| MonTalk (WDR2, 18.03.02) |
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| Anm.d.W.:Die Unterbrechungen (Musik, Nachrichten) sind
z.T. durch [....] gekennzeichnet. Ganz herzlichen Dank an Anke, Ellen und Jessica für's Abtippen! Ansage "WDR2 Montalk - der Steckbrief" |
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| Gisela Steinhauer: Ihr Name? Walter: Walter Sittler. G. Steinhauer: Geboren am? Walter: 05.12.1952. G. Steinhauer: Geboren in? Walter: Chicago/USA. |
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| G. Steinhauer: Größe? Walter: 1,94 m. G. Steinhauer: Ich bin auch sehr froh, dass wir sitzen (die beiden müssen lachen) Gewicht? Walter: 87,5 kg. G. Steinhauer: Familienstand? Walter: Verheiratet, drei Kinder. G. Steinhauer: Wie alt sind die Kinder? Walter: 16, 15 und 12. G. Steinhauer: Ihr Beruf? Walter: Ich bin Schauspieler. G. Steinhauer: Ihre Hobbys? Walter: Ich lese gern und gehe gern ins Kino. G. Steinhauer: Ihre Lieblingsserie? Walter: Schwer zu sagen. Die, wo ich spiele, gefällt mir ganz gut. "Nikola" gefällt mir gut. [....] G. Steinhauer: Der Schauspieler und Serienstar Walter Sittler ist heute unser Gast in "MonTalk" auf WDR 2. Waren Sie heute schon Dr. Schmidt? Walter: Ich war heute schon Dr. Schmidt. Vier Stunden lang, ja. Und es war schön. G. Steinhauer: Wer ist Dr. Schmidt? Walter: Dr. Schmidt ist der beste Orthopäde der nördlichen Hemishpäre. Hat die beste Abteilung der nördlichen Hemishpäre. Ist sagenhaft geschickt und gut. Wahnsinnig eitel. Er ist einfach nur ein Junge, der sich weigert, erwachsen zu werden. Und er wird behandelt wie ein kleiner Gott, der er in seinem Fach ja auch ist und genießt das auch. Er weiß allerdings gleichzeitig - und das ist es, weshalb mir die Rolle so gut gefällt - er weiß um die Schwächen schon, er kann sie nur nicht ablegen. Und es kommt keiner, der ihm sagt: "Jetzt komm mal, ich nehm' dich an die Hand und dann werden wir jetzt erwachsen." Wenn er erwachsen würde, wäre die Serie nicht mehr so. Natürlich. G. Steinhauer: Also für alle, die jetzt nix kapiert haben... (sie lacht) Es ist die sechste Staffel von "Nikola", RTL Comedy-Serie. Preisgekrönt mit dem Grimme-Preis. Walter: Ja, sehr erfolgreich. Und am 19. April kommt die zweite Hälfte der fünften Staffel. G. Steinhauer: Nikola ist die Einzige, die diesen Dr. Schmidt nicht abkann und die ihm Paroli bietet. Walter: Nein, das stimmt nicht. Wenn die beiden nicht so wären, wie sie wären, wären sie das perfekte Paar. Aber da sie so sind, wie sie sind, bekämpfen sie sich, außer wenn sie zusammen kommen in so einzelnen Momenten. Die gibt es und dann denkt man: "Jetzt! Jetzt muss es ..." und dann geht wieder irgendwas schief und sie streiten sich. G. Steinhauer: Was haben Sie heute gedreht in den vier Stunden? Walter: Heute haben wir gedreht: der Verwaltungsmensch - der Freund von Nikola - der wird stellvertretender Verwaltungsdirektor und wird dann Chef der Klinik für 'ne Weile. Und der rastet dann aus und wird ein Diktator und davon haben wir Szenen gedreht heute. Bevor er Diktator ist und als er dann Diktator ist und alle rumbefiehlt und da haben wir Szenen draus gedreht. G. Steinhauer: Ist was schiefgegangen? Walter: Och, außer dass ich mich ein paar Mal versprochen habe... Also das ist schiefgegangen, aber sonst nicht viel. Nee, heute nicht. G. Steinhauer: Was passiert mit so 'ner Szene, wenn man sich da verspricht? Muss das ganze Ding wieder neu gedreht werden? Walter: Das machen wir noch mal, jaja. Es ist ja so: Meistens sind die Szenen sehr kurz und die Takes 30 Sekunden, eine Minute. Ganz anders war es als wir 20 Minuten am Stück gedreht haben, das hat überhaupt noch niemand gemacht. Das haben wir gemacht als Hommage an Billy Wilder und Hitchcock. Und da ist es schon hart, wenn man sich nach der 17. Minute verspricht, muss man den ganzen Quatsch noch mal machen. Das ging aber sehr gut. G. Steinhauer: Und wie sind denn da die anderen drauf? Die Kollegen, die dann auch den ganzen Quatsch noch mal mitmachen müssen? Walter: Da die Kollegen ja wissen, wie das ist, ist es eher so, dass der, der sich verspricht, das Mitleid bekommt, wenn es in so einer Stelle ist. Sonst ist es überhaupt kein Problem, das macht gar nix. G. Steinhauer: Herr Sittler, mehr als drei Millionen Zuschauer gucken sich das immer an und Sie haben - wie gesagt - den Grimme-Preis für diese Serie "Nikola" bekommen. Hat Sie das erstaunt oder hat Sie das erfreut? Walter: Also die Zahl stimmt nicht ganz, also wir haben über sechs Millionen. G. Steinhauer: Nee! Walter: Ja. Wir waren letztes Jahr ... G. Steinhauer: Hab ich jetzt in Euro gerechnet? (sie lacht) Walter: Sie haben in Euro gerechnet, genau (lacht auch). Sechs Millionen. Wir hatten jetzt letzten Herbst, als nur fünf Folgen gesendet wurden, über sechs Millionen. Waren damit die erfolgreichste Serie im Fernsehen, was für uns sehr schön ist. Und der Grimme-Preis gleich zu Beginn war eine sehr, sehr große Überraschung für mich. Man rechnet gar nicht damit, sondern man versucht, gute Arbeit zu machen und schaut, dass es erfolgreich ist. Und bei Comedys ist es sehr schwierig, weil es entweder komisch ist oder schlecht. Es gibt überhaupt nichts dazwischen. Und es ist ja auch nicht so, dass man da arbeitet und man findet das alles rasend komisch. Es ist gar nicht so komisch. Man hat natürlich schon Erfahrung, aber ob es dann funktioniert und ob die Leute es mögen, das weiß man nicht. Da ist der Zuschauer autonom und das gefällt mir auch. Und der Grimme-Preis war eine Riesen-Überraschung für uns. [....] G. Steinhauer: Walter Sittler, wir überlegen gerade noch, wann der Durchbruch beim Fernsehen kam. Sie waren lange Zeit am Theater in Mannheim, dann waren Sie am Staatstheater in Stuttgart... Walter: Ja, jeweils sieben Jahre. G. Steinhauer: ... und dann kam 1995 der Durchbruch beim Fernsehen. Walter: '94 ging das mit "girl friends" los. '95 ging das auf Sendung und war dann sehr erfolgreich und blieb es und ist es bis heute. G. Steinhauer: Bei "girl friends" spielen Sie den Hoteldirektor Ronaldo Schäfer. Walter: Ja, Ronaldo Schäfer, genau. Jetzt schon im siebten Jahr und die fünfte Staffel läuft derzeit grade immer mittwochs, 20.15 Uhr im neuen Format - also 16:9 - und so wunderbar. Und das war für mich... da ging das Fernsehen richtig los. Ich war völlig unbekannt im Fernsehen, die kannten mich auch nicht. Und die Regisseurin damals, die Christine Kabisch, die die ersten zwei Staffeln alleine gemacht hat, hat gesagt: "Den will ich." Das war drei Wochen vor Drehbeginn, die hatten keinen männlichen Hauptdarsteller. Und ich las zwei Bücher und dachte: "Ja, das kann ich." Ich wusste zwar nicht wie, aber ich dachte: "Das kann ich." Und ich mag den Autor auch sehr gerne: Christian Pfannenschmidt, der ALLE Bücher geschrieben hat, alle 66. Und der hat dann die folgenden Staffeln auf die Leute abgestimmt, die mitspielen. Das ist natürlich auch ein großer Vorteil, denn, wann kriegt man das schon. G. Steinhauer: Was gefällt Ihnen denn an dieser Rolle des Ronaldo Schäfer? Walter: Der Ronaldo Schäfer ist mir in einigen Teilen nah, weil er .... nicht eitel ist. Er mag die Fähigkeiten der Leute, die er hat, herausholen. Und er ist in gewissem Sinne gerecht. Das darf man nicht mit Gleichmacherei verwechseln, aber er schätzt die Leute mit dem, was sie können. Und muss nicht zeigen, er ist der Beste, der Tollste. Ganz im Gegensatz zum Dr. Schmidt in der anderen Serie. Und der Aufbau der Serie hat mir sehr gut gefallen, weil das alles Figuren waren, mit denen man sich gut identifizieren kann und die auch so normal sind. Also nicht superreich, nicht wahnsinnig oder völlig kaputt, sondern einfach nur "Leute" halt. Und das war für mich sehr schön, ich konnte also Jahre lang in Ruhe drehen und konnte so langsam dieses ganze Medium erfahren. Das war für mich ganz wunderbar. Und dass es so erfolgreich war, um so besser. G. Steinhauer: Wahrscheinlich konnten Sie vorher auch jahrelang in Ruhe über die Straße gehen. Das geht wahrscheinlich heute nicht mehr, ne? Walter: Ja, das ist heute nicht mehr so ganz einfach. Also ich bin ja sehr groß und geh auch verhältnismäßig schnell, also bis es die Leute merken, bin ich schon weg. Aber das klappt nicht immer. Und wenn ich das nicht will, muss ich halt daheim bleiben. Aber es geht schon ganz gut. G. Steinhauer: Was hat sich denn verändert seither? Also das gucken 5,5 Millionen? Walter: Im Moment, ja. Was auch sehr, sehr gut ist für uns. G. Steinhauer: Wahnsinn. Walter: Und es freut mich auch, dass es weiterhin so gut läuft. Wir hatten ja 'ne Pause von knapp drei Jahren. Und jetzt ist die fünfte Staffel und das ist erstaunlich, das freut mich sehr. Verändert hat sich insofern: Ich bin mehr von zu Hause weg. Das gefällt mir nicht, ausgesprochen NICHT. Aber ich arbeite gerne und ich drehe gerne. Und deswegen versuche ich, das irgendwie unter einen Hut zu bringen, dass genügend Zeit bleibt dazwischen. So wie jetzt zum Beispiel bin ich dreizehn Wochen hier - außer am Wochenende - und danach ist erst mal Pause. G. Steinhauer: Unsere Kollegin, die hat ein paar von diesen 5,5 Millionen Zuschauern gefragt: "Was wissen Sie von Walter Sittler und was halten Sie von Walter Sittler?" Hören wir uns mal an, was die gesagt haben. Walter: Oh ja. "Der spielt doch immer mit der, na wie heißt sie denn, Millowitsch, ne?" - "Ich glaub, das ist eine Serie, da spielt er einen Arzt und sie ist eine Krankenschwester." - "Und dann haben die gespielt in "girl friends", haben aber noch in einem gespielt. Mensch, wie heißt der jetzt? Der ist übrigens sehr gut, der Mann." - "Beeindruckt mich nicht. Das ist ein Durchschnittstyp." - "Kenn ich, ja. Den kenn ich und find ihn sehr nett. So seine Art. Irgendwie strahlt er Besonnenheit, Ruhe aus. Find ich ganz gut." - "Ich weiß nicht. Nee, er ist nicht so mein Typ." - "Nicht überragend, aber ganz gut, sagen wir mal." - "Charmant." - " Angenehm und glaubwürdig. - "Ich hatte die Gelegenheit, ihn in Berlin bei Filmaufnahmen zu sehen, per Zufall. Also er ist ruhig und sehr geerdet, will ich mal sagen. Kein Überflieger." G. Steinhauer: Ist das so? Kein Überflieger? Sehr geerdet? Walter: Ja, ja, ja. Ich hab sehr spät mit dem Drehen angefangen und diese Hysterie, die um das Filmgeschäft ist, dass man das Gefühl bekommt: man ist der Größte, der Beste, und unheimlich wichtig, dem misstraue ich sehr. Weil auch der Erfolg - ich mag Erfolg sehr - aber Erfolg ist ein ganz flüchtiges Mädchen: Auf und davon, bevor man geguckt hat. G. Steinhauer: Traummann sind Sie für viele, Frauenschwarm. Macht das auch ein bisschen was aus? Walter: Das kommt von den Rollen her, das bin ja nicht ich, ich spiele das ja nur. Ich bin glücklich verheiratet und es geht mir sehr gut damit und es ist schön, wenn viele glauben: "So einen hätte ich auch gern." Das ist angenehm. Aber kennen tun sie mich nicht. [....] G. Steinhauer: Manchmal gibt es ja Überraschungsgäste in "MonTalk", die liegen auf der Hand, und deshalb sind sie nicht ganz so 'ne große Überraschung. Mariele Millowitsch ist so ein Fall. Walter: Ach. G. Steinhauer: Hallo Frau Millowitsch. Mariele wird per Telefon zugeschaltet. Mariele: Och das ist jetzt... ich wollt den Walter doch veräppeln. (alle lachen) Walter: Du hast es. Mariele, grüß dich. Seid ihr denn fertig jetzt? Mariele: In der Sekunde fertig geworden. Walter: Herzlichen Glückwunsch. Wunderbar. Mariele: Danke sehr. G. Steinhauer: Mariele Millowitsch spielt an der Seite von Walter Sittler Nikola und Marie, ne? Mariele: Marie in "girl friends". Walter: Marie Malek, ja oder Marie Schäfer. Wir sind ja verheiratet in der Serie, mittlerweile. Mariele: Mittlerweile, ja. G. Steinhauer: Ist Walter Sittler, Frau Millowitsch, für Sie wirklich ein Traumpartner? Mariele: Absolut! Absolut. Also, es gibt keinen... G. Steinhauer: Warum? Walter: Danke dir. Mariele: Ach, bitte. Ich lüge jetzt nicht mal. Weil der Walter so ein fairer Kollege ist, der sich nicht irgendwie produziert oder seine Eitelkeiten auslebt oder immer meint, er muss mehr Großaufnahmen haben oder sonst irgendwas. Mit dem Walter zu spielen ist wie Ping-Pong spielen. Das ist ziemlich genial. Walter: Ja, das gebe ich zurück. Gebe ich gerne zurück. Es geht einfach darum, dass die Szenen schön werden und das verbindet die Mariele und mich und den Ulli Baumann - unseren Regisseur bei "Nikola" - genauso. Mariele: Ich soll dich übrigens daran erinnern, dass du ihn bitte grüßt, ja? Walter: Hiermit grüße ich ihn. Lieber Ulli, ich grüße dich. Und es geht nur darum, die Szenen schön zu machen. Und das macht die Mariele genauso. Mariele: Ja, und das macht auch Spaß. Ansonsten kann ich das Arbeiten vergessen, finde ich, wenn ich da so meine persönlichen Geschichten einbringe und besonders gut aussehen will. Mir würde das keinen Spaß machen und dem Walter auch nicht. G. Steinhauer: Wie sind Sie einander begegnet? Hat man Sie zusammengeführt oder kannte der eine den anderen oder wie ging das? (Walter schmunzelt) Mariele: Nein. Walter: Erzähle du mal. Mariele: Nein, wir wussten gegenseitig voneinander nichts. Stimmt das? Walter: Ich wusste deinen Namen und so. Das wusste ich schon, als ich dich das erste Mal traf, aber keine Ahnung, nichts gesehen, nichts, nee. Keine Ahnung. Mariele: Umgekehrt ging's mir genauso. Walter: Und wir waren in Hamburg zu "girl friends" und wir sollten uns kennenlernen vor dem ersten Drehtag oder beim ersten Drehtag, ich weiß nicht mehr genau. Und ich kam da in dieses Lokal und da saß die Regisseurin mit der Mariele und der Tamara. Und war die Andrea Bürgin dabei? Das weiß ich nicht, weißt du das noch? Mariele: Weiß ich nicht mehr, nee. Walter: Jedenfalls, ich kam da rein und sah die drei und das war die erste Begegnung. Mariele: Und jetzt sage doch mal, was du da gedacht hast. Walter: Ich hab's dir wohl erzählt, ne? Mariele: Na dann sag's doch mal laut. Du hast gedacht: "Um Gottes Willen!" (sie lacht) "Weiberhaufen!" Walter: (lacht auch) Ich wusste nicht ganz genau, wo ich da hingeraten bin, wenn ich ehrlich bin, ja. Und wir haben dann - also die Mariele und ich - wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir da... also nicht sehr schnell, weil wir anfangs sehr wenig miteinander zu tun hatten... Mariele: Das stimmt. Walter: Aber als es dann losging nach der vierten, fünften, sechsten Folge, merkten wir sehr schnell, dass es läuft. Und Mariele ist ja auch schuld, dass ich bei "Nikola" dabei bin. Mariele: (abwehrend) Na ja, "schuld"...? Walter: Doch, du bist schuld, du hast gesagt: "Entweder Ihr engagiert den Sittler als Dr. Schmidt oder ich mach's nicht." So war's. Gib's zu. Und das war toll. (Mariele lacht) G. Steinhauer: Frau Millowitsch, das war ja glatte Erpressung. Mariele: Nein, nur ein bisschen, weil ich den Walter von der Bühne kannte. Walter: Ein bisschen?!?! Das war glatte Erpressung, aber zu Recht. Du hattest Recht. Mariele: Ja, aber sie kannten ihn nicht und unsere Oberen - so nenne ich sie mal - haben immer "girl friends" gesehen. Und dachten immer, er wäre einfach... Walter: Ein edler. Mariele: ... zu göttlich, zu edel, genau. Und ich habe ihn auf der Bühne gesehen und wusste ganz genau, dass der Walter ein Granaten-Komiker ist. Und manchmal muss man eben ein bisschen die Leute zu ihrem Glück zwingen. (Walter lacht) G. Steinhauer: Was hatten Sie gesehen? Mariele: Ich weiß nicht mehr. Was hatte ich denn gesehen, Walter? Walter: Du hattest die "Harmonists" gesehen. Mariele: Dankeschön, ja. Walter: Das war eine sehr schöne Vorstellung über die Comedian Harmonists, da haben wir Lebensläufe gelesen und auch live gesungen. Also fünf Sänger und ein Pianist und das hat sie gesehen und das hat ihr wahnsinnig gut gefallen. War auch 'ne schöne Vorstellung. Mariele: War auch wirklich toll. Walter: Und das war einfach auch, obwohl es so tragisch war, war es komisch dabei. Und das ist das, was sie meint. Mariele: Das ist ja das Gute, wenn das Komische nebenbei auch tragisch ist. Weil nur platt komisch ist ja langweilig. Walter: Ja, das ist ja alles dieselbe Münze. G. Steinhauer: Ist denn dann mehr daraus geworden im Laufe der Jahre als "nur" zusammen zu spielen bei "Nikola" und bei "girl friends"? Mariele: Wie jetzt? (sie lacht) Walter: Wie jetzt? Nein, also Mariele ist für mich 'ne Freundin, auf jeden Fall. Mariele: Ja ja, klar, absolut. Walter: Ich weiß immer, mehr oder weniger, was mit ihr los ist. Und wenn irgendwas ist, dann telefonieren wir. Wir treffen uns nicht dauernd außerhalb vom Dreh, überhaupt nicht. Mariele: Nee, geht ja auch nicht, weil du ja auch weit weg bist in Stuttgart und ich in Köln. Walter: Und Familie und so. Aber ja, ich mag sie gern. Mariele: Danke. G. Steinhauer: Wie oft haben Sie erklären müssen, dass Sie wirklich nichts anderes als eine freundschaftliche Beziehung zueinander ... Walter: Ab und zu. Mariele: Sehr, sehr oft. Anfangs haben sie wirklich penetrant versucht, uns was anzuhängen. Aber irgendwie, als wir so hart geblieben sind... Walter: Es passiert weniger jetzt. Mariele: Es hat sich verbessert. Es fragt jetzt keiner mehr. Sie glauben's uns mittlerweile. Walter: Ich glaube auch. G. Steinhauer: Frau Millowitsch, ich habe gerade Ihren Hund bellen hören - Hans-Günther. Mariele: Wir sind noch im Studio und der tobt hier rum. Sie kennen ihn ja, genau. G. Steinhauer: Ist der eifersüchtig auf Walter Sittler? Mariele: Nee, nee, gar nicht. Nur wenn Walter hier ins Studio kommt und nicht sofort alles fallen lässt und den Hund streichelt, dann kriegt er Ärger. Walter: Genauso ist es. Mariele: Hans-Günther setzt sich da durch. Also mich zuerst in den Arm nehmen und "Guten Morgen" sagen, das geht