| Riverboat (MDR, 19.11.06) |
| [Anm.d.W.: Vor dem Interview gibt es einen kurzen Film über Walter, mit Infos die alle regelmäßigen BesucherInnen dieser Fanpage aber schon kennen, deswegen spare ich mir das hier...] |
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J. Hofer: Herr Sittler, ich habe gerade gelernt: Hollywoodstars
sind klein und mickrig, deutsche Stars sind groß und gestande 1,97.
Ich habe gerade in einem TV-Magazin gelesen, dass Sie gesagt haben, manchmal
ist es ganz gut, Schauspieler an der kurzen Leine zu führen. Was
haben Sie damit gemeint? |
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J. Hofer: Lassen Sie sich leicht führen oder
ist dann immer noch so ein bisschen Widerstand da?
Walter: Das kommt darauf an, wie wir uns verstehen.
Also, man hat natürlich auch Leute mit denen man sich nicht versteht,
da muss man schauen, wie man da heil raus kommt. |
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H. Feuerstein: Nein, ich bin kein Schauspieler. Ich bin ja stolz genug, dass ich mit ihm auf gleicher Höhe sitzen kann. Wir haben gerade festgestellt, er ist ein Sitzzwerg und ich bin ein Sitzriese. Wir können mal aufstehen, um das einfach klarzustellen. Ganz kurz, ne? H. Feuerstein: Setzen wir uns wieder hin. Und jetzt sind wir wieder gleich groß, ne? |
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J. Hofer: Ich glaube, da gibt es ein amerikanischen Vorbild, Pat
und Patachon heißt das oder so. Aber ihr hab doch zusammen mal gespielt,
oder nicht? |
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J. Hofer: Sie [Walter] haben mit ihr ja lange zusammen gespielt.
Walter: Ja, Mariele ist ganz entscheidend gewesen. Also, bei "girl friends" war es das Glück, dass ich überhaupt die Rolle bekam und dass wir uns so gut verstanden. Und dann hat Mariele die "Nikola"-Serie bekommen, die nun wirklich das Gegenteil ist von den "girl friends" und sie hat mich da rein gebracht. Sie kannte mich schon und hat mich auf der Bühne gesehen und wusste, dass das mit der Komödie ganz gut funktionieren würde. Und sie hat damals dem Produzenten gesagt: "Entweder ihr nehmt den, oder ich spiel's nicht!" |
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J. Hofer: Sie haben ja relativ spät mit Fernsehen
angefangen.
Walter: Ich hab mit allem sehr spät angefangen, ich bin
irgendwie... langsam. |
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Walter: Ich hab gar nicht darüber nachgedacht, sondern ich
war fest engagiert in Mannheim und in Stuttgart und das ist die Heimat,
da hab ich gespielt, das war meine Arbeit. Und ich dachte: "Fernsehen,
Film das ist schön, aber ich bin doch hier". Und dann kam ein
kleines Angebot vom SWR und dann hab ich beim ersten Tatort von Ulrike
Folkerts mitgespielt
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| Walter: Die Bühne ist die Heimat. Und ich gehe
jetzt im Dezember wieder nach Hause. Also ich trete auf in einem Kästner-Programm
und wir sind leider nicht [hier] in Leipzig, aber wir sind in der gläsernen
Manufaktur in Dresden, wir sind in Jena, wir sind in Schwerin. Also ein
Drittel der Aufführungen finden in den neuen Bundesländern statt. J. Hofer: Kästner und Dresden haben eine enge Verbindung. Spiegelt sich das wider in Ihrem Programm? Walter: Ja klar. Also wir sind zu siebt: sechs Musiker und ich. Und ich erzähle Teile aus seiner Autobiografie "Als ich ein kleiner Junge war" und da spielt Dresden ja eine sehr große Rolle. Und man wird das auch sehen. Es ist auf eine sehr schöne und emotionale und sehr reiche Art beschrieben, in der distanzierten Art, wie er ist und dennoch warm. Es ist ein unglaublich guter Autor. |
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J. Hofer: Im Augenblick kann man Sie bei den Kollegen vom Prekariatsfernsehen
sehen, bei SAT1. und zwar in einer Sendung, "Ein Fall für den
Fuchs" heißt das. Es ist eine Robin-Hood-Geschichte. |
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J. Hofer: Ist das auch ein bisschen Lebensmotto
von Ihnen?
