| Berliner PHOENIX Runde Bush in Deutschland - Wie nah ist uns Amerika? (PHOENIX, 23.02.05) |
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| Anm.d.W.: Ich hab hier (mehr als in anderen Mitschriften) einige Aussagen der anderen Diskussions-Teilnehmer mit eingebaut, ebenso wie einige Links, damit man den inhaltlichen und z.T. auch atmosphärischen *g* Zusammenhang nachvollziehen kann. | |
| Anke Plättner: Ob sich Bundeskanzler Schröder
und Präsident Bush heute wirklich näher gekommen sind, ist schwer
zu sagen. Willkommen oder Welcome zur Berliner PHOENIX Runde. Aber es war
trotz Eis und Schnee ein warmer Empfang für den Präsidenten in
Mainz. Beide Seiten sichtlich um die Verbesserung der Beziehungen bemüht.
Das alte Europa zeigte sich dann auch in Gestalt des Mainzer Doms und des
Gutenbergs Museums. Ein großartiges Land im Herzen Europas, so Bush
über Deutschland. Und wir? Wie denken wir denn über die USA? Ich begrüße ganz herzlich in dieser Runde Irene Dische, amerikanische Schriftstellerin. In New York geboren, pendelt zwischen der alten und neuen Welt, lebt in den USA und in Berlin und hat George Bush nicht gewählt. |
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Henryk
Broder. Publizist und in Sorge über den wachsenden Antiamerikanismus
in Deutschland, beschrieben in seinem Buch "Kein Krieg nirgends - die
Deutschen und der Terror". Walter Sittler, Schauspieler, kennen Sie aus Serien wie "girl friends" und "Nikola". Geboren in Chicago als Kind einer deutsch-amerikanischen Familie, fühlt sich in beiden Ländern zu Hause. Und Prof. Michael Stürmer, Historiker und Chef-Korrespondent der "Welt". Befürchtete, dass die Haltung der rot-grünen Bundesregierung während des Irak-Kriegs zu einem wirklichen Bruch führen würde. |
| [....] Zur Frage: "Sind die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA wieder auf dem Weg zurück zur Normalität?" Stürmer und Broder meinen: Nein, dazu hätten die Bundesregierung und auch die Bevölkerung durch ihre antiamerikanische Haltung zu viel "kaputt gemacht". Außerdem würden die Deutschen - laut Broder - ihre Abhängigkeit von den USA nicht realisieren |
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| Walter: Ich möchte zunächst mal zu Prof.
Stürmer und Herrn Broder sagen. Ich finde es gut, dass Bush da ist,
aber ich glaube nicht, dass es auf dem Weg zurück zur Normalität
ist, weil das Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika in meinen
Augen nie wirklich normal war. Sondern das Verhältnis war geprägt
von "Kleiner Bruder - Großer Bruder" in der Zeit nach dem
2. Weltkrieg. Ein normales Verhältnis wäre, wenn man auf gleicher
Ebene ist egal wie viel Macht oder wie viele Panzer einer hat. Das war aus geschichtlichen Gründen in keiner Phase wirklich vorhanden und das verstehe ich auch. Aber jetzt ist es soweit, dass Deutschland durch die Wiedervereinigung eine andere Position bekommen hat und zum ersten Mal eine Regierung - es ist in diesem Fall eine rot-grüne gewesen, es hätte auch eine CDU-Regierung sein können - einem amerikanischen Plan nicht zugestimmt hat. Was übrigens zu wütenden Protesten in Amerika geführt at, da wurde auch gesagt: "Was ist das für ein Land? Die haben keine Ahnung und sind doof!" |
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| Was den Antiamerikanismus betrifft: ich glaube nicht, dass
der so groß ist, wie er von den Zeitungen gemacht wird. Es gibt Leute,
die können Amerika nicht leiden, das ist klar, das wird man auch nicht
ändern. Es gibt sehr viele, die mögen vieles dran - ich auch!
Auch wenn ich die derzeitige Regierung nicht mag. Aber in die politischen
Beziehungen muss man wieder einen gewissen Pragmatismus hinein bringen.
