| SWR 1 - Leute (SWR1, 02.06.05) |
| Danke an Sonja R für den Hinweis auf die TV-Version und vielen vielen Dank an Susi fürs Abtippen!!! | |
| Petra Zundel: SWR 1 Leute heute Vormittag mit Deutschlands
beliebtesten Fernsehschauspieler. "Erst mit ihm macht Fernsehen richtig
Spaß", schreibt die TV Movie über Walter Sittler und ich
vermute stark, dass mit ihm auch Radio Spaß macht. Guten Morgen Herr
Sittler, Hallo. Walter: Guten Morgen. P. Zundel: Ich freu mich, dass ich Sie wiedersehe, wir haben uns nämlich schon mal gesehen... Walter: Ja, das ist aber... |
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| P. Zundel: ... Sie erinnern sich da garantiert nicht dran, ich sag Ihnen das mal: Das war ein Fest in Mannheim. Sie waren noch Schauspieler am Nationaltheater, ich hatte ein Freundin und Sie waren mit dem Partner dieser Freundin befreundet und kamen zu diesem Geburtstagsfest mit Ihrer hochschwangeren Frau und dem Köfferchen unterm Arm. Wissen Sie das noch? | |
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Walter: Ich weiß es noch, das war so: meine
Frau war bei dem Abendessen und ich hatte Vorstellung und kam später.
Ich kam so gegen halb elf oder elf. Ich kam in den Raum rein, da saßen
ca. zehn Leute und ich sah meine Frau und dann lag die Uhr schon neben ihr.
Und ich dachte: "Ach du lieber Gott!" und da sagte sie: "Ich
glaube, es ist schon regelmäßig. Wir sollen jetzt losgehen."
Und deswegen habe ich eigentlich niemanden mehr wahrgenommen, hab meine Frau an die Hand genommen und bin mit ihr ins Krankenhaus gefahren. Und dann wurde unser Sohn Benedikt per Kaiserschnitt geboren, ein paar Stunden später. P. Zundel: Dann wissen Sie sicher noch das Datum genau dieses Festes? Walter: Der Benedikt ist am 7. Februar geboren. Das war also am 6. Das war ein gemeinsamer Geburtstag der Frauen. So war das. |
| P. Zundel: Witzig nicht? Walter: Ja. P. Zundel: Jetzt wohnen Sie in Stuttgart - wie gefällt es Ihnen hier? Walter: Sehr gut. Also ich bin ja jetzt schon seit 1988 in Stuttgart und ich hab in meinem ganzen Leben noch nie so lang in einer Stadt gewohnt und bin also eigentlich Stuttgarter jetzt. Und uns geht es sehr gut hier. P. Zundel: Wohnen Sie freiwillig hier? Oder wären Sie lieber in Köln oder Hamburg oder Berlin? Das ist ja für Sie als Schauspieler eigentlich praktischer. Walter: Ja, das stimmt schon. Aber bei den Schauspielern ist es so: immer da, wo man wohnt, hat man gerade keine Arbeit. Aber dadurch, dass ich in meinem Leben sehr oft umgezogen bin, scharre ich ab und zu mit den Hufen und denke: "Jetzt muss ich mal wieder umziehen, irgendwie in eine größere Stadt" oder irgendwas. Aber meine Familie, also die Kinder sind hier in die Schule gegangen und meine Frau hat Arbeit in Ludwigsburg und die haben gesagt: "Nee, nee, mir bleibet do!" Und das ist mir sehr gut bekommen. Also ich fühl mich sehr wohl hier, ja. P. Zundel: Wie viele Kinder haben Sie, drei? Walter: Drei. P. Zundel: Wie alt sind die jetzt? |
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| Walter: 19, 18 und demnächst 16. Also alle sehr
knapp beieinander... P. Zundel: Sind die noch zu Hause? Oder sind die schon draußen. Walter: Die sind alle noch zu Hause und sind alle sehr gerne zu Hause. Die eine macht jetzt Abitur, also mündliches Abitur noch und ist dann fertig. Der andere ist in der Zwölften und die Lea ist jetzt in der Zehnten. P. Zundel: Und alle Kinder in Stuttgart hier in die Schule. Sind
richtig gesettelt... |
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| P. Zundel: Waren Sie schon mal auf einem Elternabend
in der Schule? Walter: Ich war in den letzten zwei, drei Jahren nicht mehr so oft. Aber davor immer mal wieder, wenn ich da bin, ja. |
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P. Zundel: Wie ist das dann für Sie? Wenn
Sie als Walter Sittler, der Schauspieler, zum Elternabend kommen, ist doch
