WDR 2 - Der Sonntag
(WDR 2 Radio, 24.02.02)
 
Heike Knispel: Es ist Sonntag, Sie hören WDR2 und ich möchte Werbung machen für einen super netten Gast, der sagt im Fernsehen Sätze wie diesen:

"Marie, lass uns unseren Streit begraben, ja? Es war blöd von mir, es tut mir leid. Vergessen wir's ja? Wie geht's Erich?"


Ich glaube, Erich geht es wieder gut, aber darum geht's jetzt nicht. So kennen auf jeden Fall Millionen Zuschauer den Schauspieler Walter Sittler als Ronaldo Schäfer in der Erfolgsserie "girl friends" zusammen mit Mariele Millowitsch. Das gleiche traumpaar zickt sich auch mit traumquoten durch die Arzt-Schwester-Serie "Nikola".
Jetzt aber gibt es von Walter Sittler noch ganz andere Töne zu hören. Und welche... darüber rede ich gleich mit ihm persönlich. [....] "Something Stupid" [war der Song, der gespielt wurde, Anm.d.W.] Nicole Kidman / Robbie Williams. Von diesem traumpaar zu einem Liebespaar. Wir hören hinein in einen Briefwechsel von Gotthold Ephraim Lessing mit Eva König:

"Nun leben Sie recht wohl, meine liebste Madame. Und schreiben Sie mir bald wieder. Wenn Sie noch keinen Brief von mir haben, so denken Sie nur immer, dass einer unterwegens ist. Sie werden sich meistens nicht irren. Und sollte es ja kein Brief sein, so sind es doch meine Gedanken und Wünsche, die gewiss den Weg Ihnen nach nicht leer lassen."

Liebesbriefe von Lessing und Eva König aus der Audio-CD "Und es wird ein großes Glück sein". Und die Stimme haben Sie bestimmt erkannt. Der Mann zu der Stimme ist jetzt hier und darüber freue ich mich sehr: Walter Sittler, Schönen Guten Morgen!

Walter:
Guten Morgen.

H. Knispel:
Herr Sittler, wir kennen Sie alle aus den Serien "girl friends" und "Nikola" und jetzt also eine Hör-CD: Liebesbriefe von Lessing und Eva König. Was ist das für eine Liebesgeschichte?

Walter:
Das ist eine eigentlich wirklich tragische Geschichte aus dem 18. Jahrhundert. Und das Schöne ist, dass man in den Briefen auch die Zeit mitbekommt. Auch die Härte und die fast Brutalität unter der die Menschen leiden mussten. Und das kriegt man alles innerhalb dieser Liebesgeschichte mit.
Und bei den Briefen ist es so, dass die damals natürlich anders geschrieben haben als wir. Und die Intensität ihrer Gefühle und die Emotionen die legen sie dazwischen, zwischen die Zeilen. Und es ist unglaublich schön zu sehen, wie die sich gegenseitig sagen, dass sie sich lieben.

H. Knispel:
Das Verrückte daran ist ja, die haben sich sieben Jahre lang Briefe geschrieben bevor sie geheiratet haben. Warum?

Walter:
Es war so, dass sie sich zwar schon gesehen haben zwei, drei Mal, aber ein Mal auch drei Jahre nicht. Weil die Entfernungen einfach zu groß waren. Also von Wolfenbüttel, wo er war, nach Wien - das dauerte einfach drei Monate und da konnte man nicht einfach fahren.
Und die Briefkultur war damals natürlich als einziges Kommunikationsmittel sehr sehr entwickelt im Bürgertum, sie waren ja Bürger. Und die Briefe waren auch sehr viel länger, als das, was wir hier auf der CD haben. Wir haben natürlich zusammengestrichen, sonst würden wir 48 Stunden lesen.

