| Landesschau (SWR, 02.06.05) |
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| Vielen Dank an Simone für die Leihgabe und Melli fürs Abtippen. Die Bildqualität ist wegen Longplay Aufnahme leider nicht wie gewohnt, aber Hauptsache es gibt überhaupt welche, oder? |
| Bernadette Schoog: "Fernsehen macht nur mit Walter
Sittler Spaß." So hat vor kurzem die renommierte Süddeutsche
Zeitung über meinen Gast getitelt. Von Walter Sittler, dem smarten
52-jährigen Schauspieler scheinen offensichtlich vor allem die Frauen
nicht genug zu bekommen, denn laut einer Emnid Umfrage sind zwei Fernsehproduktionen
mit ihm in der Hauptrolle auf Platz 1 und Platz 2 der Beliebtheitsskala
gewählt worden. Wie man mit soviel Zuspruch umgeht, und über den
neuesten Film von ihm, den wir morgen Abend in der ARD um 20:15 Uhr sehen
werden, unterhalte ich mich jetzt mit Walter Sittler. |
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| Eingespielt werden verschiedene - bekannte Aufnahmen aus
diversen anderen SWR Sendungen. Off: Ob als Fernsehdoktor in der TV Serie Nikola oder in "girl friends", meist spielt Walter Sittler in seinen Rollen den charmanten, gut aussehenden Single-Mann, dem alle Frauenherzen zufliegen. Seine weibliche Fangemeinde ist riesengroß, doch Walter Sittler ist seit 20 Jahren glücklich mit Ehefrau Sigrid verheiratet. Auf Starrummel steht der erfolgreiche Schauspieler nicht. Er hat einfach nur Glück gehabt, sagt er bescheiden. |
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B. Schoog: Na hoffentlich ist er nicht still. Herzlich
Willkommen, Walter Sittler. Walter: Guten Abend, ich freu mich. B. Schoog: Schön, dass Sie da sind. Man fragt sich natürlich, wie halten Sie als Person das aus, als Frauenschwarm durchs Leben zu gehen? Walter: Ich habe das Glück mit meiner Frau eine glückliche Ehe zu führen. Und es ist sehr schön, wenn man soviel Zuspruch bekommt. Also ich nehme das als Ansporn, weiter gute Filme zu machen, damit ich weiterhin die Menschen dazu animiere Zuspruch zu geben. Dann mache ich weiter gute Filme, bekomme weiter Zuspruch und so weiter und so weiter... |
| B. Schoog: Da könnten wir jetzt noch sechs Minuten drüber reden, aber wir wollen noch andere Themen abhandeln. Das wäre meine nächste Frage gewesen. Wie geht Ihre Familie damit um? Geht denen das nicht manchmal auf den Zeiger, wenn Sie zusammen irgendwo hingehen und Sie dauernd angehimmelt werden und der Rest der Familie steht dann im Schatten? | |
| Walter: Ich glaube, das würde denen auf denen
wie Sie sagen "Zeiger" gehen, wenn mir das soviel bedeuten würde,
dass ich sagen würde: "Schau mal wer da schaut!". Wenn das
so wäre, dann schon. Ich sehe das auch. Aber das sind ja Menschen,
die wollen mir ihre Zuneigung zeigen und nicht irgendwie was Böses.
