Aktuelle Schaubude
(NDR, 22.05.98)
 
Aufgenommen wurde die Sendung auf der trabrennbahn Hamburg Klein-Flottbeck. Zu Beginn des Interviews eingespielt wird eine Szene aus "Die gelben Schleifen", in der Ronaldo Schäfer der Broschek den Kopf wäscht.
 
AS 1 J. Westlake: Uuuuuuhh und hier ist er: der überaus gestrenge, autoritäre Ronaldo Schäfer alias Walter Sittler. (Walter Sittler schmunzelt) Herzlich Willkommen.

Walter: (grinst) Danke!

J. Westlake: Aus der Erfolgsserie "girl friends" war das gerade ein Ausschnitt, an der Seite von Mariele Millowitsch. Sind Sie privat auch so streng?

Walter: Nein, nein, überhaupt nicht. Auch in dieser Szene, das ist eine Ausnahme. Normalerweise ist der Ronaldo Schäfer ein freundlicher, sehr gerechter und auch kompromissbereiter Mensch. Aber wenn - wer die Szene gesehen hat, weiß was ich damit meine - wenn jemand über längere Zeit SO ist, dann kriegt er einen auf’n Hut, so einfach ist das. (er grinst)

J. Westlake: Als Hotelmanager muss man durchgreifen. Sie spielen da in edlen Hotels, das ist ja auch eine sehr noble Umgebung, Leute mit Geld. Hier ist das Derby in Hamburg, das hat ja auch was richtig Edles. Ist das so die Umgebung, in der Sie sich wohl fühlen?

Walter: Als Gast hier zu sein ist sehr schön. Normalerweise würde ich mich hier nicht bewegen, weil ich in einer anderen Umgebung bin. Aber das zu sehen und auch mal die Pferde nah zu sehen und die Leute, wie das so ist, das ist sehr spannend, sehr schön. Gefällt mir gut.

J. Westlake: Sie sind ja selbst seit neustem auf dem Rücken der Pferde sozusagen zu bewundern. (Walter lacht zustimmend) Reitunterricht: Haben Sie Muskelkater heute?

Walter: Es ist schon besser geworden. Für die nächste Rolle muss ich richtig gut reiten können und ich mach das jetzt auch schon ‘ne ganze Weile. Und ... ich fall nicht mehr runter, sagen wir mal so. Es ist ganz schön.

J. Westlake: Gestern gerade wieder geübt?

Walter: Oh ja, gestern geübt. Zweimal sogar, morgens und nachmittags. Ich bin ganz froh, dass ich jetzt ‘ne Pause habe, weil ... ich bin auch froh, dass der Stuhl hier ein Kissen hat. Es ist alles sehr gemütlich hier. (lacht)

J. Westlake: Wir haben’s ganz gut, wir müssen nur zugucken.
 
Walter: Oh ja.

J. Westlake: Sie haben den Grimme-Preis bekommen für "Nikola". Das ist auch eine Serie, in der Sie an der Seite von Mariele Millowitsch spielen. Dann die "girl friends", das läuft übrigens nächste Woche wieder an. Die ersten Folgen werden wiederholt.

Walter: (nickt zustimmend) Genau, erste und zweite Staffel.

J. Westlake: Wie ist das, wenn man sich so oft sieht? Versteht man sich da auch privat gut?
AS 2
 
Walter: Ja! Mariele Millowitsch und ich sind befreundet. Ich hab sie kennengelernt beim Beginn von "girl friends" und wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir einfach ... wir ticken ähnlich beim Spielen. Und keiner versucht dem anderen irgendwie was wegzuspielen oder zu sagen "Hier - ich bin wichtig!", sondern wir wollen einfach nur die Szenen schön spielen, schöne Szenen machen. Und das funktioniert mit ihr ganz hervorragend.

J. Westlake: Wenn man so viel macht, dann muss man sich seine Freunde wahrscheinlich auch im Arbeitszusammenhang suchen, oder?

Walter: Es ist nicht so, dass wir nach der Arbeit dauernd zusammenhängen oder ausgehen zusammen oder so was. Ganz selten sogar, sondern wir sehen uns während der Arbeit genug. Und wir wissen aber immer voneinander, was so läuft, auch beruflich und wie’s einem gerade geht. Weil man spürt das dann, wenn man vier Jahre, so wie wir ... vier Jahre drehen wir jetzt zusammen. Da kennt man sich einfach, das ist ganz normal, ist gut so.