H. Knispel:
Aber zum Teil auch sehr banale Sachen, wie man sie heute eher am Telefon besprechen würde.

Walter:
Ja, genau. Weil man keine andere Möglichkeit hatte, es zu sagen. Aber selbst bei banalen Sachen - das wird man auf der CD hören - ist darunter das Gefühl, das sie füreinander haben. Das ist das Wahnsinnige. Und das macht es so reich und so spannend auch.

H. Knispel:
Was ist es denn, was Sie selber daran gereizt hat, das zu machen? Also Ruhm und Ehre bekommen Sie damit jetzt vielleicht im breiten Rahmen nicht.

Walter:
Ich fand Lessing schon immer sehr klar im Ausdruck, er hat eine sehr schöne deutsche Sprache. Und ich habe diese Lesung in München - als ich auf der Schauspielschule war - gehört im Kammertheater von Doris Schade und Rolf Boysen und fand das so rasend, dass ich gedacht hab: Wenn ich groß bin, dann mache ich das auch mal. Und das war's.

H. Knispel:
Und jetzt sind Sie groß...

Walter:
Ich behaupte es zumindest, sagen wir mal so. ;-)

H. Knispel:
Was Walter Sittler macht, wenn er keine Liebesbriefe liest, darüber reden wir gleich. [....] Walter Sittler zu Gast im "Sonntag" bei WDR2. Über sein jüngstes Projekt - die gelesenen Liebesbriefe von Lessing und Eva König - haben wir gerade gesprochen. Im Fernsehen sind Sie ja äußerst erfolgreich mit "girl friends" und "Nikola", also wirklich super im Geschäft. Aber Sie achten auch sehr auf Ihr Privatleben.

Walter:
Ja, das ist das Zentrum, das ist das Fundament, auf dem ich stehe eigentlich. Weil in unserem Beruf hat man sehr viele Kontakte, man kennt sehr viele. Aber das was einen beieinander hält, ist ja eigentlich das Leben außerhalb.

H. Knispel:
Was mir so gefallen hat, als ich einmal bei Ihnen angerufen habe, sagten Sie nach einem Satz Telefonat: "Moment, ich muss mal eben ganz schnell an den Herd, da kocht was über." Wenn Sie zu Hause sind, dann machen Sie da auch, ja?

Walter:
Ja und das war noch eine spezielle Situation, weil meine Frau schrieb gerade ein Drehbuch für einen Kurzfilm und wir hatten gesagt: ich mache alles, was sie macht, wenn ich weg bin. Und das bedeutete also Einkaufen, Kochen, Kinder und das alles. Und das war gerade mitten beim Mittagessen vorbereiten und das mache ich dann. Ja klar, das muss man können.

H. Knispel:
Drei Kinder, da haben Sie dann auch was zu tun.

Walter:
Das macht auch Spaß.

H. Knispel:
Wenn ich das jetzt so sehe, Sie gelten ja ein bisschen auch als so ein traummann. Also zum einen erfolgreich, Sie sind gutaussehend, Sie sind seit 17 Jahren, glaube ich, jetzt glücklich verheiratet. Dann, wie wir gerade gehört haben, treusorgender Familienvater. Super angenehm ohne so ersichtliche Star-Zickereien. Wie kriegen Sie das hin?

Walter:
Einmal die klare Beziehung zu Hause, dass es schön ist. Und ich hab ja 17 Jahre, also die ganze Zeit, die ich jetzt im Beruf bin - ich war viele Jahre im Theater... da kriegt man auch genügend auf die Nase und weiß es ist nicht alles ganz so golden, selbst wenn es golden aussieht.
Und ich denke, für mich ist das Wichtigste: ich mache gerne gute Arbeit mit guten Leuten und wenn das dann erfolgreich ist, dann ist das eher ein Geschenk, das man bekommt. Aber das ist nicht, weil ich das verdiene, oder weil ich so toll bin oder was, sondern man bringt gute Leute zusammen und dann kommt was Gutes raus. Und manchmal kommt dabei was raus, was nicht erfolgreich ist, das habe ich auch schon gehabt. Und das gehört einfach dazu. Und deswegen betrachte ich das eher ein bisschen aus Distanz, diese ganze Erfolgsgeschichte. Das ist sehr schön und das tut mir gut und ich hab viel Arbeit dadurch. Aber ... es ist nix was mir zusteht, oder so.

