freund talkt... mit Walter Sittler
Marcel Freund im Gespräch mit dem Star aus der RTL-Serie "Nikola"
(Swoosh!, Sommer 2002)
 
Das folgende Interview stammt aus der Schülerzeitung "Swoosh!" des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Bremerhaven. Vielen vielen Dank an Marcel Freund für dieses wirklich nette Interview und die Erlaubnis es hier - schon vorab - zu veröffentlichen!!

Beschreiben Sie sich in 3 Worten!
Körperlich groß, fast 50 und ganz zufrieden.

Welche Macken oder schlechten Angewohnheiten haben Sie?
Tja, genügend (er lacht). Ich werde leicht ungeduldig, wenn Leute nicht gut sind. Also, wenn ich zum Interview bestellt werde und derjenige ist nicht vorbereitet, das kann ich überhaupt nicht leiden. Das ist keine gute Angewohnheit, denn die Leute sind verschieden und jeder soll so arbeiten wie er will. Da müssten Sie eigentlich meine Frau fragen oder meine Kinder, die wissen das besser als ich. Die Ungeduld würde ich sagen. Ja, Ungeduld.

Gibt es irgendwas, wo Sie sagen, da bin ich unausstehlich, also da bin ich selber so 'ne Zicke?
Unausstehlich bin ich, wenn Leute meine Zeit verplempern. Jetzt hier in Stuttgart nicht, hier bin ich zu Hause, aber wenn ich am Drehort bin und es verplempert sich alles, weil einer rummacht. Nicht mit mir, das geht nicht.

Kommt da die Person des Dr. Schmidt raus?
Nee, das ist denn schon meine Person. Der Dr. Schmidt ist ein ganz eigener, der hat damit nix zu tun. Ich benutze aber diese Eigenschaften beim Dr. Schmidt mit, das ist wohl wahr.

Ihr Lebensmotto!
Immer langsam. Erstmal gucken und dann entscheiden.

Was bedeutet Glück für Sie?
Das Ganze ist ja sehr weitgefasst. Wenn ich in meiner Familie, mit meiner Familie zusammen das tun kann, was uns befriedigt. Dass wir das gemeinsam schaffen, den Weg einzuschlagen, der meinen Kindern liegt. Dass sie die Fähigkeiten entwickeln, die ihnen am nächsten sind, nicht das sie denken, dass sie jetzt "das machen müssten, weil das gerade in ist oder das, weil... ", sondern dass man zufrieden ist.

Wovor haben Sie Angst?
Das sind die normalen Elternängste, dass den Kindern etwas zustößt. Da geht die älteste Tochter drei Tage nach Köln auf die "Summer Jam" und ruft nicht an. Das ist klar, dass sie nicht anruft, ich hab früher auch nicht angerufen, aber man denkt, dass sie mindestens ertrunken ist oder sonst irgendwas, weil das ganze Festival am See ist. Und was passiert? Sie kommt glücklich am Sonntagabend zurück. Das ist im Prinzip das Wesentliche, ansonsten denkt man, dass man später keine Arbeit mehr hat, aber das ist ganz wenig. Daran denke ich nur, wenn es mir schlecht geht.

Was würden Sie gerne bewirken oder verändern?

Ich würde im Öffentlichen gerne bewirken, dass die Politiker ein bisschen mehr gesunden Menschenverstand entwickeln, ein bisschen mehr die Partei-Räson vorlassen und überlegen, was wirklich los ist.

Worüber können Sie sich freuen?
Über eine schöne Theateraufführung, über ein schönes Musikvorspiel meiner Kinder, über ein schönes Geschenk, über meine Frau.......Da gibt es schon sehr viel.

Worüber können Sie sich aufregen?
Dummheit regt mich auf. Ich bin wahrscheinlich selber manchmal blöde, das regt mich ja auch auf. Vorsätzliche Dummheit regt mich auf. Wenn es jemand nicht besser wissen kann, dann geht's, aber wenn es einer besser wissen muss, wie z.B. der "Herr da oben".

Sie gelten ja auch als Traummann für viele Frauen, Sie sind erfolgreich, gutaussehend, seit Jahren glücklich verheiratet, treusorgender Familienvater, super angenehm und ohne Star-Zickereien. Wie bekommen sie das hin?

Da muss ich gar nicht so viel machen. Das ist das Ergebnis davon, wie ich gelebt habe. Das war nicht mein Ziel, dass ich gesagt habe, wenn ich mal groß bin und Erfolg habe, dann möchte ich mal so sein. Ich bin der jüngste von acht Kindern, da kann man sich einordnen, da weiß man wo die Lücken sind und wie das geht.
Das kommt alles daher, wie das Leben gelaufen ist, da habe ich einfach Glück gehabt und ich habe rechtzeitig die richtige Frau kennengelernt, habe keine andere vorher geheiratet und habe dadurch ja auch keine Scheidung gehabt. Ich habe einfach Glück gehabt und ich merke, wie es jetzt läuft, passt es für mich.

Gibt es eine Person mit der Sie auf der Stelle tauschen würden?
Da gibt es keine!

Gibt es irgendeinen Menschen, vor den Sie den Hut ziehen und ihm großen Respekt zollen?