eigentlich die Veranstaltung geschmissen, oder? Walter: Nein ganz so ist es nicht. Es ist ja so: der Stuttgarter an sich ist ja eher zurückhaltend. Also, er weiß was er mag, aber er sagt es nicht so laut. Und das ist eigentlich ganz schön. Also man merkt dann schon, sie gucken und fragen dann auch mal, aber dann geht es ums Thema und gut ist. P. Zundel: Wir kennen Sie ja aus zig Fernsehserien. Da spielen Sie einmal einen Pfarrer, einen Versicherungsdetektiv, einen Profiler, einen Hotelchef, einen Arzt. Also ich gehe mal davon aus, dass Sie keine Berührungsängste mit Serien haben, oder? |
| Walter: Nein, also es sind ja auch nicht zig Serien, sondern die Serien sind "girl friends" und "Nikola". Das andere sind, wenn es Reihen werden, vielleicht zwei Filme im Jahr. Und ich finde, Serien sind ein sehr gutes Fernsehformat. Es funktioniert auch nur dort, weil die Menschen dann Woche für Woche etwas sehen können, was sozusagen Teil ihrer Unterhaltungswelt wird. Und wenn die Serien gut sind, ist das für Schauspieler wunderbar, weil sie sich sozusagen als Person bei den Menschen einnisten und die mögen das dann auch. | |
| P. Zundel: Jetzt gibt es doch aber viele Ihrer Kollegen,
die sagen: "Jetzt spiel ich einmal einen Arzt und bin dann so festgelegt
auf diese eine Rolle. Ich bin immer dieser Arzt und kann nichts anderes
mehr spielen. Man glaubt mir nichts anders mehr". Wieso sehen Sie das
anders? Walter: Also wenn man vor so was Angst hat, dann sollte man es nicht machen. Das Festlegen passiert, wenn man das zu lange macht, also für immer. Und wenn man... wie soll ich das sagen... P. Zundel: ...wenn man sich vielleicht auch nicht wohl fühlt in der Rolle? Kann das sein? |
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Walter: Doch wohl fühlt, aber den Humor nicht mit rein nimmt.
Der Humor macht ja eine leichte Distanz und macht es spaßig und
gut und unterhaltsam und schön. Wenn man ganz drin aufgeht und sich
vollständig versucht zu identifizieren, dann glauben die Menschen
"der ist so." Ich meine, das geht mir ja auch so, das sie sagen
"aber der ist doch immer so nett, wieso spielt er jetzt den Mörder?".
Das passiert aber nicht oft. Und wenn man die, wie ich finde, als Schauspieler
notwendige Distanz und den Humor da drin hat, dann ist da so ein Augenzwinkern
dabei, ohne dass man's klein macht. Und man zeigt: "Hier, so ist
das." |
| Walter: Ja, also zum Beispiel, ich hab jetzt neun
Jahre Dr. Schmidt gespielt in "Nikola". Das ist immer ein guter
Erfolg gewesen. Und dennoch ist es nicht so, dass die Menschen denken: "der
ist nur das". Und ich hab auch viele andere Sachen gemacht. Aber im
Wesentlichen war es das und davor eben die "girl friends". Und
das geht. P. Zundel: Woher weiß man denn, wann Schluss ist mit so einer Serie? "Nikola" ist ja jetzt zu Ende, es kommt ja noch eine Staffel und dann ist vorbei, oder? Walter: Eine Staffel jetzt im September bis Dezember. Die letzte mit einem sehr schönen Schluss... ich kann den aber nicht verraten... P. Zundel: (lacht) Ich wollte gerade fragen... Walter: ...Nein, sagen tu ich nix, aber es ist wunderbar! Sehr schön geschrieben auch. P. Zundel: Ist der Schluss so wie man sich das denkt oder anders? Ist er überraschend? Walter: Also unsere wunderbaren Autoren haben ja nie das getan, was man denkt, was kommt, sondern was Anderes. P. Zundel: Ok. Walter: Aber es wird zur größten Befriedigung aller ausgehen, glaube ich. Also mir hat es Spaß gemacht. Das Ende [einer Serie] ist Erfahrungs- und Gefühlssache. Das kann man mit logischen Argumenten nicht belegen. Also wir haben einfach letztes Jahr im Februar gewusst: Es ist Zeit, es zu einem guten Ende zu bringen. Und wir haben das auch sofort gesagt und da ist auch keiner wirklich erschrocken. Die Autoren haben es rechtzeitig gewusst, die konnten voraus planen. Wir haben alle Leute mit an Bord gehabt bis zum Schluss und sind mit einem sehr schönen großen Fest auseinander gegangen. Und das wollten wir auch, damit es nicht so vor sich hinstirbt und damit keiner sagt: "Hoffentlich hören die bald auf, haben die keine Ahnung, wann Schluss ist?" P. Zundel: Jetzt haben Sie aber kein Projekt mehr mit Mariele Millowitsch? Walter: Im Moment habe ich keins mit Mariele. Also ich hatte jetzt elf Jahre mit ihr und ich würde sofort wieder eins machen, wenn eins auf dem Tisch wäre, was gut wäre. Aber sie macht jetzt eine Sache für einen anderen Sender und ich mach mein Zeug. Aber es wird schon wieder was geben. P. Zundel: In diesem Frühjahr sind Sie ja sehr präsent im deutschen Fernsehen. Ich habe irgendwo was gelesen von den "Sittler-Festspielen". |