nicht. G. Steinhauer: Was machen Sie eigentlich, wenn einer von Ihnen beiden schlecht gelaunt ist beim Dreh? Mariele: Gibt's nicht. Walter: Ach man merkt, ob jemand mal nicht gut drauf ist, aber dann heitert man ein bisschen auf, soweit es geht und hält durch. Mariele: Ja so, aber wirklich schlechte Laune im Studio habe ich bei Walter nicht erlebt. Walter: Nee, haben wir nicht eigentlich. Es geht mal, dass man ein bisschen krank ist oder so. Selbst dann nimmt man sich an die Hand und "Auf geht's!" Mariele: Ja und man lässt es das Team nicht spüren. Ich finde, die Leute müssen es doch nicht ausbaden. Wenn das jeder täte, wo kämen wir da hin? Wäre schrecklich. Walter: Ich mag das auch nicht, ehrlich gesagt. Mariele mag das auch nicht. Mariele: Nee. G. Steinhauer: Gibt es Szenen für Sie beide, die besonders schwierig zu spielen sind? Walter: (mit Nachdruck) Ja!! Ich erinnere mich an eine Szene in "girl friends". Weißt du noch? Mariele: (gespielt ahnunglos) Bitte Schatz, wovon redest du? Walter: (lacht) Dritte Staffel, erster Drehtag. Mariele: Ich weiß es wohl. Ich möchte nicht mehr darüber reden. (sie lacht) G. Steinhauer: Würden Sie's uns bitte erzählen? Walter: Es gab eine Szene in einem Drehbuch, 25. oder 27. Folge oder was das war. Wo wir in ein neues Hotel eingezogen waren, in unsere Wohnung dort und uns gerade in unser Schlafzimmer zurückgezogen hatten, um uns zu ergötzen sozusagen. Und da sollten dann die Eltern kommen und das stören. Weil ihre Eltern so sind, dass sie genau im falschen Moment kommen, so liebenswert sie sind in der Rolle. Und ich fand diese Szene damals schon... einfach an der falschen Stelle. Mariele: Ja. Walter: Nicht, dass ich sowas nicht gerne spiele. Das ist es gar nicht, aber ... Mariele: Ach, du kannst das ruhig laut sagen: es ging richtig zur Sache! Und das sind anstrengende Szenen, da kann man noch so befreundet sein. Walter: Ja. Mariele: Man ist aufgeregt, es ist doch ein Stück Intimsphäre, die so überschritten wird, in die eingedrungen wird... G. Steinhauer: Sie mussten zusammen ins Bett oder was? Walter: Ja, wir mussten ins Bett gehen. Mariele: Aber wie !!! Walter: Nackt halt, total. Klar, wie das halt so ist. Mariele: Und das ist trotz allen Kennens und aller Freundschaft sehr schwierig so was. Walter: Es ist schwierig. Und es war auch für die Regisseurin nicht einfach und man hat versucht, das irgendwie hinzukriegen und ... Ja, das war schwierig. Mariele: Ja. War nett, machen wir nicht noch mal. Walter: War nett, machen wir nicht noch mal, genau. [Anm.d.W.: dazu eine kurze Audio-Datei, weil es von Mariele so genial trocken rüber kam] G. Steinhauer: Waren Sie denn zufrieden mit dem Ergebnis? Mariele: Geht so. Walter: Das Ergebnis war ganz ok. Ja, doch. Fandest du nicht? Das war doch... Mariele: Na ja, geht so. Wie gesagt, ich kann da dann auch nicht gut hingucken. Walter: Wie gesagt, die hätte man auch gut weglassen können. Die war für die Geschichte auch nicht notwendig. Mariele: Nee, nicht wirklich. Walter: Man hätte das auch anders... aber es war nun mal so geschrieben und wir haben's versucht und ... Mariele: Und da wir ja weisungsgebunden sind, haben wir's gemacht! G. Steinhauer: (lacht) Ach, mir kommen die Tränen. (Walter und Mariele lachen ebenfalls) Ist denn die Konsequenz aus einer solchen Geschichte, dass Sie sagen: "Bitte solche Szenen jetzt nicht mehr. Das machen wir nicht mehr."? Walter: Nein, nein, nein, nein, das nicht. Es kommt darauf an, ob's richtig ist. Also wenn eine Szene richtig reinpasst, dann ist das auch leichter zu spielen. Wenn man aber das Gefühl hat, die ist nur drin, damit wir auch mal nackt sind, dann ist es ein bisschen doof. Mariele: Ja. Walter: Das war vom Autor nicht so gedacht. Die Idee war schön, aber irgendwie... ich weiß auch nicht. Mariele: Außerdem ist doch immer viel spannender, was man NICHT sieht. Ich finde, man muss immer die Fantasie der Leute ein bisschen anschubsen und der Rest bleibt dann im Dunkeln. Walter: Ich kann das auch gar nicht so analysieren. So beim Lesen dachte ich: "Das muss jetzt nicht sein." Nicht, weil ich mich nicht gerne ... ich zieh mich aus, wenn's sein muss. Das ist gar kein Problem. Mariele: Stimmt. Walter: Mariele wird das bestätigen. Mariele: (lacht lauthals) Das stimmt! [Anm.d.W.: Und auch das muss man eigentlich mit eigenen Ohren hören] Walter: Aber das war einfach schwierig. Aber es ist gut gegangen. G. Steinhauer: Frau Millowitsch, morgen ist ein weiterer Drehtag bei "Nikola". Möchten Sie Walter Sittler noch irgendwas mit auf den Weg geben für morgen? Mariele: Eigentlich nicht. Lern' deinen Text noch. Walter: Haben wir Text morgen? Mariele: Ja, DU hast Text. Walter: Na gut, dann sage ich halt was. Mariele: Viel Text, mein Lieber. Walter: Viel Text. G. Steinhauer: Mariele Millowitsch, es war so schön, dass Sie Zeit für uns hatten. Mariele: Hat mir Spaß gemacht. Ich wünsche noch einen schönen Abend rund'rum. Walter: Dir auch, und dann bis morgen. G. Steinhauer: Danke, tschüss. Mariele: Ciao. [....] G. Steinhauer: Und so klingt es jeden Mittwoch um 20:15 Uhr: Es läuft die "girl friends" Titelmusik Walter: Ja so ist es. G. Steinhauer: Walter Sittler hat seine 1,94 m gerade weit nach hinten geworfen auf dem Stuhl. Wie geht es Ihnen, wenn Sie die Musik hören? Walter: Gut, es geht mir gut. Das ist ein wichtiger Bestandteil in meinem beruflichen Leben gewesen und ist es noch. G. Steinhauer: Das ist die Titelmusik zu "girl friends" gewesen. Ist das eine Sendung, die Sie dann auch gucken mittwochs um 20.15 Uhr? Walter: Wenn ich irgendwie kann, gucke ich sie, oder habe ein Band und kann es sozusagen nachsitzen und dann gucken. Denn ich möchte gern sehen, wie es dann tatsächlich geworden ist, ob ich in Szenen geschwindelt habe oder nicht. Das mache ich schon. G. Steinhauer: Was heißt: "wenn ich in Szenen geschwindelt habe"? Walter: Naja, das ist schwer zu