Viele! Die Toten sind leichter, die können sich nicht mehr beschweren. Außerhalb meines Berufes, solche Leute, wie Gandhi oder Politiker wie Gustav Heinemann. Im Theater wären das Peter Brooke, der lebt noch, da gibt es eine ganze Menge. Austin Wells, der auch ganz schauderhafte Filme gemacht hat, aber eben auch gute Filme. Er ist aber ein bisschen daran gescheitert, weil das System so ist. Er musst dann Geld verdienen und ist ein dann pleite gegangen, hat aber weitergedreht. Verschiedene Musiker... Wladimir Horowitz ist ein wunderbarer Pianist.
Es sind immer die, die das Ziel in ihrem Leben gefunden haben, was sie nicht machen, um berühmt zu werden, sondern das machen, was sie können und das macht sie erfolgreich. Mein Schwiegervater auch, der Schuster ist. Der hat mit Nichts an einer Stelle im Schwarzwald einen Laden aufgemacht, wo man gesagt hat, dass das nicht funktioniert, aber es hat funktioniert. Er hat einfach genau das gemacht, was er kann. Eigentlich hat er sogar noch mehr gemacht, aber das find ich alles toll. das gefällt mir!

Die dümmste Frage, die Ihnen je gestellt wurde?

Als ich noch am Theater in Mannheim war, fragte mich meine Nachbarin, weil sie wusste, dass ich Schauspieler bin und abends am Theater spiele, was ich tagsüber mache. Ja, wie soll sie es wissen, dass man auch tagsüber üben muss.

Wie wichtig ist Ihnen Abwechslung aufs Leben und auf den Beruf bezogen?

Ich brauche nicht Abwechslung als Ablenkung, aber in meinem Beruf brauche ich mir keine Sorgen machen, weil die Rollen so unterschiedlich sind.
Meiner Erfahrung nach ist es im Leben so, dass es sich auch von alleine abwechselt. Die Menschen ändern sich ja auch und da muss man sich keine Mühe geben, weil die Menschen sich ja eben verändern. Wenn die Kinder in der Familie erwachsen werden und man das endlich begriffen hat, dann ist man die auch schon wieder los.

Womit bekämpfen Sie Anfälle von Stress und schlechter Laune?

Spazieren gehen und rausgehen. Beim Stress ist es so, wenn es zuviel wird, dann lasse ich Sachen raus und dann sage ich: Das und das mache ich nicht mehr. Das ist ja das Schöne, wenn man Sachen nicht macht, schmeiße ich sie einfach hintern über. Manchmal kostet es was, manchmal nicht, aber man wird dafür nicht umgebracht oder ins Gefängnis gesteckt, es findet einfach nicht statt.

Wie gehen Sie mit Neidern um?

In meinem Freundeskreis habe ich keine, ich bin auch noch nicht damit konfrontiert worden. Ich hoffe gut, wenn es drauf ankommt.

Müssen Sie sich eigentlich oft auf die Zunge beißen, etwas nicht zu sagen?
Nein!

Gibt es aber irgendwas, wo Sie sich im Nachhinein drüber ärgern, es gesagt zu haben?

Wenn Leute, die ich kenne, irgendwas von mir wollen, dann neige ich dazu, das so hinzukriegen, dass sie es schaffen, auch wenn ich keine Zeit habe. Der erste Impuls ist immer "Ja, mach ich", anstatt zu überlegen und dann "Nein" sagen. Ich kann schlecht "Nein" sagen, dass ist schwer für mich. Das müsste ich manchmal, das hat mich schon oft geärgert. Jemand, der es gut hätte selber machen können, probiert einfach, ob ich es mache.

Ist das jetzt auch auf Rollen bezogen?
Da passiert auch schon mal, aber selten.

Themenwechsel! Sie sind ja Halb Amerikaner, Halb Deutscher. Welche Sprache wurde zu Hause immer gesprochen?

In Amerika Englisch, in Deutschland Deutsch.

Haben Sie noch Kindheitserinnerungen an Amerika?

Bis vier Jahre ungefähr. Ich erinnere mich noch an zwei Häuser, wo wir gewohnt haben, an den Bus, an verschiedene Spiele, die wir gemacht haben und an das Glas mit den Kaugummis.

War es eigentlich eine Umstellung als Sie nach Deutschland gezogen sind?
Ich war mit sechs Geschwistern unterwegs und das ging ganz schnell.

Sie haben ja ziemlich oft die Schule gewechselt. Wie geht man damit um, wenn man aus dem Freundschaftskreis herausgerissen wird und neue Freunde suchen muss?
Vor allen Dingen die letzten beiden Male, da war ich ja auch nicht mehr so klein. Das ist einfach blöd, erstmal verloren, weil man denkt, dass man das nie schafft, man kennt dort keinen und lernt auch nie wieder einen kennen. Nach zwei Wochen merkt man, dass auch alle nur mit "Wasser kochen" und dann gibt es nette Leute und dann geht es wieder. Das ging immer ganz gut, aber im ersten Moment war es nicht schön.

Warum haben Sie so oft die Schule gewechselt?

Ich bin so oft umgezogen und deswegen war ich oft unterwegs. Immerhin war ich an einer Schule drei Jahre und das war für mich lang.

Sie waren ja acht Kinder in der Familie, dazu noch Vater und Mutter. Wie war so der Tagesablauf in der Großfamilie Sittler geregelt?

