"Ein Kind verdient den gleichen Respekt wie dein Partner"
(SAT.1 Presse, April 2006)
 
Worum geht es in "Trau’ niemals deinem Schwiegersohn!"?
Es ist ein Film über die uralte Geschichte vom Vater, der Angst hat, dass die Tochter den falschen Mann heiratet. Eigentlich kann sie nur ihn heiraten, weil er sie so wahnsinnig liebt, was natürlich nicht geht. Dann schließlich taucht der Traumprinz auf – und es kommt zu einigen Komplikationen.

Was hat Sie an der Rolle angesprochen?
Das Drehbuch ist sehr charmant geschrieben und die ganze Geschichte hat mir gut gefallen. Ich bin ja selbst Vater und kann die Probleme gut nachvollziehen – obwohl meine Kinder noch nicht so alt sind. Man möchte für das Kind natürlich nur das Beste, und wenn das nicht zustande zu kommen scheint, dann macht man die wildesten Sachen. Und das ist in dem Film auch so. Gerhard König macht auf einmal Dinge, bei denen man sich fragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.

Welche Entwicklung macht die Figur durch?
Das, was er seiner Tochter über den vernünftigen Umgang mit Menschen beigebracht hat, muss er letztlich selbst auch umsetzen. Und das tut er auch – und zwar nicht zähneknirschend, sondern mit Vergnügen. Aber bis dahin sind wirklich sehr viele Steine im Weg.

Und Sie persönlich – würden Sie auch so reagieren?
Ich hoffe doch. Wenn ich Unfug mache, und die Leute, die mir nahe stehen, mir das sagen, dann hoffe ich, dass ich es auch einsehen und lassen kann.

Und wenn Sie als Vater den ersten Schwiegersohn präsentiert bekommen...
Ich müsste immer erst mal sehen, wer das ist. Es gibt ja nicht den Schwiegersohn an sich.

Inwieweit vertrauen Sie Ihren Kindern – würden Sie ihnen nachspionieren?
Nachspionieren sicher nicht. Wenn ich das Gefühl hätte, sie wären in größerer Gefahr, dann vielleicht. Wir haben immer die Einstellung gehabt, wir trauen den Kindern. Vertrauen ist das Wichtigste überhaupt. Ohne Vertrauen geht gar nichts. Das sind ihre Freunde, sie müssen mit denen leben und nicht wir. Wenn sie uns fragen, können wir die Meinung sagen.

Ihre eigenen Erfahrungen als Vater haben Ihnen also bei dieser Rolle geholfen?
Erstens meine eigenen Erfahrungen mit meinen Kindern und zweitens die Erfahrungen, die meine Frau aus ihrer Familie mitbrachte. Die Familie lebte mit sieben Kindern im Schwarzwald. Die Kinder sind in der ganzen Welt herumgereist und haben von überall her Leute mitgebracht. Und dann brachten die auf einmal sechs Franzosen nach Hause. Die Mutter hat Matratzen ausgelegt, es gab Essen – das war gar kein Problem. Das hat mir sehr imponiert.

Was macht einen guten Vater aus?
Ja, wenn ich das so genau wüsste. Erst mal ein einigermaßen brauchbares Selbstvertrauen. Man sollte von seinen Kindern nicht verlangen, dass sie alles so machen, wie man selbst es tun würde. Die Kinder müssen es so machen, wie es für sie richtig ist. Ich muss als Elternteil dafür sorgen, dass die Kinder sich so entwickeln können, wie es für sie richtig ist. Damit hat man schon mal viel gewonnen. Ein Kind verdient den gleichen Respekt wie dein Partner.

Sie spielen im Film einen Alt-68er – wie haben Sie diese Zeit erlebt?
1968 war ich 16 Jahre alt und im Internat. Ich habe diese ganze Zeit mitbekommen, aber nicht auf der Straße. Ich habe es verfolgt und hätte vielleicht auch mitgemacht, aber ich war nicht dabei.

Gab es Szenen, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Wir hatten eine Szene, die im Boot spielte. Wir haben im Januar gedreht, und da der Januar dieses Jahr sehr kalt war, gab es im Umkreis von Stuttgart keinen See, weil alles gefroren war. Dann haben wir das in einem Eisloch gedreht – das war ein schöner Tag und eine schöne Szene. Ein Riesenaufwand – aber das ist Film.

Stehen Sie auf die Rolling Stones?
Es gibt viele gute Lieder von den Stones und einige, die mir nicht so gefallen. Ich bin aber eigentlich eher klassisch orientiert. Über meine Frau kam viel Blues, Rock und Soul ins Haus. Gute Musik.

Man sieht Sie viel in Komödien. Zufall?
Ich habe kein Lieblingsgenre. Ich schaue, welche Rollen mir angeboten werden, und suche mir das Schönste aus. Es werden viele Komödien gedreht, und wenn man in einigen mitgespielt hat, die ganz gut funktioniert haben, dann denken die Produzenten, den holen wir wieder. Wie gesagt, ich spiele gern gute Komödien, aber auch andere Sachen. Und eine gute Komödie funktioniert ja nicht ohne dramatische Elemente.

Was drehen Sie als Nächstes?
Wir drehen gerade den vierten und fünften Teil von "Ein Fall für den Fuchs", danach gibt es eine kleine Pause. Dann bin ich in diesem Jahr noch in zwei ZDF-Krimis dabei. Wir drehen auf Gotland, das ist eine kleine Insel südlich von Stockholm. Die Dreharbeiten beginnen im Sommer.

© 2006 SAT.1; Andrea Angeli