erklären. Man hat eine dramatische Szene, wo man jemandem die Meinung sagen muss oder wo man Krach hat oder so. Und man erwischt nicht unbedingt den emotionalen Einstieg, den erwischt man nicht immer gleich. Man muss es vielleicht 4, 5, 6 Mal machen und beim 4. Mal wars gut und beim 6. Mal wars gut, aber beim 5. Mal nicht. Und man weiß nicht genau, welche von denen dann genommen wird. Und man hat dann so Techniken, wo man dann so tut als ob Krach hat und seine Meinung sagt, aber eigentlich quakt man nur. Das sehe ich dann und wenn ich das dann merke, stelle ich das fest und sag mir, da muss ich das nächste Mal besser aufpassen. G. Steinhauer: Ich glaube wir haben da einen passenden Ausschnitt dazu. Walter Sittler als Hoteldirektor Ronaldo Schäfer. Man hört einen Ausschnitt aus Folge 61 "Das Leben ist kein Wunschkonzert" Ronaldo: Weil ich es nicht will! Marie: Naja, ich fand's ja auch ein bisschen seltsam von Iris, aber... Ronaldo: Du quakst immer was von, ich sei so wohl temperiert, dabei bist doch du diejenige, die jetzt derart diplomatisch um den heißen Brei rumredet! Marie: Ich will nicht schon wieder mit dir streiten, Ronaldo. Ronaldo: Aber bitte, wir streiten doch überhaupt gar nicht. Ich sage dir lediglich, was ich davon halte. Marie: Gut. Was schlägst du vor? G. Steinhauer: Was war das für eine Szene, wissen Sie das noch? Walter: Das muss irgendwo in der 6., 7. Folge der fünften Staffel sein. Ich meine das war, als die Iris Sandberg eingezogen ist und sich schlecht benommen hat in unserem Haus und ich wollte das nicht mehr und wollte, dass sie geht. Und die Mariele, die die Marie Schäfer spielt, meine Frau, ist da anderer Meinung. Sie will das irgendwie unter den Frauen so handhaben und ich soll mich nicht so aufregen. Insgesamt war das eingebettet in ein Problem was ich mit Marie sowieso hatte. Wir haben längere Zeit schon Spannungen und das heißt, es ist ein Nebenkriegsschauplatz wenn man es genau nimmt, wie in vielen Beziehungen so häufig. G. Steinhauer: Ich fand interessant an dieser Szene, man wird ja nicht so ganz schlau daraus. Sagt er das jetzt so, weil er eifersüchtig ist und nicht an die Frau rankommt, oder was ist das? Ist das gewollt, dass man da so ein bisschen irritiert ist? Walter: Gewollt ist das vom Autor und vom Drehbuch, ja. Weil die Iris Sandberg eine sehr interessante Frau ist. Und wenn dann die eigene Beziehung schief läuft, dann ist man leichter empfänglich dafür. Der Schäfer - die Rolle die ich spiele - hat so eine Art mit Frauen, dass man denken könnte, er möchte mit ihnen was anfangen, dabei will er das eigentlich gar nicht, sondern er möchte nur sehr nah mit ihnen sein und sehr gut. So wie es Freundinnen sind, so wie Frauen mit Männern kaum sein können, weil das sofort bedeutet man muss dann ins Bett gehen oder sowas. Und in diesem Fall ist das auch in die Richtung gegangen. Und dann hat sie halt was gemacht, was mir nicht gefällt und es war sowieso alles schief. G. Steinhauer: Inwiefern spiegelt so eine Szene das wahre Leben? Walter: Das Drehen und die Filme sind ja nie das wahre Leben, sondern sind konzentriertes Leben. Die Erfahrungen, die ich habe in meinem Leben und was ich über diese Figuren - Konstellationen denke, das ergibt, das, was ich denke, das da reingehört. Es funktioniert nur, wenn es geerdet ist, in dem was Menschen miteinander erleben können und was ich selber erfahren habe. Nicht nur was ich selber erlebt habe, sondern gelesen und mit Freunden erfahren, aus der Zeitung und sonst wo. G. Steinhauer: Wenn Sie das gucken die "girl friends", zelebrieren sie das dann so ein bisschen mit der Familie zusammen? Walter: Wenn ich zu Hause bin. Zelebrieren würde ich nicht sagen, wir sind dann da und schauen gleichzeitig, zelebrieren nicht, nein. G. Steinhauer: Gibt es ein Glas Wein dazu? Walter: Meistens. Meine Frau drinkt ganz gerne einen Rotwein abends, ich auch. Und dann sitzt man da und schaut sich das an und dann wird sofort gesprochen, was los ist. Die Kinder schauen sich das meinetwegen an eigentlich, wenn ich nicht mitspielen würde, würden sie wahrscheinlich nicht gucken. [....] G. Steinhauer: Walter Sittler... (spricht es noch mal englisch aus) Walter Sittler Walter: Walter Sittler, born in Chicago... G. Steinhauer: Auch aufgewachsen in Chicago? Walter: Nein, ich war nur sechs Jahre im mittleren Westen. Wir sind oft umgezogen und dann ist die Familie nach Deutschland und ich hab meine gesamte Schulzeit hier verbracht und Militär und gelernt und alles - alle Fehler hier gemacht. G. Steinhauer: Jüngstes von acht Kindern - was bedeutet das? Walter: Naja, wenn Sie Menschen fragen, die nicht Jüngstes sind, die denken: Nesthäkchen, verwöhnt, von allen umhätschelt. Ist überhaupt nicht wahr. Ich bin nicht schlecht behandelt worden, aber man muss schon schauen, wo man bleibt in so einer Familie. Und der große Vorteil ist: man ist immer irgendwie aufgehoben. Nicht, dass die einen verhätscheln, aber sie nehmen einen mit und passen auf einen auf, das schon. G. Steinhauer: Wie war denn so der Tagesablauf bei Ihnen geregelt: bei acht Kindern, Vater und Mutter? Walter: Wie bei allen anderen auch. Es war ja so: als ich anfing, in die Schule zu gehen, war der Älteste ja schon 17,18, ging dann zur Armee und damit fehlte schon mal einer. Und als wir dann in Deutschland waren, war der Älteste schon weg. Die andere ging nach zwei Jahren in die USA zum studieren. Wolf ging nach einem Jahr weg, da waren wir schon nur noch fünf. Dann wurde ein Bruder schwer krank, der war dann ein paar Jahre im Krankenhaus, dann waren wir nur noch vier. Und vier ist ja kein Problem. G. Steinhauer: War das denn dann so, dass jedes Kind auch eine extra Aufgabe hatte oder das man sagt: "Du Walter bist für Rasenmähen oder was zuständig"? Walter: Nein, Rasen mähen brauchten wir nicht, weil wir keinen Rasen hatten, es war ganz einfach. Aber es gab so