Das war genauso, wie bei jeder anderen Familie auch. Meine Mutter machte morgens meistens Haferflockenbrei, dann hat sie einen Riesen Haufen Brote fertig gemacht und dann musste man in die Schule gehen, bzw. meine Geschwister gingen in die Schule und ich war dann zu Hause.
Als mein älterer Bruder und meine ältere Schwester schon nicht mehr bei uns wohnten, mussten alle einmal die Woche die Küche aufräumen. Ich war damals acht Jahre alt und musste auch mitmachen. Wenn für acht Leute Essen gemacht worden ist und man musste das danach weg machen, das war schrecklich... (er lacht).

Sie waren ja auch das Nesthäkchen. Was hat das für Sie bedeutet?
Das bedeutet, dass man mitläuft. Ich wurde nicht schlecht behandelt und habe keine besondere Aufmerksamkeit bekommen. Ich hatte natürlich ältere Geschwister und war von daher nie alleine. Dann nahmen sie mich mal mit und dann war ich auch gut aufgehoben. Es gab schon Nachteile, wenn man z.B. beim Schlitten fahren der letzte in der Reihe ist, aber ich war dabei.

Hatten Ihre Geschwister damals eine Vorbildfunktion für Sie?
Im Rahmen dessen, dass die älteren Geschwister immer eine Vorbildfunktion haben. Nicht mehr als andere auch.

Wie war die Arbeit innerhalb der Familie verteilt? Mussten Sie weniger machen, weil Sie der jüngste waren?

Nein! Es gab Sachen, die wir nicht so gut konnten, wie z.B. bügeln und da mussten wir denn eben den Müll runtertragen. Es war so aufgeteilt, dass jeder etwas tat. Keine Bevorzugung, aber auch keine Benachteiligung.

Wie sind Sie zum Theater und zur Schauspielerei gekommen, obwohl sie ja eigentlich Arzt werden wollten?

Ich hatte viele Jahre auf einen Studienplatz gewartet und nebenbei habe ich denn auch im Krankenhaus gearbeitet. Als ich denn 25 Jahre alt war, habe ich gedacht, dass mir das zu lange dauert und das ich auch keine Lust mehr habe. Irgendwann hat mich denn ein Freund mit zu einem Fest der Schauspielschule genommen und das hat mir dort gefallen, da habe ich gedacht, dass ist besser, als alles andere. Du wirst dafür bezahlt, dass du spielst und dann habe ich mich da an der Schule beworben.
Paradoxerweise bekam ich den ersten richtigen Medizinstudienplatz in Berlin, den ich nicht angetreten habe. Die ganze Bewerbung dafür habe ich zurückgeschickt und dann habe ich die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule gemacht und ich habe bestanden. Mehr oder weniger bin ich da reingestolpert.

Es hätte ja auch schief gehen können!
Das stimmt, es hätte schief gehen können und dann wäre ich der Blöde gewesen.

Was hätten Sie dann gemacht?

Ich hab keine Ahnung! Ich hab überhaupt nicht über die Prüfung hinausgedacht. Als dann der erste Tag der Prüfung war, dachte ich, dass ich nicht aufgenommen werde und ich vor dem trümmerhaufen stehe, aber ich wurde aufgenommen. Ich hab nix überlegt.

Wussten Sie eigentlich schon bei dem Schauspielfest, dass Sie Schauspieler werden wollen?
Nein, ich hatte keine Ahnung vom Theater, hab vielleicht mal in der Schule Theater gespielt. Ich war aber auch nie auffällig, geschweige denn begabt gewesen.

Haben Sie irgendwelche Idole gehabt, zu denen Sie am Anfang ihrer Karriere aufgeblickt haben?

An den Kammerspielen, wo ich war, gab es ein paar Schauspieler, die ich gut fand. Peter Lühr, Helmut Stange, Doris Schade... Peter Lühr lebt nicht mehr, aber die anderen beiden gibt es noch. Das waren die, die im nächsten Umkreis waren. Dann lernte ich die anderen Theaterleute kennen, mit denen man nichts zu tun hatte. Da hatte ich Bücher gelesen, Stücke gesehen, Videos gesehen und dann habe ich gesehen, was es da so alles gibt und das wusste ich vorher nicht.

Eine Ihrer großen Rollen war ja die des Ronaldo Schäfer bei "Girlfriends" auf ZDF. Nach den ganzen Gerüchten um ein Ende der Serie, sagen Sie mir mal, ob es denn jetzt weitergeht oder nicht?

Die geht noch weiter, aber ich bin nur noch in zwei Folgen dabei.

Was gefällt Ihnen an der Rolle des Ronaldo Schäfer?

Der kann das, was er macht und er macht es gerne. Wenn es drauf ankommt, dann ordnet er das so an, wie er es haben will. Der hat nicht so einen Zwang, dass er als Boss angeredet werden muss. Er ist einfach ein natürlicher Chef, weil er die Sachen kann und er die Leute respektiert.

Also der krasse Gegensatz zu Dr. Schmidt!

Das stimmt so nicht ganz. Dr. Schmidt respektiert auch die Leute, aber er quält sie. Das tut der Ronaldo Schäfer nicht. Er muss nicht immer der Größte sein und das ist der Gegensatz zu Dr. Schmidt.

Haben Sie und Ronaldo Schäfer eventuelle Gemeinsamkeiten?

Dass er ausgleichend ist und Frieden haben will, aber das habe ich von mir übernommen. Das stand aber so schon in der Rolle drin, der Autor hat das übernommen.

