"Wie es klappen kann, das Leben ..."
(teleschau, März 2005)
 
Walter Sittler spielt die Hauptrolle in "Ein Fall für den Fuchs" (SAT.1, Di., 23. und 30.03., 20.15 Uhr) und dreht die letzte Staffel von "Nikola" (RTL)

Nichts deutete auf diesen Moment hin, doch dann war er plötzlich da. Mit einem Mal blickten sie einander in die Augen. "Wir müssen aufhören, oder?", fragt sie ihn, und er weiß, dass sie Recht hat: "Ja, das müssen wir." Genau so ist es damals abgelaufen, erinnert sich Walter Sittler. Damals, im Februar des vergangenen Jahres, als er zusammen mit Mariele Millowitsch gerade eine neue Staffel von "Nikola" drehte, einer der erfolgreichsten und auch richtungsweisenden Sitcoms im deutschen Fernsehen - vielfach preisgekürt. "Es gab keinen wirklichen Grund, wir wussten es einfach." Und so soll im Herbst diesen Jahres dann ein Stück Fernsehgeschichte mit der letzten Staffel, die in diesen Wochen gedreht wird, ein Ende finden. "Es war wunderbar, hier dabei sein zu dürfen. So ein Glück, das hat man nur einmal im Leben."
Walter Sittler weiß sehr wohl, was er der Serie zu verdanken hat, die seit 1997 auf Sendung ist. Sie brachte ihm zum einen besondere Popularität, machte ihn weiter beliebt bei einem Publikum, das ihn bis dahin vor allem durch seine Rolle in der ZDF-Serie "girl friends" kannte. Doch nicht zuletzt waren es auch Regisseure, Produzenten und Autoren, die auf Sittler aufmerksam wurden. Und so kommt es, dass die Monate März und April im Fernsehen zu "Sittlerschen Festwochen" werden.

Es gibt viele Schauspieler, die von sich behaupten, eine solche Einstellung zu beruflichem Erfolg zu haben, aber nur wenigen kann man es glauben. Walter Sittler indes, einer der sympathischsten der Branche, übt sich tatsächlich in Bescheidenheit: "Mein Leben ist ein glückliches. Ich muss keine Sorgen haben, wenn ich an morgen denke", sagt er, doch fügt er hinzu: "Ich weiß nicht, ob mir das alles auch zusteht, aber ich genieße es natürlich. Als selbstverständlich habe ich jedoch noch niemals etwas begriffen."
Dreifacher Familienvater, glücklich verheiratet seit Mai 1985, im vergangenen Jahr von den Lesern einer TV-Zeitschrift zum "Traummann des Fernsehens" gewählt und vor allem: weiterhin ein neugieriger Mensch. 52 Jahre ist Sittler inzwischen, und noch immer hat er das Gefühl, "nicht wirklich zu wissen, wie alles eigentlich läuft. Jede neue Rolle, jede neue private Begegnung empfinde ich als neue Erfahrung. Jedes Mal muss ich lernen, neu zu verstehen. Es gibt so unendlich vieles, was ich noch nicht weiß."

Walter Sittler genießt die Aufmerksamkeit, die ihm nicht zuletzt von vielen Fans entgegengebracht wird. Ein Klick ins Internet genügt. Dank "Nikola" und vieler anderer Rollen schlägt ihm auch dort eine wahre Sympathiewelle entgegen. Doch der Gefahr, sich selbst im falschen Licht zu sehen, ist er nicht ausgesetzt. "Ich bin das jüngste von acht Kindern," sagt der in Chicago geborene Sohn eines amerikanischen Professors. "Da erlebst du auch Niederlagen und weißt, dass es nicht nur darum geht, der ganzen Welt den eigenen Stempel aufzudrücken." In diesem Sinne hat er auch seine Kinder erzogen, von denen das letzte 1989 geboren wurde. "Wir wollen ihnen Selbstbewusstsein mit auf den Weg geben: 'Arbeite gut und sei dabei nicht selbstherrlich: Dann kann es klappen.'"

Fleißig war Walter Sittler im vergangenen Jahr. Neben "Nikola" hat er eine ganze Reihe von Fernsehfilmen abgedreht, von denen manche auch in Reihe gehen könnten. Für SAT.1 stand er in der Gaunerkomödie "Ein Fall für den Fuchs" vor der Kamera.
Zwei Folgen wurden produziert, die erste wiederholt der Sender am Dienstag, 23. März. In der Woche darauf folgt die neue als Erstausstrahlung. Sittler spielt darin an der Seite von Dieter Landuris, Esther Schweins und Simone Thomalla den Kopf eines Gaunerteams, das sich zum Ziel setzt, gleich einem modernen Robin Hood reichen Widerlingen ihren Besitz zu nehmen, um ihn an die vom Leben Benachteiligten weiterzugeben.
"Da geht es nicht um Gewinnsucht, sondern nur um den Kampf gegen systembedingte Ungerechtigkeiten. . Das müsste den Menschen gerade in der heutigen Zeit gefallen." Sittler selbst mag die Figur, die er da spielt, besonders: "Ich will niemals meine eigene Haltung, mein ganz persönliches Rechtsempfinden aufgeben. Schon gar nicht für einen Staat oder ein System. Das ist eine Frage der Moral."
 
Auch im ZDF deutet sich eine neue Reihe mit Sittler an. Am 23. April, einem Samstagabend zur besten Sendezeit, steht "Gegen jedes Risiko" auf dem Programm. Hier ist Sittler ein Versicherungsdetektiv wider Willen. "Schon klar" lacht er, "das Thema 'Versicherung' ist ein eher trockenes. Aber uns geht es darum, die menschlichen Aspekte zu betrachten. Menschen geraten in Probleme, und dieser Max ist eben jemand, der die Fragen nicht nur kalt auf der Basis von Paragrafen beantwortet." Gut möglich, dass bei entsprechendem Erfolg aus dem Film eine lose Reihe wird.

Und schließlich bleibt Sittler auch RTL weiterhin treu. Ausgehend von der US-Serie "Monk" entstand Ende des vergangenen Jahres ein eigenständiges TV-Krimi-Format mit dem Titel "Die unlösbaren Fälle des Herrn Sand", in dem er an der Seite von Elke Winkens und Saskia Fischer zu sehen ist, die Ausstrahlung ist für Donnerstag, 14. April, 20.15 Uhr vorgesehen.
Im Herbst dann folgt "Nikola" zum Letzten. Die Geschichte der ewigen Beziehung eines Arztes und einer Krankenschwester, die sich hassten und ehrten zugleich. Die sich stritten und eines Tages dann, wenngleich vom Alkohol umnebelt, folgenschweren Sex hatten. Wie geht's weiter? Klar, dass Sittler da nicht allzu viel verraten mag. Aber man wird wohl ein Ende finden, das Hoffnung macht und viele Wege offen lässt.

© 2005 teleschau; Kai-Oliver Derks