Und ich hoffe, dass die jetzige Bundesregierung und die zukünftige
ab 2006 - welche das auch immer sei - das hinkriegt. Der Weg dorthin ist
steinig, aber er ist angefangen. A. Plättner: Herr Stürmer, würden Sie denn sagen, wir sind auf Augenhöhe...? M. Stürmer: Ach, das ist so ein Spruch... A. Plättner: ...oder stimmt das mit "Großer Bruder - Kleiner Bruder?" |
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M. Stürmer: Unsere Wirtschaft ist in großen
Schwierigkeiten. Im manchen gibt es jetzt wieder positiven Zeichen... Walter: Aber das ist die amerikanische Wirtschaft auch. Stürmer: Ach, die amerikanische Wirtschaft boomt mit 4% Wachstum und unsere hat im letzten Quartal Minus gehabt. Also Herr Sittler, man muss die Dinge schon richtig sehen. Ich kenn die Schwächen der amerikanischen Wirtschaft, aber wir sind doch wirklich in einer langfristigen demografischen Falle und das sind die Amerikaner nicht. Wir verteilen heute das Geld, das unsere Kinder dann - sofern wir überhaupt noch Kinder haben - bezahlen müssen. Die werden sich dem entziehen. |
| H. Broder: Unter anderem nach Amerika. Walter: Und die Amerikaner verteilen das Geld, das sie gar nicht haben. Das ist das Problem. H. Broder: Aber sie machen es geschickter. Walter: Aber das ist doch egal. M. Stürmer: Die Amerikaner haben eine boomende Wirtschaft... A. Plättner: Moment, Herr Stürmer, ich würde gerne noch mal bei dem Punkt der Augenhöhe bleiben. |
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| [Anm.d.W. Denn genau das war ja die Ausgangsfrage, die
der Stürmer erst mal geschickt NICHT beantwortet hat] [....] |
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H. Broder: [....] Und je mehr dieses Deutschland zu
sich selber findet - wie Sie, Herr Sittler gerade gesagt haben - um so seltsamer
reagiert es. Sie haben hier im Land keine Amerika-Kritiker. Amerika-Kritik
wäre ja völlig in Ordnung. Man muss ja keine Regierung lieben,
auch keine fremde. Sie haben eine unglaublich kleinbürgerliche Häme,
die sich hier entfaltet. Gucken Sie sich die Reaktionen an, als Schwarzenegger zum Gouverneur in Kalifornien gewählt wurde. Ein Hollywood-Schauspieler, eine Sünde, nicht wahr. Es gab Präsidenten in der Bundesrepublik, die hatten mehr Sünden angehäuft als nur in Hollywood-Schauspieler gewesen zu sein und es wurde ihnen trotzdem verziehen. Und jeder Ministerpräsident in der Bundesrepublik - von Baden-Württemberg bis Schleswig-Holstein - würde sich wünschen eine solche Entwicklung beaufsichtigen zu können wie es Schwarzenegger in Kalifornien kann. Es ist Häme, es ist Niedertracht und es ist Heimzahlen. Genau wie es vorhin schon gesagt wurde: es ist Vatermord. |
| Walter: Aber doch nicht in der Mehrheit, das ist doch
gar nicht wahr! H. Broder: Ich weiß nicht, ob es die Mehrheit ist. Ich lese die Medien und das reicht mir, wissen Sie. Vielleicht ist es nicht die Mehrheit. |
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A. Plättner: Wie empfinden Sie das denn, Herr Sittler? Walter: Ja, aber die Medien macht nicht die endgültige Meinung,
auch wenn sie das glauben. |
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| Walter: Viele Menschen werden zum Teil von den Medien
beeinflusst. Dann fahren aber viele Deutsche nach Amerika. Mehr als Amerikaner
im Verhältnis hierher kommen. Da entsteht doch der Zugang zu den Amerikanern. H. Broder: Das hängt aber mit dem Geld-Gefälle zusammen, es ist für uns billiger als umgekehrt. Walter: Aber auch früher sind mehr Deutsche ins Ausland gefahren als Amerikaner hierher. 