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Walter: (lacht) Ja, das war bei SAT.1. Walter: ... danach kamen die anderen. Dann kamen RTL und ZDF und
morgen Abend eben die ARD mit einer schwäbischen Komödie. Also,
für die Baden - Württemberger unbedingt schauen, morgen Abend! |
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Walter: Das wurde in Schwäbisch Hall gedreht. Aber der Ort
heißt in dem Film anders, das verrate ich jetzt nicht. Aber die,
die Schwäbisch Hall kennen, werden es wissen. |
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Walter: Ich spiel am liebsten die richtigen Rollen. Also, die
richtige Rolle ist die, die ich verstehe, die ich mag. Ob das jetzt von
außen betrachtet ein Guter oder ein Böser ist, spielt gar keine
Rolle für mich. Sondern ob ich den verstehe. Also entsteht der vor
meinem Auge? Hab ich ein Gefühl dazu, oder nicht? Meistens spiele
ich die Sympathieträger, das liegt einfach auch an der Optik... |
| P. Zundel: Wie schwer ist es solche guten Rollen zu
finden? Walter: Ja, wenn man ein Trüffelschwein hätte, dann wäre das vielleicht einfacher. Das ist so: Ich sitze da und kriege die Sachen angeboten. Oder ich lese eine Geschichte und gehe zu einem Produzenten und sage: "Hör mal, hier ist eine ganz tolle Geschichte, willst du das machen?" Ob es dann ein gutes Buch wird, hängt dann vom Autor ab, von allen möglichen Zufällen, ob der die Geschichte versteht oder nicht. Es ist viel Glück dabei. P. Zundel: Können Sie sich da einmischen? Walter: Ja, also wenn ich das Buch rechtzeitig habe oder zum Beispiel nur ein Exposee, das heißt eine dreiseitiges Geschichte über das, was werden wird, dann kann man sagen: "Die Geschichte ist zu kompliziert, die läuft nicht richtig. Wo ist die Partnerin? Welche Geschichte wird wirklich erzählt? Die von dem? Und wo ist das eigentliche Problem?" Und da kann ich mich sehr wohl einmischen, und tu das dann auch, wenn ich weiß, wovon ich rede. Ich misch mich nicht ein, um mich einzumischen. Das mach ich nie, weil das keinen Sinn hat. P. Zundel: Haben Sie schon mal gesagt: "So spiel ich den nicht?" Walter: Ja. Das hab ich schon gesagt. P. Zundel: Wann? Walter: Das war bei einem Film, da war die Figur schön konzipiert, hat aber am Ende des Films die falschen Sachen gemacht, die nicht passten. Da hatte ich auch kein gutes Gefühl. Und da hab ich gesagt: "Das Ende ist falsch und das geht so nicht". P. Zundel: Und der Film war dann ein Erfolg? Walter: Ja. P. Zundel: Sie kommen ja ursprünglich vom Theater, machen das jetzt nicht mehr. Ich denke mal aus Zeitgründen, weil Sie einfach so viel... Walter: Ja, das lässt sich nicht mehr vereinbaren. P. Zundel: Das geht nicht, man kann das nicht parallel machen... |
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Walter: Nein, aber es ist die berufliche Heimat, da beißt
die Maus keinen Faden ab um mit Verona zu sprechen. Walter: Das mag einzelne noch geben, aber insgesamt ist das nicht
mehr so. Vielleicht auch bedingt durch die Schwierigkeit der Situation,
dass es nicht mehr so viel Arbeit gibt und dass viele Schauspieler froh
sind, wenn sie überhaupt was zu tun haben in ihrem Beruf. Es gab
eine Zeit, da war Fernsehen Unterhaltung und man verkaufte seine Seele
wenn man da hin ging. Das ist jetzt nicht mehr so. |
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| Walter: Ja, Kunst für Kunst. Aber auch im Theater
darf man nicht vergessen, dass die Unterhaltung im Vordergrund steht. Selbst
bei Tragödien und Drama geht es erst mal darum, die Menschen zu unterhalten.