Nennen Sie mir das Erfolgsrezept von "Girlfriends"!

(Walter lacht) Wenn ich das wüsste, würde ich das für teuer Geld verkaufen. Man kann das nur im nachhinein betrachten. Es war einmal die Zusammensetzung der Mitspielenden, dass es ein normales Umfeld war, dass man positive Leitfiguren hatten. Mit diesen Leitfiguren konnte man sich auch sehr gut identifizieren. Zudem hatten wir einen guten Autor. Der hat einen Stil entwickelt, wie die Menschen ihn mochten. Nicht zu vergessen die Regisseurin. Alle haben auch gerne gespielt.

Hat die Serie jetzt nach dem Ausstieg von Ihnen und Mariele Millowitsch überhaupt noch eine Chance weiterzubestehen?

Auf jeden Fall. Nachdem in den letzten Folgen die neuen Leute eine größere Rolle übernommen haben, gab es sehr positive Rückmeldungen der Zuschauer. Ich glaube, es wird sehr gut gehen. Die beiden neuen sind sehr gut. Ich wüsste nicht, warum es nicht weitergehen sollte.

Welche Szene von "Girlfriends" hat Ihnen am besten gefallen?

(Walter überlegt) Das sind 66 Folgen... kann ich nicht sagen, das sind so viele. Ich habe ein paar, die mehr gut gefallen haben, aber die müsste ich wieder sehen, ich hab sie nicht alle im Kopf. Kann ich nicht sagen... es sind einfach zu viele.

Jetzt der Übergang, welche Szene hat Ihnen bei "Nikola" am besten gefallen?

Das ist auch sehr schwer, weil es auch so viele davon gibt. Ich kann es aber nicht sagen, weil einfach viele gute dabei sind.

Inwiefern spiegelt eine Szene, bzw. die Serie das wahre Leben wieder?

Gute Serien funktionieren nur über längere Zeit, wenn sie auf dem Boden des wirklichen Lebens existieren. Wir bilden nicht das wirkliche Leben ab, es wie eingedampft, alles Überflüssige lässt man weg und das Wesentliche zeigt man. Wenn da nicht das wirkliche Leben als "Filter" dient, dann funktioniert das nicht.
Wenn ich mir das bei "Nikola" ansehe und überlege, was es für Chefärzte gibt, dann ist der Dr. Schmidt zahm dagegen. Man glaubt es zwar nicht, ist aber so. Natürlich gibt es keine Schwester wie es die Nikola gibt, aber es gibt Schwestern, die diese Haltung gerne hätten und es wäre auch gut, wenn sie die hätten. Manche haben die ja auch.

Was passiert eigentlich mit einer Szene, wenn man sich verspricht?

Eine Szene besteht ja meistens aus mehreren Einstellungen. Wenn sich einer verspricht, dann muss nur der eine das neu drehen, aber wenn man mit mehreren in einer Szene ist, dann muss man das noch mal drehen.

Wie reagieren da die Kollegen, wenn man sich mal verspricht?

Die Kollegen reagieren jetzt nicht böse darauf, aber wenn einer nie seinen Text lernt, dann würde man mit dem Regisseur reden, so dass man das nicht hundertmal drehen muss. Das passiert aber nicht.

Gab es eigentlich schon mal eine peinliche Situation auf der Bühne oder im Fernsehen?

Es gab schon verschiedene peinliche Situationen. Wenn man jetzt auf der Bühne sein Schwert ziehen soll, aber man bekommt es nicht raus, weil sich da was verwickelt hat oder man muss den Geldbeutel ganz lässig hinwerfen, aber er verfängt sich am Daumen. Das ist aber nicht wirklich peinlich, dass ist mehr schräg.

"Nikola" läuft bereits seit 1996. Ist da nicht irgendwann die Luft raus?

Noch nicht, irgendwann bestimmt. Ich wüsste aber nicht wann, ich könnte es nicht sagen. Wir haben sehr gute Drehbücher und weiterhin gute Bücher und wir haben noch Spaß dran.

Inwiefern ist die Quote denn für Sie wichtig?

Ich beobachte sie, denn die Quote ist entscheidend, ob wir weitermachen oder nicht. Solange wir die beste Serie im Sender sind, ist das aber nicht so entscheidend. Ansonsten kann ich mit der Quote nicht viel tun, denn wir haben unsere Arbeit schon gemacht, bevor die Quote kommt und da kann ich im nachhinein nichts ändern. Ich beobachte es allerdings sehr genau.

Wie sind Sie zu der Rolle des Dr. Schmidt gekommen?

Mariele Millowitsch bekam die Rolle der Nikola angeboten, nachdem sie schon etliche andere Frauen gefragt hatten, weil die sehr genau casten. Sie zeigte mir das Drehbuch und hat mich gefragt, ob sie das machen soll und ich war total begeistert von dem Drehbuch. Ich wollte die Rolle aber erst nicht, weil ich schon so viel mit ihr gespielt hatte, aber ich sagte, dass sie es machen soll.
Daraufhin ging sie zur Produktionsfirma und sagte, dass sie die Rolle nur nimmt, wenn man mich als Dr. Schmidt engagiert. Sie wurde für verrückt erklärt, weil man mich nur als Ronaldo Schäfer kannte und gedacht hatte, dass ich sowas nicht kann. Dann meinte sie: "Entweder er oder ich nicht!". Dann haben sie mich engagiert, es klappte auch ganz gut und nun sind wir in der fertigen sechsten Staffel.