Aufgaben, die man machen musste, also abwechselnd mittags das Geschirr spülen und für Müll waren mein nächstälterer Bruder und ich zuständig und das musste man halt machen und wenn man dann mit acht... G. Steinhauer: Geschirr spülen? Haben Sie keine Spülmaschine? Walter: Nein, nie. Das war als ich acht war, das war 1960/61. Wer hatte da eine Spülmaschine? Also Geld hatten wir nie, das stimmt. Wir hatten nie Geld, aber es ging uns sehr gut und... G. Steinhauer: Ihr Vater war Professor für...? Walter: ...Anglistik. Er war Amerikanist und Anglist und hat Literatur unterrichtet. Aber zu der Zeit als er in Deutschland war, kriegte er keine Stelle hier, weil er einfach zu spät wieder gekommen war. Ich glaube, es gibt nicht einen Vortragssaal, wo er nicht für die Volkshochschule irgend einen Vortrag gehalten hat. Und er ist dann sehr viel später erst an die Uni zurückgekommen in Gießen und in Regensburg. Zuerst in Regensburg und dann in Gießen. Und war dort dann C3-Professor für amerikanische Literatur. G. Steinhauer: Sie haben unglaublich oft - wenn das denn stimmt - die Schule gewechselt? Walter: Ja, acht oder neun Mal ja. G. Steinhauer: Sie waren in München und traunstein, Berchtesgaden und Salem. Warum denn so oft gewechselt? Walter: Das war am Anfang, weil wir öfters umgezogen sind. Und als es mit dem Internat losging, da war ich zuerst auf einem Internat in Berchtesgaden. Nee, erst war ich in Stuttgart, weil mein Vater die dortigen Leiter an der Merz-Schule kannte und meine Schwester da war und wir noch mal zwei Vollstipendien kriegten. Und es war zu Hause eine ungünstige Situation, weil mein Vater in Regensburg war und meine Mutter operiert werden musste und irgendwie sollten wir da jetzt erstmal hin. Und dann ist ein Geschäft schiefgegangen, das mein Vater mit denen hatte, ein Geschäft über Haarwuchsmittel nach einen Rezept von dem ägyptischen Pharao Imhotep. (er lacht) Wir als Kinder mussten dann unglaublich stinkende Sachen rühren und in Fläschchen füllen, die dann nicht funktionierten. (G. Steinhauer lacht jetzt auch) Und mein Vater meinte, als das dann schiefging... es war sehr interessant, der ursprüngliche Veranstalter davon war ein Araber, ein Schwarzer... ganz interessanter Mann Dark de Lee, und der hatte dieses Rezept von Imhotep. G. Steinhauer: Das war für Glatzköpfige, damit die wieder Haare bekommen? Walter: Damit die Haare wuchsen. Das war ein wirklich sehr interessanter Mann und mein Vater verbrachte wunderbare Wochen in Paris mit ihm bei der Organisation und war auch sehr beeindruckt... also die Merz-Leute waren auch beindruckt. Das Geschäft ging also schief und mein Vater meinte, wir müssten daraufhin die Schule verlassen, worauf der Direktor - der Herr Igge, der ein paar Jahre später starb - dann sagte, was ich ganz hervorragend fand, er sagte: "Die Kinder haben mit unsrem Geschäft überhaupt gar nichts zu tun, die müssen nicht gehen." Aber mein Vater wollte das. Daraufhin kam ich nach Berchtesgaden, mein Bruder nach Salem, weil wir den Vorsitzenden des Stipendienausschusses kannten und er kriegte ein Stipendium. Und Salem war - und ist noch - eine sehr gute Schule, also auch rein schulisch. Ob man das jetzt mag, was die da machen oder nicht, ist etwas anderes, aber rein schulisch sehr sehr gut. Und mein Vater wollte, dass ich aus Berchtesgaden dort hin ging, weil Berchtesgaden war mehr so Bergsteiger und Sport und er wollte eben mehr intellektuelle Bildung und hat gesagt: "Du gehst jetzt nach Salem." Ich hatte dann nix zu melden, da hieß es nur "Jawohl und ich gehe." Und deswegen kam dann das dritte Internat dazu und davor war es nur wegen Umziehen. G. Steinhauer: Wie schwierig ist es da gewesen, Freundschaften zu knüpfen, wenn man so oft die Schule wechselt? Sie müssen doch immer wieder neu anfangen, Sie sind immer wieder der Depp, der neu in so eine Klasse reinkommt. Walter: Ja, das stimmt, erstmal ist man der Depp und ich war auch immer unglücklich die ersten zwei Wochen ungefähr, bis man merkt: die kochen alle mit Wasser und dann kriegte man neue Freundschaften. Aber aus der gesamten Schulzeit ist eigentlich keiner übrig. Also ich habe das nicht, was zum Beispiel meine Frau hat: die war ihre gesamte Schulzeit in Furtwangen, kennt die Leute dort und da sind ein paar über, das ist so. Ich habe das nicht, weil das längste was ich in einer Schule war, waren drei Jahre und da ist nichts gewachsen in dem Sinn. Also das nächste ist immer noch die Familie. G. Steinhauer: Vermissen Sie das, so einen besten Freund? Walter: Ich habe inzwischen einen besten Freund, sogar zwei, drei jetzt. Aber es hat sehr lang gedauert und diese Jahre, die man braucht um das zu entwickeln, die fehlen mir. Das ist vielleicht ein Manko, vielleicht auch nicht. Ich weiß nicht, es geht mir ganz gut. [....] G. Steinhauer: Heute Abend ist der Schauspieler Walter Sittler zu Gast in "MonTalk" auf WDR 2 und morgen Abend ist der Schauspieler Walter Sittler zu Gast bei Biolek mit seiner Mama. Walter: Mit meiner Mutter, genau. G. Steinhauer: Wie kommt das? Warum ist das so besonders? Walter: Nun, meine Mutter ist jetzt 84 und Alfred Biolek - ich war schon mal bei ihm in der Kochsendung - er hat uns einfach eingeladen, weil er wahrscheinlich über meine Mutter irgendwas gehört hat, ich habe ihm sicher auch was erzählt... G. Steinhauer: Was ist denn das Thema morgen? Walter: "Schicksal Sohn" heißt es und ein ganz wesentlicher Gast ist der Sohn von Helmut Kohl, der eine Biografie über seiner Mutter geschrieben hat. Und warum sie ausgerechnet mich einladen...? Ich find's ganz schön, weil meine Mutter mit ihren acht Kindern in zwölf Jahren und Weltkrieg mit Kindern und verrücktes Leben nach Amerika und zurück und ganz spät Beruf - das ist spannend. G. Steinhauer: Wahnsinn, die ist ja nur schwanger gewesen. Walter: Viele Jahre ja. Mein Vater wollte zwölf, aber nach den achten