J. Westlake: Frauenschwarm Walter Sittler. (Walter schaut verlegend grinsend zu Boden) Stahlblaue Augen sehen mir mitten ins Gesicht. Wie kommen Sie damit klar? Würden Sie nicht auch mal gern den Pickeligen, den Krummen und Schiefen, den Häßlichen spielen?

Walter: Für mich ist’s so: Ich möchte einfach die richtigen Rollen spielen. Und wenn eine Rolle kommt, die krumm und häßlich und pickelig ist, dann ... und die ist richtig, dann spiele ich die auch. Ich weiß, ich hab am Theater, hab ich mal ‘ne Rolle gehabt, das war der Dorfdepp. Und ich hab das Buch gelesen "Jagdszenen aus Niederbayern" und wußte, das ist meine Rolle. Die hab ich dann auch gekriegt zum Glück und das war auch sehr, sehr schön, eine der schönsten Sachen, die ich überhaupt getan habe am Theater. War ganz toll.

J. Westlake: Walter Sittler ist auch Familienvater. Drei Kinder, 13 Jahre glücklich verheiratet. "Familie ist die Quelle der Heiterkeit" haben Sie mal gesagt.

Walter: Ja, das stimmt.

J. Westlake: Wann können Sie die überhaupt anzapfen, diese Quelle? Ist das so, dass Sie dann irgendwie auch mal zu Hause sind und alles richtet sich nach Ihrem Zeitplan? Oder müssen Sie auch mal die Geschirrspülmaschine ausräumen und zum Elternabend gehen und so?

Walter: Oh ja. Sobald ich zu Hause bin, wird man ... also ich als Vater, werde dann richtig eingesaugt. Und so’n 5-Personen-Haushalt schluckt die Leute ganz einfach ein, das ist so. Und ich bin im Prinzip auch der Schreck aller Produktionsleiter, weil ich jede Gelegenheit nutze, um heimzufahren. Und das muss dann immer die Produktion bezahlen und das ist aber so. (schmunzelt) Und da tank‘ ich dann auch, das ist ganz toll, weil die Kinder sind einfach sehr normal. Die schauen dich nicht als Schauspieler an, oder ... sondern du bist einfach der Vater und wenn du Mist redest und dann sagen de dir das auch. Die sagen "Daddy, das war ja wohl nix, ne?".

J. Westlake: Und Sie auch selber mit kreativ, ne? Mit der Mutter, die Tanzpädagogin und Choreographin ist, haben Sie auch ein Kinder-Musical auf die Beine gestellt, wo morgen auch eine CD und ein Video auch hergestellt wird. Und dann ist ihre Tochter, die 12jährige, spielt bei einer Produktion in Namibia ihre Tochter.

Walter: (ganz stolz) Ja!

J. Westlake: Und zwei sind noch über. Wollen die dann auch jetzt mal langsam mit dem Papa drehen und arbeiten?

Walter: Als Statisten haben alle schon gedreht bei "Nikola". Die Kleinste spielt Theater in Stuttgart am Staatstheater. Die teilt sich die Rolle mit ‘ner anderen, alternierend spielen die. Und der Benedikt macht Funk. Nicht, dass die das alle machen werden später, das weiß ich nicht, aber es macht ihnen sehr viel Spaß und die können das ganz gut. Und deswegen hat die Jennifer auch die Rolle bekommen, weil sie spielt gerne und ich glaube, wir werden uns sehr gut vertragen da.

AS 3 J. Westlake: Eine Künstlerfamilie (leichtes Zweifeln bei Walter) Jetzt geht’s ab ins Elsaß am Sonntag. Endlich Urlaub alle zusammen?

Walter:
Ja! Eine Woche alle zusammen und dann macht meine Frau fünf Tage alleine mit ihren Freundinnen und dann fahr ich mit den Kindern heim und mach Halligalli. (grinst)

J. Westlake: Gute Aufteilung. Viel Spaß beim Halligalli. Vielen Dank Walter Sittler.

Walter: (lacht) Ja Dankeschön. Tschüs!
   
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