| "Neue Väter" Diskussionsrunde anläßlich des Frauen-Tages (WDR, 07.03.99) |
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| Neben Walter diskutierten folgende Gäste: Hans Siebert (Vater im Erziehungsurlaub) Frank Tumb (Werbefachmann) Rudolf Dreßler (SPD - Sozialexperte) Michael Rummenigge (Ex-Fußballprofi) zum Thema "Wer steht nachts auf, wenn das Kind schreit?" Walter: Das ist auch so, wenn man viel weg ist, bleibt es an den Frauen hängen. Das ist so. Moderator: Das war bei Ihnen auch so? Walter: Das ist jetzt bei mir mehr so. Ich war die ersten Jahre ... da ich am Theater war, war ich viel zu Hause. Da war das ganz klar, dass wir das alles zusammen machen. Und jetzt durch die Arbeit beim Fernsehen bin ich einfach oft die ganze Woche weg. Montag bis Freitag: weg. Morgens, mittags, abends: weg. Und das war früher eben nicht und das war sehr viel schöner. Und was die Phasen anlangt: Ich finde es gibt in jeder Phase Phasen, die einem nicht gefallen. Und in jeder Phase Phasen, die einem gut gefallen, das ist egal. Also, wenn sie sehr anstrengend sind, dann gefällt's einem nicht, aber .... Das Schöne ist ... als das erste Kind kam, war ich 32. Und da hab ich genau das erlebt, was Sie [Rudolf Dreßler] sagen: Da kommt etwas rein, was das Leben effektiv verändert, wie nichts anderes vorher. Und mit 21 oder 20 ist man noch mit sich selber beschäftigt, die meisten jedenfalls, behaupte ich mal. Wissen selber noch nicht, wer sie sind, was sie machen wollen, wo sie hingehen wollen. Und können noch gar nicht übersehen, welchen Platz so ein Kind einnehmen wird ... einnimmt, von sich aus. Es kommt auf die Welt und beansprucht Platz! Und den muss man ihm gewähren. Rückhaltlos. Weil es Sie auch rückhaltlos liebt und das ist das Wunderbare dabei. Das ist ein sehr schönes Erlebnis. Und das bleibt auch so. Ne ganze Weile zumindest, hoffe ich. "Arbeitsteilung bei der Kinderbetreung und im Haushalt" Moderator: Wie haben Sie das geschafft, Herr Sittler? Anfangs mit der Arbeitsteilung? |
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Walter: Das war im Prinzip ganz einfach. Am Theater
ist es ja so, da hat man mal sehr viel Proben, ist aber morgens zu Hause,
so bis um neun, halb zehn. Und dann ist man nachmittags zu Hause. Abends
dann meistens nicht, weil man Vorstellung hat. Manchmal hat man Zeiten,
wo keine Proben sind, dann sind wir viel da. Wir haben uns einfach geteilt, also alles! Ob das jetzt Wickeln, Kochen, Einkaufen ... wer gerade mehr Kraft hatte, machte es halt.Und die erste Tochter war ... hat sehr schlecht geschlafen am Anfang. Das ist einfach wahnsinnig anstrengend. Ich hatte dann auch Phasen, wo ich dann auf der Probe ... wir hatten einen Rock-Song zu singen und da war Soundcheck,richtig laut und ich bin 2 Meter neben der Band eingeschlafen. Einfach ... das war Notwehr. Aber wir haben's uns einfach geteilt und das ging sehr gut. Das war toll. |
