DAS!
(NDR, 13.11.07)
 
Sandra Maahn: Hallo und herzlich willkommen bei DAS! Auf unserem Sofa hat heute ein Mann Platz genommen, dem besonders die Damen-Herzen zufliegen UND die der Juroren, denn für seine Leistung vor der Kamera gab's bereits den Grimme- und den Fernsehpreis.

Off: Normalerweise sieht so das Happy- End aus: [Ausschnitt "Das Herz des Priesters"] doch bei Walter Sittler fängt es mit einem Kuss an - die Frauen lieben ihn dafür. Vom Theater kam er, im Fernsehen wurde er zum Publikumsliebling, jetzt spielt er sein erstes Solostück auf der Bühne. Der jüngste Spross von acht Kindern hat zwar für alles immer lang' gebraucht, doch wenn er loslegt, dann läuft es rund. Als Vater von drei Kindern macht er immer eine gute Figur. Walter Sittler im Frack - oder auch nackt. Voila…

 

S. Maahn: Ja, herzlich willkommen Walter Sittler, schön dass Sie da sind. Es sind gerade die Frauen, die Ihre größten Fans sind. Wie lebt es sich denn so als Frauenschwarm?

Walter: Sehr gut! Weil die sehr treu sind, sie kommen immer wieder und sind sehr freundlich…und ein sehr warmes Publikum.

S. Maahn: Männer sollen sehr schnell eifersüchtig werden, wenn sie feststellen, dass ein anderer Mann bei den Damen angesagter ist als man selber. Was erleben Sie denn so…?

Walter:…bei meinen Kollegen?

S. Maahn: Ja.

Walter Sittler

Walter: Es ist so, ich bin ja nun auch nicht mehr 22. Wenn man so 22 / 23 ist, glaube ich passiert das mehr, aber wenn man in meinem Alter ist spielt das keine Rolle mehr.

S. Maahn: Wirklich nicht? Keine Kollegen, die zwischendurch mal irgendwie beleidigt sind, weil die Damen erstmal auf Sie zuströmen?

Walter: Ich glaube eher, wenn man Rollen bekommt, die sie auch gern gehabt hätten. Aber darüber denke ich nicht nach.

S. Maahn: Wie findet Ihre Frau das denn? Sie sind, glaube ich, seit 22 Jahren verheiratet…

 


Walter Sittler

Walter: Ja, also seit kurzem sozusagen, verheiratet und...

S. Maahn: ...gerade eben erst. Frisch verheiratet.

Walter: Wir haben auch drei Kinder und wir machen neben dem Leben, was wir zusammen haben, wir auch Projekte zusammen. Und für mich ist ganz klar: die Sigrid ist es und daran gibt es auch keinen Zweifel.

S. Maahn: Aber trotzdem muss man sich wahrscheinlich als Frau erst mal daran gewöhnen, dass der eigene Mann auch von anderen Damen begeistert aufgenommen wird.


Walter: Ja, das konnte sie aber ganz gut, glaube ich. Denn sie kennt es ja aus dem Theater. Da war man auch in der Öffentlichkeit, aber nicht so. Da ist die Verabredung eine andere. Da ist man nicht so nah an den Herzen der Damen dran. Das kam dann natürlich mit "girl friends". Und ihr geht's glaube ich ganz gut damit. Sie müssen sie mal fragen.

S. Maahn: Das machen wir beim nächsten Mal. [....] Walter Sittler, viele Schauspieler haben ihre Karriere am Theater begonnen, aber nur wenige gehen, wenn sie im Fernsehen erfolgreich waren, auch ans Theater zurück. Sie sind im Moment auf Tournee mit dem Kästner-Stück "Als ich ein kleiner Junge war". Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie man aus diesem Text ein Bühnenstück macht.


