| Walter Sittler erklärt, wen er nicht wählt (WELT Online, 10.09.09) |
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In der täglichen WELT-ONLINE-Rubrik erklären Prominente,
welche Partei sie bei der Bundestagswahl auf keinen Fall wählen werden.
Walter Sittler ist Schauspieler und Produzent . Er wurde vor allem durch
die TV-Serie "Nikola" bekannt. Bei der Bundespräsidentenwahl
war er Wahlmann der SPD. Keine Lehren im Energiebereich: Die großen Konzerne erzielen Jahr für Jahr wahnsinnige Gewinne, die Bürger müssen dafür immer tiefer ins Portemonnaie greifen. Keine Lehren in der Bildungspolitik: Die CDU versteht darunter Exzellenzinitiativen und Elitenförderung gegen beides ist nichts zu sagen, aber ohne Fundament, mögliche und notwendige Verbesserungen im Kindergarten und Grundschulbereich, nützt doch die schönste Dachterrasse nichts. Keine Lehren in der Familienpolitik: Ursula von der Leyen hat berufstätige Frauen immerhin endlich zum Gesprächsthema in der Union gemacht, lässt aber zu, dass die allermeisten Eltern dank Elterngeld finanziell schlechtergestellt werden. Und auch keine Lehren aus der ideenarmen Kohl-Ära: Die CDU agiert nicht, sie reagiert, konzeptlos und bar philosophischer, wirtschaftsethischer Grundlagen. Wirtschaftsminister Guttenberg hat bisher nur unter Beweis gestellt, dass er Nein sagen kann. Der Rest ist bestenfalls ein Weiter so. Weiter so? Zugegeben, Deutschland wäre nicht vom Untergang bedroht, wenn wir weiterwurschtelten wie bisher. Aber ich möchte das einfach nicht. Ich erwarte von der Politik, dass der Bürger, der Souverän, im Mittelpunkt des Regierungshandelns steht. Nicht zuerst und alleinig die Wirtschaft samt ihren durchaus berechtigten Interessen, nicht die eine oder andere Klientel, sondern die Menschen und ihre Bedürfnisse. Die Menschen müssen die Wirtschaft bestimmen, nicht die Wirtschaft die Menschen. In meiner Heimatstadt Stuttgart wurde mittels eines christdemokratisch geprägten Gemeinderats das Wassernetz durch Cross-Border-Verleasen an einen US-Konzern verpachtet. Das ging schief, und jetzt muss alles rückgängig gemacht werden. Wer wird den Unsinn bezahlen? Die Stuttgarter, durch gestiegene Wasserpreise. Wenn Angela Merkel und mit ihr die CDU von etwas profitiert, dann vom
Kanzlerbonus. Viele Menschen vertrauen der Kanzlerin, wie man daran
erinnert es mich bisweilen einer mächtigen Übermutter
vertraut. Ungefähr so: Sie haut uns da schon raus. Und
während Frank-Walter Steinmeier sich anhören muss, keinen Wahlkampf
zu können, macht die Kanzlerin samt ihrer Partei noch nicht einmal
einen. Steinmeiers Deutschlandplan sieht vor, bis 2020 vier Millionen
Arbeitsplätze zu schaffen. Das Papier wird vermutlich nur
oberflächlich gelesen von der Union zerrupft, die aber selber
Arbeit für alle fordert. Das ist in etwa so seriös
wie das Mehr Netto vom Brutto der FDP, die uns leider nicht
erklärt, wer dieses Mehr finanzieren, sprich: wer mit
einem Weniger auskommen soll. Staat, Regierung und Parteien
sind sicher keine Heilsbringer. Aber sie können und müssen Regeln
aufstellen. Regeln, die die Bürger vor Ausverkauf und Abzocke schützen.
Die SPD versucht das ob es funktioniert, wissen wir noch nicht.
Die CDU aber scheint dieses Ziel in weiten Teilen aufgegeben zu haben.
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