| NDR Talk Show (N3, 21.09.07) |
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Steffen Hallaschka: Walter Sittler über die Rolle as Mustervater,
eine Seefahrer-Ehe und einen kleinen haarigen Freund... Gezeigt wird ein Ausschnitt aus "Der Mustervater 2 - Alleine
mit Opa" |
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Walter: Ja, das ist ja das Problem, was mit den alten Leuten passieren
soll, weil wir immer mehr werden. Also ich gehöre auch hoffentlich
irgendwann dazu. Und wenn man die [alten Leute] dann in eine Familie aufnimmt,
ergeben sich zwangsläufig Probleme, weil die sich einfach nicht so
benehmen, wie man gedacht hat, dass sie sich benehmen sollen. Und dann
wird es entweder komisch oder tragisch und das ist sehr nah beieinander. |
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Walter: Ja genau. |
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S. Hallaschka: Sie haben auch das beneidenswerte Glück, drei erwachsene Kinder zu haben. |
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Walter: Ja. |
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S. Hallaschka: Pflegeheime sind gerade in den letzten Wochen ein bisschen in Verruf und in die Diskussion gekommen. Andererseits ist zu Hause pflegen gar nicht leistbar für viele Familien. Halten Sie es trotzdem für eine Familienpflicht im Grunde? |
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Walter: Das kommt darauf an, wie die Familie beieinander
ist. Wenn man eine gut funktionierende Familienstruktur hat mit genügend
Menschen, die dann auch Zeit haben, dann geht das. Es ist ja meistens
nicht der Fall, dass man dringend pflegen muss, sondern man muss ein bisschen
versorgen, es muss jeden Tag jemand kommen. Und die Pflege von schwer
Pflegebedürftigen, die sich nicht mehr bewegen können, kann
eine Familie allein gar nicht leisten, das geht gar nicht. Es wäre
auch zu viel, das zu verlangen.
Aber in einer Gemeinschaft miteinander leben, das ginge, glaube ich, sehr viel mehr als wir uns das erlauben, denn wir haben uns in eine Kleinfamilienstruktur entwickelt, die das ausschließt. Die Wohnungen sind nicht geeignet, die Art wie man denkt, ist nicht geeignet und dann müsste man einiges ändern. Man müsste sehr viel lässiger werden, so wie Fatih sagt, er wird lässiger mit dem Kind. Man wird einfach lässig und sagt: "So wichtig bin ich dann auch wieder nicht. Jetzt lasst uns das zusammen machen, weil das unheimlich viel Spaß macht." |
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S. Hallaschka: Die Sittlers sind im Grunde das genaue Gegenteil
der Kleinfamilie. Sie sind, wie Sie schon andeuteten, in Chicago geboren
und zwar als achtes Kind, als jüngstes von acht Geschwistern und
sechs dieser Geschwister leben auch noch, aber ich glaube verstreut in
alle Winde. |
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Walter: Nee, sie wohnt bei uns in der Nähe in Stuttgart schon seit vielen Jahren. Und jetzt wo sie älter geworden ist und mehr Hilfe braucht, ist es so, dass meine Geschwister, die in Deutschland wohnen, und ich, uns abwechseln, dass wir die Wochenenden haben. Und dann haben wir während der Woche immer jemanden, der kommt und wir sind sowieso da, also ich wenn ich zu Hause bin. Ich bin natürlich viel weg, aber meine Frau ist da. S. Hallaschka: Ich weiß gar nicht, ob Sie das an sich selber so beobachtet haben, aber irgendwann schlagen die Rollen um. Irgendwann werden die Kinder diejenigen, die nicht umsorgt werden, sondern die sich auch um ihre Eltern sorgen, was aber, glaube ich, für die jüngsten, für die Nesthäkchen schon eine besondere Situation ist. Bleiben Sie immer noch der kleine Walter oder sind Sie jetzt sozusagen auf Augenhöhe mit der Mutter? |
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Walter: Ich glaube, das ist auch so eine Geschichte wie mit der
Schüchternheit. Das ist die Rolle, die man gelernt hat und die kann
ich einfach. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wenn ich am
Drehort bin und dort plötzlich der Älteste und alle schauen
auf mich und was ich tue ist plötzlich wichtig. Das bin ich nicht
gewohnt, ich guck lieber, was andere machen "Ach das ist ja toll,
was die machen, das ist richtig" und das muss ich jetzt dann irgendwann
lernen. |
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S. Hallaschka: Das ist auch ein Nesthäkchen-Phänomen,
oder? Alles sehr spät erst anzufangen. Ich red jetzt mal von mir.