Walter: Das habe ich mir auch schwer vorstellen können. Aber Martin Mühleis, der
das macht haben und ich haben es erstmal zusammengestrichen auf eine Länge, die vorlesbar war. Wir haben es dann als Lesung gemacht mit Musik. Und das funktionierte so gut, dass der Martin sagte: "Komm, wir machen da einen Abend draus." Und ich hab gesagt: ""ber das ist doch eigentlich eine Autobiographie, dass kann man doch gar nicht", und er sagt: "Egal, das funktioniert." Und ich hatte so wahnsinnig viel zu tun damals, dass ich mich nicht wehren konnte, sagen wir so. Und ich habe gesagt: "Ich mach das."
Und dann hatte das letztes Jahr in Stuttgart Premiere und auch in Dresden und es lief so gut, dass er sagte: "Komm, wir machen 'ne Tournee durch die großen Städte." Also in Berlin waren wir jetzt, jetzt kommen wir auch nach Hamburg und Frankfurt. Und wo immer wir hinkommen, funktioniert es sehr, sehr gut. Obwohl man nicht sagen kann, was es ist, weil ich lese nicht vor, sondern ich erzähle. Aber es ist kein Bühnentext und trotzdem funktioniert es. Und dann haben wir Musik dabei…

Walter Sittler

S. Maahn: Und Sie sind sozusagen alleine auf der Bühne mit sechs Musikern…

Walter:…mit sechs Musikern, ja. Und die Musik ist komponiert worden für uns und sozusagen sein Leben wird von mir dem Publikum erzählt. Ich tue so als wäre ich er, obwohl wir nicht so wahnsinnig viel Ähnlichkeit haben, er war ja ganz klein. Und das macht unglaublich viel Spaß.

S. Maahn: Das ist ja nun eine relativ neue und ungewöhnliche Rolle für Sie. Wir haben mal auf der Straße rumgefragt in was für Rollen sich denn die Hamburger Sie auch so vorstellen können…

Einspieler mit verschiedenen Meinungen:
Er sieht so aus, als wenn er 'ne Menge könnte. - auf jeden Fall eine sympathische Rolle - Keinen Verbrecher oder so was. Dafür hat er nicht das Gesicht. - Irgendwas Fröhliches oder Nachdenkliches. - Zum Beispiel nen Geschäftmann, Manager. - Morden wird er nicht! - Walter Sittler. - Der kommt heute Abend aufs rote Sofa - Den habe ich letztens irgendwo…sehr sympathisch - Das ist ein ganz toller Typ. Nicht mehr für meine Altersgruppe, aber der Geschmack ist ja nicht vergessen.

Walter: Das ist ja süß!

S. Maahn: Würden Sie das Rollenprofil, dass da so aufgestellt wurde, so unterschreiben?

Walter: Das ist das, was im Fernsehen so für mich bereitsteht. Wenn man dann in den Film - Bereich geht, kann man wieder andere Sachen machen. Aber das [Profil] ist nicht so schmal. Es sieht schmal aus, aber wenn ich mir vorstelle oder anschaue, was ich gemacht hab mit der Mariele: Dr. Schmidt - Ronaldo Schäfer, also weiter auseinander geht's kaum.


Walter Sittler

S. Maahn: Aber der richtig echte Bösewicht war glaube ich wirklich nie dabei, oder?

Walter: Nee, also einmal…einer…

S. Maahn: Haben Sie mal so einen richtig fiesen Typen gespielt?

Walter: Einmal bei RTL: "Das schmutzige Geschäfte mit der Lust", da wurde ich dann umgebracht, am Ende von der Kommissarin. Von Barbara Rudnik, die sehr gut ist übrigens. Also, eine tolle Frau. Aber sonst ist das nicht das Fach, wo ich eingesetzt werde. Wie der eine auch schon sagte, "er hat dafür nicht das Gesicht." Wobei es im richtigen Leben Verbrecher gibt, die sehen auch so aus.