H. Knispel: Haben Sie nicht vielleicht noch einen ledigen Zwillingsbruder? (sie lacht)

Walter:
Ich hätte noch ein paar Brüder, so ist es nicht ;-). Alle älter als ich, allerdings.

H. Knispel:
Gibt's denn irgendwas, wo Sie selber sagen würden: also das ist so ein Sache, da hätte ich mich lieber gar nicht bei mir, also da bin ich selber 'ne Zicke, oder da bin ich unausstehlich?

Walter:
Ja, das gibt es sicher auch. Also, ich halte das im Beruf sehr raus, weil es dort darum geht, dass man die Arbeit macht und dass man sie gut macht. Das passiert dann eher zu Hause, wenn ich unzufrieden bin mit mir, weil ich irgendwas nicht hinkriege oder weil ich auch mit den Kindern ungerecht umgehe.

H. Knispel:
Die müssen's dann ausbaden?

Walter:
Manchmal baden die was aus und das ist nicht gut, das gefällt mir dann selber nicht. Ich hab selber auch viel ausbaden müssen, also es ist nicht so, dass man daran kaputtgeht. Aber es ist gut zu wissen, dass es das gibt und dann damit umzugehen und zu sagen: "So, das ändern wir jetzt und gehen vorwärts!"

H. Knispel: Aber es klingt trotzdem alles nach einem großen Sozialverhalten. Hat das auch was damit zu tun, dass Sie selber sieben Geschwister haben?

Walter: Ja, ganz sicher. Denn, wenn man als Jüngster aufwächst, dann muss man einfach schauen, wo man bleibt und da ist auch der Familienzusammenhalt sehr, sehr wichtig. Und bei meiner Frau auch, die sind zu siebt und mir ist eben das soziale Zusammensein und dass man sich gut behandelt untereinander, dass ist mir einfach wichtig. Und das versuchen wir auch den Kindern beizubringen und das funktioniert auch ganz gut, glaube ich. Das ist nicht immer angenehm in unserer Zeit, bei der es eigentlich darum geht: "Hauptsache ICH, alle anderen sind mir wurscht!" Ich kann das aber nicht.

H. Knispel: Es gab ja so Gerüchte, dass die ZDF-Serie "girl friends" nach dieser Staffel jetzt beendet werden soll.

Walter:
Ja, und das sind auch nur Gerüchte. Also es ist so, dass ich noch bis zum Ende dieser Staffel voll durch spiele und dass ich dann die "girl friends" verlasse. Aber es sind neue Leute da und mit denen soll es - so weit ich das weiß - weitergehen und ich glaube, dass wäre sehr gut, weil die ganz großartig sind.

H. Knispel:
Aber "girl friends" ohne Walter Sittler ist auch schade.

Walter:
Naaaa, ich weiß nicht, ob das nicht noch eine andere Wendung kriegen kann in eine neue Richtung.

H. Knispel:
Gibt's denn sonst noch ein neues Projekt?

Walter:
Nix, worüber man öffentlich reden dürfte, es sind alles so Absichtserklärungen. Es gibt verschiedene schöne Sachen, aber noch kein Buch und nichts.

H. Knispel:
Dann reden wir vielleicht darüber, wenn's dann wirklich spruchreif ist.

Walter:
Mit dem größten Vergnügen, ja.

H. Knispel:
Da freue ich mich drauf. Danke, Walter Sittler im "Sonntag" auf WDR2.

Anm.d.W.: Und dann kamen noch mal Infos zur Audio CD: "Es wird ein großes Glück sein".

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