Man muss sie nicht zum Lachen bringen, aber dass sie bewegt werden. Unterhalten
heißt "ich werde bewegt, innerlich". P. Zundel: Sie sind ja in Chicago geboren. Wäre da nicht Hollywood für Sie ein Ziel? Ihr Vater ist ja Amerikaner... Walter: Mein Vater war Amerikaner, ist aber dann Deutscher geworden. Also natürlich ist es schön, wenn man von guten Leuten ein Angebot bekommt: "Sag mal, willst du nicht in Amerika..." Aber dieses Angebot ist leider nicht da, sonst würde ich gerne... P. Zundel: Also würden Sie's machen, wenn einer käme? Walter: Also, ich hatte mal ein Casting für einen Film, der in - damals noch - Jugoslawien gedreht worden ist. Und ich hab die Rolle nicht bekommen, aber wie ich weiß, landete mein Casting-Band bei Spielberg in seinem Archiv... P. Zundel: Hey, toll! Walter: ...aber dort ist es heute noch. P. Zundel: Schade. Walter: Es hat sich nichts weiter draus ergeben. Aber es ist immer gut mit guten Leuten zu arbeiten, klar, ganz egal, wo sie sind, also ob jetzt dort oder in Frankreich oder Spanien. International wäre auch schön, hab ich aber noch nicht gemacht beziehungsweise ganz wenig nur - zwei, drei Mal. P. Zundel: Ist es nicht so, dass es unheimlich schwer ist, da Fuß zu fassen? Also, ich denke mal an Til Schweiger, Franka Potente - die waren ja in Los Angeles und sind dann aber wieder zurück. Die haben vielleicht mal ein Film, zwei Filme, aber es ist schwer da durchzukommen, weil es so viele gibt. |
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Walter: Erst einmal gibt es sehr viele und sehr viele
gute. Es muss einem auch liegen. Es liegt auch nicht jedem. Ich weiß
auch nicht, ob zum Beispiel Franka Potente - ich sag jetzt einfach mal -
dort richtig aufgehoben ist. Das hat nichts mit ihrem Können zu tun.
Oder ob zum Beispiel Juliette Binoche - eine große Schauspielerin
aus Frankreich - ob die in Hollywood überhaupt gut aufgehoben wäre.
Wahrscheinlich nicht, weil sie eine europäische Darstellerin ist. Und
das ist ein Unterschied. Man muss nicht Amerikaner sein, aber diese amerikanische
Art zu spielen und diese Art auch über die Sachen drüber zu gehen.
Das machen die europäischen Schauspieler nicht und das macht auch den
Reiz aus. P. Zundel: Hätten Sie es drauf? Walter: Ich würde es wahnsinnig gern versuchen! |
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P. Zundel: Sie sind zu dem "TV Mann des Jahres" gewählt
worden. Wie ist denn das? Das ist doch toll, wenn die Fans einem so lieben...
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| Walter: Ja, das ist, wie wenn man ein Preis bekommt.
