| SWR 1 - Leute (SWR1 Radio, 07.04.00) |
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| M. Ries: Neun Minuten nach zehn, Freitag Vormittag:
"SWR 1 Leute" mit dem Schauspieler Walter Sittler. Guten Morgen! Walter: Guten Morgen nach Stuttgart! M. Ries: Jetzt gibt's vielleicht noch ein paar ganz wenige zu Hause an den Radiogeräten oder Menschen, die im Auto sitzen und jetzt zuhören und die sagen sich "Sittler, Sittler - welcher ist das noch mal?" Die haben ja auch das Problem, dass sie diese Menschen, die im Radio sprechen nicht sehen können, aber denen fällt es wahrscheinlich wie Schuppen aus den Haaren, wenn jetzt die Rollennamen kommen: Ronaldo Schäfer aus der ZDF-Serie "girl friends" oder Dr. Robert Schmidt aus "Nikola". In beiden Serien spielen Sie seit Jahren die männliche Hauptrolle neben Mariele Millowitsch. Welcher von beiden Namen fällt häufiger, wenn sie an der Wursttheke oder im Baumarkt angesprochen werden? Walter: Es kommt auf das Alter der Leute an, die an der Wursttheke stehen. Wenn es Jüngere sind, ist es Robert, wenn es Ältere sind, Ronaldo. M. Ries: Aber Sie stehen auf jeden Fall an der Wursttheke? Walter: Ich stehe an der Wursttheke, wenn ich da bin, klar. M. Ries: Gehen Sie auch in den Baumarkt? Walter: Oh ja! Jetzt im letzten halben Jahr war ich nicht mehr, weil ich soviel gearbeitet habe in Köln. Aber wenn ich jetzt wieder nach Hause komme, steht das nächste Ding an und dann geh ich wieder in den Baumarkt und dann werden Rollen gekauft und Holz usw. M. Ries: Und dann brauchen Sie erst mal drei Wochen Zeit, um das IKEA-Regal zusammenschrauben zu können, ne? (er lacht) Walter: Also ich will nichts gegen IKEA sagen, aber ich hab alles "IKEA" verbannt aus der Wohnung inzwischen. (sie lachen beide) Es gibt wahrscheinlich ein Alter, wo man sagt: "Also, ich hab von "Ivar" genug. Ich mach jetzt einfach normale Regale." M. Ries: Und wenn Sie dann als Ronaldo oder als Robert Schmidt angesprochen werden, wie reagieren Sie dann meistens? Ich mein, dass ist ja erstmal eine komische Situation? Walter: Ach, wissen Sie, es ist ja so: diejenigen, die einen ansprechen, die mögen ja die Sendung. Und ich frag sie dann, was sie alles gesehen haben und freue mich und sag "vielen Dank" und sie sollen uns treu bleiben usw. Weil die ja nicht mich persönlich meinen, sondern die Figur, die ich spiele. Und so reagiere ich dann auch. M. Ries: Ist das heute Vormittag auch schon passiert? Auf dem Weg ins Funkhaus? Walter: Nein. Ich hatte gar keine Gelegenheit. Ich war im Zug. Mit einem im Abteil, der hat Computer gespielt - nein, ich glaub, der hat gearbeitet... M. Ries: ...der hat gar nicht geguckt? Walter: Nein, der hat nicht geguckt und der Taxifahrer war sehr freundlich und hat mich einfach nur hochgefahren. M. Ries: Also, im Gegensatz zu dem jungen Mann, der Ihnen im Zug gegenüber gesessen ist, sitzen wir uns nicht direkt gegenüber, sondern hören uns nur per Leitung Stuttgart - Mainz... Walter: ...aber Ihre Stimme ist, als wenn Sie gegenüber säßen. M. Ries: Ja, wunderbar. Was machen Sie dort heute noch im Laufe des Tages? Walter: Ich werde um eins beim ZDF im Mittagsmagazin auftreten als Werbung für den Zweiteiler, der jetzt am Sonntag und Montag ausgestrahlt wird im ZDF. M. Ries: Schauen Sie sich den vorab auch noch mal an? Walter: Nein. Ich habe eine Schnittfassung gesehen, die war noch nicht fertig, also der Ton galt nicht und die Farben waren noch nicht so. Aber ich weiß, wie der Film aussieht und werde