Beschreiben Sie den Dr. Schmidt für die Leser!

Fachlich der beste orthopädische Chirurg der nördlichen Halbkugel, steht über jedem Gott. Er ist eigentlich ein kleiner Junge, der nicht groß werden will, deswegen hat er auch seine schnellen Autos. In gewisser Hinsicht kann er auch nicht erwachsen werden.

Würden Sie sich eigentlich aufgrund der Rolle als Comedian bezeichnen?

Nein! Comedian ist was völlig anderes. Comedian sind für mich die Stand-up Leute, die eine Nummer alleine auf die Bühne bringen. Vorbereitet, die mal kurz schauen, was im Publikum passiert, dann darauf eingehen und einfach gute Stimmung machen. Ich bin einfach Schauspieler, der gerne Komödie, Comedy und auch weitere Sachen spielt. Ich bin kein Comedian, das war ich auch nie.
Hape Kerkeling ist einer, der kann das sehr gut. Stefan Raab ist einer, ich mag ihn nicht, aber er kann es auf seine Weise. Da gibt es eine ganze Reihe, aber ich bin keiner.

Wie bekommen Sie die Mischung von anmaßender Chefarzt-Attitüde, kleinkindlicher Angst und pharaonenhafter Würde hin, die Dr. Schmidt wiederspiegelt?

(Walter grinst) Das ist mein Geheimnis! Ich mag die Rolle sehr und die Art, wie die Bücher geschrieben sind, welche Geschichte pro Staffel erzählt wird und was mit Nikola los ist. Das macht es sehr einfach. Die Autoren sehen zwar nicht immer, was sie da geschrieben haben, aber das ist ja denn auch meine Arbeit, das darzustellen. Es geht durch diese sehr gute Vorlage und weil ich es mag. Der Rest ist geheimnisvolle Mixtur.

Werden Sie eigentlich öfter auf der Straße als Dr. Schmidt angesprochen?

Ab und zu wird man von jüngeren Leuten angesprochen oder dass Kids an der Haltestelle stehen und nach mir rufen. Das gefällt mir dann schon, weil mich das freut, wenn sie "Nikola" gucken und nicht irgendwas anderes.

Wird es eigentlich jemals ein glückliches Ende zwischen Dr. Schmidt und Nikola geben?

Das ist ganz schwierig, denn die Serie lebt davon, dass die beiden nicht zusammen kommen. Sie sind das perfekte Paar, wenn sie nicht so wären wie sie sind, aber sie sind so wie sie sind. Ein glückliches Ende, ist nicht abzusehen, aber nicht ausgeschlossen. Ein deutliches JEIN.

Was wäre eigentlich, wenn es beim Fernsehen nicht geklappt hätte. Wären Sie beim Theater geblieben oder hätten Sie irgendwann noch ihr Medizinstudium angetreten?

Ich wäre beim Theater geblieben. Bevor das mit dem Fernsehen losging, war ich ja 13 Jahre fest beim Theater und wäre da auch weiter geblieben. Dann wäre ich wahrscheinlich noch hier am Staatstheater Stuttgart, wenn sie mich nicht rausgeschmissen hätten. Haben sie nicht, aber sie hätten ja können.

Haben Sie eigentlich jemals Fernseh- oder Theaterrollen abgelehnt?

Am eigenen Haus habe ich Theaterrollen nicht abgelehnt, aber welche von außerhalb und eine Reihe von Fernsehrollen.

"Nikola" oder Mariele Millowitsch haben schon etliche Preise gewonnen. Warum gewinnen Sie keine Preise?

Preise verdient man sich nicht, sondern man arbeitet gut und dann gibt es Gremien, die die Preise denn vergeben. Das bedeutet nicht, dass nur die, die die Preise bekommen, gute Filme machen. Das geht ja nicht, es gibt ja genügend gute Filme.
Ein Preis ist wie ein Geschenk. Man bekommt es geschenkt, aber man verdient es sich nicht und wenn man es nicht geschenkt bekommt, dann bekommt es ein anderer. Ich gönne jedem alle Preise der Welt. Es ist schön, wenn man Preise bekommt, aber ich würde alle Preise für einen guten Film hingeben. Lieber einen guten Film, als zehn Preise.

Können Sie eigentlich gut mit der Popularität umgehen?

Das, was am meisten auffällt ist, dass man, wenn man in der Stadt rumläuft und man in der S-Bahn ist, angesprochen wird. Meistens geht es ganz gut, wenn ich keine Lust drauf habe, fahre ich mit dem Auto. Ich gehe so schnell durch die Stadt, dass ich schon weg bin, bis es einer geschnallt hat. Ich bleibe manchmal Sachen deshalb fern, aber nicht oft. Es geht meistens ganz gut.
Das Schöne ist, dass die Menschen selten aufdringlich sind. Die wollen nur sagen, wie toll sie die Serie finden und wollen eine Autogrammkarte. Das ist schön, ist ja auch das Publikum.

Was hat sich verändert, seitdem Sie bekannt sind?