| "Vatergefühle" Moderator: Man wirft uns Männern ja immer vor, das wir Schwierigkeiten haben, über Gefühle zu reden, aber vielleicht versuchen wir's doch mal. Wann haben Sie das Gefühl, mit einem Ihrer Kinder oder all Ihren Kindern: Jetzt ist so was da wie Einheit, jetzt hab ich das Gefühl: jetzt bin ich Vater? Jetzt spielt sich was zwischen uns ab? Was sind das für Gelegenheiten? Für Erlebnisse? Walter: Das ist wenn, die Kinder ... es ist mal intensiver und mal weniger. Die Kinder kommen näher und gehen auch wieder weg. Dann muss man wieder mehr arbeiten und umgekehrt. Das kommt ganz ... überraschend. Mal wenn sie 'ne schöne Sache mit nach Hause bringen, mal wenn sie unglücklich waren, wenn sie sich weh getan haben. Oder wenn wir drei Wochen zusammen in Ferien waren, wo es immer näher wurde, weil wir einfach nur zusammen gespielt haben und zusammen waren. Kein Abenteuerurlaub sondern ... ja, Abenteuer Familie einfach. In einem Haus, irgendwo im Grünen, wo nichts war sonst. Moderator: Es muss nichts Besonders sein? Walter: Das Besondere war, dass wir nur zusammen waren! Das entwickelte sich dann immer sehr gut. Und dann, wie gesagt, die Kinder verändern sich auch. Wenn man endlich begriffen hat, in welcher Phase sie sind, sind sie schon wieder in der nächsten. Und das ist das Abenteuer. Wirklich, das ist meine Erfahrung, das ist ganz toll. "im Beruf arbeiten oder zu Hause die Kinder betreuen?" Hier beklagt sich der Werbefachmann Frank Tumb erst mal darüber, dass die armen Väter die ja so viel arbeiten und Geld verdienen müssen, ja so wenig von ihren Kindern haben. (Ich geb's ja zu: ich fand seine Argumentation nicht wirklich überzeugend :-)) Walter: Aber ob man dann nicht anfangen muss, zu sagen: wenn man Kinder hat, braucht man ein bestimmtes Quantum Zeit. Weil in der Arbeitsstelle ist jeder von uns ersetzbar. Als Vater nicht! Nicht ersetzbar. D.h. wenn ich solch einen Job habe ... ja, das man dann sagt: Ich muss halt noch jemanden einstellen oder ein bisschen weniger verdienen. Hauptsache ich hab ein bisschen mehr Zeit daheim. Das ist, glaube ich, in fast allen Berufen möglich. Also ich z.B., ich bin jetzt oft weg. Aber ich kann auch Sachen absagen und sagen... Moderator: Das ist Ihr Vorteil natürlich. Haben Sie auch schon mal gemacht? Auf ein Angebot verzichtet... Walter: Oh ja, ja! Moderator: Das kann er [der Werbefachmann] natürlich schlecht. Walter: Das kann er schlecht. Er muss jemanden haben, der die Arbeit macht für ihn. Michael Rummenigge: Das kann nicht jeder. Ich konnte nie früher ein Spiel absagen... [....] Walter: Aber es gibt ja Zeiten dazwischen. Es gibt Ferien, es gibt spielfreie Zeiten, in der Woche auch. Und das muss man nutzen. "Ist man nicht von seinen Kindern manchmal auch genervt?" Moderator: Aber es gibt doch Situation, wo man sagt: Ich liebe meine Kinder oder mein Kind, aber jetzt gerade im Augenblick nicht. |
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| Walter: Sie sollen mich in Ruhe lassen, ja klar.
Ja, davon gibt es reichlich, immer wieder. Also wenn ein Kind, wenn es Bauchweh
hat ... ein kleines Kind, 3 Monate alt und schreit wirklich 6, 7 Stunden
am Stück. Nicht um uns zu ärgern, aber da gehen einfach ... irgendwann
sind die Nerven blank, da denkt man dann "Wenn du jetzt nicht aufhörst!".