ihn mir dann Original anschauen, so wie alle anderen auch. M. Ries: Titel des Zweiteilers: "Das Herz des Priesters". Walter: Ja. M. Ries: Sonntag und Montag jeweils 20.15 Uhr im ZDF. Walter: So ist es. M. Ries: Später gibt's noch mehr dazu. Jetzt ist dieser Film ja schon seit längerer Zeit abgedreht, fix und fertig. Haben Sie trotzdem sowas wie ein leicht flaues Gefühl in Ihrer Magengegend? Walter: Ja, klar.. es ist wie eine Premiere. Das ist so: die Aufregung steigt bis zum Sonntag Abend und wenn die ersten fünf Minuten rum sind vom Film, dann ist es vorbei. Aber es ist wie ein, ja so ein ... wie soll ich sagen, wie so ein Ball im Magen, der da ist. M. Ries: Und wie und wo gucken Sie sich diesen Film selbst an? Walter: Wenn ich es schaffe, schaue ich den 1.Teil zu Hause mit meiner Familie. Dann fahr ich nachts nach Köln zum Arbeiten und schaue den 2.Teil Montag Abend in Köln. Wenn ich Glück habe, sind ein paar nette Leute bei mir. M. Ries: Und spannend ist ja dann wahrscheinlich der nächste Tag, wenn Sie wieder irgendwo unterwegs sind, Menschen treffen, die das möglicherweise am Vorabend auch gesehen haben? Dann kommen die ersten Reaktionen. Walter: Ja, das glaub ich schon. Aber ich werde am nächsten Tag nicht unterwegs sein, sondern ich bin auf'm Set und das ist wirklich spannend, weil da dann die Kollegen sind und die Beleuchter und der Ton und der Regisseur und es kommt dann drauf an wie die gucken. Es gibt dann welche die sagen (er sagt's übertrieben höflich) "Grüß Dich... ja, hab's gesehen... schön." so. Oder Leute sagen gar nichts, gucken so etwas betreten weg, weil sie's nicht mochten. Oder es finden Leute toll. Und das ist natürlich bei den Mitarbeitern besonders, weil die einfach sehr viel sehen und sehr viel Insiderwissen haben. [Musik / Nachrichten?] M. Ries: SWR 1 Baden-Württemberg, hier ist die Sendung Leute mit dem Schauspieler Walter Sittler, seit ein paar Jahren bestens im Fernsehgeschäft, vor allem bekannt durch die Seren "girl friends" und Nikola. War für Sie "girl friends" vor mittlerweile sechs Jahren, glaub ich, lief die erste Staffel, der Durchbruch vor der Kamera? Walter: Ja, eindeutig. Das muss man so sagen. Ich hatte vorher ja wenig gemacht, kleine Sachen, ich war 15 Jahre am Theater fest und als ich dann dieses Angebot bekam, merkte ich, das Fernsehen macht mir Spaß, das mach ich gerne. Ich konnte mich gemütlich langsam reinfühlen in das Ganze und ich traf die Mariele Millowitsch, mit der ich mich sehr gut verstanden habe und die mich ja dann in die andere Serie reingeholt hat. M. Ries: Zum Inhalt vielleicht nur ganz kurz: Hotelbesitzer, also Sie (Walter will protestieren) , arbeitet mit sympathisch-dynamischer Frau zusammen, Mariele Millowitsch und wie es dann so kommt im Leben, sie lernen sich lieben - ja... Walter: Ja, unter so dramatischen... Also, ich bin nicht Hotelbesitzer, sondern das Hotel gehört einem großen Konzern und ich bin sozusagen der Chef des Hotels. M. Ries: So rum. Also eine relativ einfache Story. Das klingt erst mal nicht SO spannend. Wie erklären Sie sich den Erfolg? Walter: Weil, einmal die Bücher vom Christian Pfannenschmidt sehr gut sind. Er hat eine Art, dass er die Wünsche der Menschen oder auch den Kitsch in einer guten Weise bedienen kann. Also nicht "Kitsch" jetzt schlecht gemeint, sondern positiv, und wir haben eben versucht, normale Leute da reinzubringen und wir haben nicht... sagen wir mal, die Menschen können sich wiederfinden in den Personen, die