Auf der Straße werde ich ab und zu angesprochen, in Läden werde ich öfters erkannt und die Menschen sind sehr zuvorkommend, sehr freundlich. Ich werde immer sehr gut bedient (er grinst). Es ist insgesamt sehr positiv. Ich fahre nicht mehr ganz so viel U-Bahn, denn in der U-Bahn kann man nicht entkommen. Wenn Schulklassen in die Straßenbahn einsteigen und ich bin drin, ist das grausam, denn ich kann nicht weg. Wenn das dann auch zufällig Kinder sind, die "Nikola" gucken, dann bin ich da gefangen und muss erst mal da sein. Das mache ich einfach nicht mehr so oft.
Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Wir leben genauso wie vorher auch, dieselbe Wohnung, die Kinder gehen zur Schule. Wir machen mehr Reisen, weil ich ab und zu im Ausland bin. Jetzt z.B. fahre ich nach Südafrika für drei Monate, da nehme ich die Kinder mit und die gehen dort zur Schule. Das ist toll, das hat's ja vorher nicht gegeben.

Hat Sie der Erfolg in irgendeiner Weise verändert?

Ich hoffe nicht negativ. Der Erfolg ist nämlich auch so ein flüchtiges Geschäft, denn er kann ganz schnell wieder weg sein. Es ist ja nicht so, dass ich den Erfolg gepachtet habe, nur weil ich in zwei erfolgreichen Serien mitgespielt habe. Es kann sich ändern, plötzlich ist der Geschmack anders oder man ist zu alt und .....dann ist es weg.
Ich genieße, dass wir das haben. Ich verdiene auch mehr als am Theater, aber das sind alles äußere Dinge, die mit mir als Person gar nichts zu tun haben. Das ist die Art, wie der Beruf läuft und wenn ich Pech habe hört das wieder auf. Das tangiert mich persönlich aber nicht so.

Sie haben ja auch erzählt, dass Sie öfters mal erkannt werden. Was tun Sie, um nicht erkannt zu werden?

Wegbleiben, alles andere geht nicht. Ich hab mal versucht, mit einer großen Sonnenbrille auf einen Flohmarkt in Eutin zu gehen. Ich geh da mit der Sonnenbrille lang und dann kam jemand an und meinte: "Also trotz Ihrer Sonnebrille, können Sie mir ein Autogramm geben?". Da hab ich mir gedacht, dass man einfach wegbleiben muss.

Wie kommen Ihre Kinder damit klar, dass Sie berühmt sind?

Wir leben ja in derselben Umgebung wie vorher auch, die kennen uns also schon vor dieser Zeit. Auch die Freunde kenne sie auch schon so lange, denn wir wohnen ja schon seit 14 Jahren hier in Stuttgart. Die Arbeit hat sich nur ein bisschen verändert.
Wenn meine Kinder gefragt werden, dann holen sie ein Autogramm für ihre Freunde, falls eins gebraucht wird. Die Nachbarn haben auch nicht anders reagiert, man ist jetzt halt im Fernsehen, aber ist immer noch derselbe, da hat sich nix geändert.

Reagieren die Freunde Ihre Kinder nicht mit Kreisch-Attacken?

Nein, überhaupt nicht. Das tun ja die Leute merkwürdigerweise nur, wenn sie im Zusammenhang mit mehreren Leuten sind. Wenn ich im Schul-Flur bei meiner Tochter Lea (13) auftauchen und sie ist dort mit Freunden, dann kreischen die, aber wenn sie mit ihren Freunden nach Hause kommt, dann nicht. Das ist ein Phänomen, dass nur bei Mädchen in der Gruppe auftritt und dann muss man die Gruppen meiden, dass tue ich dann auch.

Sie spielen ja auch schon seit Jahren mit Mariele Millowitsch zusammen. Wie sind sie einander begegnet?

Mariele war besetzt als Marie Malek bei "Girlfriends". Ich kam als Ronaldo Schäfer ganz spät dazu, denn sie hatten keinen anderen. Da habe ich sie denn auch das erste Mal kennengelernt, das war ein paar Tage vor Drehbeginn. Ich hatte ja nie viel Fernsehen gemacht und da saßen viele Frauen von der Serie, unter anderem denn auch Mariele und ich kannte kaum jemanden davon.
Es ist ganz anderes als am Theater, es läuft einfach anders. Ich kannte die ja nicht und ich musste erst abchecken, was so läuft. Das hat auch lange gedauert, bis ich geschnallt habe, wie das funktioniert... bestimmt ein Jahr und dann wusste ich es. Von da an ging es denn gut.

Was schätzen Sie an Mariele?

Beruflich, dass sie immer daran interessiert ist, dass die Szene gut ist. Das erste Interesse gilt immer der Szene, so gut, wie man das an dem Tag drehen kann. Sie kommt vom Theater, so wie ich und das merkt man auch.
Sie spielt nie alleine, sie spielt immer mit, egal ob man sie in der Szene sehen kann oder nicht. Sie ist immer sehr gut vorbereitet, sie mogelt nicht und wird nur zickig, wenn irgendwas völlig schief geht. Sie ist angenehm und es ist gut, mit ihr zu arbeiten.

Haben Sie es jemals bereut, mit ihr zu arbeiten?

Nein, nie.

Gibt es für sie beide eigentlich irgendwelche Szenen, die besonders schwierig sind zu spielen?

