| Menschen der Woche (SWR, 27.11.07) |
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Frank Elstner: Meine Damen und Herren wir kommen zum Schluss
unserer Sendung. Ein berühmter, ein wunderbarer Schauspieler kommt
zu uns und er kommt nicht alleine. Ich spreche von Walter Sittler. |
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Auch privat hat Walter Sittler das große Los gezogen: er ist
dreifacher Vater und mit der Choreografin und Dokumentarfilm - Regisseurin
Sigrid verheiratet. |
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Sigrid: Hat er das?
Walter: Habe ich, ja. Sigrid: Malin ist ein kleines, pelziges Wesen, das dem Walter auf einer Tournee begegnet ist. Und von dieser Begegnung hat Walter den Kindern in Abständen erzählt. Und da ich zuhause war, hab ich es den Kindern vorgelesen. Diese Briefe |
| F. Elstner: Also er hat sozusagen Briefe geschickt.
Sigrid: Er hat Briefe an die Kinder geschrieben um einfach den Kontakt zu haben und dann kamen in Abständen Briefe von diesem kleinen Wesen, die sehr spannend waren und bezaubernd geschrieben, fand ich damals auch. F. Elstner: Herr Sittler, ist das das berühmte schlechte Gewissen von uns Vätern, die wir viel zu oft unterwegs sind und dann denken: Schnell wenigstens ein paar Briefe nach Hause schicken, damit die Kinder was vorgelesen bekommen und denken, sie haben doch noch einen Vater? |
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Walter: Das würde ich so nicht sagen, sondern ich war davor sehr viel zuhause., Es war die erste Theatertournee, die ich überhaupt gemacht habe, das erste Mal, wo ich so ca. 14 Tage ohne Unterbrechung von zuhause weg war, dann mal einen Tag da, dann wieder 14 Tage weg. Und es war so eine Mischung. Es war eher positiv. Es war nicht negativ. Das Positive war: ich wollte bei den Kindern emotional vorhanden bleiben. Und da habe ich gedacht, wenn ich ihnen Geschichten erzähle, wo ich eine Rolle spiele, dann bleibe ich in ihrer Fantasie und genauso ist es eingetreten. Ich wusste nicht, ob es klappt, aber es hat funktioniert. F. Elstner: Als Sie die Geschichte erfunden haben und als Sie,
Sigrid sie vorgelesen haben, wusste man ja nicht, wie Malin aussieht.
Jetzt weiß man, wie Malin aussieht. |
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F. Elstner: Und Ihre Kinder, die ja in der Zwischenzeit größer geworden sind und denen das Buch gewidmet ist - hier steht es "für Lea-Marie, Benedikt, Jenny und Sigrid" - sind die zufrieden mit dem Aussehen von Malin? |
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Walter: Was haben die gesagt? (zu Sigrid) kannst Du Dich erinnern? Walter: Sie waren damals zwei, vier und sechs. Walter und Sigrid:.. also die waren ganz klein. |
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F. Elstner: Dieser Malin gefällt mir deswegen schon von Anfang an so, weil er sich so gemütlich in ihrem Bett breitgemacht hat und gepennt hat, als er todmüde ans Fenster geklopft hat aber mehr wollen wir hier nicht erzählen, Sie sollen ja das Buch lesen, vielleicht ein schönes Weihnachtsgeschenk. Jetzt kommen wir zu einem Film. Frau Sittler, Sie haben eine berührende Geschichte gefunden, aus der Sie einen Dokumentarfilm gemacht haben. Das heißt, Sie sind Filmproduzentin und Regisseurin und Ihr Mann hat kräftig mitgearbeitet. Ist es das erste Mal, dass Sie etwas gleichzeitig Gleiches gemacht haben? Sigrid: Nein, es ist nicht das erste Mal. Wir haben immer schon Dinge zusammen gemacht. Und haben sehr schnell festgestellt, dass wir auch ein gutes Team sind. Also nicht nur ein Paar, das sich menschlich liebt, sondern ein Team. F. Elstner: Und um was geht es jetzt bei diesem Film mit diesem Stelzenläufer? |
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Sigrid: Zuerst mal möchte ich sagen, dass ich diesen Film nicht alleine gemacht habe. Das ist mir sehr wichtig, denn man kann einen Film nicht alleine machen. Ich habe mit Frank Pfeiffer, dem zweiten Regisseur und Kameramann und Henk Drees, der die Montage gemacht hat, zwei großartige Kollegen gehabt und es ist mir sehr wichtig das zu sagen. Und die Geschichte ist die Biografie eines jungen Mannes, der in Kasachstan geboren ist und an einer Knochenmarks-Entzündung erkrankt. Sein Bein soll amputiert werden und kurz vor der Amputation erfahren die Eltern durch Zufall dass, wenn sie auf die Krim gehen, dort der Junge eine Chance hätte, das Bein nicht zu verlieren. Die Eltern geben alles auf F.Elstner: Ich möchte das nur noch einmal betonen für unsere Zuschauern: Das hat sich nicht einer ausgedacht, das ist kein Roman, sondern das ist authentisches Leben. Diesen Jungen gibt es und diese Geschichte ist eine Tatsache. |