da mitspielen. In den Frauen hauptsächlich, weil es eigentlich 'ne Frauenserie ist. M. Ries: Wie wichtig, glauben Sie, ist es, dass Sie selbst zu Ihren Kollegen bzw. vor allem v.a. zur Kollegin Millowitsch einen guten Draht haben? Walter: Für mich ist es so, dass ich mit Kollegen, mit denen ich mich verstehe, einfach besser spielen kann. Es ist einfacher für mich. Und bei Mariele hat sich das einfach so ergeben, wir sind richtig befreundet und dadurch können wir im Prinzip... wir kennen uns sehr gut und wir können einfach alles locker durchsprechen vorher. Wenn wir irgendein Problem haben, dann klären wir das sofort. Und das funktioniert. Wir ticken ähnlich, was den Beruf anbelangt. M. Ries: Wenn Sie privat auch befreundet sind, dann haben Sie ja womöglich den Vater noch kennengelernt, Willy Millowitsch. Walter: Ja, ich war bei ihr zweimal eingeladen zu einem Essen und hab beides Mal ihn kennengelernt, also beim ersten Mal kennengelernt, beim zweiten Mal war er auch noch da. Sehr alt schon, aber ziemlich fit, muss ich sagen, und wenn man ihm ein paar Fragen stellte, vor allen Dingen nach Theater - ich hab ihn dann nach Theater gefragt, weil das ja auch meine Heimat ist - dann sprudelt das nur so raus. So war das damals. M. Ries: Mit wie vielen Folgen haben Sie ursprünglich gerechnet, als "girl friends" 1994 losging? Oder haben Sie sich überhaupt gar keine Gedanken drüber gemacht? Walter: Ich hab überhaupt nicht gerechnet, ehrlich. Also ich war froh, dass ich die Technik lernte, wie das funktioniert beim Fernsehen und als die 13 abgedreht waren, dachte ich: "Mir macht das Spaß, es soll ruhig weitergehen." und dann kamen noch mal 13 und dann noch mal und noch mal. Ich hab nicht gerechnet, nee. Ich rechne im Beruf überhaupt ziemlich wenig, sondern ich gucke, was kommt, schau ob's zustande kommt und wenn der erste Drehtag ist, dann gilt es. M. Ries: Im Augenblick ist, glaube ich, Pause, was "girl friends" angeht? Walter: Ja. M. Ries: Wie wird's da jetzt weitergehen? Wann kommen neue Folgen? Ich meine, die Fans sitzen schon wieder zu Hause, blättern in der Fernsehzeitschrift und finden "girl friends" nicht und fragen sich, wann geht's endlich weiter? Walter: Jaaa...man muss die ja auch ein bisschen kurz halten, ne? Dass die auch wieder richtige sozusagen "Begierde" haben danach. Es wird wiederholt werden, die Staffeln 3 und 4 werden dieses Jahr wiederholt ab Juni. Und wenn alles so geht wie's geplant ist, werden im nächsten Jahr ab April 13 neue Folgen gedreht, die dann vermutlich im Herbst gesendet werden. M. Ries: Wie sieht's aus mit "Nikola", wo Sie ja auch an der Seite von Mariele Millowitsch spielen? Das läuft im Augenblick auch nicht... Walter: Ja, "Nikola". Wir produzieren 13 Folgen im Jahr, das hat auch den Grund, dass es nicht so einfach ist sehr viele gute Bücher zu schreiben. Und wenn man die Comedy-Szene betrachtet in Deutschland, sieht man, es ist schwierig gute Bücher zu schreiben und wir sind in einer - sag ich mal so - der sehr guten Comedy-Serien und deswegen produzieren wir nur 13. Die gibt's dann im Herbst im Doppelpack mit "Ritas Welt" auf RTL wieder und das ist 'ne Sendung, die werden Mariele und ich wahrscheinlich spielen, bis wir in die Kiste fallen. M. Ries: Welche Serien sehen Sie sich selbst an? Walter: Ähm ja, jetzt haben Sie mich auf dem linken Fuß erwischt. Also was ich mache, ich schaue eigentlich von fast allen Serien wenigstens eine Folge an, damit ich weiß, wie die so ist... M. Ries: