"Was Sie schon immer über Frauenfreundschaften wissen wollten"
Interview mit Walter Sittler
(ZDF Pressemappe, Januar 2004)
 
"girl friends" ist die erfolgreichste Serie des ZDF, im Vorwort des neuen Fanbuches beschreiben Sie das Erfolgsgeheimnis des Dauerbrenners in einem Wort: Wahrhaftigkeit.
Richtig, denn die Figuren geben nicht vor, mehr zu sein als sie sind. Das heißt: Den Zuschauern wird nichts Wahnsinniges vorgespielt wie spektakuläre Auto-Crashs oder furchtbare Verbrechen. Die Menschen in "girl friends" haben ganz normale Probleme, versuchen glücklich zu sein, Liebe zu erleben, Erfüllung im Job zu finden.

Wie schafft es "girl friends", dem Zuschauer diese Wahrhaftigkeit zu vermitteln?

Das verdankt die Serie vor allem Christian Pfannenschmidt, der ein Autor ist, der sich im besten Sinne richtig einmischt - das hat wirklich überhaupt keine andere Serie. Der Erfolg ist deshalb auch nicht abhängig von einzelnen Darstellern, sondern von der gesamten Dramaturgie, in der die tragischen und komischen Elemente präsentiert werden. Genau darin liegt der Charme von "girl friends".

Am Set hat man den Eindruck, dass Sie und auch die anderen Schauspieler, Christian Pfannenschmidts häufige Besuche und seinen großen Einfluss sehr begrüßen.

Ja, denn er hat eine ganz wunderbare Eigenschaft: Christian freut sich immer, wenn wir noch mehr spielen als er in den Figuren gesehen hat. Und das ist ihm in dieser Serie, so weit ich von ihm weiß, des Öfteren passiert.

Ihr Vater war Literaturprofessor. Lesen Sie Drehbücher kritischer als andere Schauspieler?

Das glaube ich nicht. Wie jeder wollte ich mich erst einmal von meinen Eltern befreien und haben deshalb früher gar nicht soviel gelesen. Das Lesen der Drehbücher ergibt sich eher daraus wie man lebt, aus den Erfahrungen von Theater, Film und Fernsehen - kurz: wie ich die Welt sehe, bestimmt wie ich die Drehbücher lese.

Nach neun Jahren "girl friends" sind Sie Experte in Sachen "Frauenfreundschaften". Tiefe Erkenntnisse gewonnen?

Ich sehe das Thema nicht völlig anders als früher. Allerdings gehe ich heute mit den Frauenfreundschaften meiner eigenen Frau entspannter um. Wenn man langsam älter wird, akzeptiert man vielleicht leichter, dass es diese Freundschaften gibt und dass sie wichtig sind. Und das ist auch gut so.

Worin unterscheiden sich denn Frauenfreundschaften von Männerfreundschaften?

Das läuft tatsächlich anders ab. Frauen reden direkter über persönliches. Bei Männern geht das auch, aber es dauert länger bis es soweit ist.

Abschließend eine Frage zu Ihrem Image: der Frauenheld und Schwarm aller Schwiegermütter. Finden Sie sich in diesem Bild wieder?

Na ja, nicht alle Schwiegermütter sehen mich so und es ist ja auch eher das Image von Ronaldo Schäfer. Aber ein Teil von diesem Bild bin auch tatsächlich ich - das wusste ich schon beim Lesen des ersten Drehbuches.

© 2004 ZDF, Claudia Maxelon