Walter: Lebensmotto ist schon, dass man denen hilft, denen es nicht so gut geht, ja. Das find ich einfach wichtig, weil wir alle, die wir hier privilegiert sind - wir sind ja nicht privilegiert, weil wir so toll sind, wir haben auch Glück gehabt - den anderen zu helfen haben, die nicht das Glück haben. Das ist meine Meinung, das machen Sie [Maja von Hohenzollern] ja auch. Das find ich großartig. J. Hofer: Müssen Stars eine Vorbildfunktion haben, Vicky? Vicky Leandros: Vorbildfunktion ist für jeden unterschiedlich, aber es ist selbstverständlich, dass wir, die in der Öffentlichkeit stehen, vielleicht auch natürlich besser und leichter helfen können. Und das versuch ich auch, das ist auch ein Teil meines Lebens. |
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Walter: Ja man hat auch eine Vorbildfunktion, das find ich schon.
Also wenn wir Sendungen haben, die schauen vier oder fünf Millionen,
wenn man Glück hat sieben Millionen Leute und dann wird auch das
Leben noch betrachtet, dann kann man nicht sagen: "Das geht mich
nichts an, was von mir draußen steht." Das geht nicht und ich
finde, diejenigen, die im Zentrum stehen, die das Glück haben, könnten
ein bisschen spaßigere Verantwortung wahrnehmen. Ich mach das gern,
mir macht das Spaß. |
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Walter: Wir waren hauptsächlich im mittleren Westen und im
Westen des Staates New York. Aber wir sind immer viel umgezogen. Dass
ich jetzt so lange an einem Ort wohne, das ist völlig ungewöhnlich
für mich. Ich scharre auch dauernd mit den Hufen. |
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J. Hofer: Sie haben mal gesagt, für mich war
ein bleibendes Erlebnis die Überfahrt damals von New York nach Deutschland,
ich glaub nach Bremerhaven.
Walter: Ja, das war 1959. Ich war sechseinhalb und mit sechs meiner Geschwister unterwegs. Der siebte war nicht dabei, der war in der amerikanischen Armee. Und dann fährt man sieben Tage auf diesem riesigen Schiff. Also es ist wahrscheinlich gar nicht so groß, aber in der Erinnerung ist es gigantisch und dann durften wir einmal in den Raum gehen, wo diese Überseekoffer drin waren, das war wie der Kölner Dom, so groß. In Wirklichkeit war's wahrscheinlich ganz klein, aber ich war so klein. Und das Meer die ganze Zeit. Und wir durften da an so Penny-Automaten spielen und es war sehr schön. Ich erinnere mich an meine Geschwister komischerweise gar nicht, ich weiß gar nicht wo die waren, die ganze Zeit. |
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J. Hofer: Die ganzen Groschen bzw. Cents verspielt? |
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Walter: Ja, so kleine Cents. Viel Geld hatten wir ja nicht,
unsere Familie hatte nie viel Geld, aber wir waren viele und das ist der
Reichtum, den wir haben. |
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Walter: Ja, und dann sind wir umgestiegen in die alten deutschen Züge, wo man die Türen so aufmacht und die Sitze so runterklappen konnte, da sind wir von Bremerhaven nach Bad Feilenbach gefahren, weil dort eine Freundin unserer Familie war. Und die hat uns - sieben Kinder (!) - bei sich aufgenommen. Ich war der Jüngste, mein ältester Bruder, der war damals in der Armee, der andere war - wenn ich sechs war, war der 16 - also die waren nicht so klein. |
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J. Hofer: Wenn man mit acht Kindern groß
geworden ist und Sie waren der Jüngste, ist es das dann das Los,
dass man die Klamotten von den Großen auftragen muss?