Es kommt drauf an, wie man damit umgeht. Ich mag das aber ich bewerte es
nicht über. B. Schoog: Man weiß von Ihnen - das haben Sie jetzt auch schon mehrfach betont - dass Sie ein intaktes Familienleben haben. Seit über 20 Jahren sind Sie mit Ihrer Frau verheiratet. Sie haben drei fast erwachsene Kinder. Haben Sie ein Geheimnis für so ein gutes Familienleben? Das haben ja nicht alle Ihrer Kollegen. |
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| Walter: Erstmal muss man Glück haben, dass man
den richtigen oder die richtige trifft. Und dann muss man einfach sehr kompromissbereit
sein und Fünfe gerade sein lassen, denn Menschen entwickeln sich auf
unwegsamen Gelände, dem kann man nicht immer folgen. Das ist aber nicht
so schlimm, ich bin ja genauso. Und wenn man dann freundlich miteinander
ist und sagen kann: "Ich versteh dich zwar nicht ganz, aber passt schon",
dann wird es auch wieder gut. B. Schoog: Sie waren ja lange auf Serienrollen festgelegt nach Ihrer aktiven Theaterzeit und sind dadurch natürlich auch sehr bekannt geworden. Jetzt morgen in dem Film sind Sie ja auch ein bisschen Ihrem, ich sag mal "Image" treu geblieben, also wie man Sie ansieht. Warum sind Die nie eine tragische oder eine dramatische Person? |
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Walter: Also im Theater - da wo ich herkomme, also
meine berufliche Heimat - ist es ja so: da spielt man alles. Da ist die
Verabredung eine andere. Im Fernsehen ist es so: wenn man als sympathischer
Typ rüberkommt, dann wird man gerne wieder so besetzt. Ich habe ein
paar andere Sachen auch schon gespielt. Bei RTL war mal so ein Ding. Aber
insgesamt sehen mich die Leute eben so. Aber z.B. Dr. Robert Schmidt ist ja nicht nur sympathisch. Ist zwar ein guter Typ, ich mag ihn sehr, aber er ist auch sehr schwierig. Ich glaube nicht, dass ich ganz drauf festgelegt bin. Das wird sich auch ändern mit der Zeit. B. Schoog: Wie sehen Sie sich eigentlich selbst? Für Sie kann ja der smarte, 52-jährige, gut aussehende Mann nur eine Randfigur sein. Was für einen Blick haben Sie auf sich selbst? |
| Walter: (etwas perplex) Auf mich selbst? Ja was soll
ich da jetzt sagen? Ich bin wie jeder andere auch. Ich gucke morgens in
den Spiegel und denke manchmal: "Oh Gott, jetzt kann ich diesen Typen
nicht mehr sehen." Und manchmal steht man auf und denkt: "Das
passt schon, das wird schon alles gut werden". Ich weiß, dass
es viele Dinge gibt, von denen ich keine Ahnung habe, wo ich noch viel lernen
muss und dass ich aufpassen muss, was mit den Menschen um mich herum passiert.
Das ist das Wichtigste und das meine ich auch ganz ernst. Das müssen wir in unserer Gesellschaft viel mehr lernen, dass wir auf die anderen aufpassen. Was habe ich davon, wenn es mir gut geht und den anderen nicht? Gut, das kommt vielleicht aus der Familie, aus der Position, in der ich war. Daher bin ich nicht so auf mich selbst fixiert. Ich schaue lieber nach außen. |
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| B. Schoog: Darüber reden wir gleich. Jetzt wollen
wir uns vor allem auch erstmal einen Ausschnitt aus dem Spielfilm morgen
Abend anschauen. "Ein Geschenk des Himmels" heißt der, kommt
in der ARD um 20:15Uhr und da haben wir eine kleine Szene vorbereitet. Eingespielt wird die Szene mit dem Blitzableiter B. Schoog: Ich glaube da wird einem im Nachhinein noch schwummrig, wenn Sie das sehen wie Sie da an der Leiter hängen, oder? Walter: Ach, ich mache das ganz gerne. Ich finde das ganz schön. Jetzt bin ich schon 50 und darf immer noch solches Zeug machen. Das ist wirklich sehr schön. |
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| B. Schoog: Das Privileg Ihres Berufes. Der Film ist
ja zum großen Teil in Schwäbisch Hall und Umgebung gedreht worden.
Und es geht ja sehr um die Gemeinde der Pietisten. Der kleine Junge dankte
eben Jesus, dass er Ihnen geholfen hat. Gibt es zu der Religiosität,
die man da spürt, Parallelen zu ihrem Leben? Oder ist das eine ganz
andere Welt, die mit Ihnen nicht viel zu tun hat? Walter: Also in der Intensität kenne ich das nicht. Natürlich bin ich auch mit Religion in Verbindung gekommen. Einmal durch die Schule, dann durch die Kinder, die Kommunion hatten. Aber Religion spielt bei uns allen glaube ich eine Rolle. Man muss nur sehen, wie man es macht. Ich bin kein Amtskirchen-Mensch. Alles was so vorschriftsmäßig kommt, das mag ich nicht. |
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B. Schoog: Sie haben vorhin schon Ihre Wurzeln erwähnt.