Außer dass es schauspielerische Szenen gibt, die aber immer schwierig sind, egal ob man sich kennt oder nicht, können wir auch heikle Szenen drehen, dadurch, dass wir uns gut kennen und auch sehr gut befreundet sind. Wir sprechen vorher ab, wie wir das machen und dann machen wir das halt. Es gab schwierige Szenen, weil die Atmosphäre am Set schwierig war, aber gar nicht zwischen uns. Da gab es Verwicklungen, für die wir gar nichts konnten und das ist dann schwierig. Aber zwischen uns eigentlich nicht.
Wir haben schon schlechte Szenen gespielt, keine Frage, ich könnte die auch sagen, ich sag sie nicht, aber es waren nur wenige. Szenen, die richtig misslungen sind und auch da einige, die nicht wegen uns misslungen sind, sonder da konnten wir mindestens zur Hälfte auch nix dafür.

Gab es nach den schlechten Szenen auch mal Streitigkeiten zwischen Ihnen und Mariele?

(Walter ist erstaunt) Zwischen uns?! Nein, nie. Wir haben gleich gesagt, dass das ja heiter werden kann und dann haben wir gespielt und waren froh, als es dann vorbei war. Als es dann gesendet wurde, haben wir die Augen zugemacht, haben's nicht gesehen und dann ist gut.

Wie hat sich Ihre Freundschaft im Laufe der Jahre entwickelt?

Man kennt sich lange und wenn ich morgens in die Maske komme, dann weiß ich schon, wie es ihr geht. Ich muss sie nur einmal ansehen und dann weiß ich schon, was Sache ist. Man lernt sich im Laufe der Zeit besser kennen und wenn dann das Vertrauen da ist, dann kann man auch schwierige Zeiten bewältigen. Das geht gut.

Wie oft haben Sie eigentlich erklären müssen, dass Sie beide nichts miteinander haben...?

Oft! Die Reporter in Deutschland begreifen eins nicht, denn sie wissen nicht, worüber sie reden, dass nehme ich denen auch gar nicht übel. Eine gute Zusammenarbeit geht kaputt, wenn man sich liebesmäßig verbandelt. Die Leute denken einfach, wenn man so gut zusammenarbeitet, dann muss auch verliebt sein. Dass die das nicht begreifen wollen: so eine Zusammenarbeit, wie wir sie haben, wäre auf der Stelle kaputt, aber es steht nicht zur Debatte, deswegen ist es auch egal.
Ich hätte genügend Beispiele von Schauspieler-Paaren, wo die Zusammenarbeit so schwierig ist, gerade WEIL sie verbandelt sind. Ich würde jedem immer sofort davon abraten! Es gibt Paare, wo es funktioniert, nicht alle sind so schwierig, aber viele. Keinen Kollegen und keinen Regisseur... Kameramann ist ein ganz anderer Fall, aber bloß keine Kollegen und bloß keinen Produzenten. Das muss aber jeder selber wissen.

Sie nehmen sich ja auch Auszeiten für Ihr Privatleben. Wie lange darf eine Pause sein, um nicht bei den Zuschauern in Vergessenheit zu geraten?

Das würde ich so nicht sagen, denn es laufen ja meist die Wiederholungen. Selbst wenn ich ein Jahr nicht da wäre, wäre es auch kein Problem. Dr. Schmidt ist auch so einzigartig in der Landschaft, Kommissare gibt es viele, wobei es auch da sehr einzigartige gibt.

Sie sind ja auch sehr oft unterwegs. Wenn Sie unterwegs sind, nehmen Sie Ihre Familie denn auch mal mit zum Set?

Also, wenn ich in Köln bei "Nikola" arbeite und es sind Ferien, dann kommen sie auch schon mal zum Set. Als wir in Afrika vor vier Jahren waren, waren die Kinder viel am Set, denn es waren Sommerferien. Da hat meine älteste Tochter, die Jenny (16) ja auch mitgespielt. Wenn wir jetzt in Afrika sind, dann werden sie wohl auch mal zum Set kommen, aber nicht so oft, denn sie müssen ja auch zur Schule gehen, ist ja Schulzeit.
Als ich in Hamburg war, waren sie auch in den Ferien ab und zu am Set. Das Set ist aber nicht so interessant, das kennen sie schon, so spannend ist das nun auch wieder nicht. Es sind viele Leute da und dann fragt man sich eigentlich, was die hier alle machen. Es wird stundelang geleuchtet, dann sagt mal einer was, dann ist wieder Drehpause und irgendwann ist auch schon wieder Schluss. Es ist viel sitzen und warten.

Was bedeutet Familie für Sie?

Jetzt wollt ihr bestimmt was von Glück, Zufriedenheit und das Zentrum hören..? Ich bin einfach ein Familienmensch, ich habe gerne die Familie und ich finde es wichtig, wenn man Kinder hat oder will, dass man versucht sie möglichst selbstbewusst Großwerden zu lassen. Das ist eine schöne Arbeit, das ist toll, macht Spaß. Ich habe halt das Glück mit meiner Frau das machen zu können.

Inwiefern schützen Sie Ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit?

Es gibt wenig Bilder. Ich verkaufe einfach keine Homestories, dass könnte man stundenlang machen, mache ich aber nicht, weil ich es nicht will. Ich bin Schauspieler, da kann man mich oft genug sehen. Mein eigenes Leben geht auch keinen etwas an.

Kümmern Sie sich nach den Anschlägen vom 11.September aus Angst mehr um Ihre Kinder?

Nein! Sondern das was wir machen, haben wir vorher auch schon gemacht und wir schauen, dass sie ein gutes Selbstwertgefühl haben, dass sie von sich aus wissen, was wichtig ist. Das bedeutet auch, dass man ihnen bestimmte Sachen gestatten muss, wie z.B. die "Summer Jam". Das gehört zum Großwerden dazu.