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Sigrid: Es ist eine Tatsache. Dieser Junge wird schließlich geheilt - jetzt mache ich es in ganz kurzen Worten - er wird geheilt auf der Krim, aber die Eltern haben dadurch wirtschaftlich alles verloren. Dazu kommt, dass dieser junge Mann inzwischen statt auf Krücken, wie man es sich denken könnte, auf Stelzen steht. Und durch das Entdecken seines enormen künstlerischen, schöpferischen Talents hat er ganz neue Kräfte in sich wahrgenommen und er ist dabei Anerkennung zu bekommen in seinem Land, in einem zerrissenen Land. Und seinen Weg zu finden und diese Geschichte hat mich sehr berührt. F.Elstner: Und diese Geschichte berührt uns auch. Sie wird demnächst Premiere haben. Sie wird in einigen Städten aufgeführt werden und vielleicht wird der Film ja auch in ihrem Kino sein. Ich habe ein paar Bilder und möchte Ihnen gern diesen jungen Mann zeigen. Wie er auf Stelzen läuft, wie er sich verkleidet, was er tut, wie er sozusagen künstlerisch umgeht mit seinem Schicksal, das vielleicht gar nicht so ein schlechtes Schicksal ist, wenn man den Film mal genauer anguckt. (Zu Sigrid) vielleicht können Sie uns die Bilder kommentieren. |
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F. Elstner: Ein kleiner Ausschnitt aus dem Film "Fliegen wirst Du noch". Er hat so ein sympathisches Gesicht und wenn man ihn anschaut, dann möchte man mit ihm befreundet sein. Und wenn man sieht, wie er sein Schicksal meistert... nun hat er natürlich auch das Glück gehabt, dass Sie daraus einen Film machen. Denn je mehr Menschen an seinem Schicksal teilhaben, je besser wird's ihm natürlich auch gehen, denke ich mal. Sigrid: Das ist eine schöne Vorstellung, ja. Walter: Der Film ist in der Ukraine noch nicht gezeigt worden. Sie ist noch nicht hingefahren, das beabsichtigen wir aber. Also ich werde sie nicht begleiten, sondern es ist ihr Projekt und sie wird dahin fahren und das vorstellen. F. Elstner: Wussten Sie eigentlich, dass er in Salem ein nicht immer ganz leichter Schüler war? Sigrid: (lacht) Das weiß ich, ja. Wir haben uns viele Geschichten erzählt und da ich selbst sechs Jahre Lehrerin in Salem war, sind diese Geschichten vorausgeeilt. F. Elstner: Sie waren Lehrerin in Salem ? Sigrid: Ja, ich war Lehrerin in Salem und seine Mutter . Walter: lange nachdem ich da war Sigrid: Lange danach. Und seine Mutter war eine Kollegin von mir
und ich kenne meine Schwiegermutter länger als den Walter (sie
lacht) |
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Sigrid: Meinen Sie jetzt Noten-technisch, oder F. Elstner: So überhaupt - gehen die gerne in die Schule? Walter: An die beiden Mädchen auf jeden Fall, die können das sehr gut. Der Benedikt könnte das auch, aber ich glaube, er ist so wie ich. Er braucht einfach länger bis er die Sachen entdeckt, die ihm dann wirklich Spaß machen, damit er rauskriegt, was er wirklich will. |
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F. Elstner: Was haben Sie denn zuerst entdeckt, bevor es die Schauspielerei war? Walter: Also nach dem Abitur wusste ich überhaupt nicht, was ich machen soll. Dann habe ich alle möglichen Sachen gemacht. Ich habe gedient erstmal in der Bundeswehr. Danach war ich dann in Lima ein Jahr, dann bin ich Taxi gefahren, dann |
| F. Elstner: Halt, nicht so schnell! Was haben Sie
ein Jahr in Lima gemacht? Walter: Ich habe versucht rauszukriegen, was ich mit meinem Leben anfangen soll. Meine Schwester war dort und ich habe in verschiedenen Firmen gearbeitet. In einer Textilfirma, ich war Privatsekretär in einer kleinen Firma mit 15 Näherinnen, was sehr schön war, aber es war nicht das richtige am Ende des Tages. Und dann bin ich zurückgekommen und habe einfach versucht rauszufinden, was werden soll. Ich wollte ja richtiger Arzt werden, das hat auch nicht geklappt, weil ich keinen Studienplatz bekam, weil mein Abitur dann sooo gut auch wieder nicht. So ähnlich wie mein Sohn, die Mädchen sind besser, und die Schauspielerei kam dann sehr spät dazu. Also das muss ich jetzt sagen. |
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| F. Elstner: Wie haben Sie beide sich kennen gelernt ? |
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Sigrid: Auf einer Salem'schen Veranstaltung letztlich.
Da wurde der Geburtstag eines ehemaligen Internatsleiters gefeiert und
Walter und seine Mutter waren eingeladen. Er als ehemaliger Schulsprecher
und meine Schwiegermutter als ehemalige Kollegin und auch Freundin dieses
Internats.