S. Maahn: Kommen wir noch mal zurück auf Kästner. Sie haben vor kurzem in einem Interview gesagt, dass diese Inszenierung auch für Sie selber ein ganz großes Ereignis wäre. Inwiefern?

Walter: Ich habe Theater immer so verstanden, dass man zu zweit, zu dritt oder zu mehreren spielt und ich habe die bewundert, die Monologe gemacht haben. Und dann wurde es an mich herangetragen, alleine 1,5 Stunden zu reden und da habe ich gedacht: "Das hab ich noch nie gemacht…wie soll denn das gehen?" Und durch diese Zeit, in der ich weg war vom Theater und das viele Spielen im Fernsehen, hatte ich irgendwie Lust darauf. Aber es funktioniert.

S. Maahn: Hatten Sie ein bisschen Angst davor?

Walter: Ja klar! Lampenfieber…wahnsinnig! Man steht da und denkt: "Herrgott, ich sag den Leuten, Ihr kriegt alle Champagner, aber der Abend findet nicht statt und wir trinken einfach, ja?' "Aber wenn's dann losgegangen ist und man weiß, was man tut und die Reaktionen sind da ist es toll. Und dieser Text ist so unglaublich schön, weil der ist so reich und klug und voller Empathie, um dieses altmodische Wort mal zu verwenden.


S. Maahn: Am Samstag ist Premiere in Hamburg. Walter Sittler, demnächst sehen wir Sie in ähnlich kalter Atmosphäre, wobei es ist nicht so kalt, nämlich in schwedischen Kriminalromanen im ZDF. "Der Kommissar und das Meer" Verfilmung von sehr erfolgreichen schwedischen Romanen. Sind Sie jetzt schon ein echter Schweden-Kenner?

Walter: Ich kenne Gotland ein bisschen und ich kenne Schweden ein bisschen, weil unsere Tochter Lea ein Jahr in Stockholm auf der Schule war und wenn man dann zwei Monate da oben rum läuft kriegt man die Atmosphäre gut mit. Und das ist ein sehr interessantes und etwas langsameres Land als unseres und das hat mir sehr gut gefallen, muss ich sagen.

S. Maahn: Aber Sie haben im Sommer die Zeit da verbringen dürfen, nicht jetzt im Winter, oder?

Walter Sittler

Walter: Im Sommer, denn man will natürlich Licht auf'm Fernsehschirm haben und nicht Dunkelheit und die Filme sind auch so, dass die Sommerzeit eine Rolle spielt. Dass das Licht einfach nicht weggeht und wenn Sie da mal waren und dieses lange Licht haben, vergessen Sie die Uhrzeit. Sie wissen nicht mehr, ist es jetzt morgens oder abends und wieso steht die Sonne falsch, denn die Sonne geht dann so im Kreis. Die geht nicht einfach auf und unter, wie bei uns, die geht hier auf und dann geht sie dahin und dann denkst Du: "Es ist doch irgendwie Mitternacht" und dann geht sie da unter…das war sehr schön.

S. Maahn: Aber es gibt Menschen, die das, glaub ich, auch ziemlich krank macht, die mit dieser Dunkelheit ganz schwer umgehen können.

Walter: Das Problem ist nicht so sehr das Licht, sondern ich glaube die Dunkelheit, die dann kommt. Denn das Licht im Sommer wird aufgewogen von der Dunkelheit im Winter und ich weiß nicht, ob ich das wollen würde.

S. Maahn: Sie spielen den Kommissar Anders und wir haben aus dem, den wir am 21. Dezember sehen können, einen kurzen Ausschnitt, den schauen wir uns zusammen an.