Also das mag ich sehr. Es bedeutet ja nicht, dass ich ein toller Mensch
bin oder was, sondern dass meine Arbeit geschätzt wird und es ist natürlich
auch die Verpflichtung weiterhin gute Arbeit abzuliefern. P. Zundel: Wie nah dran sind Sie denn an den Fans? Wie eng ist denn der Kontakt? Walter: Also es gibt einige Gruppen, die sich oft treffen und die schreiben dann auch mal oder kommen bei Drehorten vorbei und sind Statisten und ich kenne auch einige ganz gut. Und dann bei Preisverleihungen sind Fans da, aber die kenne ich natürlich nicht, sondern das ist so allgemein. Und immer wieder, wenn ich einkaufen gehe, gibt's welche, die sagen: "Das ist aber schön, dass ich Sie mal persönlich sehe, mir gefallen ihre Sachen" und so. |
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| P. Zundel: Und freut Sie das? Es gibt ja so Künstler,
die sagen: "Oh Gott, ich werde überall erkannt, das ist mir zuviel". Walter: Wenn man selber nicht so gut drauf ist, und das nicht will, muss man daheim bleiben. Das gehört dazu. Ich spiele ja für die Menschen. Und es ist doch schön, wenn sie die Sachen mögen und das äußern. Also es kommt ja keiner und sagt: "Was spielst du denn für einen Mist, ich will dich nie mehr sehen." Sondern es ist immer ausschließlich positiv. P. Zundel: Haben Sie immer Autogrammkarten dabei, wenn Sie einkaufen gehen? Müssten Sie eigentlich... Walter: Ich versuche immer dran zu denken, und manchmal gehen sie mir aus, dann habe ich keine dabei. Aber ich versuche immer welche dabei zu haben. Heute ist es natürlich wieder mal schief gegangen, aber ich hab welche. P. Zundel: Ja, wir wissen Bescheid. Haben Sie dann so einen Mitarbeiterstab, der Ihre Fanpost bearbeitet? Walter: Ich habe eine Agentur in München, die mich vertritt bei den Sendern und bei den Produzenten und die bekommen die gesamte Autogrammpost und tüten die dann auch wieder ein, außer wenn ich persönlich antworten soll. Das gibt's dann auch. Da kriege ich dann einmal im Monat, oder wie oft es auch sein soll, einen Umschlag mit der Post, die ich persönlich beantworte. P. Zundel: Liebesbriefe? Walter: Nein, Liebesbriefe... es hat mal einen gegeben... P. Zundel: Sie kriegen keine Liebesbriefe? Das glaube ich nicht. |
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Walter: Doch, also es gab mal einen, da konnte ich
nicht drauf antworten, weil... das ging gar nicht. Bei anderen sag ich:
"Mädels, schaut, es gibt andere Nasen, ja? Und ich bin nicht Ronaldo
Schäfer. Ich bin ich." P. Zundel: Aber Sie sind doch der Frauentyp par excellence. Also da müssten doch eigentlich die Frauen auch mit Angeboten auf Sie zu kommen. Denkt man sich so, als Laie! Walter: Das ist kein Gebiet, auf das ich große Aufmerksamkeit verwende. Sondern ich versuche, schöne Sachen zu spielen und in die Fantasie der Menschen, Frauen und Männer hineinzukommen. Und wenn das passiert, macht mich das ganz glücklich, weil das für mich bedeutet, dass meine Arbeit das erzielt, was ich gerne möchte. |
| P. Zundel: Wie kommt Ihre Familie denn mit Ihrer Popularität
zurecht? "Der Papa ist der Star der Familie." Walter: Nicht "der Star der Familie", sondern "der Papa hat viel Erfolg im Fernsehen". Das bedeutet in der Familie gar nichts, da bin ich ein ganz normaler Vater, wie alle anderen auch, die es gibt. Und dadurch dass wir schon lange in Stuttgart leben, und die Menschen uns kennen, auch in der Schule... die kennen ja die Kinder schon, sie wissen, der ist das und der ist das so geworden und das ist nichts Besonderes mehr. P. Zundel: Ist es nicht so, dass dann Ihr Sohn oder Ihre Töchter nach Hause kommen und sagen "Du Papa, meine Freundin möchte mal mitspielen, kannst du da mal was machen?" Walter: Nee, das gibt's nicht. Aber es gibt es schon, dass es heißt, da ist eine in der Schule, die will will unbedingt ein Autogramm haben und dann mach ich das natürlich, logisch. Aber das hat keine Form, wo man sagt: "Oh Gott, ich weiß gar nicht, wie ich das handhaben soll." P. Zundel: Oder gibt es nicht Kinder, die sich besonders an Ihre Kinder wiederum anschließen, um mal bei Ihnen zu gucken, wie das zu Hause aussieht oder so? Walter: Das mag schon sein, aber da kümmern wir uns nicht drum, weil das keine Zukunft hat und keine Dauer. |