Also von Ihren eigenen. Walter: Von meinen eigenen sehe ich alles. M. Ries: Und ich meinte jetzt andere Serien? Walter: Andere Serien eben, da schaue ich eine Folge von anderen Serien an, eine oder zwei, damit ich ungefähr weiß wie die ist und das ist dann gut. M. Ries: Und wie sind die meisten? Walter: Mal so, mal so. (er lacht) M. Ries: Aber wenn Sie sagen "das ist dann gut", dann reicht's ja auch, dass man mal reingeguckt hat, dann weiß man wie das abläuft, kann mitreden (sie lachen beide) Walter: Ja, es ist so: dadurch dass ich ja selber viel arbeite und Familie habe, habe ich gar nicht soviel Zeit Serien zu gucken. Und ich möchte natürlich wissen, was die Kollegen machen und wie die anderen Serien aussehen, deswegen schau ich mir die an. Aber ich bin nicht ein Anhänger einer bestimmten Serie. M. Ries: Und wie oft haben Sie schon in Big Brother reingezappt? Walter: Zwei Mal! Weil meine Kinder gucken natürlich, wobei wir das dann begrenzt haben auf bestimmte Tage. Und ich wollte einfach wissen, was das ist, damit man auch drüber sprechen kann. M. Ries: Und wie war's? Walter: Es war so langweilig wie sonst nur was! M. Ries: Ja, aber Ihre Kinder gucken's ja jeden Tag, also so langweilig kann's nicht sein. Walter: Nee, die gucken nicht jeden Tag... M. Ries: Ok, aber öfter. Walter: Öfter, ja, drei bis vier Mal die Woche gucken sie. Und sie sagen "Ja, das ist irgendwie spannend, was die da so machen." Und da hab ich gesagt: "Ja, hört mal, das machen die alle nicht spontan, sondern dass ist die Regie, die denen sagt, was sie machen sollen." - "Ja, aber trotzdem!" Und deswegen gucken sie. Wir machen da auch kein großes Buhei drum. Wir sagen nicht also "Ihr dürft nicht gucken!" und "Das ist doof" oder so, sondern die gucken das und im Juni ist es vorbei und dann ist gut. M. Ries: Es gibt ja Menschen, habe ich so den Eindruck, die haben auch ein bisschen Sorge sich zu blamieren, dass sie schräg angeguckt werden, wenn sie zugeben, dass sie sich Big Brother angucken. Können Sie das nachvollziehen bzw. können Sie auch die ganze Aufregung nachvollziehen, die es im Vorfeld dieser Sendung gab? Walter: Ich finde die Aufregung ganz ehrlich ein bisschen hysterisch, es gibt ja nun viele Sachen im Fernsehen, die mittelmäßig sind oder nicht gut sind wie überall sonst auch auf der Welt. Und ich denke, das Einfachste wäre gewesen, das innerhalb der Gremien, die das betrifft anzusprechen und sonst das Ganze auszusitzen. Dann wäre das alles in einer viel kleineren Welle verlaufen. M. Ries: Zumal ja im Vorfeld damit natürlich noch mal Werbung für die ganze Sache gemacht wurde. Walter: Ja und ich meine, die wollen ja auch Geld verdienen. Es ist ja nicht so, dass die das machen, um irgendjemandem zu helfen oder was, sondern die wollen Schotter machen und das machen sie auch! M. Ries: Ich denke, wir sind uns einig: für Big Brother gibt's wahrscheinlich keinen Grimme-Preis. Welchen Platz hat der in ihrer Wohnung gefunden? Walter: Ja, der Grimme-Preis in meiner Wohnung ... es ist so, er ist in einer Kiste gelandet, weil er auseinandergefallen ist am zweiten Tag. (er lacht) M. Ries: Wie, der ist auseinandergefallen?! Walter: Der Grimme-Preis ist eher von einer schlichten Schönheit, also der Preis an sich. Die Ehre ist wunderbar, aber der Preis ist sehr schlicht und ist so eine in sich verdrehte, aufgeschnittene, glänzende Scheibe und die Verbindungen sind einfach auseinandergefallen. Und deswegen steht er nirgendwo im Moment. Aber