Das ist aber ja nicht um uns zu ärgern und die hören ja dann auch
irgendwann auf und dann ist es ja auch wieder wunderbar. Man muss sich nur mit der Zeit nicht ganz so wichtig nehmen und dann geht das. Weil es ist ja eine Liebesbeziehung letztendlich, auch mit den Kindern... |
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| Hans Siebert: Das muss man lernen. Walter: Das muss man lernen. Und das ist das, was die Kinder einem beibringen und das ist ... geil! Frank Tumb: Aber das darf halt nicht so ein durchgehendes Ding sein, das man sagt: also, ich kann's jetzt nicht mehr ertragen.... Walter: Nein, das wechselt auch immer ganz schnell. Frank Tumb: Man muss immer ganz klar sagen: Es nervt, aber ich hab dich lieb und so. Walter: Jetzt nervt es und dann ist es wieder vorbei und dann ist es wieder wunderbar. Das geht ganz schnell. Die Kinder erziehen einen und das ist das Schöne. Wenn man die Kinder einen erziehen läßt, dann ist das ein Gewinn. "Warum nehmen immer noch so wenig Väter Erziehungsurlaub?" Walter: Es sind ja nicht nur die Rahmenbedingungen, die politischen, die geändert werden müssen, sondern auch in den Köpfen meiner Geschlechtsgenossen hauptsächlich. Die die Arbeit mit Kindern, die zu Hause geleistet wird, überhaupt gar nicht so hoch einschätzen, wie sie eigentlich ist. Wenn ich 'ne Firma hätte und suchte 'nen Personalchef, da würde ich 'ne Mutter von 4 Kindern liebend gerne nehmen, weil die ist erstens praktisch veranlagt - muss sie sein, sonst kann sie's gar nicht. |
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Sie muss Psychologin sein, sie muss Mutter
sein, sie muss 'nen Mann auch noch handhaben können . Was die alles
können nach 10 Jahren ... da könnte man sich die Finger nach lecken,
sozusagen. Das wird aber nicht gemacht, sondern die Arbeit als Hausfrau
ist ... "Naja und was machen Sie sonst noch so?". Und ich kenne 'ne ganze Reihe, wenn die nur eine Woche mit drei Kindern sein müssen ... die sind am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das ist so. Ich weiß auch warum. Und ich glaube ... das gehört natürlich auch zu den Rahmenbedingungen, dass man sagt: wenn eine Frau zu Hause bleibt und 5 Kinder erzieht oder 4 ... was dann übrigbleibt, später, wenn sie mal was bekommen soll, Rentenanspruch, da ist ja fast nichts da. Das ist 'ne Katastrophe! Das ist wirklich 'ne Katastrophe. Meine Schwiegermutter hat 7 Kinder. Hat 'ne Rente von 630 DM. Alle zahlen ein, alles sind erwachsene Leute, arbeiten und sie hat nichts. |
| "Väter auf dem Spielplatz" (Anm.d.W.) oder: das schreckliche Leid der "neuen" Väter... :-) Moderator: Ich kenne das als Vater auf dem Spielplatz. Frank Tumb: Ja. Moderator: Das ist gnadenlos. Da sitzen 10 Mütter und unterhalten sich über die Sonderangebote von Gummistiefeln und man ist absolut draußen. Man gehört einfach nicht dazu... Frank Tumb: Man ist nicht "in" in dem Sinne. Moderator: Das ist auch so was, wo es ganz schwierig wird... Walter: Man muss nur oft genug kommen, dann gehört man irgendwann dazu. Das geht dann schon. "Kinder sind unsere Zukunft" Walter: Aber ich denke, wenn wir uns vorstellen, die Kinder, die wir jetzt haben ... die jetzt erzogen werden, groß werden, das sind die, die den ganzen Laden schmeißen müssen irgendwann. Also können wir ihnen nur das Beste zu teil kommen lassen, was wir überhaupt haben. Damit sie das gut machen, wenn wir alt sind. Wenn man das im Kopf drin hat, dann hört auch diese strukturelle Familienfeindlichkeit auf, die wir in der Gesellschaft haben. © 1999 WDR |
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