hat meine Mutter gesagt: "Nu ist gut!" Hat ja auch Recht. G. Steinhauer: Wie war das verteilt bei Ihnen zu Hause? Hatte die Mutter genauso viel zu sagen wie der Vater oder war das eher so klassisch, dass der Vater gesagt hat: "Ihr macht das!" und die Mutter hat das mehr oder weniger abgenickt? Walter: Das kann man so nicht sagen, nee. Mein Vater ist ja in der Literatur versunken und hat viel vorgelesen und war auch ein sehr witziger Mann und das war nicht ganz einfach für die Jungs dann in der Familie. Und meine Mutter hat das Gesamte im Haus getan, alles. Wir hatten auch nie Hilfe, weil wir dafür nie Geld hatten, acht Kinder muss man erstmal großziehen irgendwie. Und mein Vater hat haushaltsmäßig nichts gemacht, das konnte er gar nicht, denn er hat immer Bücher um sich gehabt und er hat mit uns viel gemacht, hat gelesen, ist rumgelaufen, wir haben Kockey [???, Anm.d.W.] gespielt und alles Mögliche. G. Steinhauer: Was haben Sie gespielt? Walter: Kockey, [???, Anm.d.W.] das ist so ein amerikanisches Spiel wo man die Bälle durch Tore macht. Das mochte mein Vater sehr gerne. Wir waren ja eine ganze Mannschaft, es war ja nie ein Problem. Wenn alle zu Hause waren, waren wir zehn Leute, also bitte. G. Steinhauer: (lacht) Sie hätten auch Fußball spielen können? Walter: Fast, ja. Aber Fußball war nie ... dadurch, dass ich die ersten sechs Jahre in Amerika war und meine älteren Geschwister dort aufgewachsen sind, war Fußball nicht das Spiel. G. Steinhauer: Sie haben eben von einem Bruder erzählt, der sehr krank geworden ist und der ist nicht nur krank geworden, sondern der ist an dieser Krankheit gestorben. Walter: Ja, an den Folgen der Krankheit in Zusammenhang mit der Medizin, die man sowieso kriegen muss und bei einigen führt das eben zu dieser Komplikation und er war einer von denen. Er hatte also letztlich keine Chance. 15 Jahre hatte er die und dann mit 27 ist er dann gestorben. Das war sehr hart für uns alle, weil man so was nicht erleben will, ganz einfach. Das letztlich Schöne war, die letzten vier Wochen waren wir alle da und 24 Stunden war immer einer bei ihm. Und mein Vater war ihm sehr nah und der kriegte zwei Monate nach dem Tod meines Bruders den ersten Herzinfarkt und vier Monate später den zweiten und dann starb er auch. Im wahrsten Sinnes des Wortes hat ihm das das Herz gebrochen. Meine Mutter sagt auch: "Eigentlich kann man das als Eltern nicht aushalten." Und ich, der ich jetzt selber Kinder habe... da geht das Licht aus, wenn man dran denkt. G. Steinhauer: Ist die Familie daraufhin irgendwie enger zusammengerückt? Walter: Enger ging glaube ich gar nicht. Wir waren immer schon eng, weil wir so viel umgezogen sind in unserem Leben und wir waren sehr auf uns selber angewiesen. Und das funktioniert auch mit so vielen, denn wenn man nicht gleich Freunde findet, ist auch nicht so schlimm, dann ist man halt daheim. Es ist eine sehr starke Familie gewesen insgesamt. Was auch den Nachteil hat, dass, wenn Neue reinkamen - also Freunde oder Freundinnen - die hatten es nicht so ganz leicht, weil die sofort auf so eine Phalanx prallten. Und wenn sie Zustimmung fanden, war's gut und wenn nicht, war es hart, wirklich hart. G. Steinhauer: Was ist denn Familie für Sie? Walter: Das ist das Zentrum in dem ich mich bewege. Das ist ein ganz wesentlicher Bestandteil meines Lebens, der wesentlichste eigentlich. [....] G. Steinhauer: Der Schauspieler Walter Sittler ist heute Abend unser Gast im "MonTalk" auf WDR 2 und er hat uns eben erzählt, dass, dadurch dass er so oft umgezogen ist und ständig die Schulen gewechselt hat, eigentlich keine Freundschaften aus der Schulzeit bis heute Bestand haben. Walter: So richtig, ja... G. Steinhauer: Wir haben einen ausgegraben - ich weiß nicht, ob das wirklich ein Freund ist... Walter: Werden wir ja sehen. G. Steinhauer: ... aber zumindest haben Sie mit dem zusammen Theater gespielt in Salem. Haben Sie eine Ahnung, wer das sein könnte? Walter: Das müsste Andreas von Studnitz sein. G. Steinhauer: Guten Abend, Herr von Studnitz. Andreas von Studnitz wird per Telefon zugeschaltet. A. v. Studnitz: Hallo Walter. Walter: Mensch, Andreas, wo bist du denn aufgetaucht, du Wahnsinniger? A. v. Studnitz: Ich sitze in Bremen hier auf der Probebühne und irgendwie ist diese Anekdote, dass ich dich zum Theater gebracht haben soll, jetzt so weit herumgekommen, dass die... Walter: Was heißt Anekdote, das ist die nackte Wahrheit. A. v. Studnitz: Die nackte Wahrheit, ich weiß es ja auch mittlerweile. Aber ich habe es vergessen und jedenfalls haben die mich ausfindig gemacht vor 3-4 Tagen, die Frau Schulze. Und haben mich eben gefragt, ob ich mich dazu schalten lassen würde in dieser Sendung. Walter: Es ist so: der Andreas ist letztlich von Salem der Einzige, den ich ab und zu sehe und der ist auch im selben Beruf natürlich. Und seine Aufführung hätte ich in Hamburg sehen sollen, aber es ging nicht. Und er ist ein Theatermann, das ist toll. G. Steinhauer: Was ist denn das für eine Geschichte, dass er Sie... Walter: Ich war in München, habe studiert und wollte aber nicht mehr irgendwie. Ich habe Andreas getroffen irgendwo - ich weiß nicht mehr bei wem - und er war damals auf der Otto-Falckenberg-Schule und sagte: "Komm doch mal mit zu einer Weihnachtsfeier, das ist schön." Ich hatte eh nichts zu tun und dachte: "Ja, mach ich mal". Und dann ging ich da mit und dann dachte ich: "Boah! Boah, das ist ja viel schöner als alles andere, das mach ich auch!" So! So schlicht war das. G. Steinhauer: Was war da so schön? Walter: Die Atmosphäre, die Leute.... Die erste Klasse musste irgendeine Aufführung machen und das war so... es war einfach lebendig. A. v. Studnitz: Es gibt noch einen Vorlauf, Walter. Mein Impuls zur Schauspielschule zu gehen war ja eine Aufführung mit Schülern, die ich in Spetzgart [Dort ist in Salem die Oberstufe untergebracht] gemacht