Haben Ihre Kinder besondere Talente? Können sie so tanzen wie die Mutter, so schauspielern wie der Vater?

Die Lea, die jüngste, ist sehr musikalisch. Sie spielt Saxophon und Klavier, tanzt sehr gut und ist eine gute Bühnenpersönlichkeit. Die Jenny tanzt auch sehr gut, die sind beide im Jazzclub bei meiner Frau, schreibt sehr gut, ist sehr sprachbegabt, sehr musikalisch und singt schön.
Benedikt macht gar nicht sowas. Er wäre auch musikalisch, aber er überlässt es seinen Schwestern. Er ist sportlich... die Jungen sind einfach später dran mit sowas. Auf der Bühne wird vielleicht die Lea landen, Jenny glaube ich eher nicht. Sie könnte das zwar auch, aber ich weiß es nicht.

Ihre älteste Tochter hat bei dem Film "Die Wüstenrose" mitgespielt. Bringen Sie Ihre Kinder bewusst zur Schauspielerei?

Ich las die Rolle bei der "Wüstenrose" und da habe ich gedacht, dass das auf meine Tochter passt. Außerdem wollte sie sowieso mitfahren. Es war wie gespuckt und es funktioniert auch genau so.
Auf keinen Fall sage ich, dass sie müssen oder sollen. Wenn sie Lust drauf haben und ein Angebot bekommen, dann schauen wir, ob es geht. Wenn's geht ist gut und wenn's nicht geht, ist auch gut.

Welchen Rat würden Sie Ihren Kindern geben, wenn diese in Ihre Fußstapfen treten wollen?

Eine ordentliche Ausbildung machen, dass bedeutet, die bekommt man nicht nur von der Schule, sondern das muss man auch selber wollen. Dann könnte ich ihnen noch ein paar Tipps geben, was man an wichtigem Handwerk braucht, was man an Schulen nicht bekommt.
Dann muss man schauen, dass man weiß, warum man das macht. Wenn man das macht, weil man berühmt werden will, ist schon mal kein guter Punkt, da wirst du unglücklich mit. Du musst dort ständig dem Ruhm hinterherlaufen.

Wie lernen Sie eigentlich Ihren Text?

Es gibt ganz unterschiedliche Formen. Im Theater bin ich, wenn es lange Texte waren, spazieren gegangen und habe mir dabei den Text angesehen oder in der S-Bahn. Ich lerne sehr schnell, so richtig schnell und wenn ich es gelernt habe, dann setze ich mich hin und überlege, was da für Gefühle drin sind, wie man das machen kann usw. So bin ich verhältnismäßig gut vorbereitet und dann muss man sehen, was der Partner macht, alleine kann ich es ja nicht.

Wenn Ihre Projekte im TV laufen, sehen Sie das zusammen mit der Familie oder alleine?

Wenn ich zu Hause bin, immer mit der Familie. Wenn ich nicht da bin, gucke ich das entweder alleine oder ich "schwänze". Ich hab's ja gespielt, weiß zwar nicht, wie es geworden ist, aber meistens möchte ich wissen, wie es geworden ist und dann schau ich halt, welche Fehler da noch drin sind.

Ich hab gelesen, dass Sie zusammen mit Ihrer Frau Kinder-Musicals produzieren. Wie kam es dazu?

Meine Frau ist Choreographin und unterrichtet Jazz & Modern Dance. Sie hatte viele Jahre eine Gruppe in Ludwigsburg und da hat sie eben schon verschiedene Musicals gemacht. Wenn sie das schon macht, haben wir gesagt, dass wir das ganze auf Video aufnehmen und verkaufen. So ist das entstanden, aus den Sachen, die meine Frau macht.

Welche Projekte stehen demnächst an?

Das nächste ist ein Zweiteiler für Sat.1, der in Südafrika gedreht wird. Dann kommt nächstes Jahr die siebte Staffel von "Nikola".

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?

Wenn die Kinder mal aus der Schule sind und studieren gehen, würde ich gerne mit meiner Frau in verschiedenen großen Städten Europas ein paar Monate leben. Paris, Brüssel, Berlin, Barcelona, Rom.....einfach so 3-4 Monate und dann komm ich wieder heim.

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft?

Das ich gesund bleibe. Das ist das Wesentliche

Abschließende Frage: Was geben Sie den "Scholl"-Schülern mit auf den Weg?

Schaut, was einem gefällt. Das man sich Sachen zumutet. Man soll soweit gehen, wie man nur kann und dass das Vergnügen in einem ausgewogenem Verhältnis ist. Wenn einer gerne Computer spielt, dann soll er das machen, aber nebenbei sollte er was machen, wo die Befriedigung daraus kommt, dass man etwas geschafft hat.
Dass man die Fähigkeiten, die man hat, entwickelt. Das gibt ein Glücksgefühl, was man mit nichts anderem erzeugen kann, weder mit Alkohol noch mit Drogen. Ehrlich sein sich selber gegenüber. Wenn man Scheiße gemacht hat, hat man Scheiße gemacht, nicht so tun, als ob es die anderen waren.

Vielen Dank für dieses Interview !


© 2002 Swoosh! Ausgabe 02/02 (September 2002); Marcel Freund