Walter Sittler

Es folgt ein Ausschnitt aus "Der Kommissar und das Meer"

S. Maahn: Was mögen Sie an dem Kommissar Anders?

Walter: Ich mag, dass er nicht ein vordergründig harter Hund ist und empfindungslos geworden ist. Er ist aber auch kein Weichei, der dann, wenn er irgendwas Schlimmes sieht zusammenklappt. Sondern er kann alles anschauen und viele Seiten gut betrachten und redet auch nicht so viel und versucht auch in denen, die die Taten begangen haben - für die ist es ja auch schlimm genug, für alle ist es schlimm - trotzdem noch den Menschen zu sehen. Das ist wichtig. Das ist Teil unserer Gesellschaft. Es ist schwer manchmal und es fällt ihm auch nicht immer leicht, denn die Sachen, die da passieren, sind relativ massiv.


S. Maahn: Nun sind Sie eigentlich ein Mensch mit einem sehr großen komödiantischen Talent und der Kommissar Anders ist so eine ganz andere Rolle. Der redet relativ wenig, hat was sehr Melancholisches. Ist das auch die Herausforderung an der Rolle, das jetzt mal zu dürfen?

Walter: Einerseits das und das andere war jenseits der Tatort-Kommissare, die auch sehr toll sind, einen Kommissar angeboten zu bekommen, das ist schon sehr besonders. Und das kriegt man in der Karriere nicht so oft. Und Schweden, auch mit schwedischen Darstellern, also das ist ein gemischtes Ensemble, und die Art, wie auch die Familie gebaut ist - das ist ja eine funktionierende Familie, die er hat, ohne das es so kitschige heile Welt ist, das hat mir einfach sehr gut gefallen. Und ich wollte mal probieren, ob das mit der Melancholie, die ich überhaupt grundsätzlich wichtig finde - die ist auch für die Komödie wichtig, sonst funktioniert es nicht -funktioniert, ohne das es so tonnenschwer wird. Das soll's nämlich auch nicht. Ist es auch nicht.

S. Maahn: [....] Wir bleiben gleich in Schweden. Walter Sittler, Sie haben wahrscheinlich von Astrid Lindgren insgesamt dreimal jedes Buch gelesen, wenn nicht viermal. Für jedes Kind einmal und dann noch mal selbst…


Walter: Ja, das war dann so: der Älteste konnte zum Teil die Bücher schon auswendig, weil er sie so oft gehört hat.

S. Maahn: Und man konnte sie auch nicht kürzen, weil die Kinder sofort wussten, was fehlt…

Walter: Oder wenn man müde war und eingeschlafen ist, dann schubsten sie und sagten den nächsten Satz schon.

S. Maahn: Wer war denn Ihre Lieblingsfigur?

Walter: Das ist schwer zu sagen. Also Pippi war schon sehr schön, Karlsson... also es gab mehrere. Michel aus Lönneberga fand ich auch sehr schön.

Walter Sittler

S. Maahn: Darauf hätte ich jetzt getippt…

Walter: Ja, Michel aus Lönneberga.

S. Maahn: Sie haben für die ZDF-Serie "Der Kommissar und das Mehr" mit Pippi Langstrumpf sozusagen zusammengedreht.

Walter: Ja.

S. Maahn: Wir haben ein Foto von Ihnen, nämlich mit Inger Nilsson, die die Pippi Langstrumpf damals gespielt hat. Sie spielt eine Gerichtsmedizinerin. Wie war das denn jetzt mit ihr zusammen zu spielen?

Walter: Ich kannte sie natürlich als Mädchen vom Film und man erkennt sie sofort wieder. Die Augen sind dieselben, die Sprunghaftigkeit, die Schnelligkeit, dieses ganz Wache: "Was machst du? Wo bist du? Wie machen wir das jetzt? Ah ich geh' hier rüber und du machst das..." Das war sehr schön! Eine sehr gute Kollegin. Ganz toll!

S. Maahn: Die Romane gibt es auch als Hörbuch, die Sie auch selber gelesen haben. Den ersten auf jeden Fall.

Walter: Also es gibt nur einen.