Wer ist in dieser Runde noch das Nesthäkchen, wer ist der jüngste
der Geschwister?
Walter: Nein, aber es ist so, man kuckt wie die anderen sind. Ich bin auch wahnsinnig schüchtern gewesen, er [??] wollte das vorhin sagen mit den Mädchen, das dauert ja ewig. Die anderen kamen zu Potte, ich nie. Es hat dann doch irgendwie funktioniert. Ich bin auch ganz froh drüber, aber es dauert alles sehr lang und diese Rolle als Nesthäkchen ist ganz gut, denn die anderen gehen voraus. Man muss nur hinterher laufen, das passt dann schon irgendwie. |
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J. Westlake: Barbara, du warst ja Einzelkind, hat dir das gefehlt? |
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S. Hallaschka: Sie haben es gehört, die Schlachten sind natürlich
geschlagen, die großen Streits mit Eltern, Geschwistern... |
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S. Hallaschka: Sie kennen auch das Schicksal vieler Nesthäkchen,
naturgemäß verlieren die dann häufig in der eigenen Biographie
die Eltern auch früher. Also in ihrem Fall war's der Vater der starb. |
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Walter: Dadurch, dass ich der Jüngste war,
waren meine Eltern häufig mit den Problemen der älteren Geschwister
befasst. Wenn mein ältester Bruder gerade irgendwie ein Auto geklaut
hatte, dann war mein Taschenmesser nicht so wichtig. Insofern hab ich
die Eltern in der Form, wie ich's gern gehabt hätte, gar nicht haben
können, weil du bei acht Kinder einfach nicht so viel Zeit für
jeden hast. Und das ist so und das nehme ich als Päckchen mit, aber
das ist schon in Ordnung.
S. Hallaschka: Also der Ansprechpartner, der Ratgeber in all
den Jahren, hat Ihnen nicht gefehlt? |
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S. Hallaschka: Wann kam diese Entdeckung im Nachhinein hat
er mir dann doch gefehlt? War das sehr viele Jahre später dann? |
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S. Hallaschka: Fragen die denn wenigstens nach? Sind die jetzt
in dem Alter, wo sie neugierig werden und auch was vom Vater wissen wollen?
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Walter: Der "Malin", ja. |
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Walter: Ja, ich war im Hotelzimmer und wusste,
jetzt muss ich den ersten Brief schreiben sonst wird das nichts. Und dann
dachte ich, wie heißt der, was macht der und dann fängt man
so an und dann geht's vom hundertsten ins tausendste und irgendwann ist
diese Figur da und die wächst im Laufe der Briefe und erlebt immer
neue Sachen und man bekommt auch eine gewisse Lässigkeit im Schreiben
dabei. Das dauert ein bisschen, aber plötzlich funktioniert das irgendwie.
Man bekommt ein Selbstvertrauen, die Schüchternheit geht weg und
man schreibt vor sich hin und das sind jetzt 25 davon.
Und das ist kein Kinderbuch für Kinder zum Lesen, sondern es ist eigentlich zum Vorlesen. Also ab 8 - 9 Jahren kann man's selber lesen, sonst ist es zum Vorlesen. Und meine Tochter, die Babysitterin ist, sagt, es ist ideal, so 3-5 Seiten, wunderbar, dann hat man schon mal für den Tag gelesen. |
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J. Westlake: Aber waren die dann nicht traurig, dass der dann
nicht mit nach Hause gekommen ist, der Malin mit dem Papa? |
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Walter: Ich wollte das auch gar nicht veröffentlichen, das
ist eher ein Unfall. Ich hab einen Freund gebeten, Bilder dazu zu malen,
weil ich es meinen Kindern letztes Jahr zu Weihnachten schenken wollte.
Und ich dachte, ich mach ein schönes Buch draus, damit sie's haben
und dann hat er die sehr schönen Bilder gemalt, die mir auch sehr
gut gefallen. |
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S. Hallaschka: "Malin" heißt es und es ist jetzt
zu haben, zu lesen. Wir wollen nicht vergessen am 2. Oktober den "Mustervater
2" bei SAT 1 zu sehen und dann werden Sie auch im Dezember wieder
auf Theatertournee sein mit... |