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| P. Zundel: Sie gelten ja als Familienmensch... als
treuer Ehemann... Walter: ...Ich bin ein Familienmensch. P. Zundel: Und man glaubt Ihnen das sogar. Walter: Ja das stimmt auch. P. Zundel: Sie sind es wirklich. Walter: Ja ich bin es wirklich. Das ist für mich das Fundament, das ist die Basis wo ich die Kraft bekomme und wenn ich da lange Zeit nicht hin kann oder soll... das geht gar nicht. |
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| P. Zundel: Wie machen Sie das, wenn Sie in Südafrika
drehen? Walter: Das letzte Mal als wir in Südafrika waren, das war der Zweiteiler für Sat.1, da ist die Familie mitgefahren. Die Kinder sind dort zur Schule gegangen ein Vierteljahr. Und wir waren richtig weg. Wir sind richtig ausgewandert sozusagen und haben dort gelebt. P. Zundel: Das geht, dass die dann ein Vierteljahr aus der Schule aussteigen? Verlieren Sie dann nicht den Anschluss? Walter: Die Schulen reagieren unterschiedlich. Die eine sagte: "Wunderbar, das ist eine ganz tolle Erfahrung für Ihre Tochter. Machen Sie das." Und die andere Schule sagte: "So einfach geht das nicht." Da habe ich gesagt: "Doch, das geht, das machen wir so. Er geht von September bis Dezember dort in die Schule und kommt dann zurück." Er ist dann auch in diese Schule nicht mehr zurück gegangen, weil das zu eng war. Weil das eine Erfahrung ist, die Kinder weiterbringt und uns auch. Überhaupt jeder längere Auslandsaufenthalt, wo man ganz neue Erfahrungen sammelt und einen ganz anderen Blick bekommt und den Blick erweitert. Und man kommt dann zurück und zum Teil denkt man: "Um Himmels willen, was machen wir hier eigentlich?" Und auf der anderen Seite denkt man: "Schön, dass wir wieder hier sind." |
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P. Zundel: Sie sind seit 20 Jahre mit der gleichen
Frau verheiratet. Wie schaffen Sie das? Walter: Ich liebe meine Frau. So einfach ist das. P. Zundel: Haben Sie lange gesucht? Walter: Nein, wir haben uns erst getroffen, als ich aufgehört habe zu suchen. Denn wenn man sucht, hat man meistens so ein Bild im Kopf wie die Frau sein soll. Also bei mir war das so. Ich wusste, wie sie aussehen soll und wie sie ungefähr sein soll. Das Bild kann aber keine Frau der Welt erfüllen, weil ein Mensch aus mehr besteht als dem, wir uns vorstellen können Und dann habe ich gesagt: "Das funktioniert sowieso alles nicht, das hat kein Sinn. Wenn eine kommt ist gut, wenn nicht ist auch gut." Und Zack, hab ich die Sigrid gesehen. So war das. |
| P. Zundel: Wo haben Sie sie gesehen? Walter: Es war eine Veranstaltung der Schule, an der sie gearbeitet hat und auf der ich vor vielen Jahren davor war und ich sollte ein paar Sachen erzählen über den ehemaligen Internatsleiter und sie saß im Publikum, und dann... P. Zundel: Sie saß im Publikum? Walter: Sie saß im Publikum und ich kam rein und hab sie gesehen und dachte: "Halt, stehen bleiben! Moment, Moment! Ich hab meine Sachen gesagt und bei der Veranstaltung nachher haben wir über die Tische hinweg geblinzelt und hat sie gesagt: "Ich komme mal zu einer Vorstellung" Mit dem ehemaligen Lehrer, den ich auch kannte. Und da dachte ich: "Jaja, kommen tun sie dann doch nicht!" Aber sie kam. P. Zundel: Wussten Sie, wie Sie heißt? Walter: Meine Mutter hat damals an der selben Schule unterrichtet, das war lange, nachdem ich da als Schüler war. Und sie kannte meine Mutter schon und hat gesagt: "Frau Sittler, bevor Sie gehen, stellen Sie mir Ihren Sohn vor." Das machte meine Mutter natürlich auch. Und Sie kam dann nach Mannheim und ist dann nicht mehr weggegangen. Und man muss schon was dafür tun, man muss es schon wollen, dass man zusammenbleibt. Aber wenn man das will und es mit einigermaßen Spaß macht, wird's immer schöner. |
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| P. Zundel: Ist es nicht so, dass viele zu früh