S. Maahn: Vielleicht folgen ja weitere. Für alle, die sozusagen entweder am 21. verpassen, oder noch mal genau nachhören wollen, was da passiert. Das ist der erste Fall, 21. Dezember, 21.15 Uhr im ZDF.

Walter: Und der zweite dann am 28.


Walter Sittler

S. Maahn: Nach Weihnachten. Walter Sittler, Sie leben in Stuttgart. Das ist ja so für die Norddeutschen eine Stadt, die ganz schön weit weg ist. Wieso gerade Stuttgart?

Walter: Ich wurde damals 1988 ans Theater dort engagiert von Mannheim aus und dort sind dann die drei Kinder in den Kindergarten gegangen, in die Schule gegangen. Und als es dann mit dem Theater vorbei war und mit dem Fernsehen losging, hatten die ihre Freunde da, meine Frau hatte ihre Arbeit da und dann haben die gesagt: "Du fährst jetzt sowieso immer weg, also können wir doch bleiben, wo wir wollen." Und dann sind wir da geblieben und da sind wir heute noch.

S. Maahn: Mit dem Thema "Wegfahren" hat das Buch zu tun, das Sie geschrieben haben. "Malin", ein Kinderbuch, wie kam es dazu?


Walter: Das sind Briefe, die ich meinen Kindern geschrieben habe, während der ersten Theater-Tournee. Die waren damals so klein und ich wollte so gerne zu Hause bleiben, musste aber Theater spielen, ich musste ja Geld verdienen. Dann habe ich mir gedacht, ich schreibe ihnen einfach Briefe und da die so klein waren, kann man denen nicht irgendwas über den Münster Dom erzählen, das ist ja langweilig. Und da habe ich eine Figur erfunden, die mich begleitet und diese Figur geht durch alle Briefe durch und ist am Ende dann auch weg. Denn ich konnte ihn ja nicht mit heimbringen, das geht ja nicht.

S. Maahn: Und haben Sie das Buch geschrieben, weil Ihre Sehnsucht nach den Kindern so groß war oder weil die Kinder unbedingt regelmäßig was vom Papa hören mussten?

Walter: Ich glaube, das war einerseits, damit sie von mir hören - damit ich sozusagen in ihren kleinen Kinderherzen vorhanden bleibe. Und zum anderen um die Sehnsucht nach den Kindern selber zu therapieren und daraus sind dann diese etwa 35 Briefe entstanden. Das war allerdings schon 1991. Also das ist schon eine ganze Weile her.


S. Maahn: Und warum sind sie dann jetzt veröffentlicht worden?

Walter: Ich wollte daraus ein Geschenk machen und der Verleger hat gesagt "Neeneenee nicht hier nur 100 Bücher, sondern wir machen eine richtige Auflage draus." Und ich habe gedacht, das interessiert aber doch niemanden und er sagte: "Doch, glaub' mir, die sind gut zum Vorlesen." Und ich hab's auch vorgelesen bekommen zum ersten Mal von meiner eigenen Tochter, das war sehr schön und da dachte ich "Oh doch - das geht."

S. Maahn: Ihre Kinder sind alle drei inzwischen erwachsen

Walter: Ja, die haben alle Führerschein, also erwachsen würde ich sagen.

S. Maahn: Ok, also wenn man Führerschein besitzt… Wie geht's denen mit dem Beruf des Vaters? Haben die dazu irgendwie eine wirkliche Nähe, eifern dem vielleicht sogar nach?

Walter Sittler

Walter: Also die Älteste, die Jenny, hat ja schon mal mit mir gespielt. Sie hat oft Theater gespielt und findet es sehr gut. Ich glaube, sie wird aber nicht auf der Bühne bleiben, sondern vor der Bühne, wenn es zum Theater geht. Im Moment macht sie was anderes, aber es kann sein. Und der Benedikt findet es ganz gut, glaube ich, aber will das überhaupt nicht machen. Alles hinter der Kamera oder vor der Bühne oder so, dass ja, aber bloß nicht auf der Bühne. Und die Lea liebt Bühne, aber sie liebt Musik und sie wird Musik machen. Also entweder Musik oder Mathematik/Physik, das ist noch nicht beschlossen. Aber ich glaube, es wird die Musik werden. Und dann wird sie auf die Bühne gehen und spielen.

