr: Es ist erschütternd. Wir sollten was tun. Fahren Sie nachher nach Hause? 

Walter: Morgen. 

Frank Liehr: Ach so, na gut, dann müssen wir uns das noch ein bißchen aufheben. 

Walter: Wir können ja mal heute abend beim Bier drüber reden. 

Frank Liehr: Gut. 

Das Telefon klingelt und die Zuschauerin wird begrüßt. 

Zuschauerin: Ich habe als neugierige Lehrerin mal eine Frage an den symphatischen Schauspieler Walter Sittler , Hallo! 

Walter: Hallo. 

Zuschauerin: Und zwar: Wie lange hat das gedauert mit den Kindern das Musical einzustudieren und wie viele Kinder haben mitgewirkt? Das würde mich sehr interessieren. 

Walter: Meine Frau hat ja die Choreographie gemacht von dem Musical und sie hat 15 Kinder, die hat sie schon einige Jahre und mit dem Musical angefangen im September und im Juni nächsten Jahres war Premiere. 

Frank Liehr: Und warum Putbus auf Rügen? 

Walter: Ja das ist ... weil der ‚Mäuse-Phillip‘, der mitspielt, dessen Vater leitet das Rossini Festival, damals, in Rügen und hat das Musical gesehen in Ludwigsburg und hat gesagt "ich lade Euch nach Rügen ein, da könnt ihr es eine Woche lang spielen." Und deshalb kam diese Einladung zustande und es ist vier Mal gespielt worden und da haben wir eben die Aufnahmen gemacht, daher kam das. 

Zuschauerin: Also das ist ganz toll. Finde ich schön für die Kinder, so ein Musical zusammenzustellen und eben wie Sie das zusammengestellt haben mit Ihrer Frau, das ist toll. 

Walter: Es ist auch so, dass die Kinder sich sehr entwickeln während sie spielen und tanzen, während sie das lernen. 

Zuschauerin: Ich weiß wie begeistert die Kinder sind, man kann die sehr begeistern. 

Die Zuschauerin wird verabschiedet. 

Frank Liehr: Da wir gerade beim Theater waren: Blackout schon mal gehabt? Oder irgendwas passiert? Abgestürzt? Ganz kurz... 

Walter: Ja ... (überlegt kurz) Ja! (und lacht). Das war noch bevor ich Geld verdient habe mit dem Theater. Meine erste große Rolle, da war ich 14. Wir spielten ein Ritter -Schauer - Drama, "Blut und Liebe" hieß das ganze Ding, sehr schön. Ich spielte den Ritter und da gab’s eine Szene: Er küßt die Prinzessin.  Nun hatte ich damals - ich bin einfach sehr langsam - ich hatte noch kein Mädchen geküsst, nicht an der Hand gehabt, nichts und dachte "Na Gott sei Dank, dann passiert’s jetzt, wunderbar". Die Prinzessin war Yvonne Davidovsky, eine Blonde mit Busen und Hintern und allem und sehr umschwärmt von den größeren Jungs und ich dachte "na gut, jetzt darf ich wenigstens mal".  Hier ab 4 - Bild 17
Und die Szene kommt, ich, natürlich völlig cool, sag "da geh‘ ich hin, das mach‘ ich!", geh zu ihr hin ... ich erinnere mich, ich hab sie wohl an den Schultern gefasst ... danach weiß ich nichts mehr. Der Film geht erst wieder los, wie ich mit so ‘ner "Bombe" da stehe, die Klasse lacht und Yvonne schaut mich an wie ein Pferd. Und das Ergebnis war ... Ich hab sie nie wieder geküsst. Tja, so war das. 
Frank Liehr: So kann’s gehen. 

Walter: Ja! 

Frank Liehr: Schnellfrage - Runde: Wovor fürchten Sie sich? 

Walter: Dass meiner Familie was passiert. 

Frank Liehr: Wem würden Sie auf keinem Fall in der Sauna begegnen wollen?  

Walter: (überlegt) Helmut. 

Frank Liehr: Welchem Menschen würden Sie blind vertrauen? 

Walter: Meiner Frau! 

Frank Liehr: Was bringt Sie in Rage? 

Walter: Zeitverschwendung. 

Frank Liehr: Wofür würden Sie kein Geld ausgeben? 

Walter: Zigaretten. 

Frank Liehr: Was würden Sie Ihren Freunden nicht verzeihen? 

Walter: Wenn sie mich belügen, also wenn sie mich beschwindeln. 

Frank Liehr: Worin geben Sie Ihren Kritikern Recht? 

Walter: Dass ich mit mir selber ungeduldig bin, manchmal. 

Frank Liehr: Was ist Ihr Lieblingsgeräusch? 

Walter: Blues. 

Frank Liehr: Was hätten Sie gemacht, wenn Sie heute nicht bei "Hier ab 4" gewesen wären? 

Walter: Ich wäre mit meiner Tochter in die Stadt gegangen zum Haare schneiden. 

Frank Liehr: Ist das nötig? (Walter lächelt) Nee, brauchen  Sie nicht beantworten.... 

Walter: Sie möchte gern, dass man dabei ist.  
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Hier ab 4 - Bild 19 Frank Liehr: Ich darf mich bedanken, Walter Sittler (überreicht Walter Blumen), drücke die Daumen, dass "Nikola" den "Goldenen Löwen" bekommt, drücke natürlich auch allen anderen ganz lieb und nett die Daumen. Und viele Grüße an Ihrer Frau und denken Sie dran: Wir geben uns Mühe, damit wir kein Mittelmaß sind. 

Walter: Ja, wir geben uns Mühe! Danke, es war sehr schön hier. Vielen Dank. Tschüß.  
 
© 1998 MDR