ich habe natürlich die Urkunde noch und sag es jedem, der es hören will oder auch nicht, dass wir ihn bekommen haben. M. Ries: Das heißt, Sie sind schon richtig stolz drauf, den Preis bekommen zu haben? Walter: Ja, das ist eindeutig einer der schönsten Fernsehpreise, die wir in Deutschland haben. Nicht so sehr für die breite Öffentlichkeit, sondern die breite Öffentlichkeit schaut mehr auf Bayrischen Fernsehpreis oder Deutschen Fernsehpreis oder so was. Aber in der Branche wird der Grimme-Preis sehr wohl wahrgenommen. M. Ries: Bekommen haben Sie den für die Sitcom Nikola, auch wieder an der Seite von Mariele Millowitsch. Walter: Ja! M. Ries: Wie schwierig ist es im Fernsehen auf Abruf bzw. nach Drehbuch witzig zu sein, auf den Punkt zu kommen, die Pointe zu treffen? Walter: Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Die Situationskomödie, die wir machen, hat mit der Sache, die z.B. die Wochenshow macht ja nichts zu tun. Weil die in der Wochenshow nehmen Figuren und machen eine leichte Karikatur da raus und die ist dann wunderbar und zum Lachen. Was wir machen, ist 'ne Situationskomödie, dass sich Menschen nicht verstehen. Und das funktioniert nur, wenn man ein gutes Buch hat. Mit 'nem guten Buch und viel Arbeit geht's von allein. M. Ries: Kommen die Lacher vom Band? Walter: Nein, in "Nikola" gibt's keine Lacher vom Band. M. Ries: Ach, da gibt's überhaupt keine Lacher?! Walter: Nee, wir machen überhaupt keine Lacher, weil wenn's da Lacher gäbe, wäre die nächste Pointe schon weg. Lachen sollen die Zuschauer, die vorm Fernsehschirm sitzen. Und die sollen nicht animiert werden, sondern wenn sie's komisch finden, sollen sie lachen, wenn nicht, sollen sie wegschalten. M. Ries: Wenn ich mal so aufzähle, was Sie die vergangenen Jahre alles fürs Fernsehen gemacht haben, mal abgesehen von den Serien "girl friends" und "Nikola", also z.B. "Rivalinnen der Liebe" für die ARD, "Kopflos" - RTL, "Lebenslang ist nicht genug" für PRO7, "Wanderjahre" - SAT1, "Wüstenrose" - ZDF, dann wird klar, Sie haben keine Berührungsängste was die Privaten angeht. Inwieweit gibt's für Sie persönlich vielleicht doch noch Unterschiede zwischen den einzelnen Anstalten, was die Arbeitsweise angeht? Walter: Was die Arbeitsweise angeht, muss man sagen, dass die kommerziellen Sender ein bisschen strenger auf's Budget achten, manchmal ein bisschen schneller arbeiten wollen. Ansonsten habe ich da keine Berührungsängste, sondern ich gucke einfach nach dem Buch. Wenn das Buch mir gefällt, dann hab ich Lust drauf, dann mache ich es, wenn ich Zeit hab, wenn das Buch mir nicht gefällt, mach' ich es nicht, egal von wo es herkommt. M. Ries: Und da haben Sie die Erfahrung gemacht, es ist jetzt nicht unbedingt von vornherein so, dass die öffentlich-rechtlichen bessere Drehbücher haben als die Privaten, sondern das hängt dann jeweils einfach vom einzelnen Drehbuch ab und hat weniger was mit der Anstalt zu tun? Walter: Sagen wir mal so, es gibt z.B. in meinem Bereich beim ZDF, wo ich arbeite, da sind die Drehbücher schon in eine bestimmte Richtung, das ist eher Melodram und sowas. Während bei den kommerziellen Sendern ist es einmal die Comedy und dann eher Krimi, Action - so in der Richtung. Aber was die Arbeitsweise noch betrifft: bei den kommerziellen Sendern wird mehr reingeredet vom Sender, das ist bei den öffentlichen nicht so. Das ist meine Erfahrung. M. Ries: Im Prinzip dann zwei Stressfaktoren: zum einen es quatschen Leute noch rein und zum