S. Maahn: Die Fernsehnation hat zweimal in den letzten Jahren heftig weinen müssen, einmal zum Ende von "girl friends" und dann auch noch mal zum Ende von "Nikola". Warum haben Sie gemeinsam mit Mariele Millowitsch beschlossen, aufzuhören?


Walter Sittler

Walter: Wir hatten das Gefühl, dass der Zenith erreicht ist und dass die Beziehung der beiden so eng geworden war - wie sich ja auch herausstellte, dass sie ist - dass wir da einen runden Schluss machen konnten. Und wir wollten auch mit den Personen, die die ganzen neun Jahre dabei waren, also den Kinder und den Assistenzärzte gemeinsam aufhören. Wir hätten sonst einige davon verloren. Die wären weggegangen um andere Sachen zu machen und wir haben gesagt: "Ne, wir bringen das richtig ordentlich, gut geschrieben zu Ende und dann haben wir so einen kleinen goldenen Ball im Regal." und ich find' das heute noch so…

S. Maahn: Wir haben einen kleinen Einspieler vorbereitet, mit einem Ausschnitt aus "girl friends" und "Nikola", weil wir das alle so gern sehen.


S. Maahn: Wenn man so lange zusammen gespielt hat, wie Sie und Mariele Millowitsch und dann weiß, jetzt ist der letzte Drehtag und danach gibt es kein nächstes gemeinsames Projekt mehr: wie fühlt sich das an?

Walter: Erstmal hat man so ein bisschen Entzugserscheinungen, weil man sich an diese schöne Arbeit so gewöhnt hatte. Aber man ist auch froh, dass es gut zu Ende gegangen ist und man sagt "es muss ja nicht das letzte Mal gewesen sein". Es gibt ja noch andere Filme. Bisher hat's keine gegeben, aber wir sind gut befreundet und sagen jedes Mal, wenn was kommt, dann machen wir das auch. Und es kann gut sein, dass das kommt.

S. Maahn: Es gibt aber noch nichts Konkretes? (Walter zögert) Sie wollen nichts verraten…

Walter: Das sag ich jetzt nicht.

S. Maahn: Es gibt, glaube ich, relativ häufig diesen Faktor von Aberglaube. Hat das was mit Aberglaube zu tun, dass Sie noch nichts erzählen?

Walter: Ja. Einfach, weil es schon zu oft schief gegangen ist und man sagt: "Ich mach das und das und das" und dann heißt es: "Nee, man macht es doch nicht." Und dann mach ich das…und dann geht das auch schief. Deswegen nee, lieber den Ball flach halten.


S. Maahn: Wir hoffen, dass es dazu kommt. Wir verlassen und fest. [....] Walter Sittler soll 16 Krawattenknoten beherrschen und den ein oder anderen gucken wir uns jetzt mal an. Wo lernt man denn 16 verschiedene Knoten?! Und warum ?!

Walter: Wir haben ein Hörbuch gemacht über die Kunst des Krawattenknotenbindens und da waren die drin. Zwei englische Teilchenphysiker haben Formeln entwickelt und wenn man die einmal weiß, vergisst man die nie mehr.

S. Maahn: Walter Sittler, wer Sie wieder sehen will, sollte unbedingt am Freitag entweder nach Husum kommen, dort stehen Sie dann auf der Bühne, oder aber am Samstag/Sonntag nach Hamburg, oder am 12. Dezember in Stade. Dort immer mit "Als ich ein kleiner Junge war" von Kästner. Vielen, vielen Dank, dass Sie heute abend bei uns waren. Dankeschön.

Walter Sittler

© NDR 2007