| Der Teamspieler (Teleschau, November 2002) |
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| Walter Sittler spielt eine Hauptrolle in "Nikola" (freitags, RTL, 21.15 Uhr) und wird am 5. Dezember 50 Jahre alt | |
| Es gibt Freunde und Kollegen von Walter Sittler, die etwa
gleichen Alters sind, in denen langsam Gedanken an die Endlichkeit erwachen.
"Bei mir ist das Gott sei Dank anders", lächelt der Schauspieler
und strahlt dabei eine geradezu beneidenswerte Ruhe aus. Am 5. Dezember
wird er 50 Jahre. "Nicht einen Tag jünger will ich sein. Es dauerte
lange, bis ich gelernt habe, alleine durchs Leben zu laufen. Der Umgang
mit Druck, die Entspanntheit, die sich einstellt. Lange Zeit so wenig zu
wissen über den Beruf, über die Frauen. Nein, das brauche ich
nicht mehr." Sittler hat, das weiß er wohl, viel Glück gehabt in seinem Leben. Und auch das wird er an seinem Ehrentag feiern. Dort unten am Strand, nur wenige Meter vom glasklaren Meer entfernt, im kleinen Häuschen in Südafrika, das er gemeinsam mit seiner Frau noch bis Mitte Dezember gemietet hat. Fünf Monate verbrachte er am Kap, vor allem aus beruflichen Gründen. An der Seite von Veronica Ferres stand er dort bis vor kurzem für den SAT.1-Zweiteiler "Für immer verloren" vor der Kamera. Doch danach nutzte er die Gelegenheit, sich zu entspannen und die Flitterwochen nachzuholen. Bisschen spät nach 18 Jahren Ehe? "Es kam damals einfach nicht dazu." |
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| Mittlerweile ist Sittler Vater von drei Kindern. Aus dem Theaterschauspieler
von einst ist ein beliebter Film- und Serienstar geworden. Neben seinem
Engagement in "girlfriends" fürs ZDF, das nun zu Ende ging,
ist es nun seine Rolle als Dr. Schmidt in der RTL-Sitcom "Nikola",
das ihm Woche für Woche ein Millionenpublikum bringt. Sittler mag diesen Menschen, den er da spielt. Und das Thema der verzweifelten Suche nach Liebe, das Schmidt mit seiner Krankenschwester Nikola (Mariele Millowitsch) verbindet. "Das ist Komik, wie sie sein soll. Comedy ist immer entweder komisch oder schlecht. Dazwischen ist nichts." Dabei wandelt er selbst immer auf einem schmalen Grat. Niemals dürfe man, sagt er, in einer solchen Serie einen Charakter der Lächerlichkeit preisgeben. Doch eben hier ist dieser Dr. Schmidt, der von Überheblichkeit bis Tollpatschigkeit, von Eigenbrötelei bis Sehnsucht alles in sich birgt, stets nah dran. "Ich vertraue auf meine Erfahrung als Schauspieler. Und auf Mariele und das Team, die dafür sorgen, dass mir brauchbare Beurteilungen nicht abhanden kommen. Niemals, wirklich niemals, darf es so aussehen, als seien wir nur wie Affen im Zoo." Was er damit meint, ist die Grundlage für jede vernünftige Geschichte im Fernsehen und im Kino. "Jede Situation muss eine Verbindung zur Realität haben, eine Verankerung im wirklichen Bedürfnis von Menschen. Selbst 'Star Wars' erzählt, so fiktional es auch ist, von einfachen Gefühlen und Werten." Genau wolle man also auch in Zukunft darauf achten, diese Balance bei "Nikola" zu erhalten. Nach sechs Staffeln wechselt im kommenden Jahr der Regisseur der Serie. Ein wichtiger Einschnitt, "aber es wird klappen". Und wenn nicht? "Wir werden merken, wenn es nicht mehr gut läuft", sagt er und meint keineswegs die Zuschauerzahlen. Zumal er eine schöne Schlussszene schon im Kopf hat: Das Paar, das nie zueinander findet, sitzt alt und grau vor dem gemeinsamen Haus und tut das, was es immer getan hat: Es streitet sich. Wenn Walter Sittler von sich erzählt, tut er das fast immer in Verbindung mit anderen Menschen. Er lobt Mariele Millowitsch, schwärmt gern und ausführlich von seiner Frau Sigrid, vergisst nie zu erwähnen, wenn er den Erfolg von "Nikola" erklären soll, dass der ein Verdienst einer ganzen Mannschaft sei. Teamspieler Sittler - das musste, durfte er seit frühester Kindheit sein. In Chicago ist er geboren, als letztes von acht Kindern eines deutsch-amerikanischen Literatur-Professors. "Das war sicher für meine Karriere von Vorteil." Und später habe er vor allem im Theater gemerkt, "dass die Summe der Mitspieler mehr ist als die Summe der Einzelnen". Und: "Nichts im Leben funktioniert ohne Respekt vor seinem Gegenüber. An Menschen, die den nicht haben, habe ich keine Freude." Durch und durch ein Sympath also, und ein - wie die meisten Frauen bestätigen - gut aussehender dazu. Die 50 sieht man ihm nicht an, dem 1,94 Meter großen Schauspieler, dem sein Erscheinungsbild nicht immer zuträglich war. "Melodramen könnte ich immer spielen, echte Dramen kaum. Das traut man jemandem, der ein Aussehen hat, dass den meisten Menschen angenehm ist, nicht zu. Dessen Rollen dürfen gewisse Probleme nicht haben, weil man optisch einfach davon ausgeht, dass er vom Glück bevorzugt ist." Ein komplizierter Gedanke, der nichts anderes meint als: Einem, der wie Sittler aussieht, kann es einfach nicht schlecht gehen. Um so glücklicher ist er über Angebote wie das in "Für immer verloren", wo ihn das Schicksal auf eine ernsthafte Probe stellt, als er erfährt, dass ihn seine Frau, die in einem türkischen Gefängnis sitzt, seit Jahren betrügt. Rollen wie diese offenbaren die Möglichkeit, auch bedingt durch das ungewohnte südafrikanische Umfeld, sich als Darsteller immer neu zu entdecken. "Landschaft und Meer sind wunderschön. Aber ich könnte es nicht auf Dauer aushalten, dass man hier leichter einen Menschen als ein Auto mieten kann." Und noch einmal kommt Sittler auf die magische "50" zu sprechen: "Ich habe so viel erlebt, so viel Erfahrung gesammelt. Aber es sieht doch so aus, als weiß ich noch viel zu wenig." © 2002 Teleschau; Kai-Oliver Derks |
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