Walter: Ich war ja fast rausgeflogen von der Schule und ein Jahr später war ich Schulsprecher. (Zu Elstner) darauf spielten Sie an Ich hab die Bewährungszeit nicht bestanden, weil es war glaube ich Alkohol im Spiel, wenn ich das richtig weiß. Und dann war ich Schulsprecher und dieser Internatsleiter, um den ging es. Und da habe ich Sigrid zum ersten Mal gesehen und sie mich auch und dann haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren. |
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F. Elstner: Sie haben verhältnismäßig spät die ganz große Karriere in der Öffentlichkeit gemacht. Sie waren vorher jahrelang am Theater. Sagen Sie ein paar schöne Sätze über Ihre siebenjährige Theater-Zeit in Mannheim. Walter: Das war für mich eine Entdeckung einer beruflichen Heimat. Wir waren eins der wenigen Ensembles, wo es nicht diese ganz starre Hierarchie gab, also nur die Stars und die Kleinen. Sondern jeder spielte alles mögliche und in den Gassen, wenn man da stand, hat man nicht geguckt und sich gefragt "was spielt der für einen Mist?" Sondern dann kamen die älteren Kollegen und sagten: "Pass auf, Du musst das soundso machen, dann mach ich das so und dann funktioniert das - das machen wir mal". Und so ging das einige Jahre lang, bis dann auch da das Ensemble auseinander brach. Das ist ganz normal, nach sieben Jahren fällt das auseinander und das hat mich geprägt für den Rest meiner Berufszeit. Und deswegen ist das Theater für mich weiterhin die Heimat und ich werde jetzt auch im November / Dezember dorthin wieder zurückkehren. F. Elstner: Ihre Heimat für die Familie ist jetzt Stuttgart Walter: seit 20 Jahren, ja. F. Elstner: Und in Stuttgart waren Sie auch sieben Jahre. Walter: da war ich auch sieben Jahre. Das war etwas schwieriger, weil da ein altes Ensemble mit einem neuen Ensemble zusammen verbunden werden musste. Und der damalige Schauspieldirektor Jürgen Bosse war ein bisschen zu kantig für Stuttgart. Also nicht für die Stuttgarter, die mochten das Theater, aber er ist mit den Journalisten nicht so umgegangen, wie sie sich das wünschten. Er hat z.B. gesagt "Was soll ich sagen, meine Stücke schauen Sie sie sich an, ja .dann können Sie sehen " und das ist ein bisschen harsch. Und er ist dann auch nach fünf Jahren weggegangen und ich bin geblieben und dann ging nach zwei Jahren eben das Fernsehen los. F. Elstner: Und jetzt sind sie wieder im Theater. Sie sind auf Tournee, sie spielen Kästner, "Als ich ein kleiner Junge war", ist das richtig? Walter: Ja, das ist die Autobiografie von Kästner. Wir haben eine Bühnenfassung daraus gemacht und ich sitze also nicht an einem Tisch mit einer Lampe und lese es ihnen vor, sondern ich erzähle es richtig, wie es sozusagen im Buch steht. Wir haben damit eine Art szenische Erzählung, man kann nicht genau sagen, was das eigentlich ist. Und wir haben das letztes Jahr aufgeführt, in Stuttgart und Dresden und ein paar anderen Städten, mit sechs Musikern, die hinter mir sitzen auf einer sehr schönen Bank und es ist ein sehr schöner, überraschend großer Erfolg geworden. Und deswegen machen wir diese große Tournee jetzt. F. Elstner: Und das hat wahnsinnige Kritiken. Überall steht, in allen Zeitungen, "da muss man hingehen"! Können Sie damit vielleicht mal hier anfangen? Wie das anfängt Walter: Es gibt eine Stelle, das ist ziemlich weit hinten, da erzählt er von seiner Mutter... (Walter spielt ein Stück aus der Kästner Stück) F. Elstner: Ich kann noch weitermachen, denn wir haben einen kleinen Ausschnitt da aus seiner Premieren-Aufführung, damit Sie mal sehen, wie hübsch das ist mit den Musikern. Walter: das stimmt Es folgt ein Ausschnitt aus "Als ich ein kleiner Junge war". F. Elstner: Also: Liebes Ehepaar Sittler, ich habe mich sehr gefreut,
dass wir uns mal zu dritt hier unterhalten konnten und ich wünsche
Ihnen für den Dokumentarfilm natürlich alles Gute, Ihnen für
die Tournee alles Gute. Was wird die nächste große Rolle
sein im Fernsehen? Wo können wir Sie wieder bewundern? Als Arzt,
als Liebhaber, wer sind die Partner? |
| F. Elstner: Wenn Sie so oft weg sind, sind Sie dann
nicht eifersüchtig, dass Ihre Frau vielleicht mal einen anderen Mann
kennen lernt, wenn sie immer so oft allein zuhause ist?
Walter: Nein, denn ich versuche, Ihr immer das Gefühl zu
geben, dass sie die einzige und wichtigste in meinem Leben ist und ich
glaube, dass hat bis jetzt ganz gut funktioniert. F. Elstner: Vielen Dank! |
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