72% [der Amerikaner] haben überhaupt keinen Pass. Aber die Deutschen fahren hin. Und da entsteht doch die Freundschaft und davon gibt es ganz viele. H. Broder: Sie brauchen auch keinen Pass, wenn Sie von New York nach Nevada fahren. A. Plättner: Aber Sie, Herr Sittler, würden das nicht so sehen? Also das Wort Häme würden Sie nicht benutzen? Walter: Es gibt diese Häme natürlich und die war auch ziemlich dämlich, also mit Schwarzenegger. Häme finde ich billig. Das war vor 20 Jahren billig, das ist kein Kunststück. Richtige Kritik ist gut und wichtig. Häme... ich kümmere mich da nicht wirklich drum. H. Broder: Es ist ja nicht nur Häme, wissen Sie. Es ist eine Mischung aus Größenwahn und Impotenz auf der Basis von Moral als Exportartikel. Lassen Sie mich ein Beispiel sagen: Dieses Land tut sich schwer damit ein paar Kostüm-Nazis fertig zu werden. Das ganze Volk steht da und weiß nicht, was es machen soll. Ob die Nazis am 8. Mai durchs Brandenburger Tor dürfen oder nicht. Aber sie wissen genau, wie man Osama Bin Laden bekämpfen sollte. Sie wissen genau was man gegen Al-Qaida machen sollte... |
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Walter: Das stimmt doch gar nicht. H. Broder: Doch, genau das ist die Haltung. Walter: Wie ist es denn in Dresden gewesen? Die haben sich doch überhaupt nicht irritieren lassen von diesen - wie Sie sagen - Kostüm-Nazis. H. Broder: Die Dresdner waren sehr beeindruckend, das war sehr eindrucksvoll. Walter: Na, sehen Sie. M. Stürmer: Aber die Debatte der Republik. Walter: Aber das ist doch nicht die Republik! Das sind ein paar oben... |
| Broder: Ich bitte Sie! Walter:... die zum Teil Wahlkampf machen, ob links oder rechts spielt überhaupt keine Rolle. Die machen es größer als es ist. H. Broder: Naja, das ist wirklich eine sehr volksdemokratische Anschauung, die Sie da vertreten. Walter: Ja. [....] |
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Walter: Denn Deutschland hat eine Tradition in Demokratie. Amerika
hat eine sehr viel längere Tradition, wobei es als Land sehr viel
jünger ist. Aber durch die Erfahrung mit Demokratie, die wir haben,
weiß man, dass Demokratie ein ganz fragiles Gebilde ist und eine
Wahl nicht reicht. Wir müssen einfach 15 oder 20 Jahre warten und
dann wird man sehen, was draus geworden ist. Der Schritt ist gut, gar
keine Frage und rechtfertigt zum Teil dieses wahnsinnige Leid was dort
passiert ist. Nicht nur den Irakern, auch den Amerikanern. Allen. Ganz
furchtbar, was dort passiert ist. Aber die sind auf dem Weg. |
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| A. Plättner: Es ging ja darum, wer wem eine Lektion
erteilen darf. M. Stürmer: Ich sage nur: die emotionale Arroganz hierzulande... Walter: Die ist nicht anders als in Amerika. M. Stürmer: Die wählen Filmschauspieler, wir wählen Berufspolitiker. Was ist eigentlich besser? Leute, die ihr eigenes Brot verdienen oder Leute, die vom Kindergarten an... Walter: Aber der Hochmut in Amerika gegenüber Deutschland ist genauso. Ich sehe da keinen großen Unterschied. H. Broder: Da stimmt doch gar nicht. M. Stürmer: Da bin ich auch nicht so sicher. A. Plättner: Wie erfahren Sie diesen Hochmut? Walter: Durch die Äußerungen der Politiker: "Das alte Europa. Die sind nichts wert, die können nichts und sollen auch nichts" M. Stürmer: Das hat Rumsfeld inzwischen selber ironisiert... |
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Walter: Ich weiß, er ist ja auch nicht blöd.
Er ist ja kein Depp! Überhaupt nicht. Oder wenn Bush etwas sagen kann,
was ein deutscher Politiker nie sagen könnte oder ein europäischer.
"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!" Das ist eine Aussage,
wo ich... (er verzieht gequält das Gesicht) Das entspricht einem Teil
der amerikanischen Seele, das stimmt. Aber es gibt noch den ganz anderen
Teil, der nicht berücksichtigt wird. Und die Menschen, die Bush gewählt
haben sind letztendlich ¼ der Bevölkerung, wenn wir ehrlich
sind. Es waren ja nur 50% bei der Wahl. Und es gibt eine ganze Reihe von
Amerikanern, die ganz anders darüber denken. H. Broder: Entschuldigen Sie, aber was sagt das? Wissen Sie, wie hoch die Wahlbeteiligung in der EX-DDR ist? Mit diesem Argument können Sie sämtliche Landstriche im Osten wieder auflösen. |
| Walter: Nein, ich will nicht sagen, dass er kein Recht
hat im Amt zu sein. Überhaupt nicht, er hat die Wahl gewonnen und fertig.