zweiten hat man mehr Zeitdruck, muss schneller drehen, schneller arbeiten. Walter: Ja, man muss eben, wenn man verhandelt, sagen: "Gut, ich mache das, aber wieviel Drehtage haben wir? - Was? Wir haben nur 19 Tage? Spielt's selbst!" Das ist das, was man dann machen muss. M. Ries: Jetzt mal abgesehen von diesen Faktoren. Was ist denn für Sie das Entscheidende, dass Sie sagen: "Ok, das ist ein Drehbuch, damit kann ich was anfangen" Was muss da gegeben sein? Walter: Ja, also ... ich lese es und meine Nase muss mir sagen "Mach das, das ist gut". Das ist im Prinzip das Wesentliche. So objektive Kriterien kann ich da gar nicht setzen. Ich guck natürlich wie die Geschichte gebaut ist, ob sie spannend ist, ob das mit den Partnern gut läuft, ob die Dialoge gut sind, aber die Rolle, auf die es dann ankommt .... da habe ich auch keine festen Vorstellungen. Ich habe ja auch viele verschiedene gespielt, am Theater ja auch. Da kommt es kommt einfach aus dem Bauch raus: "Das ist spannend, das kannste machen". M. Ries: Sie haben vor vielen, vielen Monden auch mal in der "Schwarzwaldklinik" gespielt. Wie oft waren Sie da zu sehen? Walter: Ja. Ich glaube, es waren insgesamt drei oder vier Szenen, ich weiß es nicht mehr genau. Und das war sehr spannend, das war spaßig das zu machen. Da hab ich Anja Kruse gesehen und auch Sascha Hehn und so. War schön. M. Ries: Muss ganz zu Anfang Ihrer Fernseharbeit gewesen sein, ne? Weil damals haben Sie, glaube ich, hauptsächlich Theater gemacht? Walter: Ich hab nur Theater gemacht. Ich hab also von '81 bis '93 eigentlich nur Theater gemacht. Die "Schwarzwaldklinik" war ein kleiner Ausflug. Und dann habe ich ja wertvolle Sachen beim damals SWF in Baden-Baden gemacht, Telekolleg Deutsch. Mehrere Sendungen, die immer noch gesendet werden - nicht wegen mir, einfach weil's noch da ist. Und dann hab ich zum Ende meiner Theaterkarriere im "Doppelten Einsatz" mitgespielt. Das war eigentlich der ursprüngliche Startpunkt des Zustandes, wo ich jetzt bin. M. Ries: Noch mal kurz zum Telekolleg, Was haben Sie da genau gemacht? Haben Sie den Leuten Deutsch beigebracht am Radio? Walter: Nein, Deutsch können die Leute ja schon (er lacht). Es war so, wir haben z.B. eine Sendung gemacht über Mittelhochdeutsch. Da habe ich dann Walther von der Vogelweide rezitiert und wir hatten in der Bluebox eine Burg und da war ein sehr schönes, wie ich weiß, Burgfräulein oben und ich rezitierte ein mittelhochdeutsches Gedicht für sie. M. Ries: Können Sie das heute noch? Walter: Och, wenn Sie's mir geben, kann ich so tun, als ob ich's könnte, aber die, die's wirklich können, sagen: "Der kann's nicht." M. Ries: "Min Frouwe sprach, wat klingste schön, wat hat er ohl verdruht" Walter: (lacht) Ja, genau. M. Ries: Oder so ähnlich, so klang das. Walter: Immer mit "Frouwe", das klingt schon sehr gut. M. Ries: "Frouwe" ist gut. Das ist die Frau und dann gab's die Lautverschiebung, ganz genau. - Sie haben in Mannheim lange Theater gespielt... Walter: Sieben Jahre, ja. M. Ries: Und in Stuttgart? Walter: Auch sieben Jahre. M. Ries: Wie sehr fehlt Ihnen das heute? Walter: Die Theaterarbeit und das Theater an sich ist meine berufliche Heimat. Da führt kein Weg dran vorbei. Ich hab's sehr gerne gemacht, aber als ich dann 1994 wirklich anfing zu drehen , habe ich gemerkt, das ist etwas, was ich ebenfalls sehr gerne mache und wo ich das Gefühl habe, das kann ich fast noch besser. Und deswegen fehlt mir das Theater an sich nicht. Ich würde, wenn