| "So viele Liebesszenen habe ich gar nicht"
(Rheinische Post, 14.04.01) |
|
| Frauenschwarm Walter Sittler über Familie, Image
und seinen neuen Zweiteiler "Reise des Herzens" (So. / Mo., ZDF,
20.15 Uhr) Er ist der deutsche Robert Redford - behauptet jedenfalls eine große TV-Zeitschrift. Walter Sittler kann angesichts solcher Vergleiche nur schmunzeln. Auch wenn der 48-Jährige vor allem mit seinen TV-Erfolgen "girl friends" und der Grimme-Preis-gekürten Serie "Nikola" von der Damenwelt angehimmelt wird, so ist er doch ein solider, glücklicher Familienvater geblieben, dem der Ruhm keineswegs zu Kopf steigt. RP-Redakteur Peter Korn sprach mit dem Frauenschwarm über Liebesszenen, Urlaub und den von ihm mitentwickelten Zweiteiler "Reise des Herzens", der Ostern im ZDF zu sehen ist. Woran arbeiten Sie gerade? An gar nichts. Ich liege zu Hause auf dem Ehebett, schaue in den etwas grauen Himmel und sehe eine trauerweide davor, bzw. ein Birke. Und es geht mir wunderbar. Zeit für die Familie - ist das für Sie Luxus? Ja. Und den muss man sich einfach gönnen. Ich hab ja den Vorteil, dass es im Moment sehr viele Angebote gibt, so dass ich mich um Arbeit nicht sorgen muss. Ich kann sagen "hier arbeite ich nicht". Und dann bleibe ich auch daheim. Ich könnte zurzeit dauernd drehen, aber das geht nicht. Das kann ich nicht. Hansjörg Felmy hat mal gesagt, Fernsehen verschleiße Gesichter. Wie sehen Sie das? Ich glaube, dass das stimmt. Wenn jetzt zum Beispiel "girl friends" wiederholt wird, ist da schön für die Zuschauer, hat aber den Nachteil, dass Produzenten und Autoren irgendwann einfach genug gesehen haben. Und das ist ein bisschen blöd. Aber wirklich Angst davor habe ich nicht. Die Menschen, die Filme machen, wissen, dass ich auf vielen verschiedenen Baustellen spielen kann. Und das tut mir gut. Dann kommen wir doch zu Ihrer jüngsten Baustelle - "Reise des Herzens". Der Film zeigt große Gefühle. Ihre Frau geht fremd. Sie verlieben sich in eine italienische Kellnerin - schwere Kost für die Feiertage? Ich finde grundsätzlich: Auch tragödien sollte man nicht schwer anlegen. Der Film gehört wohl ins melodramatische Fach, die meisten Filme sind ja Melodramen. Es hat in Deutschland aber oft so einen komischen Beigeschmack, wenn man Melodram sagt. Das klingt immer nach Pilcher. Stimmt aber nicht. Pilcher lebt vom Kitsch. Das Melodram nicht. Aber auch Sie schwelgen in schönen Bildern? Klar haben wir auch schöne Bilder gemacht. Wenn man eine mittelalterliche Stadt aufnimmt, ist das einfach schön, da können Sie machen was Sie wollen. Und meine Filmpartnerin Katharina Meinecke ist auch eine schöne Frau. Spielen Sie Liebesszenen mit ihr? Mit Katharina? Nein, die hat mit ihrem Liebhaber eine. Sie versucht eine mit mir, aber mehr sage ich nicht. Was empfinden Sie bei Liebesszenen? Kommt natürlich auf die Partner an, die zusammen arbeiten. Aber diese Szenen gehören einfach zum Beruf. Wenn man natürlich Szenen im Bett spielen und sich ausziehen muss, ist es immer leicht, wenn man das mit einer gewissen Heiterkeit angehen kann. Wenn man sich verträgt, dann geht das ales sehr viel leichter. Ich hatte ein recht heftige Liebesszene mit Anja Kling in einem früheren Film. Wir kommen sehr gut klar miteinander, und das war dadurch sehr schön. Wird Ihre Frau nicht eifersüchtig? Nein, nein, die Sigrid kennt ja alle Bücher, die ich drehe. Und es gibt überhaupt keinen Grund zu glauben, dass da mehr stattfindet, als dass zwei Schauspieler versuchen, die Szene möglichst gut zu spielen. Sigrid ist meine Frau, und ich liebe sie. Das ist es und das weiß sie auch. Übrigens: Auch wenn es immer heißt, ich sei so ein Frauenschwarm. So viele Bettszenen hab ich gar nicht spielen müssen - oder dürfen, je nachdem. Hat der Grimme-Preis für Sie etwas verändert? Nein, hat er nicht. Wir haben ihn für "Nikola" bekommen, da wurde wahrgenommen. Einige Kollegen haben gratuliert, die anderen haben weggeschaut. Und das war es. Ich persönlich fand es schön, ihn zu bekommen. Keine Angst, künftig immer auf die Rolle des Dr. Schmidt angesprochen zu werden? Es gibt Produktionsfirmen oder Sender wie das ZDF, die sehen mich hauptsächlich als "Ronaldo Schäfer" aus den "girl friends". Aber ich hab so vieles gemacht. Entscheidend ist, dass die Zuschauer immer geguckt haben. Vor denen ziehe ich den Hut, die haben meinen Erfolg ja mitverursacht. Sie haben viel und gerne Theater gespielt. Gibt es Wunschrollen? Wenn einer kommt und sagt "wir machen 'Die Möwe' und Sie spielen den trigorin", würde ich antworten: "Wann? Ich komme sogar zu Fuß." Im Kino könnte ich nur Vergleiche ziehen. Wer will nicht "Vom Winde verweht" spielen? Nur: So ein Film wird heute nicht mehr gemacht. Dafür gibt es andere, die genauso schön sind. Was machen Sie morgen Abend, wenn Ihr Film läuft? Jedenfalls nicht Fernsehen. Ich bin mit meinen Kindern in einem Wohnmobil mit unbekannten Ziel Richtung Süden unterwegs. Die Kinder sagen mir, wo es lang geht. Und ich komme erst nach Ostern wieder zurück. © 2001 Rheinische Post, Peter Korn |
|