Gar keine Frage. In einer Demokratie ist das so, ob es einem gefällt
oder nicht. Aber es gibt eine ganze Menge Leute, die vieles ganz anders
sehen und die Politik ganz anders machen würden und die - weil sie
auch Demokraten sind - warten bis zur nächsten Wahl. H. Broder: Das ist ja auch richtig so. Walter: Das ist auch in Ordnung so. Aber deswegen kann man nicht sagen: Amerika ist SO. Amerika ist zum Teil so, zum Teil ist es ganz anders! Und wir verstehen sehr wenig davon, glaube ich. [....] Zur Frage, ob die amerikanischen Kritiker im Ausland genug Gehör finden oder nicht. H. Broder: Susan Sonntag bekam hier jeden roten Teppich ausgerollt.
Norman Mailer genauso. Wie heißt der Amerikaner? Gore Vidal. Gore
Vidal lebt, glaube ich, seit 70 [Anm.d.W. oder 17?] Jahren in Italien,
wird aber immer zu aktuellen Entwicklungen in Amerika befragt. [....] |
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Walter: Das haben wir nicht verstanden, nein. Der letzte Krieg
in Amerika liegt 140 Jahre zurück. Die leben seit sieben Generationen
ohne Krieg im eigenen Land. Amerika fühlt sich durch die Macht, die
es als eigentlich noch junges Land hat, unverwundbar, stark, allmächtig
inzwischen. Was sie zum Teil auch sind, das ist auch in Ordnung. Und sie
sind in einer Weise getroffen worden, die sie nicht erwartet haben und
die sie so tief verletzt hat. Wo man als Außenstehender zwar sagt:
gut es ist ein ganz schreckliches Unglück, aber wenn ich jetzt nach
Asien schaue, da ist das Unglück hundertfach. |
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| [....]
A. Plättner: Aber die Frage ist: wenn wir auf den 11. September
schauen und auf die Diskussion zum Irak-Krieg, ob wir da nicht an einem
Punkt sind, wo sich die beiden Länder eben nicht wirklich verstehen?
Wo die Amerikaner nicht verstanden haben, was Krieg für uns mit unserer
Geschichte bedeutet und dass sie diese Anti-Kriegshaltung von uns nicht
verstanden haben. Und dass wir in Europa eben nicht verstanden haben, was
dieser 11. September bedeutet. Ist da wirklich so ein fundamentaler Unterschied?
H. Broder: Ja. Wobei es bei uns keine Anti-Kriegs-Haltung gibt. Es haben sich noch keine lebende Schutzschilde gemeldet um JETZT in den Irak zu fahren und die Bevölkerung jetzt zu beschützen. Also all diese aufgeblasenen Wichtigtuer, die in der Vorkriegszeit hingefahren sind und mit ihren Leibern Kasernen und Reaktor-Anlagen beschützt haben, sind jetzt nicht präsent. Es ist keine Anti-Kriegs-Haltung hier. Es ist eine Haltung gegen amerikanische Interventionen in der Welt. Das ist ein großer Unterschied. Und was man hier nicht verstanden hat, ist, welche Bedrohung der Terror bedeutet. Auch wenn der Terror inzwischen relativ nah herangerückt ist. Madrid ist 2,5 Flugstunden von uns entfernt, Ankara ist auch nicht viel weiter. Man hat es nicht verstanden. Man will verhandeln. Als vor kurzem ein Islamisten-Kongress in Berlin stattfinden sollte und der dann kurzerhand vom Innen-Senator hier verboten wurde, da hat sich die grüne Fraktion im Berliner Senat hingestellt und hat gesagt: Man hätte mit denen aber erst reden sollen, und sie dazu bewegen, freiwillig auf diesen Kongress zu verzichten. So funktioniert das halbe Land, wissen Sie. Man hat keine Ahnung von der terroristischen Bedrohung und man will keine haben. |
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Walter: (sehr engagiert) Da bin ich ganz anderer Meinung!