habe, also in Salem. Walter: Stimmt, ja. A. v. Studnitz: Genau. Und deine Mutter war damals dort Mentorin. Das sind Erwachsene, die einfach so einen Flügel beaufsichtigen mit Schülern. Und die hat mich damals sehr unterstützt mit dieser Aufführung, die ich mit den Schülern dort angefertigt habe und... Walter: Die ich nicht gesehen habe übrigens, leider, leider. A. v. Studnitz: Die hast du nicht gesehen? Walter: Die habe ich nicht gesehen, nein. A v. Studnitz: Echt nicht? Walter: Nein, völlig schwachsinnig, ich hab's nicht gesehen. A. v. Studnitz: Aber irgendwann saßen wir bei deiner Mutter in ihrer Wohnung und es muss dann später gewesen sein und haben uns da irgendwie über Theater unterhalten. Das sehe ich noch genau vor mir. Vielleicht war es während der Proben oder so, es war irgendwann mal der Fall. Walter: Wann war denn diese Aufführung? A. v. Studnitz: Die war, die war...kam ´77 raus. Walter: Ja, da war ich noch Mediziner. A. v. Studnitz: Ja da warst du noch nicht in der Schule. Walter: Ich war noch nicht in der Schule nee, ich bin ´78 hin. G. Steinhauer: Herr von Suttnitz, wie war denn Walter Sittler so in der Schule? Ich meine jetzt nur als Schauspieler? Walter: Sag die Wahrheit, Andreas. A. v. Studnitz: Als Schauspieler? Na wir haben ja in einem Stück zusammen gespielt, das hieß "Romulus der Große". Ich war nur ein kleiner Kammerdiener. Walter: Das war nicht in der Schauspielschule, das war in der Schule. A. v. Studnitz: Ja, in der Schule, Schultheater, nicht in der Schaupielschule. Walter: Da war ich Spuritus Titus Mama. (er lacht) G. Steinhauer: "Romulus der Große" ist von Dürrenmatt? A. v. Studnitz: Von Dürrenmatt, genau. Und das war sehr imposant und kräftig und eine viel größere Rolle, als meine. Ich hatte nur eine kleine Rolle. Walter: Du hattest eine noch kleinere? Meine war doch schon so klein. A. v. Studnitz: Nee, vielleicht stand ich mehr rum als Kammerdiener, aber ich hatte weniger Text. (alle drei lachen) Walter: Das kann sein, ja. G. Steinhauer: Welche Rolle hatten Sie denn, Herr Sittler? Walter: Ich war Spuritus Titus Mama, das ist der reitende Bote, der kommt, um Nachrichten zu bringen und so müde ist, dass er dauernd einschläft. A. v. Studnitz: Genau. Walter: Das war ich. Und ich hatte davor noch woanders Theater gespielt, in Stuttgart, aber auch nicht viel. Es war überhaupt nicht abzusehen, dass ich da lande, überhaupt gar nicht. G. Steinhauer: War er denn nicht gut, Herr Studnitz? A. v. Studnitz: Doch, warum denn nicht? Natürlich, er war sehr gut. Wir waren sowieso alle sehr gut... Walter: (lacht) Das stimmt. A. v. Studnitz: ...weil das kein normales Schultheater war, sondern das war ein im Grunde mit Laien veranstaltetes Profitheater. Denn der Mensch, der das inszeniert hat - ein nach wie vor ein sehr guter Schauspieler, der jetzt in Karlsruhe sitzt, der befreundet war mit einem Lehrer - der hat uns behandelt wie Profis und hat uns wirklich da in die Rollen reingeschubst und durchgeknetet. Das war also... Walter: ...überhaupt nicht betulich. Einfach ran, zack - das war toll. A. v. Studnitz: Ja überhaupt nicht. Also hat nichts mit diesem betulichen Schüler-Lehrer-Theater zu tun, sondern war einfach gleich ins Volle. Und das war auch mein Impuls imgrunde später wieder damit anzufangen, weil es das einzige Mal in der Schulzeit war, wo ich mich fünf Stunden am Stück konzentrieren musste und konnte. Walter: Und wollte auch, ne? A. v. Studnitz: Und wollte, ja. Und später als ich dann sozusagen in das Niemandsland des Erwachsenwerdens entlassen wurde (Walter lacht) und mich fragte, was mache ich denn acht Stunden am Tag, wo ich mich nicht langweile, fiel mir das wieder ein. Walter: Ja es stimmt. Wir haben aber... Andreas, wir haben ja beruflich nie zusammen gespielt, nie mehr. Also in der Schule waren wir zwar zusammen, aber du warst ein Jahr drüber oder zwei sogar. Und dann war er weg und da war ich allein an der Schule und dann war er Schauspieler und dann wurde Andreas Regisseur an Theatern, wo ich nicht war. Und bis jetzt hat er mir noch nicht DIE Rolle angeboten. Also, was soll ich machen...? G. Steinhauer: Kommt noch. Gab's damals auf Salem Mädchen? Walter: Ja klar. Ein Drittel... A. v. Studnitz: Und wie! Walter: Und wie. Ja, schön. G. Steinhauer: War denn der Herr Sittler ein Mädchenschwarm, Herr von Studnitz? A. v. Studnitz: Das müssen Sie die Mädchen fragen. Ich weiß nicht. Walter: Gib's zu, es war nicht so. A. v. Studnitz: Ich weiß es nicht. Also, ich war so mit mir selbst beschäftigt und meinen mühsamen Versuchen beim "do it your self - mäßig" die Frau kennen zu lernen, als solches... Walter: (lacht) Da hat man mal nicht so auf die anderen geachtet. Man wusste, wer welche Mädchen hatte, dachte "Boah, wie macht der das alles?!?!" Der Andreas gehörte nicht dazu, nee. A. v. Studnitz: Also, ich glaube zu den Womanizern gehörtest Du auch nicht, zumindest habe ich es nicht bemerkt, ich jedenfalls auch nicht. Wir haben mehr Sport gemacht, ne? Basketball gespielt. Walter: Wahnsinnig viel, ja. Wir waren im selben Flügel. Flügel ist im Schloss, wo man da so wohnt und wir waren im Team Plahte. Das war dieser wunderbare Lehrer, der beste Lehrer meines Lebens, der Deutschlehrer. A. v. Studnitz: Ja, meiner auch. Walter: Wir gewannen zwar nicht so wahnsinnig oft, aber wir hatten einfach einen guten Geist und wir spielten bis aufs Messer und es war gut. G. Steinhauer: Sind Sie denn auch 1,94 m groß, Herr von Studnitz? Walter: Knapp. A. v. Studnitz: Ich bin 1,95 m. Walter: Was? Du bist größer als ich? Du Schwein *g* G. Steinhauer: Anrufer... G. Steinhauer: Was bekommen die? Walter: Die bekommen eine CD und da schreibe ich vielleicht noch
was drauf...? Es folgen die Anweisungen zum Gewinnspiel. G. Steinhauer: Danke. (sie lacht) Ich finde, wir sind ein gutes
Team. Wir sind echt klasse... |
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