aufgeben, wenn ein Problem da ist? Also ich denke, auch in einer glücklichen
Ehe, in der sich beide Partner lieben, gibt es auch das ein oder andere
Problem. Walter: Ich glaube nicht, dass sie zu früh aufgeben, sondern dass sie keine Handhabe haben, das Problem aus der Welt zu schaffen. Sie wissen nicht, wie man reden soll, sondern es ist dann so eine Enttäuschung da, weil der Partner nicht so ist, wie man ihn sich gewünscht hat. Das ist schon Fehler. Oder dass man merkt, die Spannung ist einfach weg. Männer können dann auch nicht richtig reden, sie kriegen nicht das, was sie wollen oder was sie glauben zu verdienen. Das ist auch so eine Sache, man verdient erst mal gar nichts, sondern man gibt her und kriegt was geschenkt. Aber man kann nicht sagen: "Ich benehme mich so und dann bist du so". Damit kommt man nicht vorwärts. |
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| P. Zundel: Vielleicht können Sie auch besser
reden als viele Männer. Walter: Da bin ich mir gar nicht so sicher. Nur ich bin mir nicht so sicher, dass das was ich möchte, auch das Einzige ist. Sondern ich muss horchen und hinfühlen, was dem Partner wichtig ist. P. Zundel: Wie eitel sind Sie denn Herr Sittler? |
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Walter: Oh, vermutlich im Rahmen dessen, was
ich sein muss, damit es funktioniert. Ich hab da keine Skala. Ich kümmere
mich auch nicht sonderlich drum, weil ich arbeite einfach gerne und bin
gerne mit der Familie, da bleibt gar nicht so viel Zeit für die anderen
Sachen. P. Zundel: Wie lange brauchen Sie morgens im Bad? Walter: Sagen wir mal so... P. Zundel: Länger als Ihre Frau? Walter: ...wenn ich zum Drehen gehen muss, brauche ich ein bisschen länger, aber zu Hause geht das ruckzuck. Aufstehen... |
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P. Zundel: Was machen Sie denn dann, wenn Sie zum Drehen gehen? P. Zundel: Vier Wochen? P. Zundel: Und was machen Sie als Hausfrau? |
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| Walter: Es kommt schon zwei Mal die Woche, auch wenn
meine Frau zu Hause ist, jemand zum Saubermachen aber sonst machen wir alles
selber. Und das ist auch gut so. Es ist auch so, dass die Kinder etwas machen,
im Rahmen dessen, wenn sie Zeit haben... P. Zundel: ...oder wenn sie Lust haben (sie lacht)... Walter: ...och, das geht dann schon. Man muss schon sagen: "Würdest
du bitte...?" und dann funktioniert das auch. Aber es ist ein schöner
Vorgang, weil man die Kinder auch noch mal anders erlebt, man ist sozusagen
einfach der ruhende Pol zu Hause. |
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| Walter: Nein, das mussten wir nie. P. Zundel: Nee? Walter: Nee, wir mussten uns nie um die Schulen kümmern, die Kinder haben das von allein gemacht und das ist gut gegangen bis jetzt. P. Zundel: Was kochen Sie heute Mittag? Walter: Heute Mittag kommt keiner nach Hause, die haben alle Nachmittagsschule. P. Zundel: Praktisch! Walter: Praktisch! Sonst hätte ich was vorgekocht, weil ich selber nicht nach Hause kann und dann hätten die sich das warm gemacht. Also gewaschener Salat ist dann da und so Zeug halt. P. Zundel: Offenbar sind Sie ja der ideale Mann in diesen krisengeschüttelten Zeiten. Ich hab was gelesen von Jo Groebel, Medienexperte, und der sagt über Sie, Sie seien solide, authentisch, zuverlässig - und genau dieser Typ Schauspieler komme in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gut an. Da ist doch was dran, oder? Walter: (zögert) Ja, also ich weiß nicht genau. Das Authentische brauch ich, um die vielen verschiedenen Rollen spielen zu können. Nicht weil ich alle gleich spiele, sondern weil ich weiß - versuche zu wissen - wer ich bin und wie ich bin. |
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P. Zundel: Sie sind ja ein Mann, der in der Öffentlichkeit
steht. Man kann diese Öffentlichkeit ja auch lukrativ ausnutzen. Sie
können ja für Joghurts Reklame machen, für irgendwelche Geräte,
egal. Wie gehen Sie damit um, machen Sie so was?
