SWR 4 Wein-Laube
(SWR4, 09.09.06)
 
Ganz besonders herzlichen Dank an Kerstin, die die Sendung aufgenommen hat und mir hat zukommen lassen
 
Moderator: [....] Gestern haben sich zwei "Prost" gesagt. Prost Walter und Prost Sigrid. 21 Jahre lang verheiratet und noch nie den Hochzeitstag vergessen: das ist ein Mann, wie er im Buch steht. Schauspieler Walter Sittler, vielen bekannt aus der Serie "girl friends" und gemeinsam mit seiner Frau Sigrid war er gestern Gast in unserer SWR4 Wein-Laube auf dem Weindorf in Stuttgart. Beide stammen übrigens aus Großfamilien. Walter Sittler hat sieben Geschwister - sechs davon leben noch -, seine Frau Sigrid hat sechs Geschwister. Sigrid Klausmann dreht ab kommende Woche einen Dokumentarfilm über eine Erzieherin aus Vaihingen. Und wir haben die beiden interviewt und wollten wissen, was das Geheimnis ihrer glücklichen Ehe ist.

Sigrid:Sich nicht immer selbst in den Mittelpunkt zu stellen, aber sich auch nicht immer in die zweite Reihe zu stellen. Das sage ich mal besonders den Frauen. Ich glaube, wir hatten auch Glück, dass wir uns begegnet sind. Und dann gibt's Menschen, die sagen: "Vielleicht ist das Geheimnis eures Glücks, dass er nicht dauernd zuhause ist." Da mag auch was dran sein. (sie lacht). Und sicherlich auch diese Erfahrung mit den großen Familien, da lernt man wirklich sich einfügen in einen kleinen sozialen Kosmos, da lernt man sich unterzuordnen, aber auch sich zu behaupten. Vielleicht sind es diese beiden Komponenten.

Walter: Ich glaube auch, ein wesentlicher Teil ist... da folge ich einem meiner Lieblingsautoren, einem Theaterautor und Romanautor, der das sehr schon formuliert hat, der hat gesagt: "Man muss die lieben, die einem ähnlich sind." Weil das Andere zwar sehr anziehend zu sein scheint, aber für das tägliche Leben grauenhaft kompliziert ist. Sigrid und ich haben, als wir uns zusammentaten, keine großen Gespräche darüber führen müssen, wie wir leben wollen. Sondern da wir ähnlich waren, wussten wir schon, was wir machen wollen, das passte schon. Es gab eine einzige Verabredung, wo wir sagten, wir wollen ein offenes Haus haben, wenn wir Kinder haben oder Gäste. Das war das einzige, alles übrige hat sich ergeben.
Und ich glaube auch, dass man in der Partnerschaft einen Raum braucht, wo man sich nicht ständig - wie im normalen Berufsleben oder draußen - behaupten muss. Sondern wo jemand eine Lässigkeit einem gegenüber an den Tag legt und einen einfach annimmt, wie man ist und einen auch begleitet, egal ob man das selber versteht oder nicht. Und der nicht sagt: Hauptsache, mir geht's gut und du bist nur für mich da und damit du meine Wünsche erfüllst. Man muss die Wünsche des Partners erfüllen, aber man muss auch die eigenen mitteilen, damit der Partner überhaupt eine Chance hat zu wissen, wer man ist. Man darf auch keine Angst voreinander haben. Dass der anderen einen nicht mehr liebt,wenn man irgendwie komisch ist. Man ist irgendwann immer komisch, das ist gar nicht zu vermeiden. Also dann seid es doch einfach, ja. (zustimmender Beifall des Publikums)

Sigrid: Ich glaube, wir schätzen gegenseitig sehr stark die Meinung des anderen... und machen dann manchmal trotzdem was wir wollen. (Gelächter und Beifall)

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