Sie sind als jüngstes von acht Geschwistern aufgewachsen. Stählt
das einen fürs Leben? Verändert das den Blick aufs Leben? Walter: Ich weiß jetzt nicht, wie das bei andern so ist. Bei mir ist es ganz klar so, dass ich die Position des Jüngsten am besten kenne. Und bei "Nikola" war ich dann völlig überrascht, festzustellen, dass ich der Älteste - nicht nur am Set war - sondern in der gesamten Produktionsfirma. Da habe ich gedacht . (er schlägt gespielt geschockt die Hand vor den Mund) B. Schoog: Komische Gefühl, oder? |
| Walter: Ja und es hat einen Vorteil. Ich bin jetzt
50 und dann kommen Leute, die sind grad mal 20 und können ihren Beruf
schon. Da denkt man: "Hallo, die können das doch gar nicht können!
Ich bin doch hier der Älteste". Aber das ist ganz gut. Wenn man
als Ältester was sagt, dann wird das mehr wahrgenommen. Das ist gut.
Das bin ich gar nicht gewohnt gewesen von meiner Position. B. Schoog: Sie haben mal in einem anderen Interview gesagt, dass Sie mit Ihrem Aussehen - vorhin haben Sie das auch schon mal kurz beschrieben - gar nicht der Typ sind, dem man Dramatisches oder Tragisches zutraut. Man würde Ihnen immer unterstellen, Sie seien der Glückliche. Sind Sie auch so ein glücklicher Mensch? Können Sie das für sich privat auch so sagen? Walter: Jeder von uns hat ja viele Teile in sich drin. Und das man jemandem, der diese Optik geschenkt bekommen hat, das nicht zutraut, liegt nicht an mir, sondern liegt daran, dass man die Leute beurteilen möchte. Man möchte gerne sagen: "Der ist so und der ist so." So ist das aber nicht. Ganz egal wie einer aussieht... er ist schön und hässlich und glücklich und traurig und gut und schlecht, alles in einem. Das ist das Schöne an meinem Beruf, dass ich mich darum kümmern darf. |
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| B. Schoog: Sie sind ein Familienmensch, das haben
wir schon erfahren. Sie müssen sich zu Hause kräftig kümmern
um die drei Halbwüchsigen oder fast erwachsenen Kinder. Worüber
diskutieren sie am meisten mit Ihren Kindern? Gibt es Kontroversen wo sie
am Tisch sitzen und lautstark diskutieren?
Walter: Es geht dann um die Themen, die in der Schule aufkommen. Also im Geschichtsunterricht oder in Politik. Oder auch darum, wie man zu Hause zusammen leben soll. Was ich möchte, was ich erwarte, was ich will, das sie für uns tun. Und wie wir überhaupt miteinander umgehen sollen. Ingesamt ist die Situation sehr sehr friedlich. Um das mit einem neuen Begriff zu sagen: Sehr "gechillt. |
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B. Schoog: Stimmt, das sagen die Jugendlichen gerne.
Was würden Sie denn sagen wenn einer, oder vielleicht alle drei auch
in Ihre Fußstapfen treten würden und Schauspieler werden würden?
Fänden Sie das gut oder wären Sie skeptisch?
Walter: Erstmal würde ich gucken, ob es das Richtige für
sie ist. Ob ich das Gefühl hätte, es wäre das Richtige.
Und wenn es so wäre, würde ich ihnen helfen. Wenn es nicht das
Richtige ist, würde ich ihnen sagen, warum ich das denke. Wenn sie
es trotzdem wollen, dann muss man ihnen helfen ihren Weg zu gehen, denn
sie müssen ihn gehen und nicht ich. |
| B. Schoog: Wenn Sie gleich nach Hause kommen, werden
Ihre Kinder Ihnen sowieso den Kopf wieder gerade rücken, denke ich.
Ich bedanke mich ganz herzlich, dass sie bei uns waren. Danke, Walter Sittler.
Walter: Vielen Dank. © 2005 SWR |
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