Aber total! H. Broder: Das ist in Ordnung, dafür sitzen wir hier. Walter: Also die Bedrohung des Terrorismus, die wir erlebt haben in der Welt und die sehr groß ist in einzelnen Teilen, die beziehen Sie, wenn ich Sie richtig verstanden habe, hauptsächlich auf die islamistische Szene oder sehe ich das falsch? H. Broder: Bis jetzt sind wir von den Skandinaviern relativ wenig bedroht worden, oder? Außer vom Südschleswigschen Wählerverband. |
| Walter: Aber ich glaube, die europäische
und auch die deutsche Variante ist, dass man durch die Geschichte gelernt
hat, dass es sinnvoller ist zu verhandeln. Es kann nicht jeder gut verhandeln,
das stimmt. Aber ich glaube, die Verhandlungslösung ist in jedem Fall
wenn es um solche wichtigen Sachen geht besser als die Keule. H. Broder: (ironisch) Ja, das hat beim Münchner Abkommen schon gut geklappt. Walter: Das war eine ganz andere Welt, da war Amerika noch gar nicht in der Position, wo es jetzt ist. Ich weiß gar nicht, warum Sie das erwähnen. M. Stürmer und H. Broder: Nein, es geht ja ums Verhandeln. Walter: Es geht um Verhandeln und nicht um Unterwerfen! M. Stürmer: Es geht um die Vorstellung: ist Verhandeln und Krieg eine Alternative oder kann man sehr bequem beides nebeneinander machen? Die Erfahrung zeigt, man kann beides machen. Man kann Menschen massenhaft umbringen wie Milosevic und vertreiben und man kann gleichzeitig verhandeln. [Anm.d.W.: ??? Das war akustisch und auch inhaltlich nicht so richtig zu verstehen] |
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Walter: Aber der Sinn ist, dass man erst verhandelt. Und der Grund,
den Irak zu besetzen hat sich ja in Luft aufgelöst. Mit Ausnahme
dessen, dass Saddam Hussein ein Diktator ist. Nun gibt es viele Diktatoren,
da müsste man die halbe Welt besetzen. [....] |
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Zu den Unterschieden zwischen Deutschland und Amerika M. Stürmer: [....] Sie brauchen ja nur zu sehen, wie Deutschen
sich geben, wenn sie meinen, sie müssten sich amerikanisch geben.
Deutsche begreifen nicht was Harvard ist, was Princeton ist, was Stanford
ist, Was die großen Museen sind, was das amerikanische Sponsoring
ist. Die amerikanische Freigiebigkeit, auch die amerikanische Religiosität,
das sind Welten, die uns fremd sind und die wir daher nicht begreifen.
Sondern im wilden Bush-Hemd rumlaufen... H. Broder: "Europe in 10 days" ist doch schon ganz viel,
ich bitte Sie. |
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Walter: Ich finde, man kann auch
gar nicht sagen "Antiamerikanismus" und Ablehnung von Amerika.
Es gibt Leute, die Amerika ablehnen, es gab den Höhepunkt während
des Vietnam-Krieges. Robert McNamara ist da ein wunderbares Beispiel. Weil
es auch so schön war zu demonstrieren. Viele Demonstranten hatten noch
nicht so wirklich Ahnung wogegen sie demonstrieren... M. Stürmer: Die wussten gar nicht wo Vietnam war. Walter: ...es war Krieg und es war gegen die Vietnamesen und es war falsch und die wenigsten waren gebildet und wussten Genaueres. Aber es war schön zu demonstrieren, weil es sich so intensiv anfühlte. Und da ist ein bisschen was übrig geblieben. Aber ich behaupte, der Zuspruch zu Amerika ist sehr viel größer als es jetzt noch die einzelnen und sehr unangenehmen und in meinen Augen lächerlichen blöden anti-amerikanischen Parolen glauben lassen. |
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H. Broder: Dieser Antiamerikanismus hat eine einzige Funktion.
Man tröstet sich über die eigene Schwäche hinweg. Die Amerikaner
haben die Europäer zwei Mal aus dem Dreck geholt. Dieser Kontinent
wäre wirklich im Sumpf der Diktatur versunken, entweder der braunen
oder der roten, wenn die Amerikaner nicht gewesen wären. |
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H. Broder: Antiamerikanismus. |
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| H. Broder: Wollen Sie die Kurzfassung oder die Langfassung?
[....] Wissen Sie, nach der Wiedervereinigung sind ja viele Feind-Bezüge
entfallen und irgendeinen Feind-Bezug muss man ja haben, nicht wahr. Walter: Nein, muss man nicht. Das muss man nicht. H. Broder: Muss man nicht, aber man hat ihn aber. M. Stürmer: Wo sind gesellschaftliche Gruppen haben Sie, Herr Sittler, gefragt. Ich würde eher von gesellschaftlichen Milieus sprechen. Die Gesellschaft besteht aus vielen Milieus... [Anm.d.W.: Nach dieser scheinbar unverzichtbaren soziologischen Belehrung, bringt Prof. Stürmer dann als Beweis den Bush-Hitler Vergleich, den Herta Däubler-Gmelin angeblich (es gibt da nach wie vor unterschiedliche Aussagen) bei einer Gewerkschafts - Veranstaltung im Sommer 2002 gezogen habe, ohne dass die Gewerkschafter bzw. die SPD daran Anstoß genommen hätten.] [....] |
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Aus der Schlussrunde zur Frage: Was muss passieren, damit es wirklich
einen Neuanfang gibt? |
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