ein gutes Angebot käme - es war auch eins da, ich konnte es leider nicht machen - würde ich es tun. Wieder. Aber es ist nicht so, dass ich sage: "Oh, das Fernsehen ist so oberflächlich und so flach und das Theater war so schön." Nee, so ist es nicht. Ich geh auch gerne ins Theater, das schon. Aber ich kaue mir nicht die Fingernägel ab danach. M. Ries: Wenn schon die Fusion zwischen Deutscher Bank und Dresdner Bank nicht geklappt hat - heute gab's trotzdem wieder eine: die deutsch-luxemburgische Fernseh- und Radioholding CLT Ufa und die britische Pearson-TV schließen sich zum größten europäischen Fernsehkonzern zusammen und zu dem gehört u.a. auch RTL. Herr Sittler, welche Folgen könnte das möglicherweise für Sie als Schauspieler haben? Walter: Positive einmal, dass die Filme die wir machen auch dort ausgestrahlt werden, dass die Vertriebswege geöffnet werden. Es könnte negative Folgen haben, dass noch mehr rationalisiert wird, dass man also schneller drehen soll, weniger Zeit hat, weniger Geld hat. Das glaube ich aber nicht, weil dann bin ich nicht mehr dabei, also für mich gilt das dann nicht. Ansonsten ist es für uns, die wir an der Basis sozusagen arbeiten, relativ wurscht. M. Ries: Warten wir's ab, was im einzelnen passiert. Walter: Ja. M. Ries: Laut übereinstimmender Presseberichte werden Sie von vielen, vor allem weiblichen Fans gefeiert und angehimmelt als der neue TV-Herzensbrecher, der romantische Held... Walter: (leise schmunzelnd) Na das ist doch schön. M. Ries: ... der gutaussehende Charmeur - soll ich noch weiter zitieren? Walter: Ich glaub das reicht jetzt. (er lacht) M. Ries: TV-Beau hab ich noch, hat mir auch sehr gut gefallen. Wie gehen Sie mit diesen ganzen Attributen und Bezeichnungen um? Walter: Ich habe die alle in der Ansammlung noch nicht gelesen. (sie lachen beide). Es ist so, ich benutze ja Teile davon dann für die Rollen, je nachdem was ich spiele. Und dafür ist es sehr gut, wenn man verschiedene Sachen zur Verfügung hat. Es ist für die Rolle und den Film, den man dann macht, vorteilhaft. M. Ries: Wie groß ist die Sorge auf ein bestimmtes Image festgelegt zu werden? Walter: (zögert) Mal so, mal so. Wenn's mir gut geht, hab ich keine Sorge, wenn ich nicht so fit bin, denke ich "Hach, jetzt denken die, der spielt immer nur Melodram, ist ja grauenvoll." Aber im Prinzip glaube ich, solange man ordentlich spielt - auch ein Melodram - wenn man das gut spielt, sehen die Produzenten, mit denen ich arbeiten will und die Regisseure sehen, der ist ok, mit dem kann man gut arbeiten. Dann nehmen die mich auch für andere Sachen. Insofern habe ich meistens keine Sorge. M. Ries: Stimmt das denn überhaupt, dass Sie von den Frauen verehrt werden? Also, wieviel Kilo Fanpost kommen pro Woche zu Hause bei Ihnen an? Walter: In Kilo kann man das nicht messen, das sind eher Gramm. Es kommen schon welche, aber es ist handhabbar. M. Ries: Und wieviele ernstgemeinte Heiratsanträge sind darunter? Walter: Soll ich jetzt ehrlich antworten? M. Ries: Ja! Walter: Kein einziger! Weil die alle wissen, dass ich sehr glücklich verheiratet bin und deswegen versuchen sie es gar nicht erst. M. Ries: Und dann sind die so vernünftig und schreiben einfach: "Ich guck Sie gerne an, Sie gefallen mir, aber ich weiß, ich kann Sie ja eh nicht heiraten, weil Sie glücklich verheiratet sind"? Walter: Ja, so ungefähr. M. Ries: Aber es kann schon sein, dass das tatsächlich der Anfang
war und das da noch ein bisschen was nachkommt? |