Walter: Ich bin relativ schnell größer geworden als
die anderen, dann ging das nicht. (er lacht) |
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R. Cappelluti: Haben Sie nie davon geträumt, Einzelkind zu
sein? |
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R. Cappelluti:
der Längste. Hat das Vorteile gehabt
bei Mädchen oder so was oder dass man früher ins Kino reinkommt,
in Filme oder so? Walter: Aber ich bin ja Sitzzwerg, wie wir festgestellt haben,
also ist das kein Problem. Nee, an so etwas kann ich mich nicht erinnern. |
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R. Cappelluti: Ich beobachte jetzt schon die ganze Zeit Ihren
Krawattenknoten und was der zu sagen hat. Hat dieser Krawattenknoten was
Konkretes zu sagen, den Sie da haben? |
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R. Cappelluti: Sie waren doch insgesamt auf acht
Schulen und auf drei Internaten. Wie kam das, dass Sie so viele Schulen
besucht haben?
Walter: Das kam daher, dass wir immer schon sehr viel umgezogen
sind. Einmal habe ich die Schule gewechselt, weil ich sonst durchgefallen
wäre. Das war in Traunstein, das war für mich die ganz falsche
Schule. Ich hatte in Englisch zB. 'ne 6 und in der nächsten Schule
hatte ich bei einem Engländer Unterricht und hatte 'ne 1, also
es war irgendwie ganz schwierig. Und wir sind viel umgezogen und deswegen
kam dieser Schulwechsel zustande. |
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R. Cappelluti: Das gilt jetzt so ein bisschen als Elite-Internat.
Also, da gibt's doch diese Geschichten, von der Schweigeminute morgens,
Morgenlauf, Schuluniform
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Walter: Ja, ja. Und es ist eine sehr gute Schule gewesen, fachlich
vor allem, weil dort sehr gute Lehrer waren. Es waren viele außerschulische
Aktivitäten, es gab einen Sozialdienst, es gab 'ne Feuerwehr, es
gab eine sehr gute Sportabteilung. Und die hatten etwas, was - nicht in
Salem, aber überhaupt - ein bisschen verloren geht: dass die älteren
Schüler für die jüngeren mitverantwortlich waren. Man lernt
da, dass man selber als Teil der Gemeinschaft auch Verantwortung hat,
und das hat mir sehr gut gefallen. Und es war nie so mühsame Verantwortung,
sondern es war ganz selbstverständlich, dass man das machte und wie
ich vorhin schon meinte, das ist das, was momentan verloren geht. |
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Walter: Nicht so schön wie in der Familie. |
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R. Cappelluti: Wie kommt's, dass Sie so ein Spätzünder
sind?
Walter: (fragend zu Feuerstein): Was meinst du? H. Feuerstein: Nicht mich anschauen. R. Cappelluti: Weil Sie auf Herrn Feuerstein gewartet haben? Walter: Nein, wahrscheinlich weil ich so viele ältere Geschwister hatte, die schon wussten, was sie taten. Oder ich glaubte zumindest, dass sie es wussten, so dass ich immer geguckt hab, was die machen. Und hab nie geguckt, was mach ich eigentlich und dann kam das sehr spät. Und mit meiner Frau war das so, ich hab sie halt so spät kennen gelernt. |
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R. Cappelluti: Worauf Sie so richtig stolz sind, ist, dass Sie
noch niemals den Hochzeitstag vergessen haben. Ist das richtig? |
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Walter: Wenn wir zusammen sind schon. Manchmal bin ich am Arbeiten
und dann geht das über die Ferne, aber das kann man ja auch. Walter: 29. Mai. |
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