Walter: Also, die zwei, drei Angebote, die es gab, die passten
nicht zu mir als Person. Also ich würde schon Werbung für was
machen, wenn ich das Gefühl hätte, das passt zu mir. Es einfach
nur ausnutzen, dass man bekannt ist, das geht, aber das liegt mir nicht.
Ich hätte da keine Freude dran und deswegen mache ich das nicht.
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| Walter: Also wenn ich 200.000 Euro einnehmen kann
und die hergeben kann für eine gute Sache, dann mach ich das, ja klar.
P. Zundel: Aber politisch sich offen zu verkaufen, würden Sie das machen? Es gibt ja Künstler, die machen Wahlkampf. Ganz offen. Walter: Also ich hab vor zwei Jahren, oder vor drei Jahren, bei dem letzten Wahlkampf für die SPD mich aus dem Fenster gehängt sozusagen, weil ich dachte, das ist wichtig. Es hängt von der Situation ab. Ich selber bin kein Parteimitglied und passe auch nicht in feste Strukturen rein, dafür ist mein Beruf auch nicht geeignet. Dass ich die Meinung sage und eine klare Meinung habe, das hat damit nichts zu tun. Die habe ich sehr wohl und die sage ich dann auch. P. Zundel: Also wenn Herr Schröder jetzt auf Sie zukäme, wenn der Wahlkampf richtig losgeht, würden Sie dann zu sagen? Walter: Ich müsste erst einmal sehen, was sie tatsächlich als Programm haben. Ich würde es nicht sofort machen, nur weil sie die SPD sind, auf keinen Fall. Was ich aber wichtig finde, ist, dass ein Land eine gute Opposition hat. Und wenn jetzt einige sagen, die sollen mal in der Gosse verschwinden, damit wir in Ruhe regieren können - was einige in der CDU, CSU und FDP sagen - bin ich sehr, sehr vorsichtig, weil ich diese Haltung ganz falsch finde. Das ist für die Demokratie ganz schlecht. P. Zundel: Ich habe noch einen interessanten Nebenjob von Ihnen entdeckt: Sie sind in der Jury zur Wahl nicht der "Hausfrau des Jahres", sondern... |
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| Walter: ... "der Familienmanagerin des Jahres"...
P. Zundel: (lacht) Entschuldigung: "Familienmanagerin der Jahres". Brauch Sie einen neuen Staubsauger? Walter: Nein, ich bin... (er lacht) Das ist Vorwerk, stimmt. Nein, die haben mich gefragt, ob ich das machen möchte und da ich glaube, dass die Frauen weiterhin bei uns unterrepräsentiert sind in dem Einfluss, den sie haben... Nicht, weil sie den Einfluss nicht haben wollen, sondern weil die entscheidenden Männer den Einfluss gar nicht zulassen, weil sie nicht merken, was für ein Gewinn das wäre. Und deswegen bin ich sehr dafür die Frauen zu fördern, überall wo immer das geht. P. Zundel: Und was müssen Sie da machen in der Jury. |
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| Walter: Wir kriegen dann die Einreichungen vorgelegt, und
treffen uns dann einmal - ich glaube an der Ostsee irgendwo - und dann redet
man einen Tag, wen man vorschlagen will. Und dann wird aus diesen, ich weiß
nicht, wie viele es sein werden, Vorschlägen die ausgewählt, die
es für dieses Jahr werden soll. P. Zundel: Können Sie doch Ihre Frau vorschlagen, oder? |
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Walter: Nein, da bin ich ja befangen. P. Zundel: Ach so. Walter: Geht ja nicht. Das muss dann jemand anders machen. P. Zundel: Walter Sittler, herzlichen Dank, dass Sie da waren! Das waren zwei Stunden SWR 1 Leute... Walter: Vielen Dank, es war schön. P. Zundel: Ich möchte noch an den Film erinnern morgen. Sie können ihn nämlich morgen sehen, in der ARD in der Komödie "Ein Geschenk des Himmels". |
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